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● Eta­blier­te Agen­tu­ren, Start-ups, er­fah­re­ne Fre­e­lan­cer, Be­rufs­ein­stei­ger – sie al­le ha­ben ei­nes ge­mein­sam: Oh­ne neue Kun­den funk­tio­niert ihr Ge­schäft nicht. Zum Glück sind die Zei­ten, in de­nen man zum Te­le­fon griff und ins Blaue hin­ein bei po­ten­zi­el­len Auf­trag­ge­bern an­rief, längst vor­bei. Das zei­gen die Er­fah­run­gen der Agen­tur­ch­efs, De­si­gn­bü­ros und Fre­e­lan­cer, mit de­nen wir ge­spro­chen ha­ben. Streng ge­nom­men ist ein sol­cher »kal­ter« An­ruf zur An­prei­sung der ei­ge­nen Di­enst­leis­tung auch gar nicht ge­stat­tet (sie­he »Kun­den­ak­qui­se – was ist er­laubt und was nicht? « auf Sei­te 18). Statt­des­sen ha­ben sich heu­te nicht zu­letzt durch die Di­gi­ta­li­sie­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­on und die so­zia­len Netz­wer­ke smar­te­re, we­ni­ger of­fen­si­ve und für al­le Be­tei­lig­ten an­ge­neh­me­re Ak­qui­se­for­men eta­bliert, von de­nen wir hier be­son­ders er­folg­rei­che Bei­spie­le vor­stel­len.

Sich an­bah­nen­de Ve­rän­de­run­gen be­ob­ach­ten

»Wir wür­den nie blind ein Un­ter­neh­men auf ei­ne Zu­sam­men­ar­beit an­spre­chen«, sagt Oliver Frank, Exe­cu­ti­ve Crea­ti­ve Of­fi­cer bei der Krea­ti­vagen­tur VCCP in Ber­lin. Statt­des­sen be­ob­ach­te man genau, wo sich per­so­nel­le oder stra­te­gi­sche Ve­rän­de­run­gen an­bah­nen und mög­li­cher­wei­se Be­darf an ei­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tung be­ste­hen könn­te. Und auch dann über­le­ge man, ob der Kun­de zur Agen­tur und zur Res­sour­cen­pla­nung passt, be­vor man über be­ste­hen­de Be­zie­hun­gen den Kon­takt sucht. »Es geht nicht um New Bu­si­ness um je­den Preis.«

Auch Tho­mas Knau­er, Ge­schäfts­füh­rer der Mar­ke­ting­agen­tur Saint El­mo’s mit Sitz in Mün­chen, Ber­lin, Ham­burg und Los An­ge­les, glaubt nicht »an Aus­sen­dun­gen, die sich dann auf den Ti­schen der Ent­schei­der sta­peln«. Statt­des­sen setzt Saint El­mo’s auf Emp­feh­lun­gen und gu­te Pres­se­ar­beit zu re­le­van­ten Kam­pa­gnen und Etat­ge­win­nen. Zur Be­deu­tung von Um­satz- und Award-ran­kings als New-busi­nes­sT­rei­ber ha­ben Frank und Knau­er kon­trä­re An­sich­ten: Für Saint El­mo’s spie­len sie ei­ne Rol­le, für VCCP nicht.

Zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort

In Sa­chen Neu­ge­schäft ha­ben für Oliver Frank be­ste­hen­de Be­zie­hun­gen das stärks­te Ge­wicht. Als Exe­cu­ti­ve Crea­ti­ve Of­fi­cer be­kommt er selbst oft Be­wer­bun­gen von Fre­e­lan­cern oder Di­enst­leis­tern auf dem Tisch und weiß, wie wich­tig ein ver­läss­li­ches Netz­werk ist. So schätzt er Emp­feh­lun­gen von Per­so­nen, de­nen er ver­traue und die ein­schät­zen könn­ten, wer oder was ihn in­spi­rie­re. »Ich spre­che Fre­e­lan­cer fast aus­schließ­lich über per­sön­li­che Kon­tak­te an«, sagt auch Mar­co Ober­mann, He­ad of Crea­ti­ve bei dem Münch­ner Start-up Fre­e­le­tics. So et­was setzt na­tür­lich vor­aus, dass man ein gu­tes Netz­werk hat – und sich ak­tiv dar­um küm­mert. Zum ei­nen im per­sön­li­chen Kon­takt, auf Kon­fe­ren­zen, Bran­che­nevents oder Lunch Da­tes. Aber dar­über hin­aus auch im Netz. Bu­si­ness­platt­for­men wie XING oder Lin­ke­din, aber auch Face­book und Twit­ter ge­win­nen in der Kun-

