Schlimms­ten­falls droht Bau­ern die Ent­eig­nung

Für den Hoch­was­ser­schutz an der Wei­ßen Els­ter be­an­sprucht das Land Acker­flä­chen – Bau­ern for­dern Al­ter­na­ti­ven und an­ge­mes­se­nen Aus­gleich

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Saale-holzland - Von An­ge­li­ka Mun­te­anu

Etz­dorf. Die Stim­mung war ab­seh­bar ge­reizt in der Ge­wäs­ser­werk­statt zum Hoch­was­ser­schutz an der Wei­ßen Els­ter. Die Thü­rin­ger Land­ge­sell­schaft, die im Auf­trag des Frei­staa­tes Thü­rin­gen den Hoch­was­ser­schutz an der Wei­ßen Els­ter für den Ab­schnitt zwi­schen Bad Kös­tritz / Pohlitz und Cros­sen plant, hat­te da­zu in den Etz­dor­fer Hof ein­ge­la­den: Land­wirt­schafts­be­trie­be, die Acker­flä­chen in der Els­ter­aue be­wirt­schaf­ten, Bür­ger­meis­ter aus der Re­gi­on, Bau­ern­ver­band, Land­wirt­schafts­amt und Amt für Fl­ur­neu­ord­nung. Haupt­sor­ge al­ler Land­wir­te im Els­ter­tal: Für den Hoch­was­ser­schutz an der Wei­ßen Els­ter be­nö­tigt der Frei­staat Land – Flä­chen, die der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on ent­zo­gen wer­den. „Es ist schlimm, dass wir Land ab­ge­ben müs­sen“, sagt Land­wirt Chris Lau­be, der Fel­der in Tauch­litz und Cros­sen be­wirt­schaf­tet. Und Chris­ti­an Wo­de, Ver­wal­ter der Reuss‘schen Gü­ter Aga, die auch in Caa­schwitz Flä­chen ha­ben, be­fürch­tet: „Im schlimms ten Fall wer­den w ir ent­eig­net.“

Der Fluss wird um­ge­baut

Nach den jet­zi­gen Plä­nen des Lan­des soll im Raum Bad Kös­tritz/Pohlitz der vor­han­de­ne Deich ab­ge­flacht wer­den, so dass die Flä­chen für ein hun­dert­jäh­ri­ges Hoch­was­ser wie im Jahr 2013 als Über­schwem­mungs­flä­chen zur Ver­fü­gung ste­hen. Zu­dem soll der Fluss bei Kös­tritz ein neu­es mä­an­dern­des Bett und da­mit mehr Raum er­hal­ten – auch zum Schutz für die Hin­ter­lie­ger, die Ort­schaf­ten, die fluss­ab­wärts lie­gen wie Caa­schwitz, Hart­manns­dorf, Sil­bitz und Cros­sen. Das er­läu­ter­te Frank Schir­mer von der Thü­rin­ger Land­ge­sell­schaft zu den Plä­nen. Da­mit wer­den Flä­chen zersch nit­ten , an­de­re sin d für den Ack er­bau über­haupt nicht mehr ver­füg­bar. In der Zeit des Flus­sum­baus wer­den au­ßer­dem La­ger­flä­chen für den Erd­aus­hub be­nö­tigt.

Weiter fluss­ab­wärts in Caa­schwitz soll das Dorf mit ei­nem schüt­zen­den Deich umgeben wer­den. Das be­an­sprucht Land­wirt­schafts­flä­che. Der Lehm­bo­den für den Deich soll in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft ge­won­nen wer­den. Da­mit wer­den wei­te­re Flä­chen für zwei, drei Jah­re nicht für den Acker­bau nutz­bar sein. Ei­ne La­ger­hal­le, die au­ßer­halb des künf­ti­gen

Ring­dei­ches liegt, soll an ge­schütz­ter Stel­le neu ge­baut wer­den. Ei­ne Ei­ni­gung mit dem Ei­gen­tü­mer steht noch aus.

Der Deich, der um die Orts­la­ge Sil­bitz er­rich­tet wer­den soll, be­an­sprucht Flä­che für den neu­en Teil auf 300 Me­tern Län­ge. Die Spund­wand, die um die In­dus­trie­ge­bie­te in Sil­bitz und Cros­sen als Schutz ge­baut wer­den soll, wird zwar we­nig Gr­und­flä­che be­an­spru­chen. Für die Fel­der am Fluss wird sie aber Einfluss dar­auf ha­ben, wie Hoch­was­ser künf­tig von den den Bö­den ab­lau­fen wird.

In Cros­sen sol­len ein Über­schwem­mungs­ge­biet auf Grün­land zur Ver­fü­gung ste­hen und 330 000 Ku­bik­me­ter Re­ten­ti­ons­raum ge­schaf­fen wer­den. Die Els­ter soll in ih­ren Alt­arm zu­rück­ver­legt wer­den.

Beim Um­bau des Flus­ses im Els­ter­tal sei ne­ben dem Hoch­was­ser­schutz der Ge­wäs­ser­schutz ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um, er­klär­te Schir­mer.

