Fein & Eco

PAGE - - Neues -

● Ver­steckt in der Klei­dung fan­den die Krea­ti­ven die Schlüs­selin­spi­ra­ti­on: die Pfle­ge­hin­wei­se. Aus­ge­hend von die­sen ent­wi­ckel­ten sie je­de Men­ge Icons und klei­ne In­fo­gra­fi­ken. »Wir woll­ten un­be­dingt ei­nen vi­su­ell star­ken Report mit ei­ner kla­ren Ver­bin­dung zwi­schen der Nach­hal­tig­keits­ar­beit des Un­ter­neh­mens und sei­nem Kern­ge­schäft Mo­de ge­stal­ten«, er­klärt Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen, Art­di­rek­to­rin bei Prav­da in Aar­hus. »Des­halb be­gan­nen wir nach Bot­schaf­ten zu su­chen, die in der Klei­dung selbst ste­cken.« In­dem sie Kenn­zah­len, Pro­por­tio­nen, Pro­zent ver­tei­lun­gen und Ent­wick­lun­gen her­vor­he­ben, über­set­zen die Icons abs­trak­te Zah­len und Fak­ten in grif­fi­ge bild­haf­te Bot­schaf­ten und schaf­fen so ein un­ver­wech­sel­ba­res, leicht ver­ständ­li­ches De­sign.

Best­sel­ler ge­hört der dä­ni­schen Fa­mi­lie Holch Povl­sen und um­fasst be­kann­te Mar­ken wie Ve­ro Mo­da, Jack & Jo­nes oder na­me it. Die bis­he­ri­gen, in­hou­se ge­stal­te­ten Sustaina­bi­li­ty Re­ports wa­ren eher ge­ho­be­ner Durch­schnitt mit den üb­li­chen Tor­ten- und Bal­ken­dia­gram­men. »Ab­ge­se­hen vom Lo­go hät­ten sie ge­nau­so gut zu ei­ner Bank oder An­walts­kanz­lei ge­passt«, so Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen. Von Prav­da wünsch­te sich Best­sel­ler nun ein neu­es Gra­fik-

de­sign, das die Nach­hal­tig­keits­be­mü­hun­gen kon­se­quent und dicht an der Mar­ke ver­mit­telt und CSR als wich­ti­gen Be­stand­teil der Aus­rich­tung wi­der­spie­gelt. Die Ziel­grup­pe sind in ers­ter Li­nie die Mit­ar­bei­ter in al­ler Welt, da­zu die Part­ner aus der Lie­fer­ket­te so­wie re­le­van­te Me­di­en und NGOS.

Al­le er­for­der­li­chen Da­ten be­ka­men die Krea­ti­ven von Best­sel­lers in­ter­na­tio­na­lem Sustaina­bi­li­ty-team ge­lie­fert, die wie­der­um In­put von den lo­ka­len Ab­tei­lun­gen in den ein­zel­nen Län­dern er­hiel­ten. Zu­sam­men mit ei­ni­gen Best­sel­ler-mit­ar­bei­tern such­te Prav­da dann aus der Un­men­ge an Fak­ten die Schlüs- sel­in­for­ma­tio­nen her­aus, die es zu vi­sua­li­sie­ren galt. Doch darf man als De­si­gnagen­tur den An­ga­ben des Un­ter­neh­mens ein­fach glau­ben? Muss man nicht auch selbst re­cher­chie­ren, um mög­li­ches Gre­en­wa­shing zu er­ken­nen? »Un­ser Job be­stand im Ge­stal­ten und Kom­mu­ni­zie­ren, nicht im Kon­trol­lie­ren«, sagt Ma­le­ne Kor­sholm, Cli­ent Ma­na­ger bei Prav­da. »Für uns wä­re es un­mög­lich ge­we­sen, An­ga­ben über nach­hal­ti­ge Ak­ti­vi­tä­ten in Chi­na oder In­di­en zu über­prü­fen. Der Be­richt ba­siert auf Best­sel­lers ge­setz­lich ge­prüf­tem Re­porting, doch letzt­lich ist es na­tür­lich auch ei­ne Sa­che des Ver­trau­ens.«

Icons er­obern die ge­sam­te CSR-WELT

Nach gründ­li­cher Aus­ein­an­der­set­zung mit den Cor­po­ra­te-de­sign-richt­li­ni­en des Kon­zerns be­gan­nen die Krea­ti­ven, mit dem für den ei­ge­nen Ge­brauch ent wi­ckel­ten Prav­da Idea­ti­on Kit an der Ide­en­fin­dung und Kon­zep­ti­on zu ar­bei­ten. Bei dem Kit han­delt es sich um ei­ne Box mit 15 Kar­ten. Auf die­sen steht oben je­weils ei­ne He­ad­line wie »Bran­che«, »Ver­ständ­nis«, »War­um nicht?« oder »Rol­len­spiel«, dar­un­ter Fra­gen und Kom­men­ta­re, die hel­fen, auf neue Ge­dan­ken zu kom­men.

