Tex­te, Charts, Bil­der – die Sli­des im Hin­ter­grund

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● Kon­fe­renz­ver­an­stal­ter wol­len kei­ne uni­for­mier­ten Vor­trä­ge – das gilt auch für die Prä­sen­ta­ti­on, die be­glei­tend an die Wand pro­ji­ziert wird. Ein Pa­tent­re­zept für ei­ne gu­te Sli­de­show gibt es dem­nach nicht – aber durch­aus For­ma­te, die sich be­währt ha­ben.

Nur die wich­tigs­ten Ge­dan­ken ge­hö­ren an die Wand

Sli­des, auf de­nen ein Vor­trag eins zu eins nie­der­ge­schrie­ben steht, blei­ben beim Pu­bli­kum nicht hän­gen und ver­mit­teln ein Ge­fühl von Un­si­cher­heit. Der Vor­tra­gen­de wirkt schnell, als le­se er nur ab und spre­che nicht über Din­ge, für die er wirk­lich ein­steht. Statt­des­sen soll­te man sei­nen Vor­trag in Ka­pi­tel auf­tei­len und die wich­tigs­ten Ge­dan­ken schrift­lich zu­sam­men­ge­fasst an der Wand prä­sen­tie­ren. Ein aus­führ­li­cher Text soll­te aus­schließ­lich dem Spre­cher selbst vor­lie­gen.

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Kna­cki­ge The­sen und un­miss­ver­ständ­li­che Zi­ta­te kom­men beim Pu­bli­kum bes­ser an.

Bil­der gut auf­be­rei­ten

Bil­der lo­ckern ei­nen Vor­trag auf, man soll­te da­bei aber un­be­dingt be­ach­ten, dass sie in ho­her Auf­lö­sung in die Prä­sen­ta­ti­on in­te­griert sind. Im­mer­hin er­schei­nen sie zu­meist auf ei­ner rie­si­gen Lein­wand. Wer Vi­de­os zeigt, muss dar­auf ge­fasst sein, dass bei ei­nem Li­ve-event die Tech­nik im­mer mal strau­chelt, und sich zu­trau­en, mit der Si­tua­ti­on spon­tan um­ge­hen zu kön­nen.

Den­ken Sie an Twit­ter und Co

Ein Vor­trag kann nicht nur das Pu­bli­kum vor Ort er­rei­chen, son­dern ei­ne gan­ze So­ci­al-me­dia- Ge­mein­de. Wer ei­ne Sli­de­show vor­be­rei­tet, soll­te im Hin­ter­kopf ha­ben, was sich gut ab­fo­to­gra­fie­ren und auf Twit­ter und Co tei­len lässt: ein­präg­sa­me Bil­der und Charts mit mög­lichst we­ni­gen Wor­ten.

Ca­ses be­ste­hen, sind ein ab­so­lu­tes NoGo, da sind sich Kon­fe­renz­be­su­cher, Spre­cher und Ver­an­stal­ter ei­nig. »Statt­des­sen soll­te man et­was über die Men­schen er­fah­ren, die auf der Büh­ne ste­hen«, fin­det Marc Thie­le, »Be­weg­grün­de für ih­re Ar­beit, An­ek­do­ten, Hin­ter­grün­de«. Und Fran­zis­ka Par­schau, Event-ma­na­ge­rin bei der TY­PO Ber­lin, weiß: »Selbst­ver­mark­ter kom­men beim Ty­po-pu­bli­kum nicht gut an. Die Spre­cher müs­sen et­was Weg­wei­sen­des zu sa­gen ha­ben. Das darf durch­aus un­ter­halt­sam sein, aber am En­de möch­ten die Be­su­cher den Saal mit dem Ge­fühl ver­las­sen, et­was für den ei­ge­nen Job ge­lernt zu ha­ben.«