Ich mag An­schrei­ben per E-mail, die auf Vi­sua­li­tät und In­di­vi­dua­li­tät set­zen, auf lan­ge Tex­te re­agie­re ich eher nicht. Wenn ein Fo­to­graf sich an mich wen­det, will ich sei­ne Bil­der se­hen, Re­gis­seu­re und Ka­me­ra­leu­te fah­ren mit ei­nem Link in Kom­bi­na­ti­on mit ei­nem Screen­shot als Eye­cat­cher am bes­ten. DVDS ge­hen da­ge­gen un­ter.

Ein ab­so­lu­tes No- Go sind Stan­dard-e-mails, die mit ei­ner Weis­heit à la »So­ci­al Me­dia ge­hö­ren zum Stan­dard im Mar­ke­ting­mix« be­gin­nen, und dar­auf folgt ei­ne plat­te Be­schrei­bung des­sen, was der Ab­sen­der an­geb­lich kann. Sol­che aus­tausch­ba­ren Ak­qui­se­ver­su­che fal­len bei mir so­fort durch. Wer ein Un­ter­neh­men auf sich auf­merk­sam ma­chen will, soll­te es schon in­di­vi­du­ell an­spre­chen, zum Bei­spiel in Ver­bin­dung mit ei­nem Lob für ein ak­tu­el­les Pro­jekt. Bei ei­nem so gro­ßen Un­ter­neh­men wie Ni­ke ist es au­ßer­dem sinn­voll, den Zu­gang über ei­ne be­stimm­te Pro­dukt­ka­te­go­rie zu su­chen, an­statt sei­ne Di­ens­te ein­fach pau­schal an­zu­bie­ten. Fa­zit: In­di­vi­dua­li­tät schlägt Mas­se.

● »Ak­ti­ve Akquise ha­ben wir noch nie ge­macht«, be­rich­tet Mar­tin Ober­häu­ser, Grün­der von Bu­reau Ober­ha­eu­ser in Ham­burg. »Bis­her hat­ten wir das Glück, dass all un­se­re Kun­den von sich aus auf uns zu­ka­men.« Doch ob­wohl das auf In­for­ma­ti­ons­ar­chi­tek­tur und In­ter­face­de­sign spe­zia­li­sier­te Stu­dio kei­ne Auf­trags­ak­qui­se im strengs­ten Sin­ne be­treibt, ver­folgt das vier­köp­fi­ge Team den­noch ei­ne kla­re Stra­te­gie: Es setzt auf die sorg­fäl­ti­ge Auf­be­rei­tung sei­ner Ca­ses. Wo­bei sich im Port­fo­lio re­al um­ge­setz­te Auf­trags­ar­bei­ten eben­so fin­den wie selbst in­iti­ier­te Pro­jek­te.

»Es reicht nicht, wenn man in ei­ner Prä­sen­ta­ti­on auf Dribb­b­le oder Be­han­ce Screen­shots zeigt«, er­klärt Mar­tin Ober­häu­ser. Mock­ups oder 3-DRen­de­rings soll­ten es schon sein, bei Print­pro­duk­ten emp­feh­le es sich, die­se ei­gens in Sze­ne zu set­zen und dann pro­fes­sio­nell fo­to­gra­fie­ren zu las­sen. Wenn es um In­ter­faces und das The­ma User Ex­pe­ri­ence ge­he, sei es zu­dem wich­tig, die In­ter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten und Funk­tio­nen ver­ständ­lich zu ma­chen, zum Bei­spiel mit­hil­fe von GIFS oder Vi­de­os. Au­ßer­dem legt das Team stets gro­ßen Wert dar­auf, dass je­de Prä­sen­ta­ti­on ei­ne ganz ei­ge­ne Dra­ma­tur­gie hat.

