Schwin­gen über dem Grei­fen­stein

Am Kar­frei­tag prä­sen­tier­ten die neu­en Falk­ner in Bad Blan­ken­burg zum ers­ten Mal ih­re Flug­show

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Thüringen - Von Mar­tin Haus­wald

Bad Blan­ken­burg. Es ist der Hö­he­punkt am Kar­frei­tag um kurz vor 15 Uhr auf der Burg Grei­fen­stein. Lang­sam be­rei­tet der Ame­ri­ka­ni­sche Weiß­kopf-See­ad­ler sei­ne Schwin­gen aus. Die dunk­len Au­gen des Greif­vo­gels sind starr in die Fer­ne ge­rich­tet, be­vor Falk­ne­rin San­dra Jung dem Tier den ent­schei­den­den Schwung für den Start mit auf den Weg gibt. Der et­wa fünf Ki­lo­gramm schwe­re Ad­ler schlägt drei Mal mit den Flü­geln, glei­tet über die Köp­fe der 200 Schau­lus­ti­gen hin­weg über die Burg­mau­er. Und dann ist er weg.

Nicht un­ge­wöhn­lich, wie Falk­ner Be­ne­dikt Nys­sen sei­nen Zu­hö­rern er­klärt: „Das ist ein er­fah­re­nes Tier. Der sucht erst mal die Ther­mik.“Et­wa zehn Mi­nu­ten lang ist nichts von dem Ad­ler zu se­hen, dann schwebt das Tier nach ein paar Krei­sen über der Burg auf die Ra­sen­flä­che im In­nen­hof der Wehr­an­la­ge.

Be­reits seit ei­ni­gen Wo­chen flie­gen die Greif­vö­gel wie­der über dem Grei­fen­stein. Ges­tern aber das ers­te Mal für das Pu­bli­kum. Nach der Vor­stel­lung sitzt Be­ne­dikt Nys­sen in der klei­nen Gar­ten­lau­be, die den Falk­nern als Auf­ent­halts­raum dient. Der 25-Jäh­ri­ge schenkt Kaf­fee ein, wäh­rend sich drau­ßen Schlan­gen an den bei­den Fo­to­sta­tio­nen bil­den, an de­nen sich die Be­su­cher mit den Greif­vö­geln fo­to­gra­fie­ren las­sen kön­nen.

Be­su­cher­schlan­gen vor den Raub­vö­geln

„Mit 20 Be­su­chern am ers­ten Tag wä­ren wir schon zu­frie­den ge­we­sen“, sagt Nys­sen. Am En­de sind es dann doch die be­sag­ten 200 ge­wor­den. Kein schlech­tes Er­geb­nis. Es ist die Be­loh­nung für die Ar­beit der ver­gan­ge­nen Wo­chen. Vo­lie­ren muss­ten ge­baut, die Flug­show-Flä­che vor­be­rei­tet und Sitz­bän­ke er­rich­tet wer­den. Fer­tig ist noch nicht al­les auf dem Grei­fen­stein. „Die Sitz­bän­ke sind eher noch be­helfs­mä­ßig. Da sind wir schon froh, dass kei­ne zu­sam­men ge­bro­chen ist“, scherzt der 25-Jäh­ri­ge. Ne­ben den Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten stand in den letz­ten Ta­gen vor al­lem Trai­ning auf dem Pro­gramm. Auch Greif­vö­gel sei­en Ge­wohn­heits­tie­re, sagt der Falk­ner. Das daue­re ein we­nig, bis die Raub­vö­gel ihr neu­es Ter­rain ken­nen wür­den.

Zu­dem sei­en et­wa die Wüs­ten­bus­sar­de das ers­te Mal über­haupt vor Pu­bli­kum ge­flo­gen. An­de­re wie der An­de­n­ad­ler zum ers­ten Mal vor so ei­nem gro­ßen Pu­bli­kum. Am En­de fällt das Fa­zit po­si­tiv aus. „Die Ther­mik hät­te bes­ser sein kön­nen“, re­sü­miert der Falk­ner, dem die Er­leich­te­rung über das ge­lun­ge­ne De­büt schon an­zu­mer­ken ist.

Grund ge­nug, sich mit den nächs­ten Pro­jek­ten zu be­schäf­ti­gen. Ei­nes da­von lie­ge be­reits im Nest, wie Nys­sen mit ei­nem Au­gen­zwin­ken sagt: „Hier soll lang­fris­tig noch ein Uhu ein­zie­hen. Der ist zur Zeit aber noch ein Ei. Aber im­mer­hin schon ge­legt.“Dar­über hin­aus pla­nen die Falk­ner ein Pro­jekt, das be­reits an ih­rer al­ten Wir­kungs­stät­te in Gre­ven­broich viel An­klang ge­fun­den ha­be – Falk­ner­ta­ge. Da­bei wol­len die Vo­gel­trai­ner In­ter­es­sier­ten ei­nen Ein­blick in die Falk­ne­rei ge­ben. Al­les auf ak­ti­ver Ba­sis, wie Nys­sen er­gänzt. So sol­len die Be­su­cher an die­sen Ta­gen mit den Tie­ren ar­bei­ten. An­ge­fan­gen bei der Vo­lie­ren­pfle­ge, der Füt­te­rung bis hin zum Trai­ning. „Und sie sol­len am En­de auch bei der Flug­show mit­hel­fen“, sagt Be­ne­dikt Nys­sen.

Die neu­en Falk­ner ha­ben sich ei­ni­ges vor­ge­nom­men. Nys­sen schaut aus dem Fens­ter auf die im­mer län­ger wer­den­de Schlan­ge an der Fo­to­sta­ti­on: „Wir pla­nen, län­ger zu blei­ben.“

■ Flug­shows ab so­fort täg­lich um  Uhr , Burg Grei­fen­stein bei Bad Blan­ken­burg

Et­wa  Be­su­cher hat­ten sich ein­ge­fun­den, um den Falk­nern und den Vö­geln bei den Flug­vor­füh­run­gen am Grei­fen­stein bei Bad Blan­ken­burg zu­zu­se­hen. Hier der Weiß­kopf-See­ad­ler. Fo­tos (): Mar­tin Haus­wald

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