Wie man mit­rei­ßend über sei­ne ei­ge­ne Ar­beit spre­chen kann, oh­ne da­bei in Ei­gen­wer­bung zu ver­fal­len, zeigt der Zeich­ner Se­bas­ti­an Lör­scher ( www.se­bas­ti­an­lo­er­scher.de ). Ne­ben Auf­trags­ar­bei­ten ge­stal­tet er als Au­tor un­ter an­de­rem Rei­se­bü­cher im Stil von Gra­phic No­vels, die auf der Büh­ne bei­na­he wie ein Ka­ba­rett­pro­gramm funk­tio­nie­ren. Sein neu­es­tes Buch »A bis­serl wei­ter geht’s im­mer – Mit dem Skiz­zen­buch durch das Wil­de Ös­ter­reich« ent­hält Thea­ter­sze­nen, die Lör­scher in sei­ne Vor­trä­ge auf Kon­fe­ren­zen und Fes­ti­vals ein­baut – letz­tes Jahr zum Bei­spiel auf der TY­PO. Dar­über hin­aus ge­währt er Ein­bli­cke hin­ter die Ku­lis­sen, zeigt Zeich­nun­gen, die es nicht ins Buch ge­schafft ha­ben, so­wie ein­zel­ne Fo­tos oder kur­ze Vi­de­os von sei­nen Rei­sen. Sein An­spruch: »Auch je­mand, der mei­ne Bü­cher schon kennt, soll bei mei­nen Vor­trä­gen et­was Neu­es ent­de­cken.«

Er­fah­re­ne Wöl­fe, jun­ge Ha­sen

Wie aus­gie­big der ein­zel­ne Gestal­ter sei­nen Auf­trag im Vor­feld übt, ist in­di­vi­du­ell. Der ei­ne fühlt sich si­che­rer, wenn er ihn aus­wen­dig kann, der an­de­re setzt eher auf Spon­ta­nei­tät und Im­pro­vi­sa­ti­on. »Ech­te Pro­fis schaf­fen es so­gar, ih­re Er­zähl­struk­tur sehr kurz­fris­tig zu än­dern, um auf ih­re Vor­red­ner ein­ge­hen zu kön­nen«, meint Bastian All­gei­er. Wer sich un­si­cher ist, ob er schon reif ist für die gro­ße Büh­ne, kann sich Un­ter­stüt­zung bei ei­nem Coach ho­len (sie­he Interview auf Sei­te 95) oder auf ei­ner klei­ne­ren Ver­an­stal­tung star­ten. Na­tür­lich soll­te man sich auch Ge­dan­ken dar­über ma­chen, ob man das The­ma, das man an­bie­tet, auch wirk­lich be­wäl­ti­gen kann.

Ei­ne Fal­le, in die so­wohl er­fah­re­ne Spre­cher als auch Neu­lin­ge ger­ne tap­pen, ist die Zeit­vor­ga­be. Hilf­reich sind hier ei­ne Net­to­zeit­an­ga­be oh­ne Puf­fer be­reits in der Ein­la­dung, ei­ne Uhr am Büh­nen­rand und ein Re­gis­seur, der den Spre­cher ge­ge­be­nen­falls noch­mals an sei­nen Count­down er­in­nert. »Manch­mal hilft das al­les nicht – ei­ne Kon­fe­renz bleibt ein Li­ve-event«, gibt Fran­zis­ka Par­schau zu und er­in­nert sich mit ei­nem Schmun­zeln an ei­nen Auf­tritt von David Car­son, den ihr Team nach an­dert­halb St­un­den und un­ter Pro­test des Pu­bli­kums von der Büh­ne tra­gen muss­te. Car­son ist ein Pro­mi, ein Zug­pferd, auf das sich die Ma­cher von Krea­tiv­kon­fe­ren­zen ver­las­sen kön­nen. Sol­che En­ter­tai­ner al­lein ma­chen die Pro­gram­me al­ler­dings nicht aus. »Wir sprin­gen ger­ne auch mal ins kal­te Was­ser mit je­man­dem, der noch nie auf ei­nem Kon­gress auf­ge­tre­ten ist«, be­tont Fran­zis­ka Par­schau. »Nur so be­kom­men wir ei­nen fri­schen Mix hin.«

