Al­les da!

PAGE - - Editorial - Ga­b­rie­le Gün­der, Chef­re­dak­teu­rin/pu­blis­he­rin (info@pa­ge-on­li­ne.de)

● Mit­un­ter sind gera­de wir Gestal­ter furcht­bar ba­nal. Wir ren­nen je­dem neu­en Trend hin­ter­her. Und wenn’s kei­nen gibt, dann eben erst recht. Wor­über be­rich­ten wir al­so in die­ser Aus­ga­be? Über Vir­tu­al Rea­li­ty? Hat­ten wir gera­de. Aug­men­ted Rea­li­ty? Nö, zu »Po­ké­mon Go« ist nun wahr­lich al­les ge­sagt. Über Big Da­ta? Wo bleibt da der Wow-ef­fekt? Über Pro­gram­ma­tic Crea­ti­vi­ty? Wür­den wir da­mit nicht bloß das nächs­te Buz­zword auf­grei­fen?

Ob­wohl? Die Op­ti­cal-sci­en­ces-ex­per­tin Ma­ry Lou Jep­sen ist über­zeugt da­von, dass es kaum mehr ein Jahr­zehnt dau­ern wird, bis Hirn­scan­ner so leis­tungs­fä­hig und er­schwing­lich sein wer­den, dass wir sie wie heu­te et­wa 3D-dru­cker und Vr-bril­len in un­se­ren krea­ti­ven Ar­beits­all­tag in­te­grie­ren. Wir wer­den un­se­re Ide­en un­mit­tel­bar und un­ge­fil­tert ins Netz la­den kön­nen und Zu­gang zu de­nen an­de­rer ha­ben. Den Rest er­le­di­gen die Al­go­rith­men für uns, bei im­mer kür­ze­ren Feed­back­schlei­fen. Un­ser Den­ken – das be­wuss­te und das un­be­wuss­te – wird nicht nur li­ve und in Far­be sicht­bar, es wird sich fast in Echt­zeit ma­te­ria­li­sie­ren las­sen: Ein Blick aus dem Fens­ter ge­nügt und da steht ein Haus, ein kun­ter­bun­tes Haus. Die Gren­zen zwi­schen Vor­stel­lung und Rea­li­tät lö­sen sich auf.

Und wäh­rend wir so sin­nie­ren, kom­men wir aufs Hier und Jetzt zu­rück. Auf Be­grif­fe wie »Mind­less Au­to­ma­ta«. Da­mit be­zeich­net man in der Psy­cho­lo­gie je­ne Über­zeu­gun­gen, die uns und da­mit auch un­se­re Gestal­tung un­ter­schwel­lig steu­ern. Ja, wir sind ge­ra­de­zu dar­auf pro­gram­miert, frem­de Ge­dan­ken ein­fach so zu über­neh­men. Und auf »Pri­ming«, das Phä­no­men näm­lich, dass be­stimm­te Rei­ze bei uns un­be­wusst as­so­zia­ti­ve Ver­bin­dun­gen zu frü­he­ren Er­fah­run­gen ak­ti­vie­ren und un­ser Ver­hal­ten ent­spre­chend be­ein­flus­sen. Aber auch auf »Mind­ful­ness«, die Hal­tung al­so, in dem, was wir be­reits zu ken­nen glau­ben, et­was Neu­es zu ent­de­cken.

Ge­nau, wir ma­chen uns den Trend, wie er uns ge­fällt. Was wir se­hen – und was wir dar­aus ma­chen –, hängt ganz da­von ab, wo­für wir sen­si­bi­li­siert sind. Oder aber frei nach dem Neu­ro­man­cer Wil­li­am Gib­son: Die Zu­kunft ist schon pas­siert, doch nicht je­der hat Zu­griff dar­auf. Noch nicht! In die­sem Sin­ne al­so: Trends 2017, sie­he Sei­te 18 ff.

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