Pri­va­te Pfle­ge­an­bie­ter be­grü­ßen SPD-For­de­rung, Schul­geld zu er­set­zen

Ver­bands­vor­sit­zen­de Mar­git Ben­ken­stein hofft, dass die­se Hemm­schwel­le fällt: „Wir wol­len mehr aus­bil­den“

Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes) - - Thüringen - Von Volk­hard Pac­zul­la

Er­furt. Thü­rin­gen ist ei­nes der letz­ten Län­der, in dem von Lehr­lin­gen aus­ge­rech­net in ei­nem Man­gel­be­ruf Schul­geld ver­langt wird: in der Al­ten­pfle­ge.

„Wir soll­ten die­ses Schul­geld so schnell wie mög­lich ab­schaf­fen“, hat­te die SPD-Ab­ge­ord­ne­te Birgit Pel­ke vo­ri­ge Wo­che nach ei­ner Klau­sur ih­rer Land­tags­frak­ti­on ge­sagt. Das Land müss­te den Schu­len in frei­er Trä­ger­schaft, an de­nen Al­ten­pfle­ger in Thü­rin­gen fast aus­schließ­lich ihr theo­re­ti­sches Rüst­zeug er­hal­ten, die dann feh­len­den Ein­nah­men er­set­zen.

Nach die­ser Wort­mel­dung der SPD blieb es er­staun­lich ru­hig im Land. Ein­zig der Bun­des­ver­band pri­va­ter An­bie­ter so­zia­ler Di­ens­te (bpa) be­grüßt öf­fent­lich die For­de­rung der So­zi­al­de­mo­kra­ten. „Wir hof­fen, der Vor­stoß hat Er­folg“, sag­te bpaLan­des­vor­sit­zen­de Mar­git Ben­ken­stein. So wür­den sich viel­leicht mehr jun­ge Men­schen für ei­ne Aus­bil­dung in der Pfle­ge ent­schei­den, „und wir wol­len mehr aus­bil­den“.

Et­wa 400 bis 500 Schul­ab­gän­ger be­gin­nen in Thü­rin­gen je­des Jahr nach ih­rem Re­al­schul­ab­schluss ei­ne drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung zur Al­ten­pfle­ge­kraft. Da­bei er­hal­ten sie zwar ei­ne Lehr­lings­ver­gü­tung, müs­sen von ihr aber zwi­schen 35 und 100 Eu­ro mo­nat­lich an die Schu­le zah­len. Denn Schu­len in frei­er Trä­ger­schaft wer­den vom Land nicht zu 100 Pro­zent ge­för­dert. Wäh­rend es im­mer schwe­rer wird, In­ter­es­sen­ten für die Al­ten­pfle­ge zu fin­den, steigt die Nach­fra­ge nach pro­fes­sio­nel­len Pfle­ge­leis­tun­gen be­stän­dig. Mit der ge­ne­ra­li­sier­ten Pfle­ge-Aus­bil­dung soll die Hemm­schwel­le Schul­geld ab 2020 zwar bun­des­weit weg­fal­len. Aber so lan­ge will der SPD-Ab­ge­ord­ne­te und Arzt Tho­mas Har­tung nicht war­ten. Es ge­be gu­te Ge­sprä­che mit den Ko­ali­ti­ons­part­nern, sag­te Har­tung ges­tern die­ser Zei­tung. Es ge­he um et­wa 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro, die als Aus­ga­be des Lan­des in den schon be­schlos­se­nen Haus­halt 2019 ein­ge­baut wer­den müss­ten, prä­zi­sier­te der Ge­sund­heits­po­li­ti­ker. Fi­nan­zi­ell ent­las­tet wer­den könn­ten da­mit rund 1350 an­ge­hen­de Al­ten­pfle­ger. Spä­tes­tens im Herbst soll­te die Land­tags­mehr­heit da­für ei­ne Lö­sung ge­fun­den ha­ben.

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