Im ers­ten Schritt ging es Prav­da dar­um, mög­lichst vie­le Ide­en zu pro­du­zie­ren und Whi­te­boards und Post-its mit Stich­wor­te und Skiz­zen zu fül­len. Im zwei­ten Schritt eva­lu­ier­ten Ma­le­ne Kor­sholm, Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen und – als Drit­ter im Team – Brand De­ve­l­oper Ka­rim Frø­lund Jar­rar die An­sät­ze, in­dem sie sie mit den im Brie­fing ge­for­der­ten Kri­te­ri­en ab­gli­chen. Was üb­rig blieb, ar­bei­te­ten sie aus und prä­sen­tier­ten das Kon­zept vor den Sustaina­bi­li­ty- und Cor­po­ra­te-teams von Best­sel­ler. Der Fun­ke sprang über und es konn­te in die Rea­li­sa­ti­ons­pha­se ge­hen.

Wie in der ge­sam­ten Best­sel­ler-kom­mu­ni­ka­ti­on kam auch hier der Cor­po­ra­te Font von Best­sel­ler, Adel­le von Ty­pe­to­ge­ther, zum Ein­satz und bil­det zu­gleich ein ver­bin­den­des Ele­ment zu den äl­te­ren Re­ports. In­halt­lich glie­dert sich der Nach­hal­tig­keits­be­richt in die The­men »Co­de of Con­duct Com­p­li­an­ce«, »Wor­kers«, »Com­mu­nities«, »Pro­ducts« so­wie »En­vi­ron­ment & Che­mi­cals«. »Um dem Le­ser Hil­fe­stel­lung zu ge­ben, ha­ben Ty­po­gra­fie und Icons in je­dem Ka­pi­tel ei­ne ei­ge­ne Far­be, die sich an ak­tu­el­len Mo­de­trends ori­en­tiert«, er­läu­tert Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen. »Weil al­le He­ad­lines in Ver­sa­li­en ge­setzt sind, ha­ben wir sie teils in Bold, teils in Re­gu­lar an­ge­legt. Das ver­ein­facht das Le­sen und gibt der Ty­po ein mo­der­nes Look-and-feel.« Die Haupt­rol­le aber spie­len die von der Art­di­rek­to­rin ei­gen­hän­dig ge­stal­te­ten Icons, die in­zwi­schen weit über den Report hin­aus in der ge­sam­ten Csr-kom­mu­ni­ka­ti­on von Best­sel­ler zum Ein­satz kom­men.

On­li­ne­report schlägt Print­be­richt

Zu­nächst ent­stand die ge­druck­te Va­ri­an­te. Auf die Pa­pier­wahl hat­ten die De­si­gner kei­nen Ein­fluss, die CI stand im Vor­der­grund. »Der Nach­hal­tig­keits­be­richt soll­te auf dem glei­chen Pa­pier ge­druckt wer­den wie al­le an­de­ren Re­ports auch, und das ist lei­der kein Re­cy­cling-, aber im­mer­hin ein Fsc-zer­ti­fi­zier­tes Pa­pier«, so Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen. Die High­lights des Print­be­richts setz­te Prav­da zu­dem als zwei­ein­halb­mi­nü­ti­ges Vi­deo (https://is.gd/csr2015) um, das den Mit­ar­bei­tern über das in­ter­ne Netz­werk, die Web­site so­wie So­ci­al Me­dia zu­gäng­lich ge­macht wur­de.

Na­tür­lich gibt es den Sustaina­bi­li­ty Report auch in ei­ner On­li­ne­ver­si­on, die zu­dem Pop-up-vi­de­os oder wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen ent­hält. Die Aus­wer­tung des Nut­zer­ver­hal­tens wies das Web als das wich­ti­ge­re Me­di­um aus. So wird der dem­nächst er­schei­nen­de neue Be­richt gar nicht mehr ge­druckt, son­dern nur noch on­li­ne pu­bli­ziert. »Das In­ter­net gibt uns ein­fach viel mehr Mög­lich­kei­ten, Vi­de­os, Links und an­de­ren Con­tent ein­zu­bin­den und das Le­sen so un­ter­halt­sa­mer und ab­wechs­lungs­rei­cher zu ge­stal­ten«, so Ma­le­ne Kor­sholm.

Lei­der gibt es es dann auch die ge­druck­ten »go­cards« nicht mehr. Die vor al­lem für den in­ter­nen Ge­brauch ge­stal­te­ten Kärt­chen grei­fen je­weils ein The­ma aus dem Report auf und vi­sua­li­sie­ren es mit ei­nem der Icons. Zu­dem ha­ben sie zwei Lö­cher, und steckt man die Fin­ger hin­durch, wer­den die­se zu Bei­nen oder Köp­fen und die Gra­fi­ken da­mit qua­si le­ben­dig. Durch die spie­le­ri­sche Her­an­ge­hens­wei­se ani­mie­ren sie die Best­sel­ler-mit­ar­bei­ter, sich noch ein­ge­hen­der mit dem Be­richt zu be­schäf­ti­gen.