Viel Auf­merk­sam­keit er­reg­te Bu­reau Ober­ha­eu­ser auf die­se Wei­se im Früh­jahr 2015 mit ei­nem In­ter­face­de­sign für Tes­la. Ein Kon­zept, wie Mar­tin Ober­häu­ser be­tont, denn ein tat­säch­li­ches Pro­jekt die­ser Grö­ßen­ord­nung be­nö­ti­ge selbst­ver­ständ­lich viel mehr In­sights, Tes­ting und vor al­lem mehr Zeit. Trotz­dem: Zahl­rei­che Ux-blogs fei­er­ten den Ent­wurf für den Touch­screen in Tes­las Mit­tel­kon­so­le als bahn­bre­chend. Das Pro­jekt be­scher­te ihm nicht nur ei­ne Men­ge Pu­b­lic Re­la­ti­ons, son­dern auch ei­ne Ein­la­dung in das Head­quar­ter des Elek­tro­au­to­pio­niers nach Pa­lo Al­to.

Zu ei­ner Zu­sam­men­ar­beit kam es dann zwar nicht, denn Tes­la woll­te Ober­häu­ser nicht frei be­schäf­ti­gen, son­dern fest an­stel­len. In punc­to New Bu­si­ness hat sich die Ar­beit den­noch ge­lohnt: Es ka­men An­fra­gen aus der Au­to­mo­bil­bran­che, zum Bei­spiel von Hen­rik Fis­ker, dem frü­he­ren Chef­de­si­gner von As­ton Mar­tin und krea­ti­ven Kopf hin­ter dem BMW Z8. Tat­säch­lich in den Start­lö­chern steht ak­tu­ell ein Pro­jekt mit ei­nem gro­ßen deut­schen Au­to­bau­er.

Tes­la ist ei­ne Art Leucht­turm­pro­jekt, aber auch bei klei­ne­ren Ca­ses zu be­wusst auf­merk­sam­keits­star­ken The­men setzt das Stu­dio auf hoch­wer­ti­ge Prä­sen­ta­tio­nen. So ent­wi­ckel­te das Team zur Fuß­ball-wm und -EM klei­ne Kon­zep­te für Re­laun­ches der Screen­de­signs der über­tra­gen­den Sen­der und ver­brei­te­te die­se über Dribb­b­le. »Das hat uns zwar kei­nen di­rek­ten Auf­trag ein­ge­bracht, sorg­te aber auf­grund der Ak­tua­li­tät für Auf­se­hen und war gut fürs Image.«

Ge­ne­rell ha­ben die De­sign- Com­mu­ni­tys Dribb­b­le und vor al­lem Be­han­ce ei­ne gro­ße Be­deu­tung für das seit 2011 be­ste­hen­de Stu­dio. »In un­se­ren Be­han­ce-auf­tritt ste­cken wir mehr Ener­gie als in un­se­re ei­ge­ne Web­site«, sagt Mar­tin Ober­häu­ser. 138 000 Men­schen fol­gen ihm dort, dar­un­ter nicht nur an­de­re Krea­ti­ve, son­dern auch Be­ob­ach­ter und Ent­schei­der aus Un­ter­neh­men. Auch Dribb­b­le wird sei­ner An­sicht nach zu­neh­mend wich­ti­ger. Face­book, Twit­ter und Instagram sei­en zwar hilf­reich, aber im Hin­blick auf das Auf­trags­ge­schäft nicht so ein­fluss­reich wie die ge­nann­ten Port­fo­li­oPlatt­for­men.

