Stamm­tisch im Zir­kus­wa­gen

In der Kreativbranche ha­ben sich klei­ne, aber fei­ne Ver­an­stal­tun­gen eta­bliert – zum Netz­wer­ken und zum un­kom­pli­zier­ten fach­li­chen Aus­tausch

PAGE - - BRANCHE -

● Wer als Krea­ti­ver gro­ße Fach­kon­fe­ren­zen be­sucht, kennt das: Nach zwölf St­un­den im Ge­tüm­mel und un­zäh­li­gen Talks fühlt man sich am En­de des Ta­ges oft­mals re­gel­recht er­schla­gen. Und fragt sich, war­um man ei­gent­lich dort war. Kein Zwei­fel, Kon­fe­ren­zen sind ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, sich mit In­put zu ver­sor­gen und die ei­ne oder an­de­re Vi­si­ten­kar­te un­ter die Leu­te zu brin­gen. Aber längst nicht je­der Vor­trag hält, was er ver­spricht, und nicht je­der Kon­takt mün­det in krea­ti­ven und pro­duk­ti­ven Aus­tausch. Nicht sel­ten bleibt der Mo­ment des Kar­ten­tauschs die ein­zi­ge per­sön­li­che An­nä­he­rung – ge­folgt von der vir­tu­el­len Kon­takt­auf­nah­me per E-mail als letz­tem Akt. Ge­sen­det, ge­spei­chert, ver­ges­sen.

Geht’s auch ’ne Num­mer klei­ner?

Kein Wun­der al­so, dass ne­ben den gro­ßen Kon­fe­renz­tan­kern klei­ne, kom­pak­te Events im­mer be­lieb­ter wer­den – sei­en es Meet-ups, Round Ta­bles oder Stamm­ti­sche. Sie ver­spre­chen ei­ne in­ti­me­re At­mo­sphä­re und zwang­lo­se Fach­ge­sprä­che. »Bei uns geht es we­der um klas­si­sches Bu­si­ness Net­wor­king, noch dar­um, sich zu pro­fi­lie­ren, son­dern um Aus­tausch auf Au­gen­hö­he«, er­klärt Mar­kus Ja­ritz, In­ter­ac­tion De­si­gner bei Mo­zil­la. Sechs Jah­re lang or­ga­ni­sier­te er den Münch­ner De­si­gner-stamm­tisch ( www.mee­t­up. com/de-de/de­si­gner-stamm­tisch ). Ein­mal im Mo­nat tref­fen sich dort Gestal­ter al­ler Dis­zi­pli­nen, um The­men, mit de­nen sie sich täg­lich her­um­schla­gen, aufs Ta­pet zu brin­gen: Von der Ak­qui­se über den zah­lungs­un­wil­li­gen Kun­den bis zur Fra­ge »Wie prä­sen­tie­re ich mich als Selbst­stän­di­ger?«. Da­ne­ben sind die Teil­neh­mer auf­ge­for­dert, ein ei­ge­nes Pro­jekt vor­zu­stel­len. Da­mit ge­nug Zeit für Ge­sprä­che bleibt, sind ma­xi­mal drei Vor­trä­ge à 20 Mi­nu­ten zu­ge­las­sen.

Der or­ga­ni­sa­to­ri­sche Auf­wand für den Stamm­tisch hält sich in Gren­zen: Für die Be­kannt­ma­chung gibt es ein­schlä­gi­ge Platt­for­men wie Mee­t­up ( www. mee­t­up.com ) oder XING Events ( www.xing-events. com), man­che Meet-ups, Round Ta­bles und Stamm­ti­sche nut­zen auch Face­book- Grup­pen. Als Lo­ca­ti­on hal­ten oft die ört­li­chen gas­tro­no­mi­schen Ein­rich­tun­gen her, für Ver­pfle­gung kommt je­der Teil­neh­mer selbst auf. Rund drei St­un­den Or­ga-ar­beit fal­len pro Mo­nat an, die teil­te sich Mar­kus Ja­ritz fünf Jah­re mit Fre­e­lan­ce-ux-ex­per­tin Ul­ri­ke Thiel und nun mit

»Es geht nicht dar­um, sich zu pro­fi­lie­ren, son­dern um Aus­tausch auf Au­gen­hö­he«

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