Mo­de eint Län­der und Kul­tu­ren

Nach­hal­tig­keits­kom­mu­ni­ka­ti­on muss ernst­haft und ver­trau­ens­wür­dig sein – und den Le­ser trotz­dem in­ter­es­sie­ren. »Viel zu oft ist Sustaina­bi­li­ty nicht Teil des Kern­ge­schäfts, son­dern le­dig­lich ein Add-on – und das merkt man vie­len Be­rich­ten auch an«, sagt Ma­le­ne Kor­sholm. Im Fall von Best­sel­ler be­stand die Her­aus­for­de­rung zu­dem dar­in, dass die Ziel­grup­pe sehr he­te­ro­gen ist. Die mehr als 15 000 Mit­ar­bei­ter kom­men aus ver­schie­dens­ten Län­dern, Kul­tu­ren und Bil­dungs­schich­ten. Wo­bei al­le mit­ein­an­der ein Fa­shion-fai­ble tei­len. »In­dem wir ei­ne von der Mo­de in­spi­rier­te vi­su­el­le Spra­che ver­wen­det ha­ben so­wie Sym­bo­le und Icons, die al­len ver­traut sind, konn­ten wir abs­trak­te Fak­ten in ein­fa­che­re und vi­su­ell at­trak­ti­ve­re Bot­schaf­ten über­set­zen, die je­der ver­steht«, er­läu­tert Kor­sholm.

Der Best­sel­ler-report war der ers­te rei­ne Nach­hal­tig­keits­be­richt, den Prav­da ge­stal­tet hat. Si­cher­lich führ­te auch die­se, im bes­ten Sin­ne un­be­darf­te, fri­sche Her­an­ge­hens­wei­se zu dem über­zeu­gen­den Er­geb­nis. Dass die Dä­nen da­für kürz­lich ei­nen Red Dot: Best of the Best be­ka­men, war das Tüp­fel­chen auf dem i. »Seit Jah­ren ha­ben wir dar­auf hin­ge­ar­bei­tet, ei­ne in­ter­na­tio­na­le Aus­zeich­nung zu be­kom­men – das war ein gro­ßer Mo­ment für uns«, freut sich Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen. Die ge­sam­te Agen­tur, 29 Mit­ar­bei­ter, en­ter­te ein Flug­zeug nach Ber­lin und nah­men an der Award-show teil – und an der an­schlie­ßen­den Par­ty.

Für das Ge­schäfts­jahr 2017 ist die Nach­hal­tig­keits­be­richt­er­stat­tung ab ei­ner be­stimm­ten Un­ter­neh­mens­grö­ße Pflicht. Hof­fent­lich ar­bei­ten vie­le von ih­nen mit krea­ti­ven Agen­tu­ren zu­sam­men, so­dass wir uns auf hau­fen­wei­se Csr-re­ports wie den für Best­sel­ler freu­en kön­nen. ant

»Häu­fig ist Sustaina­bi­li­ty nicht Teil des Kern­ge­schäfts – und das merkt man vie­len Be­rich­ten auch an« PA­GE Sto­ry »Ge­schäfts­be­rich­te di­gi­tal«. Mehr zum The­ma in PA­GE 12.16 – mit span­nen­den Bei­spie­len↗ www.pa­ge-on­li­ne.de/pe­pa1612

In­spi­riert von Wä­sche­pfle­ge­sym­bo­len er­zählt der Nach­hal­tig­keits­be­richt für das Mo­de­un­ter­neh­men Best­sel­ler Ge­schich­ten. Art­di­rek­to­rin Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen (sit­zend) zeich­ne­te all die wun­der­ba­ren Icons zu­nächst mit Filz­stift auf Pa­pier. Cli­ent Ma­na­ger Ma­le

Vi­be­ke Krag Ras­mus­sen, Ma­le­ne Kor­sholm und Brand De­ve­l­oper Ka­rim Frø­lund Jar­rar ar­bei­ten mit dem agen­turei­ge­nen Idea­ti­on Kit, um struk­tu­riert Ide­en zu ge­ne­rie­ren

Die uns al­len ge­läu­fi­gen Pfle­ge­sym­bo­le wa­ren der Aus­gangs­punkt für die Ent­wick­lung der vi­su­el­len Spra­che

Mit den Icons las­sen sich tro­cke­ne Fak­ten leicht ver­ständ­lich kom­mu­ni­zie­ren. Best­sel­lers Cor­po­ra­te Font Adel­le kommt durch­ge­hend zum Ein­satz und stellt die Ver­bin­dung zu äl­te­ren Re­ports des Un­ter­neh­mens her

Zum Spie­len la­den die go-cards ein: Die durch die Lö­cher ge­steck­ten Fin­ger wer­den zu Bei­nen, Köp­fen – und manch­mal dür­fen sie auch Fin­ger blei­ben. So ani­mie­ren die Kar­ten, sich noch in­ten­si­ver mit dem The­ma Nach­hal­tig­keit zu be­schäf­ti­gen

Die On­li­ne­ver­si­on des Be­richts er­hält zu­sätz­li­che klick­ba­re Ele­men­te. Aber auch hier ha­ben Ty­po­gra­fie und Icons in je­dem Ka­pi­tel ei­ne ei­ge­ne Far­be

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.