Moral­fra­ge

Dr. Clau­dia Ger­des warnt: Nicht al­les, was man uns als in­tel­li­gent ver­kauft, ist es auch

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● Dass Ma­schi­nen sich übelst täu­schen kön­nen, muss­te jüngst ei­ne Fa­mi­lie aus Te­xas er­le­ben – weil Goog­le Maps ihr Haus in der fal­schen Stra­ße an­zeig­te, wur­de es irr­tüm­lich von ei­nem Ab­riss­un­ter­neh­men platt­ge­macht. Doch uns wird ver­hei­ßen, dass wir uns sehr bald noch viel stär­ker von an­geb­lich smar­ten Ge­rä­ten lei­ten las­sen. Start-ups, die sich mit künst­li­cher In­tel­li­genz be­fas­sen, sind bei Ka­pi­tal­ge­bern ge­ra­de ex­trem an­ge­sagt, auch bei Face­book, Goog­le, Mi­cro­soft und Ama­zon stei­gen die In­ves­ti­tio­nen für KI sprung­haft an.

Goog­le will ja das Dri­ver­less Car 2020 in die Welt ent­las­sen, aber bis wir da­mit über deut­sche Au­to­bah­nen ra­sen oder uns in ver­kehrs­tech­nisch we­ni­ger ge­sit­te­ten Län­dern ins Cha­os stür­zen kön­nen, ist viel zu tun. Kürz­lich kol­li­dier­te ein Wa­gen im be­schau­li­chen ka­li­for­ni­schen Moun­tain View mit ei­nem Bus, zum Glück nur mit ei­nem Tem­po von 2 Mei­len pro St­un­de. Über­haupt fah­ren die Goo­gleAu­tos auf öf­fent­li­chen Stra­ßen bis­her ma­xi­mal 40 St­un­den­ki­lo­me­ter, wes­halb die Po­li­zei schon we­gen Ver­kehrs­be­hin­de­rung ein­grei­fen muss­te.

Die här­tes­te Bruch­lan­dung von der Theo­rie in die Pra­xis leg­te jüngst Mi­cro­soft mit dem Chat­bot Tay hin. Da­bei hät­te al­les so nett sein kön­nen: Tay soll­te Wit­ze er­zäh­len, den Usern ihr Ho­ro­skop stel­len oder lus­ti­ge Kommentare zu hoch­ge­la­de­nen Fotos ab­ge­ben. In Chi­na klappt das schon, dort plau­dern 40 Mil­lio­nen von der Zen­sur gut er­zo­ge­ne Men­schen brav mit Mi­cro­softs Chat­bot Xiaoice, die im Fern­se­hen so­gar das Wet­ter an­sagt. Im Wes­ten da­ge­gen hat der ir­ra­tio­na­le Fak­tor frei­es Spiel, der den KI- Gu­rus so herr­lich die Sup­pe ver­ha­geln kann. Nach we­ni­gen St­un­den muss­te Tay in der Ver­sen­kung ver­schwin­den, weil man sie zu mas­sen­wei­se ras­sis­ti­schen, an­ti­se­mi­ti­schen und frau­en­feind­li­chen Sprü­chen ver­lei­tet hat­te. Was na­tür­lich welt­weit hä­mi­sche Kommentare brach­te. Tay sei im­mer­hin auf dem In­tel­li­genz­stand ei­nes Afd-wäh­lers an­ge­langt, läs­ter­te ein User auf hei­se on­li­ne. An­de­re Witz­bol­de schrie­ben: »Aber wenn sie ir­gend­wann ein Atom­kraft werk steu­ert, wird al­les gut! Ver­spro­chen!« oder »Chat­bot Tay will jetzt nach gut in­for­mier­ten Krei­sen Au­to fah­ren ler­nen.« Ich nehm lie­ber das Rad und spre­che mit ech­ten Men­schen.

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