Kei­ne Son­der­ge­neh­mi­gung für Brat­wurst-Ver­kauf

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ge­ra ent­schei­det er­neut ge­gen den Brat­wurst-Stand am A-Rast­platz Ro­da­born bei Trip­tis.

Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes) - - Erste Seite - Von Ti­no Zip­pel

Ge­ra. Die Ei­gen­tü­me­rin der ers­ten deut­schen Au­to­bahn­rast­stät­te, Chris­ti­na Wa­gner, hat ei­nen Pro­zess vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ge­ra ver­lo­ren. Sie woll­te ei­ne Son­der­ge­neh­mi­gung für den Ver­kauf von Brat­würs­ten über den Zaun des Rast­plat­zes durch­set­zen.

Das Lan­des­amt für Bau und Ver­kehr hat­te ei­ne ent­spre­chen­de Aus­nah­me ab­ge­lehnt. Ge­gen die­sen Be­scheid klag­te die Un­ter­neh­me­rin, schei­ter­te aber vor der drit­ten Kam­mer des Ge­rich­tes. Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Ute Jung sag­te, dass kei­ne Feh­ler in dem Be­scheid zu er­ken­nen sei­en. Durch den Im­biss ver­län­ge­re sich die Auf­ent­halts­dau­er der Fahr­zeu­ge auf dem un­be­wirt­schaf­te­ten Rast­platz. Da­mit sei beim Fest­le­gen der Ka­pa­zi­tät nicht kal­ku­liert wor­den. Zu­dem füh­re der Fuß­gän­ger­ver­kehr zum Zaun an der Ein­fahrt des Rast­plat­zes zu ei­ner er­höh­ten Un­fall­ge­fahr. Das Ar­gu­ment, dass durch die Kun­den bis­lang kei­ne Un­fäl­le aus­ge­löst wor­den sei­en, zie­he nicht. „Es reicht die abs­trak­te Ge­fähr­dung“, sag­te Jung.

Die Ei­gen­tü­me­rin war be­reits ein­mal mit ei­ner Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ge­ra ge­schei­tert. Trotz feh­len­der Ge­neh­mi­gung ver­kauft sie wei­ter Brat­würs­te über den Zaun.

Ge­ra. Nach der münd­li­chen Ver­hand­lung am Vor­mit­tag ahnt Chris­ti­na Wa­gner schon, dass sie kaum Chan­cen mit ih­rer Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ge­ra hat. Zu klar äu­ßer­ten sich die Mit­glie­der der drit­ten Straf­kam­mer, so dass die Klä­ge­rin zur Ur­teils­ver­kün­dung am Nach­mit­tag gar nicht mehr im Ge­richts­saal er­scheint.

Er­neut ver­liert die Un­ter­neh­me­rin im Streit ge­gen das Lan­des­amt für Bau und Ver­kehr, das kei­ne Son­der­ge­neh­mi­gung für den Brat­wurst­ver­kauf am A9-Rast­platz Ro­da­born na­he Trip­tis (Saa­le-Orla-Kreis) aus­stel­len will. Wa­gner hat­te die Rast­stät­te 2009 er­wor­ben. Das Ge­bäu­de ver­weist auf ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on. Am 20. De­zem­ber 1936 war dar­in Deutsch­lands ers­te Au­to­bahn­rast­stät­te er­öff­net wor­den. Mit Un­ter­bre­chun­gen dien­te sie bis 2004 die­sem Zweck. Doch im Zu­ge des sechs­strei­fi­gen Aus­baus der A9 muss­te die Ein­rich­tung schlie­ßen.

Wa­gner kauf­te das Ob­jekt von der Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­li­en­auf­ga­ben. Wie sie sagt, sei im An­ge­bot schrift­lich nie­der­ge­schrie­ben ge­we­sen, dass ein Zu­gang zu­min­dest vom Park­platz in Fahrt­rich­tung Ber­lin ge­währ­leis­tet sei. Doch im Kauf­ver­trag fin­det sich die­ser Pas­sus nicht. Ein Zaun trennt den Rast­platz von der Rast­stät­te. Als sie 2010 ih­ren Im­biss er­öff­net ha­be, sei­en die im Zaun ein­ge­bau­ten Tü­ren ver­schlos­sen wor­den. „Mit ei­nem rich­tig dre­cki­gen Grin­sen“, wie die In­ha­be­rin be­tont.

