War­um wir Os­tern fei­ern

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Saale-holzland - Von Pfar­rer Eck­hard Wa­sch­new­ski, Bür­gel

Kin­der wol­len al­les ganz ge­nau wis­sen. Das ist auch zu Os­tern so. Neu­gie­rig fra­gen sie uns, war­um wir Os­tern fei­ern. Die Kin­der spü­ren un­se­re Ge­schäf­tig­keit. Sie ver­spre­chen sich et­was vom Os­ter­fest. Hof­fent­lich re­agie­ren wir dann nicht so: „Frag Mut­ti!“oder „Frag Oma, die weiß es bes­ser!“Schon mit die­ser Ant­wort ver­lie­ren wir an Glaub­wür­dig­keit. Sa­gen wir auf kei­nen Fall: „Da kommt der Os­ter­ha­se!“Es könn­te sein, dass uns dann das ei­ge­ne Kind un­an­ge­nehm mit der Be­mer­kung über­rascht: „Was, du glaubst noch an den Os­ter­ha­sen? Den gibt es doch gar nicht!“

War­um scheu­en wir uns, als Er­wach­se­ne ge­gen­über un­se­ren Kin­dern vor den rich­ti­gen Ant­wor­ten, wenn es um un­se­re christ­li­chen Fei­er­ta­ge geht?

Weil wir vor un­sern Kin­dern nicht zu­ge­ben möch­ten, dass wir uns selbst vom christ­li­chen Glau­ben ent­fernt ha­ben? Weil es uns, wie in den Zei­ten der DDR, für un­se­re Kin­der vor­teil­haf­ter er­scheint, als re­li­gi­ös „neu­tral“auf­zu­tre­ten? Oder ist es un­se­re ei­ge­ne Angst da­vor, sich zu­nächst ein­mal vor­ur­teils­frei auf die christ­li­che Bot­schaft von der Au­fer­ste­hung Je­su ein­zu­las­sen? „Kind, wir schau­en mal, ob was dran sein könn­te, von we­gen ei­nes Le­bens trotz des To­des“!?

Zwi­schen Er­de und Him­mel gibt es Din­ge, die las­sen sich nicht auf­klä­ren. Das lee­re Gr­ab am Os­ter­mor­gen klingt wie ein Mär­chen. Trotz­dem ist die Sehn­sucht nach Le­ben jen­seits des To­des un­ter uns groß. Es kann doch nicht al­les mit ei­nem Mal vor­bei sein? Ich spü­re doch, dass der To­te in mir wei­ter lebt. Wie soll­te ich wei­ter­le­ben, leb­ten die To­ten nicht wei­ter – ja, wo? Ja, wo, wenn nicht bei Gott?! Darf es die­sen Wunsch heu­te nicht mehr ge­ben? Phil­ipp Me­lan­chthon mein­te ein­mal: „Über himm­li­sche Din­ge muss man sich sein Ur­teil nach Got­tes Wort und nicht nach der Geo­me­trie bil­den.“In der Lie­be ist das auch so. Die Geo­me­trie bleibt au­ßen vor, wenn das Herz vor Lie­be heiß brennt.

Os­tern spricht aus gro­ßer Dis­tanz zu uns. Ein Licht­strahl aus der Ewig­keit fällt auf un­se­re Er­de. Wir wis­sen nicht, was sich hin­ter Zeit und Raum ab­spielt. Aber wir kön­nen uns und un­se­ren Kin­dern hoff­nungs­vol­le Mög­lich­kei­ten über den Tod hin­aus er­öff­nen.

Ich wün­sche Ih­nen ein fro­hes und ge­seg­ne­tes Os­ter­fest!

Ihr Eck­hard Wa­sch­new­ski

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