Wie­der Le­ben auf die Bra­che ho­len

Ostthüringer Zeitung (Stadtroda) - - Saale-holzland -

Hilft ei­ne Orts­um­ge­hung der Stadt­ent­wick­lung?

Bis ins Jahr 1991 ge­hen Pla­nun­gen für ei­ne Orts­um­ge­hung für Eisenberg zu­rück, die vor al­lem die Fried­rich-Ebert-Stra­ße von Ver­kehr und da­mit ver­bun­den Lärm und Dreck ent­las­ten könn­te. Für Micha­el Kies­lich „ein rich­ti­ger An­satz“, die Stadt müs­se trotz­dem er­reich­bar sein. Um dem Leer­stand in der In­nen­stadt – auch über den St­ein­weg hin­aus – zu be­geg­nen, könn­te man auch die Bür­ger mit­neh­men. „Die Be­reit­schaft zur Mit­ar­beit ist da“, ist er über­zeugt.

Ingo Lip­pert ha­be Be­mü­hun­gen um ei­ne Um­ge­hungs­stra­ße „nie ernst­haft ver­folgt“. Denn auf­grund der ge­plan­ten Rou­te sei vor al­lem der Lärm­schutz ein Ha­ken, das Pro­blem wür­de al­so nur ver­la­gert. Leer­ste­hen­de Ge­bäu­de soll­te die Stadt so­weit er­tüch­ti­gen, dass In­ves­to­ren wie­der et­was da­mit an­fan­gen könn­ten. „Das mo­ti­viert im Re­gel­fall auch das Um­feld.“

Götz Wit­kop sieht ei­ne Um­ge­hung im Mo­ment nicht als vor­ran­gi­ges The­ma, „man soll­te sie aber nicht kom­plett strei­chen.“Mit Ver­weis auf die Haus­halts­la­ge sei­en bei der Be­le­bung der In­nen­stadt bis­her kei­ne gro­ßen Sprün­ge mög­lich ge­we­sen.

„Mir lä­ge ei­ne Um­ge­hung am Her­zen“, sag­te Ha­rald Hart­mann. Dann wür­de auch der Frie­dens­park wie­der ei­ne Auf­wer­tung er­fah­ren. „Wenn man dort noch ei­nen Spiel­platz baut, könn­te der Park zu ei­nem Treff­punkt für Fa­mi­li­en wer­den.“

Stef­fen Much möch­te in punc­to Orts­um­ge­hung die Bür­ger be­fra­gen, „die­ses Er­geb­nis wä­re dann für mich als Bür­ger­meis­ter bin­dend“. Pro­blem sei aber nicht nur die Fried­rich-Ebert-, son­dern auch die Bahn­hof­stra­ße.

Ein Ein­falls­tor zur Stadt: Der Ross­platz

Der Ross­platz sei „nicht be­frie­di­gend“, sagt Götz Wit­kop, aber in Ver­ant­wor­tung der Lan­des­stra­ßen­ver­wal­tung. Im kom­men­den Haus­halt sei­en zu­min­dest ers­te Pla­nungs­kos­ten für ei­ne Sa­nie­rung hin­ter­legt.

Stef­fen Much, als An­lie­ger di­rekt be­trof­fen, hält ei­ne Über­ar­bei­tung für drin­gend nö­tig, will aber zu­nächst die An­woh­ner be­fra­gen, was sie für nö­tig hal­ten. „Der Ross­platz ist ein Ein­falls­tor nach Eisenberg, man­che be­kom­men si­cher erst ein­mal ei­nen Schock.“

Micha­el Kies­lich schob nach, dass der Ross­platz auch ei­ne der wich­tigs­ten Ver­bin­dun­gen zu ei­nem der größ­ten Ar­beit­ge­ber in der Re­gi­on dar­stellt, den Wald­kli­ni­ken Eisenberg. Er­fri­schend ehr­lich – wie so oft an die­sem Abend – fiel die Ant­wort von Ha­rald Haus­mann aus: „Ich bin kein Zau­be­rer.“In die meis­ten The­men müs­se er sich als Laie noch ein­ar­bei­ten.