● Als Clau­dia Sie­ben­wei­ber und Alex­an­dra Tschun­ko ihr Stu­dio von­zwei­de­sign in Mün­chen grün­de­ten, hat­ten sie ge­ra­de ei­nen ers­ten Auf­trag­ge­ber. Mu­tig? »Ich wür­de un­se­re Grün­dung eher als sorg­fäl­tig be­schrei­ben«, meint die Ex-heye-krea­ti­ve Clau­dia Sie­ben­wei­ber. Schon vor ih­rer Kün­di­gung hat­ten sich die bei­den De­si­gne­rin­nen über meh­re­re Mo­na­te je­de Wo­che zu­sam­men­ge­setzt, um den Start des ei­ge­nen Un­ter­neh­mens vor­zu­be­rei­ten, sich über KSK und Ver­si­che­run­gen zu in­for­mie­ren, den Grün­dungs­zu­schuss zu be­an­tra­gen – und sich mit dem The­ma Kun­den­ak­qui­se zu be­schäf­ti­gen. Denn auf gut Glück Prä­sen­ta­tio­nen ver­schi­cken oder ins Blaue hin­ein po­ten­zi­el­le Kun­den an­ru­fen woll­ten sie auf kei­nen Fall.

Der Grün­dungs­zu­schuss war auch des­halb so wich­tig. »So konn­ten wir uns in den ers­ten Mo­na­ten voll und ganz aufs Netz­wer­ken kon­zen­trie­ren«, er­zählt Clau­dia Sie­ben­wei­ber. Aus heu­ti­ger Sicht sei es fast lus­tig, auf was für Ver­an­stal­tun­gen sie so ge­lan­det sei- en: »Das ging von in­ter­es­san­ten Vor­trä­gen der Ty­po­gra­phi­schen Ge­sell­schaft Mün­chen bis zu ei­nem Mee­t­up jun­ger Un­ter­neh­mer, von dem wir uns nach 45 Mi­nu­ten ei­lig ver­drück­ten, da nur Selbst­dar­stel­ler vor Ort wa­ren.«

Sehr gu­te Er­fah­run­gen hat sie da­ge­gen mit den Tref­fen und Work­shops von gui­de ge­macht, ei­ner spe­zi­el­len Be­ra­tung für Exis­tenz­grün­de­rin­nen (www.gui­de-mu­en­chen.de). Hier lern­te das Duo die Mar­ken­be­ra­te­rin Ma­ren Mart­schen­ko ken­nen, die sie wie­der­um Chris­ti­na Schep­per-bon­net vor­stell­te, ei­ner Tex­te­rin, über die sie spä­ter als Drei­erteam an ei­nen ih­rer bis­her in­ter­es­san­tes­ten Auf­trä­ge kom­men soll­ten. »Für klei­ne De­si­gn­bü­ros wie uns sind gar nicht un­be­dingt die Auf­trag­ge­ber selbst die re­le­van­ten Kon­tak­te, son­dern die Kol­le­gen aus den an­de­ren Dis­zi­pli­nen«, sagt Sie­ben­wei­ber. Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner, die wis­sen, wie man ar­bei­tet, die ei­nen wei­ter­emp­feh­len oder ins Boot ho­len, wenn klar wird, dass der Kun­de et­was braucht, was sie selbst nicht leis­ten kön­nen.

So war es bei dem Mar­ken­auf­tritt für Cul­tu­re­clouds, ei­nem kul­tur­päd­ago­gi­schen Mo­dell­pro­jekt für Ganz­tags­bil­dung. Chris­ti­na Schep­per-bon­net soll­te für die Trä­ger­ver­ei­ne ei­gent­lich nur För­der­an­trä­ge tex­ten. Doch schnell wur­de klar, dass ei­ne ge­naue­re Po­si­tio­nie­rung nö­tig und da­mit auch ein De­si­gn­bü­ro ge­fragt war.