Wa­gner bie­tet den­noch die Brat­würs­te an – mit Er­folg bei der Kund­schaft. Der Im­biss kommt an. Man­che neh­men ein gro­ßes Ri­si­ko auf sich, brin­gen ei­ge­ne Lei­tern mit oder klet­tern über den Zaun. Ein Kun­de riss sich da­bei ei­nen Fin­ger ab, weil er mit ei­nem Ring hän­gen­ge­blie­ben war. Das Lan­des­amt für Bau und Ver­kehr ver­bie­tet den Ver­kauf über den Zaun hin­weg. Da­ge­gen klagt die Un­ter­neh­me­rin. Doch das Ver­wal­tungs­ge­richt Ge­ra, das sich bei ei­nem Vo­r­Ort-Ter­min ei­nen Ein­druck ver­schaff­te, weist die­se Kla­ge ab. Der Klä­ge­rin feh­le ei­ne Er­laub­nis für ei­ne stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­che Son­der­nut­zung. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Wei­mar be­stä­tig­te die­ses Ur­teil im Som­mer 2017. Chris­ti­na Wa­gner leg­te nach. Sie wen­det sich nicht nur in ei­ner Pe­ti­ti­on an die Bun­des­kanz­le­rin, son­dern be­an­tragt auch ei­ne sol­che Son­der­ge­neh­mi­gung. Doch je­ne lehnt das Lan­des­amt für Bau und Ver­kehr mit Ver­weis auf den feh­len­den Be­darf ab. Bau­tech­nisch sei ei­ne sol­che Nut­zung nicht vor­ge­se­hen, der Park­platz sei nicht dar­auf aus­ge­legt. Schließ­lich ver­län­ge­re sich mit ei­nem Im­biss die Ver­weil­dau­er. Auf zwei bis drei Mi­nu­ten be­zif­fert Wa­g­ners An­wäl­tin Son­ja So­j­ka die Dau­er ei­nes Ver­kaufs­vor­gan­ges. „Es macht kei­nen Un­ter­schied, ob je­mand ei­ne Brat­wurst oder mit­ge­brach­te Bro­te ver­speist“, sagt sie.

Am pro­ble­ma­tischs­ten wer­tet das Ge­richt den von der Be­hör­de be­nann­ten Aspekt, dass der Im­biss zu Fuß­gän­ger­ver­kehr in der Ein­fahrt des Rast­plat­zes füh­re und so­mit die Ge­fahr von Un­fäl­len an­stei­ge. „Seit der Er­öff­nung ist es zu kei­nem Zeit­punkt zu Ver­kehrs­un­fäl­len auf­grund der Kun­den von Frau Wa­gner ge­kom­men“, hält die Nürn­ber­ger Rechts­an­wäl­tin ent­ge­gen. „Im Ge­gen­teil: Vie­le Un­fäl­le sind durch die in­zwi­schen ent­fern­te Eng­stel­le an der Ein­fahrt zu den Pkw-Stell­plät­zen pas­siert“, sagt Wa­gner. Sie ha­be mehr­fach Ers­te Hil­fe ge­leis­tet.

An­wäl­tin So­j­ka mo­niert, dass das Lan­des­amt die In­ter­es­sen ih­rer Man­dan­tin nicht hin­rei­chend ge­wür­digt ha­be, und be­an­tragt aus die­sem Grund, den Be­scheid auf­zu­he­ben und ei­nen neu­en aus­zu­stel­len.

Doch das Ge­richt weist die­ses An­sin­nen ab. Auch die im Zaun vor­han­de­nen Tü­ren zu öff­nen, lehnt die Kam­mer ab. An­ders als bei Bun­des­stra­ßen sei dies bei Bun­des­au­to­bah­nen ge­setz­lich nicht vor­ge­se­hen, sagt die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Ute Jung. „Die ört­li­che Si­tua­ti­on war der Klä­ge­rin be­kannt ge­we­sen. Sie hät­te den Ver­kaufs­ver­trag an­fech­ten müs­sen.“

Chris­ti­na Wa­gner, die den jähr­li­chen Ge­winn des Im­biss mit 6000 Eu­ro an­gibt, will nicht auf­ge­ben. Schon vor dem Ur­teil deu­tet sie an, in Wi­der­spruch zu ge­hen: „Der Bund hat das Ob­jekt mit fal­schen An­ga­ben ver­kauft. Ich ha­be die Rück­ab­wick­lung an­ge­bo­ten, aber das woll­te auch kei­ner“, sagt sie und kün­digt an, Deutsch­land vors Eu­ro­päi­sche Ge­richt zu zie­hen.

Im­biss stört die Rast­platz-Kal­ku­la­ti­on

Chris­ti­na Wa­gner, Be­trei­be­rin der Au­to­bahn­rast­stät­te Ro­da­born, ver­kauft Brat­würs­te über den Git­ter­zaun.  kauf­te Fa­mi­lie Wa­gner das Rast­haus. Nach dem Aus­bau der A wur­de ein über zwei Me­ter ho­her Zaun in­stal­liert. Links: Chris­ti­na Wa­gner ges­tern...

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