Zwi­schen Dress­code und Fa­shion-state­ment

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Wie klei­den sich De­si­gner und De­ve­l­oper der­zeit? So in­di­vi­du­ell, wie sie es auch als Krea­ti­ve sind

Ist in Krea­tiv­bü­ros und De­si­gnagen­tu­ren denn im­mer Frei­tag? Zie­hen die Kol­le­gen wirk­lich ein­fach an, was ih­nen ge­fällt? Wir ha­ben uns auf die Su­che nach den in­of­fi­zi­el­len Dress­codes ge­macht

● »Jo­an Hol­lo­way aus ›Mad Men‹ ist mei­ne Iko­ne«, sagt Grit Noack. Wie ihr Vor­bild aus der Us-se­rie um ei­ne Wer­be­agen­tur in den 1950ern ist sie Head of Of­fice – und zwar bei Eden­spie­ker­mann in Ber­lin. Wie die Se­ri­en­fi­gur legt auch sie Wert auf ei­nen ge­pfleg­ten Stil. Ihr Cre­do: »We­der ver­las­se ich das Haus un­fri­siert, noch tra­ge ich Snea­kers.«

En­de der Fünf­zi­ger hielt der Ca­su­al Fri­day Ein­zug in die Welt der Agen­tu­ren, um ei­ne an­stren­gen­de Ar­beits­wo­che lo­cker aus­klin­gen zu las­sen. Da­mals noch die Aus­nah­me, ist Ca­su­al heu­te in vie­len Agen­tu­ren die Norm auf und in al­len Eta­gen und Spar­ten der Branche. An­zü­ge sieht man nur noch sel­ten, kein männ­li­cher Kol­le­ge mag noch Kra­wat­ten bin­den. »Wir sind hier ja nicht auf der Spar­kas­se.«

Gel­ten Men­schen wie Grit Noack mit ih­rem Fai­b­le für Vin­ta­ge Bu­si­ness Style al­so als hoff­nungs­lo­se Nost­al­gi­ker? Gibt es über­haupt noch Dress­codes? Wie steht es um all die Kli­schees: Be­ra­ter be­vor­zu­gen das ty­pi­sche Schwarz-in-schwarz, Pro­gram­mie­rer ge­hen nicht oh­ne Hoo­die vor die Tür, und der Krea­tiv­di­rek­tor setzt auf Denim und bun­te T-shirts?

Er­laubt ist, was ge­fällt

Klar ist: Schwarz als Kon­sens­far­be der Agen­tur­kla­mot­te hat im­mer noch ge­nü­gend An­hän­ger. San­dra Freu­den­reich, Pro­jekt­ma­na­ge­rin bei Scholz & Volk­mer in Wies­ba­den, er­klärt ih­re Prä­fe­renz mit Prag­ma­tis­mus: »Schwarz mit Schwarz zu kom­bi­nie­ren spart mor­gens lo­cker 15 Mi­nu­ten vor dem Klei­der­schrank.« Die Ten­denz zur Uni­form tei­len auch Krea­ti­ve mit an­de­ren farb­li­chen Vor­lie­ben, bei­spiels­wei­se Jür­gen Flo­renz, Ge­schäfts­füh­rer der Ham­bur­ger Agen­tur GURU: »Ich ha­be al­les zehn­fach im Schrank, im­mer Ni­ke Air Max 360. Im­mer Die­sel-jeans. Im­mer MUJI-T aus dem Dop­pel­pack.«

Ku­ra­tier­tes Shop­ping? Braucht in den Agen­tu­ren ganz be­stimmt nie­mand. Hier wer­den All-time Fa­vou­rites, Trends und Trash zu in­di­vi­du­el­len State­ments kom­bi­niert: Ha­waii­hemd und Me­tal-shirt, Sa­tin-mi­ni mit Doc-mar­tens-stie­feln, und auch die Vo­ku­h­i­la ist nicht tot­zu­krie­gen. Was De­si­gner und De­ve­l­oper sich tat­säch­lich al­les trau­en, ha­ben wir auf die­sen Sei­ten zu­sam­men­ge­stellt. as [1029]

»Zeig, was du hast!« Ales­san­dro Ca­val­lo, Art­di­rek­tor bei In­ter­lu­ti­ons in Köln

»Bes­ser zu viel und zu laut als lang­wei­lig und be­re­chen­bar« Grit Noack, Head of Of­fice bei Eden­spie­ker­mann in Ber­lin

»Ich schät­ze star­ke Mar­ken und stra­pa­zier­fä­hi­ge Ge­we­be« Ste­fan Pabst, De­sign In­tern bei Eden­spie­ker­mann in Ber­lin

»Ein biss­chen Zir­kus, ein biss­chen bunt, ein biss­chen mehr von al­lem« Ju­lie Hell­mann, Ju­ni­or Pro­ject Ma­na­ger, Jung von Matt in Ham­burg

»Pri­vat oder be­ruf­lich? Da ma­che ich kei­nen Un­ter­schied« Tat­ja­na Fi­scher-ge­nin, Art­di­rek­tor bei BBDO in Düs­sel­dorf

»Mi­ni­ma­lis­ti­scher Ca­su­al mit ei­ner Pri­se Ele­ganz: The snea­ker meets the suits« Andre­as Krat­zer, Stra­te­gist, diff­fe­rent in Mün­chen

Wer es nicht nur gra­fisch mag, son­dern auch bunt, schaut am bes­ten in Pan­to­nes Fa­shion Co­lor Re­port: Dort sind »Pa­le Dog­wood« und »Pink Yar­row«, al­so Ro­sa und Pink, ab­so­lu­te Som­mer­trend­far­ben – auf Kla­mot­ten und be­stimmt auch auf dem Screen.

Si­ma Ni­ro­u­mand, Se­ni­or-art­di­rek­to­rin bei denk­werk in Köln »Ich mag mei­ne Pat­tern Li­bra­ry«

Clai­re Kid­man, Edi­tor bei Eden­spie­ker­mann in Ber­lin »My other Jump­su­it is blue« Na, wenn das kei­ne Ar­beits­klei­dung ist: Ul­tra­pu­ris­ti­sche Over­alls, de­ren Schnitt bis­wei­len an den freund­li­chen Tank­wart von ne­ben­an er­in­nert, blei­ben hip. Vor­teil: Ein ein­zi­ger Griff in den Schrank – und das Out­fit für den Tag steht.

Bei die­sem Blou­son denkt man schon fast nicht mehr an die al­te Flie­ger­ja­cke der US Ar­my. Ganz gleich ob’s am Fla­schen­grün liegt oder eher an der dop­pel­ten Ragl­an­naht an den Schul­tern: Gleich los­jog­gen kann man in dem Dress al­le­mal.

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