Nun hört man oft, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che ein Peop­le’s Bu­si­ness ist. Ei­ner kennt ei­nen, der ei­nen kennt, der . . . Doch was kann man dar­über hin­aus tun, um ei­nen Zu­schlag zu be­kom­men? Ei­ne trans­pa­ren­te Kos­ten­struk­tur sei hilf­reich, meint Clau­dia Sie­ben­wei­ber. »Wenn ich mei­ne Netz­werk­part­ner ken­ne, kann ich mei­nem Kun­den im Ge­spräch be­reits gro­be Haus­num­mern für wei­te­re Pos­ten nen­nen, wie Text, Fo­to­gra­fie oder di­gi­ta­le Um­set­zung«, er­klärt die De­si­gne­rin. Und das gilt um­ge­kehrt na­tür­lich ge­nau­so. Die Krea­ti­ven, mit de­nen sie ko­ope­riert, wis­sen in et­wa, wel­che Prei­se sie auf­ruft, und kön­nen sie so bei ih­ren Kun­den ins Spiel brin­gen.

Aber auch ba­nal klin­gen­de Maß­nah­men ha­ben sich in Sa­chen New Bu­si­ness be­währt: Clau­dia Sie­ben­wei­ber hat die Vi­si­ten­kar­ten und Kon­takt­da­ten ih­rer wich­tigs­ten Netz­werk­part­ner im­mer da­bei, so­dass sie sie bei Be­darf wei­ter­ge­ben kann – und je­ne ma­chen es ge­nau­so. Au­ßer­dem te­le­fo­niert sie mit ei­ni­gen Kol­le­gen wö­chent­lich zu fes­ten Ter­mi­nen, um sich über lau­fen­de und an­ste­hen­de Pro­jek­te aus­zu­tau­schen. Kon­tak­te wol­len schließ­lich nicht nur ge­knüpft, son­dern auch ge­pflegt wer­den.

● Ma­thi­as Jahn ar­bei­te­te als Chef­rea­ti­ver lan­ge in gro­ßen Agen­tu­ren. Er kennt die Zei­ten noch, in de­nen New Bu­si­ness ger­ne mal so ging: Wir wol­len ei­ne Bier­mar­ke im Port­fo­lio? Al­so ma­chen wir ei­ne Prä­sen­ta­ti­on auf Bier­de­ckeln und schi­cken sie dem Kun­den, in der Hoff­nung, Be­ach­tung zu fin­den. Na­tür­lich stan­den sol­che »krea­ti­ven Aus­sen­dun­gen«, an die er sich mit ei­nem Schmun­zeln er­in­nert, nur spo­ra­disch auf der Ta­ges­ord­nung. Der Blick zu­rück macht al­ler­dings deut­lich, wie sehr sich die Her­an­ge­hens­wei­sen in der Kun­den­ak­qui­se ver­än­dert ha­ben. Seit 2015 be­treibt der 52-Jäh­ri­ge zu­sam­men mit Ralf Be­cker die auf Con­tent Mar­ke­ting spe­zia­li­sier­te Zwei-man­nA­gen­tur Sould The Brand­cast Com­pa­ny in Ham­burg, die bei Be­darf mit ei­nem Netz­werk aus Fre­e­lan­cern zu­sam­men­ar­bei­tet.

Ma­thi­as Jahn ist über­zeugt: Kalt­ak­qui­se ist in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che heu­te sel­ten der rich­ti­ge Weg. Viel ziel­füh­ren­der sei es, The­men zu fin­den, von de­nen man sei­nem Netz­werk er­zäh­len kann – in ei­nem Blog, auf Face­book oder Twit­ter. In Jahns Face­boo­kChro­nik et­wa ist nicht zu über­se­hen: Hier hat je­mand ei­ne Lei­den­schaft für schö­ne Au­tos und in­ter­es­siert sich für die Mo­bi­li­tät der Zu­kunft. Jahn teilt Fund­stü­cke aus Ma­ga­zi­nen über Old­ti­mer, aber auch Ar­ti­kel über Con­nec­ted Cars, au­to­no­mes Fah­ren oder De­sign­trends. Denn er weiß, dass ein the­ma­ti­scher Fo­kus im Bu­si­ness­netz­werk – und als sol­ches sieht er Face­book – gut an­kommt. Da­bei hat er den Lu­xus, auf den ge­sam­ten Con­tent und al­le Ka­nä­le von »Chrom­ju­we­len« zu­grei­fen zu kön­nen, Ralf Be­ckers »On­li­ne-ma­ga­zin für au­to­mo­bi­le Lei­den­schaft«.

