„Lu­cky Man“Mock­ridge be­geis­tert Je­na

Auf sei­ner Un­plug­ged-Tour un­ter­hält das Aus­nah­me­ta­lent der deut­schen Come­dy­sze­ne am Don­ners­tag­abend  Gäs­te

Ostthüringer Zeitung (Rudolstadt) - - Kultur & Freizeit - Von Ul­ri­ke Kern

Je­na. Er hat schon ein ver­rück­tes Jahr hin­ter sich ge­bracht, mit vie­len Fern­seh­shows und mit ei­ner gi­gan­ti­schen und aus­ver­kauf­ten Are­na­tour durch al­le gro­ßen Städ­te und vor rund 600 000 Fans. „Es war an der Zeit, und ich hat­te Lust, es mal wie­der klei­ner und bo­den­stän­di­ger an­zu­ge­hen“, er­zählt Lu­ke Mock­ridge am Don­ners­tag­abend in der mit 2300 Gäs­ten aus­ver­kauf­ten Jena­er Spar­kas­sen­a­re­na.

Er hat sich und sei­nen Fans des­halb nach den Som­mer­fe­ri­en ei­ne „Nach­spiel­zeit“ge­gönnt, in zehn klei­ne­ren Städ­ten und ei­nem „in­ti­me­ren“Rah­men. Nur ei­nen gro­ben Stich­wort­zet­tel hat er sich da­für be­reit ge­legt – an­sons­ten ist al­les mög­lich und ganz spon­tan, je­de Show so­mit ein­ma­lig und vie­les im­pro­vi­siert.

Lu­ke Mock­ridge, der su­per­ta­len­tier­te Co­me­di­an, der 2012 mit sei­nem Stand-up-Pro­gramm „I’m lu­cky, I’m Lu­ke” wie ein Ko­met in der deut­schen Come­dy­sze­ne ein­schlug und das Pu­bli­kum seit­her mit sei­nem un­wi­der­steh­li­chen Charme be­geis­tert, ist auch in Je­na in sei­nem Ele­ment. Er er­zählt von sei­nen fünf Brü­dern, vom ge­fähr­li­chen Spiel Trep­pen­rut­schen, be­rich­tet aus sei­ner Schul­zeit, von sei­nen El­tern und de­ren Er­zie­hungs­me­tho­den. Er rät­selt über Ba­bys im Ur­laubs­flie­ger und Kof­fer­lä­den im Flug­ha­fen. Er straft ins­be­son­de­re Eng­lisch­leh­rer ab, lässt die Neun­zi­ger Re­vue pas­sie­ren und be­schreibt die ab­sur­des­ten All­tags­si­tua­tio­nen, in de­nen sich aber je­der so­fort wie­der­fin­det.

Es ist herr­lich, sei­nen lo­cker er­zähl­ten Ge­schich­ten zu fol­gen und sich da­bei köst­lich zu amü­sie­ren. Er flitzt über die Büh­ne, be­zieht spon­tan Si­tua­tio­nen und Pu­bli­kum in sei­ne Gags mit ein, bringt die Leu­te selbst durch Mi­mik und Kör­per­spra­che schon zum La­chen. Das Ta­lent ist dem ka­na­disch-ita­lie­ni­schen Mock­ridge-Clan of­fen­bar in die Wie­ge ge­legt: Va­ter Bill ist Schau­spie­ler und Ka­ba­ret­tist, be­rühmt vor al­lem durch sei­ne Rol­le in der „Lin­den­stra­ße“, Mut­ter Mar­gie Kins­ky geht den glei­chen Be­ru­fen nach. Und auch die Brü­der sind als Re­gis­seur, Mu­si­ker, Sän­ger, Schau­spie­ler oder Mo­del erfolgreich. Sei­ne Kind­heit und Ju­gend – man ahnt es – bie­tet al­so ei­ne Men­ge Stoff für sei­ne Gags. Spiel­zeu­ge konn­ten zu sei­ner Zeit nur ex­akt ei­ne Sa­che, er­zählt er. Die Re­gen­bo­gen­spi­ra­le konn­te nur die Trep­pe hin­un­ter­pur­zeln. Und das auch noch schlecht. Heu­te kön­nen Spiel­sa­chen al­les und schon Drei­jäh­ri­ge ein I-Pad be­die­nen. Das ein­zi­ge, wor­auf er frü­her rum­ge­wischt ha­be, sei der Samt­be­zug des So­fas ge­we­sen. „Und da ging nur: Grau, hell­grau, grau, hell­grau. Und hin­ter mir ha­ben mei­ne Brü­der Schlan­ge ge­stan­den.“

Lu­ke Mock­ridge kommt vom Hun­derts­ten ins Tau­sends­te, scheut auch kei­ne Pein­lich­kei­ten. Er lässt Je­na teil­ha­ben, wie er sei­ne ei­ge­ne Se­xua­li­tät ent­deckt hat und von der Mut­ter er­wischt wur­de. Er er­zählt, wie in den Clubs die Frau­en an­ge­bag­gert wer­den und sich Kif­fer auf Par­tys un­ter­hal­ten: „Auf ei­ner Ska­la von eins bis zwei, wel­ches Tier bist du?“– „Gelb!“

Die Leu­te lie­ben den gut ge­laun­ten Rhein­län­der für sei­ne lo­cke­re Zun­ge und auf­ge­dreh­te Art. Und er wie­der­um liebt es, auf der Büh­ne zu ste­hen. 2013 er­hielt er üb­ri­gens den Deut­schen Come­dy­preis in der Ka­te­go­rie Bes­ter Newcomer – zu Recht, wie er auch am Don­ners­tag­abend wie­der be­wei­sen konn­te.

Nach der Pau­se wird es mu­si­ka­lisch in Je­na. Lu­ke Mock­ridge be­weist, dass er nicht nur schlag­fer­tig ist, son­dern auch ein be­gna­de­ter Mu­si­ker. Wie­der im­pro­vi­siert er nach Lust und Lau­ne – und oh­ne No­ten. Ein­mal geht es quer durch die Hits der 90er, mit de­nen er groß ge­wor­den ist und die er im­mer noch aus­wen­dig kann: Micha­el Jack­son, Ce­li­ne Di­on, Fal­co, Back­s­treet Boys. Er in­ter­pre­tiert Kin­der­lie­der neu, bas­telt Med­leys zu­sam­men, spielt ver­schie­de­ne In­stru­men­te ein – und das text­si­che­re Jena­er Pu­bli­kum singt eif­rig mit. „Das ist me­ga hier. Rich­tig gut“, freut sich Mock­ridge, dass er auch in der Saa­le­stadt für gu­te Lau­ne und Lach­trä­nen sor­gen kann. Nach zwei­ein­halb St­un­den fällt der Ab­schied schwer – aber für vie­le Fans gibt es si­cher ein Wie­der­se­hen mit Lu­ke Mock­ridge.

Die ei­ge­ne Fa­mi­lie ist ein Füll­horn an The­men

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