Bis zu  Hekt­ar nö­tig

„Die Um­set­zung der Maß­nah­men ist nur mög­lich durch ei­ne er­heb­li­che Flä­chen-In­an­spruch­nah­me“, er­klär­te Schir­mer den Land­wir­ten. 20 bis 30 Hekt­ar Land wer­den be­nö­tig für den Bau der Hoch­was­ser­schutz­an­la­gen und das Um­ver­le­gen der Wei­ßen Els­ter. Da­für wird ein Bo­den­ord­nungs­ver­fah­ren not­wen­dig sein. Auch Land­wirt­schafts­we­ge und Rad­we­ge wer­den um­zu­ver­le­gen sein an den neu­en Els­ter­ver­lauf, er­läu­ter­te Schir­mer. Wo da­für in den letz­ten Jah­ren För­der­mit­tel ge­flos­sen sind, wer­den die­se aus­zu­glei­chen sein. Es wer­den un­be­wirt­schaft­ba­re Rest­flä­chen blei­ben. Und wäh­rend der Bau­zeit wer­de Bo­den über meh­re­re Jah­ren in An­spruch ge­nom­men. Zu klä­ren sei noch, wie Rest­flä­chen mi­ni­miert wer­den kön­nen, wie de­ren Be­wirt­schaf­ten mög­lich wer­den kön­nen und wie Ge­wäs­ser-Rand­strei­fen ge­nutzt wer­den könn­ten.

Ralf Prü­ger vom Amt für Land­ent­wick­lung und Fl­ur­neu­ord­nung er­läu­ter­te den Land­wir­ten

die recht­li­chen Grund­la­ge ei­nes an­ste­hen­den Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­rens und die Zu­läs­sig­keit von Ent­eig­nun­gen so­wie Ent­schä­di­gun­gen. „Wir kön­nen aus dem Mi­nus kein Plus ma­chen“, er­klär­te Prü­ger zu dem ab­seh­ba­ren Flä­chen­ver­lust für die Land­wirt­schaft im Els­ter­tal. Der Land­ver­lust sol­le aber mög­lichst auf ei­nen gro­ßen Kreis von Ei­gen­tü­mern be­zie­hungs­wei­se Päch­tern um­ver­teilt wer­den.

For­de­run­gen der Bau­ern

Die Land­wir­te for­dern, dass das Land beim Um­bau des Flus­ses für den Hoch­was­ser­schutz so­viel ei­ge­ne Flä­chen ein­bringt wie mög­lich, dass Aus­tausch­flä­chen zu be­zahl­ba­ren Prei­sen an­ge­bo­ten wer­den und dass der Ent­zug von Acker­bo­den so ge­ring bleibt wie mög­lich. Und es geht ih­nen um die Be­wer­tung der Bö­den und ent­spre­chen­de Ent­schä­di­gung für die Flä­chen, die ab­ge­ge­ben wer­den müs­sen.

„Ein Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren kann erst durch­ge­führt wer­den, wenn der Pro­zess der Pl­an­fest­stel­lung be­ginnt und klar ist, wel­che Flä­chen be­nö­tigt wer­den“, sag­te Prü­ger vom ALF.

We­nig Ver­ständ­nis gab es bei Land­wir­ten da­für, dass der Na­tur­schutz über den In­ter­es­sen der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer steht und bei­spiels­wei­se der Alt­arm der Wei­ßen Els­ter in Caa­schwitz wei­ter­hin Bio­top blei­ben soll, statt für den Hoch­was­ser­schutz ge­nutzt zu wer­den. Auch das An­ge­bot, Ge­wäs­ser­rand­stei­fen und Rest­flä­chen für den öko­lo­gi­schen Aus­gleich zu nut­zen, stieß vor­erst auf we­nig Ge­gen­lie­be bei den Bau­ern.

„Da­mit wä­ren wir fest­ge­legt, zur Zeit kön­nen wir aber noch selbst ent­schei­den, wo und wie wir öko­lo­gi­schen Aus­gleich schaf­fen“, er­klär­te der Ver­wal­ter der Reuss‘schen Gü­ter.

Für Sieg­fried Sten­zel vom Kreis­bau­ern­ver­band im Saa­leHolz­land ist der Un­mut der Land­wir­te verständlich und er stell­te fest: „In nächs­ter Zeit wird noch viel im De­tail zu klä­ren sein.“

Der ge­plan­te Um­bau der Wei­ßen Els­ter zwi­schen Bad Kös­tritz / Pohlitz und Cros­sen für den Hoch­was­ser­schutz. Kar­te: Thü­rin­ger Land­ge­sell­schaft

In der Ge­wäs­ser­werk­statt für Land­wirt­schafts­be­trie­be zum Hoch­was­ser­schutz an der Wei­ßen Els­ter zwi­schen Bad Kös­tritz und Cros­sen wer­den die be­nann­ten Pro­ble­me aus Sicht der Land­wir­te no­tiert. Fo­to: An­ge­li­ka Mun­te­anu

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