De­mo­kra­ti­schen Rechts­staat er­hal­ten

Ostthüringer Zeitung (Rudolstadt) - - Thüringen -

Zu den Vor­komm­nis­sen in Chem­nitz und Kö­then.

Die rechts­ex­tre­men Auf­mär­sche und Ge­walt­ta­ten in die­sen Städ­ten der BRD sind das Re­sul­tat der Po­li­tik die­ses Staa­tes seit sei­ner Grün­dung. Sie wur­de durch­ge­setzt durch die re­gie­ren­den Par­tei­en CDU/CSU/FDP und zu­neh­mend der SPD.

Es ist not­wen­dig, dar­an zu er­in­nern, dass in der BRD ab Sep­tem­ber 1949 die Schuld­fra­ge, die Auf­klä­rung und die Wie­der­gut­ma­chung nach den Ver­bre­chen des fa­schis­ti­schen Staa­tes stets ver­leug­net und ver­drängt wur­den: Straf­frei­heit, Ver­jäh­rung, Am­nes­ti­en und Begna­di­gun­gen für Na­zis und Kriegs­ver­bre­cher, Re­ha­bi­li­tie­rung und In­te­gra­ti­on ei­nes gro­ßen Teils der Tä­ter und Mit­läu­fer des Hit­ler­staa­tes. Zugleich die wach­sen­de An­fein­dung und Äch­tung des An­ti­fa­schis­mus, Ver­bot der KPD, Ra­di­ka­len­er­lass, Be­rufs­ver­bo­te und an­de­res mehr.

In Chem­nitz kam es nicht zu ei­nem spon­ta­nen Auf­stand ei­nes Mobs oder Wut­bür­ger ge­gen Mi­gran­ten, es ist auch kei­ne klei­ne Grup­pe von Na­zis mar­schiert. Nein, es war ei­ne groß an­ge­leg­te, im gan­zen Lan­de ver­brei­te­te Be­we­gung mit glei­cher men­schen­ver­ach­ten­der Ideo­lo­gie. Es ist kei­ne ost­deutsch ge­präg­te Er­schei­nung und Be­we­gung. Sie sucht sol­che Vor­komm­nis­se wie in Chem­nitz, Kö­then oder an­de­ren Städ­ten, um im­mer fre­cher und auf­dring­li­cher ih­re Ideo­lo­gie zu de­mons­trie­ren.

Der Na­zis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus ist nie aus der deut­schen Ge­sell­schaft ver­schwun­den. Er war stets la­tent vor­han­den und ist po­li­tisch ge­wollt oder ge­dul­det wei­ter ge­wach­sen. Er hat sich der Zeit an­ge­passt und um­ge­deu­tet. Die ge­sell­schaft­li­che Trag­wei­te die­ser Ent­wick­lung ist sehr ge­fähr­lich, wenn nicht po­li­tisch ge­gen­ge­steu­ert wird, um ei­ne Wen­de in die­ser ver­häng­nis­vol­len Ent­wick­lung zu er­rei­chen. Die Mehr­heit der Be­völ­ke­rung im Lan­de wird das in Zu­sam­men­ge­hen mit den de­mo­kra­ti­schen Kräf­ten und Bünd­nis­sen im Lan­de un­ter­stüt­zen. Der de­mo­kra­ti­sche Rechts­staat muss er­hal­ten wer­den. Noch ist es nicht zu spät! (ge­kürzt)

Sieg­fried Schnei­der, Ge­ra

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