»Ich schaue mir genau an, wer mei­ne Posts likt und kom­men­tiert oder die Tweets von @chrom­ju­we­len ret­weetet«, er­klärt Ma­thi­as Jahn. »Wenn je­mand drei­mal po­si­tiv re­agiert, kann ich schon da­von aus­ge­hen, dass er sich für mich in­ter­es­siert, und ihm ei­ne Di­rekt­nach­richt schrei­ben. Mit dem Post oder Ar­ti­kel, auf den ich mich da­bei be­zie­he, ha­be ich ei­nen völ­lig un­pein­li­chen Ein­stieg.« Die­se Vor­ge­hens­wei­se hilft, her­aus­zu­fin­den, wer ei­nem in­ten­si­ve­ren Aus­tausch ge­gen­über nicht ab­ge­neigt sein könn­te. Sie führ­te auch da­zu, dass sich in­ner­halb von Jahns Netz­werk zu­erst ei­ne Face­book- Grup­pe für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­ten mit ei­ner Af­fi­ni­tät zum The­ma Au­to for­mier­te, aus der nach ei­ni­ger Zeit ein re­gel­mä­ßi­ger Stamm­tisch ent­stand. Mit Ex­per­ten von Goog­le, Agen­tur­leu­ten, aber auch Ent­schei­dern von Un­ter­neh­men wie Oet­tin­ger Sport­wa­gen oder dem Chef der in Old­ti­mer-krei­sen be­rühm­ten Ham­bur­ger Ga­ra­ge 11.

»Das hat ei­ne ge­wis­se Läs­sig­keit, es ist zwar nicht so, als gin­ge ich mit mei­nen bes­ten Freun­den es­sen – aber eben auch nicht so ge­zwun­gen wie Ak­qui­se­ge­sprä­che bei ei­ner of­fi­zi­el­len Abend­ver­an­stal­tung«, meint Jahn. Die Hemm­schwel­le, je­man­den die ei­ge­ne Di­enst­leis­tung vor­zu­stel­len und viel­leicht so­gar über ei­ne mög­li­che Zu­sam­men­ar­beit zu spre­chen, sei in ei­nem sol­chen Rah­men viel nied­ri­ger als bei­spiels­wei­se auf gro­ßen Kon­fe­ren­zen. Ak­tu­ell ist Sould mit meh­re­ren Au­to­mo­bil­her­stel­lern im Ge­spräch, die sich even­tu­ell von ih­nen be­ra­ten las­sen wol­len. jbr

● Seit sei­nen Ab­schluss im Stu­di­en­gang In­ter­face­de­sign an der Fach­hoch­schu­le Pots­dam im letz­ten Jahr ar­bei­tet Phil­ipp Mey­er als frei­er UX/UI-DE­SI­gner in Ber­lin. Auf­trä­ge be­zieht er über Kon­tak­te, und zwar nicht nur zu Agen­tu­ren, son­dern auch zu be­freun­de­ten Web- und Ux-de­si­gnern. Wo­bei der 27-Jäh­ri­ge auch Jobs wei­ter­gibt. »Es steht im­mer mal ein Pro­jekt an, für das man an­ge­fragt wird, selbst aber kei­ne Zeit hat und für das man Kol­le­gen aus dem Freun­des­kreis vor­schla­gen kann.«

