Selbst­schutz vor den Was­ser­mas­sen

Ei­ni­ge An­woh­ner der Le­hes­te­ner Stra­ße in Wurz­bach ban­gen bei je­dem Re­gen um ih­re Grund­stü­cke. Agrar­ge­nos­sen­schaft sind Hän­de ge­bun­den.

Ostthüringer Zeitung (Schleiz) - - Oberland - Von So­phie Fili­pi­ak

Wurz­bach. Gui­do Kant-von der Re­cke und sei­ne Fa­mi­lie er­füll­ten sich 2004 ih­ren Traum vom Ei­gen­heim – an der Le­hes­te­ner Stra­ße un­weit des Pfarr­am­tes. Ein gro­ßes Haus, ein weit­läu­fi­ger Garten und auch ein ei­ge­ner Car­port. Aber dann 2013 die ers­te Schre­ckens­nacht. Wäh­rend ei­nes Un­wet­ters mit Stark­re­gen wur­de das ge­sam­te Grund­stück und auch die be­nach­bar­ten Area­le über­spült. Kel­ler und Wasch­kü­che lie­fen voll Schlamm­was­ser. Der Garten und die Ein­fahrt wa­ren noch Ta­ge spä­ter vol­ler Er­de und gro­ßer St­ei­ne.

All das wur­de von ei­nem na­hen Feld ober­halb der Häu­ser an­ge­schwemmt. Denn die Grund­stü­cke be­fin­den sich in ei­ner Hang­la­ge – ober­halb ein gro­ßer Acker, un­ter­halb führt die Le­hes­te­ner Stra­ße ent­lang.

Nach die­sem Schock­mo­ment war ei­ni­ge Jah­re Ru­he – bis zu die­sem Som­mer. Zur Er­in­ne­rung: Stark­re­gen hat­ten ei­ni­ge Schä­den in Schön­brunn, Frie­sau und Zop­po­ten an­ge­rich­tet. Vie­le sa­hen da­bei die Land­wirt­schaft in der Ver­ant­wor­tung, denn der Schlamm wur­de von den Fel­dern in die Or­te ge­spült.

Ähn­lich schlimm hat es die Be­woh­ner der Le­hes­te­ner Stra­ße in Wurz­bach zwar nicht er­wischt, aber viel ha­be nicht mehr ge­fehlt, so Gui­do Kant-von der Re­cke. Zum Glück ha­ben die An­woh­ner selbst Däm­me und Grä­ben er­rich­tet, um das Was­ser auf­zu­hal­ten.

Aber war­um ist seit 2013 nichts pas­siert und nun wie­der? Gui­do Kant-von der Re­cke sieht die Ur­sa­che in der neu­en Be­bau­ung des Fel­des. Denn seit fünf Jah­ren wur­den dort Fut­ter­mit­tel an­ge­baut. „Das ist na­tür­lich ein gu­ter Schutz ge­gen die Ero­si­on“, so der Wurz­ba­cher. Nun aber ha­ben sich die Acker­pflan­zen ge­än­dert. Die Agrar­ge­nos­sen­schaft Fran­ken­wald Le­hes­ten er­klärt, war­um. Der Frucht­wech­sel war not­wen­dig, da an­sons­ten das Feld, das in fünf Jah­ren nur mit Feld­gras be­wach­sen war, in den Sta­tus Grün­land um­ge­wan­delt wor­den wä­re. Als Päch­ter des Are­als, das den Sta­tus Acker­land be­sitzt, hät­te sich die Agrar­ge­nos­sen­schaft oh­ne den Frucht­wech­sel in die­sem Jahr straf­bar ge­macht, teilt das Un­ter­neh­men mit. 2019 soll dort Raps ste­hen.

Gui­do Kant-von der Re­cke

Zu den Über­flu­tun­gen im Jahr 2013 teilt die Agrar­ge­nos­sen­schaft mit, dass das Feld vor dem Stark­re­gen frisch mit Som­mer­gers­te be­stellt wor­den war. „33 Li­ter Was­ser in 20 Mi­nu­ten hält kein Bo­den auf“, heißt es in der Stel­lung­nah­me. „Wenn es auf frisch ge­drill­te Flä­chen reg­net, wird es im­mer Was­ser­ein­brü­che ge­ben. Ge­gen sol­che Na­tur­ge­wal­ten sind wir macht­los.“

„„Ich ha­be auch mit den Nach­barn ge­spro­chen. Auch für sie ist das ein un­trag­ba­rer Zu­stand mit die­sem Feld. “

Zu­dem ist es der Ge­nos­sen­schaft nicht ge­stat­tet, auf dem frem­den Grund und Bo­den der An­woh­ner ir­gend­wel­che Schutz­vor­rich­tun­gen zu bau­en. „In Be­zug auf das An­le­gen ei­nes Schutz­wal­les wä­re noch zu be­mer­ken“, so das Un­ter­neh­men, „dass bei ab­sicht­li­cher Ablei­tung von Was­ser­mas­sen der Ver­ur­sa­cher, der den Gra­ben an­ge­legt hat, für den Scha­den ver­ant­wort­lich ist.“Am Grund­stück der Fa­mi­lie Kant-von der Re­cke sei ei­ne Ablei­tung des Was­sers nicht mög­lich.

Für die An­woh­ner ei­ne nie­der­schmet­tern­de Ant­wort der Ge­nos­sen­schaft. Auch der Stadt Wurz­bach sind in die­sem Fall die Hän­de ge­bun­den. „Ich ha­be mit un­se­ren Nach­barn ge­spro­chen“, so Gui­do Kant-von der Re­cke. „Auch für sie ist das ein un­trag­ba­rer Zu­stand mit dem Feld.“Man wer­de sich nun über­le­gen, wel­che wei­te­ren Maß­nah­men die An­woh­ner ge­gen die mög­li­chen Was­ser­mas­sen bei Stark­re­gen er­grei­fen kön­nen. „Sol­che Er­eig­nis­se wer­den aber in Zu­kunft nicht sel­te­ner wer­den.“Ein Um­zug kommt aber für ihn nicht in Fra­ge.

Das Feld ober­halb der Le­hes­te­ner Stra­ße in Wurz­bach ist nun im Frucht­wech­sel. Das kann nicht das Was­ser be Re­gen auf­hal­ten. Fo­tos (): So­phie Fili­pi­ak/ Gui­do Kant-von der Reck

Gui­do Kant-von der Re­cke und sein Sohn Cle­mens vor dem Hoch­was­ser­schutz, den sie selbst er­rich­tet ha­ben.

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