Moral­fra­ge

War­um Dr. Claudia Ger­des nicht im #Schach­tel­glück ist

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● Für die gleich­na­mi­ge So­ci­al-me­dia-kam­pa­gne der Dro­ge­rie­markt­ket­te dm hat­ten kürz­lich fünf In­flu­en­ce­rin­nen Pro­duk­te ih­rer Wahl in ei­ne mit ih­rem ge­zeich­ne­ten Por­trät be­druck­te Schach­tel ge­packt – die Din­ger wa­ren nach ei­ner St­un­de aus­ver­kauft. Die Frau­en mit so rie­si­gem Ein­fluß hei­ßen Da­gi Bee, So­phia Thiel, Dia­na zur Lö­wen, Pao­la Ma­ria und Ju­lia Be­au­tx. Hab mir mal eins der #Schach­tel­glückVi­de­os an­ge­schaut: »Ich ma­che das Vi­deo wirk­lich, weil ich euch zei­gen möch­te, was uns er­mög­licht wird und wie cool es ist, so was zu ha­ben und dass ihr das kau­fen könnt, in je­dem dm in ganz Deutsch­land«, er­klärt Da­gi Bee mit treu­her­zi­gem Au­gen­auf­schlag. Das glau­ben ihr drei Mil­lio­nen Youtube- und vier Mil­lio­nen Ins­ta­gram-fol­lo­wer.

Der Hy­pe um die Be­ein­flus­ser kennt der­zeit kei­ne Gren­zen. Die Wer­be­kun­den strei­ten sich um sie, ty­pi­scher­wei­se laun­chen die Web­st­ern­chen ir­gend­wann ei­ge­ne Mar­ken: Da­gi Bee und Ju­lia Be­au­tx et­wa grün­de­ten je­weils Kos­me­ti­k­la­bels. Mit der Platt­form In­cir­cles, die 500 In­flu­en­cer ver­tritt, stieg nun auch Gru­ner + Jahr groß in das Bu­si­ness ein.

In sei­ner Sa­ti­re­sen­dung »Kalk­ofes Matt­schei­be« knöpf­te sich Oli­ver Kalk­ofe jüngst di­ver­se YoutubeS­tars vor. Dar­un­ter Si­mon De­sue, der in ei­nem sei­ner Vi­de­os in 40 Ki­lo dun­kel­brau­ner Nu­tel­la ba­det, oder Katja Krasa­vice, die es in die »Bild«-schlag­zei­len schaff­te, nach­dem sie leich­test­be­klei­det in ei­nem Ein­kaufs­zen­trum an der Lei­ne krab­belnd Spen­den fürs Tier­heim sam­mel­te. Kalk­ofes Fa­zit: »Im In­ter­net kann sich ab­so­lut je­der pu­ber­tie­ren­de Schul­ab­bre­cher mit nar­zis­ti­scher Adhs-stö­rung beim Fres­seSchmin­ken, Schuh­schrank-auf­räu­men oder sinn­freie Schei­ße-la­bern als Su­per­star sei­ne ei­ge­ne Ego­zen­trik-soap in­sze­nie­ren.«

Das ist nicht nett aus­ge­drückt! Nach dem Mot­to »je­dem Tier­chen sein Plä­sier­chen« könn­te man das al­les als Mar­ke­ting­folk­lo­re se­hen wie an­no da­zu­mal Schwei­ne­bauch­an­zei­gen oder Staub­sau­ger­ver­tre­ter. Was mich aber wirk­lich scho­ckiert: Laut ei­ner Um­fra­ge der Agen­tur web­gue­ril­las un­ter hun­dert Mar­ke­tin­gent­schei­dern hal­ten die­se das In­flu­en­cer-brim­bo­ri­um für die Dis­zi­plin mit der höchs­ten Glaub­wür­dig­keit, vor PR und Con­tent Mar­ke­ting. Will­kom­men im post­fak­ti­schen Zeit­al­ter!

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