Für sein Port­fo­lio hat er sei­ne Ar­bei­ten schon wäh­rend des Stu­di­ums gut do­ku­men­tiert. »Wann im­mer ein Blog oder ein Ma­ga­zin auf mich zu­kam und über ein Pro­jekt be­rich­ten woll­te, konn­te ich hoch­auf­lö­sen­de Bil­der und ei­ne aus­führ­li­che Be­schrei­bung lie­fern. Das macht es wahr­schein­li­cher, ge­fea­turt zu wer­den«, so Mey­er. Die­se Art der Akquise sei na­tür­lich die an­ge­nehms­te. Doch er ist über­zeugt, dass Men­schen es durch­aus mö­gen, di­rekt an­ge­spro­chen zu wer­den. Wenn ihn die Ar­beit ei­nes Stu­di­os be­ein­druckt, scheut er

Nach zehn Jah­ren in der Ham­bur­ger Agen­tur­bran­che häng­te Till He­u­mann 2010 sei­ne Fest­an­stel­lung an den Na­gel und ar­bei­tet seit­her als frei­er Krea­tiv­di­rek­tor mit Schwer­punkt Kon­zep­ti­on di­gi­ta­ler Pro­jek­te. Zum Start sei­ner Fre­e­lan­cer­tä­tig­keit in­ves­tier­te er zu­nächst viel Zeit und Über­le­gun­gen in sei­ne Pro­fi­le auf den Bu­si­ness­netz­wer­ken XING und Lin­ke­din. Letz­te­res lohnt sich vor al­lem für Jobs au­ßer­halb Deutsch­lands. »Hier be­kom­me ich oft An­fra­gen für In­te­rim­stä­tig­kei­ten aus UK und den Nie­der­lan­den«, be­rich­tet Till He­u­mann.

Drei we­sent­li­che Kri­te­ri­en sind es, nach de­nen die Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen die Pro­fi­le sei­ner Er­fah­rung nach scan­nen: Be­rufs­er­fah­rung, Kun­den­lis­te – für wel­che Mar­ken und Un­ter­neh­men hat man ge­ar­bei­tet? – und Awards. Um bei Such­an­fra­gen weit vorn in der Er­geb­nis­lis­te zu lan­den, soll­ten die job­re­le­van­ten Key­words mög­lichst häu­fig im Pro­fil auf­tau­chen – in He­u­manns Fall »crea­ti­ve«, »di­rec­tor«, »di­gi­tal«, »fre­e­lan­ce«. Eben­so hilft es, die Kon­takt­lis­te auf Per­so­nen aus der Bran­che zu be­schrän­ken. Denn hier zählt Qua­li­tät, nicht Quan­ti­tät.

Kommt dann die An­fra­ge, soll­te man gut vor­be­rei­tet sein, um schnell re­agie­ren zu kön­nen. Als Al­ler­ers­tes in­ter­es­siert den po­ten­zi­el­len Auf­trag­ge­ber das Port­fo­lio. »Bis heu­te ge­ben sich nicht, ei­ne E-mail zu schrei­ben und sei­ne Be­geis­te­rung mit­zu­tei­len. »Ich ver­su­che da­bei, ei­ne klei­ne Ge­schich­te auf­zu­bau­en und ei­nen schö­nen Schluss­satz zu for­mu­lie­ren, der In­ter­es­se weckt.« Das kön­ne der Hin­weis auf ein ak­tu­el­les Pro­jekt sein, aber auch ein per­sön­li­cher Aus­stieg.

Als er sich bei ei­nem Stu­dio in den Nie­der­lan­den vor­stel­len woll­te, war­te­te er den Be­such bei ei­ner Freun­din ab und schrieb sinn­ge­mäß: »Ich bin ge­ra­de für ein paar Ta­ge in der Ge­gend und wür­de euch ger­ne mei­ne Ar­beit zei­gen. Hät­tet ihr Lust und Zeit?« Of­fen­bar traf

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Das In­ter­face-kon­zept für Tes­la brach­te Mar­tin Ober­häu­ser so­gar ei­ne Ein­la­dung nach Pa­lo Al­to

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