Nicht für Geld – aber für an­de­re Mehr­wer­te

Es lohnt sich, Initia­ti­ve zu zei­gen und Ar­beit in die Vor­be­rei­tung von Vor­trä­gen zu ste­cken, das be­stä­ti­gen al­le un­se­re Ge­sprächs­part­ner. Nicht we­gen des Ho­no- rars – denn das fällt, wenn über­haupt et­was ge­zahlt wird, ge­mes­sen am Auf­wand recht ge­ring aus –, aber um sich be­kannt zu ma­chen und Kon­tak­te zu knüp­fen. »Auch wenn man nicht di­rekt Wer­bung für sich selbst macht, be­kommt man hier viel Auf­merk­sam­keit für sei­ne Pro­jek­te«, meint Bastian All­gei­er. Zu­dem hel­fe es für Si­tua­tio­nen mit Kun­den, wenn man trai­niert hat, frei vor Pu­bli­kum zu spre­chen.

Micha­el Ull­rich hat vor al­lem das di­rek­te Feed­back nach sei­nem Auf­tritt beim ADC ge­fal­len. Der Mo­de­ra­tor des ADC Nach­wuchs­wett­be­werbs Uke Bos­se ha­be ihn noch am sel­ben Tag an­ge­spro­chen und ihn ge­fragt, ob er sei­ne Prä­sen­ta­ti­on sei­nen Stu­den­ten an der Me­dia­de­sign Hoch­schu­le Ber­lin zei­gen darf. »Es war ein gu­tes Ge­fühl zu se­hen, dass die Leu­te et­was mit­ge­nom­men ha­ben.«

La­mia Mich­na und Ro­bert Kö­nig ha­ben die Er­fah­rung ge­macht, dass nach je­dem ih­rer Auf­trit­te – ne­ben der ADC De­sign Ex­pe­ri­ence et­wa auf ei­ner Start-up-kon­fe­renz oder beim De­si­gn­mo­nat Graz – je­mand auf sie zu­kam, um mit ih­nen über mög­li­che For­men der Zu­sam­men­ar­beit zu spre­chen. Auch für Se­bas­ti­an Lör­scher er­ga­ben sich aus sei­nen Auf­trit­ten be­reits Fol­ge­auf­trä­ge, eben­so wie Buch­ver­käu­fe. »Und nicht zu­letzt«, hebt der Zeich­ner und Au­tor her­vor, »macht es un­heim­lich Spaß, sei­ne Ge­schich­ten vor Pu­bli­kum zu er­zäh­len«. jbr

»Am En­de möch­ten die Be­su­cher den Saal mit dem Ge­fühl ver­las­sen, et­was für den eig­nen Job ge­lernt zu ha­ben« ↗ PA­GE edos­sier »Auf­trags­ak­qui­se: Stra­te­gi­en & Tipps«. Red­ner­auf­trit­te sind zu­min­dest schon mal kei­ne Kalt­ak­qui­se. Wei­te­re Tipps fürs er­folg­rei­che Net­wor­king gibt’s auf ↗ www.pa­ge-on­li­ne.de/pddp1097

Die­se Sli­des stam­men aus ei­ner Prä­sen­ta­ti­on, die Ta­pe Over auf der ADC De­sign Ex­pe­ri­ence 2016 hielt. Das Künst­ler­duo setzt ins­ge­samt auf we­nig ge­schrie­be­nen Text – auch für sich selbst. Bei ih­ren Vor­trä­gen spre­chen La­mia Mich­na und Ro­bert Kö­nig frei

Der De­si­gner und De­ve­l­oper Bastian All­gei­er be­rei­tet je­den sei­ner Vor­trä­ge in­di­vi­du­ell vor. Hier ist er bei bey­ond tel­ler­rand in Düs­sel­dorf zu se­hen

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