Für Stef­fen Much gilt: Sa­nie­rung vor Ab­riss. „Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­nug ab­ge­ris­sen, da­bei ver­fügt Eisenberg über viel gu­te Ge­bäu­de­sub­stanz.“Micha­el Kies­lich er­in­ner­te dar­an, dass der Stadt­rat be­reits im Fe­bru­ar 2017 per Be­schluss von der Ver­wal­tung ein Stadt­mar­ke­ting­kon­zept ge­for­dert hat­te, das die The­men Leer­stands­be­kämp­fung und Brach­flä­chen­ent­wick­lung ein­schließt. „Das ist bis heu­te nicht um­ge­setzt wor­den.“

Oh­ne ei­ne ge­si­cher­te Nach­nut­zung sei es schwie­rig, in sol­che Flä­chen zu in­ves­tie­ren, mein­te Ingo Lip­pert. Auch die Ei­gen­tü­mer­fra­ge be­rei­te Kom­mu­nen häu­fig Schwie­rig­kei­ten. Nichts­des­to­trotz ha­be man in der Ver­gan­gen­heit zum Bei­spiel mit der Al­ten Mäl­ze­rei, an de­ren Stel­le heu­te die Awo-Ki­ta „Re­gen­bo­gen“steht, auf die­sem Ge­biet Er­fol­ge ge­fei­ert. Im We­sent­li­chen be­schrän­ke sich die­ses Pro­blem auf die Bahn­hof­stra­ße. Götz Wit­kop ver­wies auf zahl­rei­che Ge­sprä­che mit In­ves­to­ren, die teil­wei­se auch schon ge­fruch­tet hät­ten. Als Bei­spiel nann­te er das frü­he­re Ki­no am Malz­plan, das ein pri­va­ter In­ves­tor der­zeit sa­niert.

Braucht die Stadt ei­nen Stadt­ma­na­ger?

„Für mich ist der Bür­ger­meis­ter der Stadt­ma­na­ger“, er­klär­te Ha­rald Hart­mann über­zeugt. Hier pflich­te­te ihm Ingo Lip­pert bei. Wer­de trotz­dem die Not­wen­dig­keit ge­se­hen, solch ei­ne Stel­le zu schaf­fen, dann „müss­te man dem Kind nicht nur ei­nen Na­men, son­dern auch In­halt ge­ben.“Zum Bei­spiel ein Bud­get.

„Wir ha­ben im Mo­ment kei­nen Mit­ar­bei­ter, der die­se Auf­ga­ben über­neh­men kann, hier braucht es Fach­kom­pe­tenz“, sag­te Götz Wit­kop, des­sen Frak­ti­on im ver­gan­ge­nen Stadt­rat ei­ne ent­spre­chen­de Aus­schrei­bung vor­be­rei­tet hat­te.

Na­tür­lich sei der Bür­ger­meis­ter der „ers­te Stadt­ma­na­ger“, sag­te Micha­el Kies­lich. „Aber ist es hilf­reich, wenn er die­se Auf­ga­ben qua­si ne­ben­bei er­le­digt?“Man müs­se zu­nächst de­fi­nie­ren, was ge­wollt ist, wel­che Auf­ga­ben und Qua­li­fi­ka­tio­nen nö­tig sind, und wel­ches Bud­get da­für vor­han­den ist. „Wir dre­hen uns zu die­sem The­ma seit Mo­na­ten im Kreis. Das ist Zeit, die bes­ser für das Stadt­mar­ke­ting ein­ge­setzt wor­den wä­re.“

Stef­fen Much hält ei­nen ex­tra be­stell­ten Stadt­ma­na­ger für un­nö­tig: „Wir ha­ben ei­ne fä­hi­ge Ver­wal­tung, die­ses Po­ten­zi­al muss nur ge­weckt wer­den.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.