Ge­trös­tet sein von Je­sus

Ostthüringer Zeitung (Rudolstadt) - - Landkreis Saalfeld-rudolstadt - Von Pfar­rer Gün­ter Dimm­ler, Kö­nigsee

Schwe­re Wol­ken und Dun­kel­heit drü­cken den Men­schen nie­der; Son­nen­licht lässt ihn au­f­at­men. Man­cher hat aber viel­leicht den Son­nen­schein gar nicht recht wahr­ge­nom­men, weil – im Bil­de ge­spro­chen – sich ihm dunk­le Wol­ken vor die Son­ne ge­scho­ben ha­ben: der plötz­li­che Tod ei­nes lie­ben Men­schen, schlech­te Nach­rich­ten wie den Verlust des Ar­beits­plat­zes oder die ei­ge­ne schwe­re Er­kran­kung. Wir su­chen nach ei­nem Halt. Wir brau­chen ei­nen star­ken Trost.

Am mor­gi­gen Sonn­tag heißt es in der Le­sung aus dem Al­ten Tes­ta­ment in den Got­tes­diens­ten: „Die Gü­te des HERRN ist‘s, dass wir nicht gar aus sind, sei­ne Barm­her­zig­keit hat noch kein En­de, son­dern sie ist al­le Mor­gen neu, und dei­ne Treue ist groß.“(Je­re­mi­as 3, 22.23)

Wenn wir ei­nen un­glück­li­chen, ge­schei­ter­ten, hilf­lo­sen Men­schen se­hen, sa­gen wir: „Der ist auch nicht ganz bei Trost!” Hin­ter die­ser leicht hin­ge­wor­fe­nen Be­mer­kung steckt ei­ne we­sent­li­che Aus­sa­ge über den Men­schen. Er ist nicht ganz bei Trost. Wir al­le ha­ben und ken­nen klei­ne Trös­tun­gen, aber letzt­lich ist kein Mensch ganz bei Trost. Wir sind an­ge­wie­sen auf Zu­spruch und Hil­fe von au­ßen. Nie­mand hat die letz­te Le­bens­kraft und Le­bens­freu­de in sich. Al­le Men­schen sind be­dürf­tig und auf Trost an­ge­wie­sen. Ei­ne sol­che Trost­be­dürf­tig­keit ist nicht Schwä­che, son­dern das Vor­recht des Men­schen. Dar­um sagt Je­sus: „Aber der Trös­ter, den mein Va­ter sen­den wird in mei­nem Na­men, der wird euch al­les leh­ren” (Jo­han­nes 14,26). Je­sus geht zu sei­nem Va­ter, kehrt an den Thron Got­tes zu­rück, da­mit wir Men­schen wie­der ganz bei Trost sein kön­nen. Sei­ne Him­mel­fahrt be­deu­tet für uns den Emp­fang des Trös­ters, das Er­ken­nen des Heils. Je­su Him­mel­fahrt gibt uns Hoff­nung ge­gen al­le Ver­lust­angst, er­öff­net uns Zu­kunft ge­gen al­le Ver­gäng­lich­keit. Der klei­ne mensch­li­che Trost lebt vom Ver­ges­sen. Die Men­schen sa­gen: „Ver­giss es! Denk nicht mehr dar­an! Das Le­ben geht wei­ter. Kopf hoch, es wird schon bes­ser wer­den. War­te, wenn der Früh­ling kommt. Denk an an­de­re, de­nen es noch schlim­mer er­geht!” Der gött­li­che Trost lebt vom Er­in­nern. Der Trös­ter Got­tes wird al­les, was Gott ge­äu­ßert hat, was er in Je­sus Chris­tus zum Aus­druck ge­bracht hat, in uns er­in­nern und in uns ein­drü­cken.

In die­sem Sin­ne wün­sche ich Ih­nen ei­nen son­ni­gen Sonn­tag und ei­ne ge­seg­ne­te Wo­che. Saal­feld.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.