Web­sites für Fo­to­gra­fen

Um ih­re vi­su­el­le Iden­ti­tät küm­mern sich Fo­to­gra­fen ger­ne mal selbst. Ein Feh­ler? Wir zei­gen, wie loh­nend die Zu­sam­men­ar­beit mit gu­ten De­si­gnern sein kann

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Bei der Gestal­tung ih­rer vi­su­el­len Iden­ti­tä­ten könn­ten sich Fo­to­gra­fen ru­hig öf­ter von De­si­gnern un­ter­stüt­zen las­sen, wie die­se tol­len Bei­spie­le be­wei­sen

● Tem­pla­te her, Bil­der rein, Na­men und Adres­se über ei­nen On­li­ne­an­bie­ter auf ei­ne Vi­si­ten­kar­te dru­cken – fer­tig ist das Diy-er­schei­nungs­bild, um ei­ne gran­dio­se Fo­to­gra­fen­kar­rie­re zu star­ten? Kann sein, muss aber nicht. Die Kon­kur­renz in der Bran­che ist enorm, die meis­ten Fo­to­gra­fen-web­sites äh­neln sich wie ein Ei dem an­de­ren. Da kön­nen dem Art Buy­er oder Bild­re­dak­teur, der je­den Tag in die­sem Meer der Gleich­för­mig­keit na­vi­giert, schon mal die Au­gen zu­fal­len . . .

Schau­en wir zu­rück in die kur­ze, aber be­weg­te Ge­schich­te der Fo­to­gra­fen-web­sites. Da­mals, als es noch ei­ne Tech­no­lo­gie na­mens Flash gab, war die­se für die smoo­the Fo­to­prä­sen­ta­ti­on qua­si ein Muss. Die Web­sites wa­ren pom­pös, al­ler­dings oft quä­lend lang­sam. Dann kam die Ka­chel­de­si­gn­mo­de auf und wur­de dank­barst an­ge­nom­men: end­lich ein schnel­ler Über­blick über die Bil­der. In­zwi­schen ist dies zum Stan­dard ge­wor­den, und ge­nau da liegt das Pro­blem.

Ei­ge­ner­look­ge­fragt

Das De­si­gner­duo Ko­eper­her­furth aus Dort­mund sieht nun ei­ne Trend­wen­de kom­men. »Die Fo­to­gra­fen sind wie­der be­reit, in die Gestal­tung des Port­fo­li­os zu in­ves­tie­ren. Die Ten­denz geht klar in Rich­tung in­di­vi­du­el­ler Po­si­tio­nie­rung, auch wenn das 3000 bis 5000 Eu­ro kos­ten kann, plus tech­ni­sche Um­set­zung«, so Fa­bi­an Ko­eper. Gleich vier Fo­to­gra­fen sind der­zeit Kun­den des Du­os.

»Die Gestal­ter ken­nen sich hier un­ter­ein­an­der, man spricht nicht um­sonst von ›Dorf­mund‹«, meint Ko­eper. Das Bü­ro, das er und Jo­nas Her­furth 2011 schon wäh­rend des Stu­di­ums star­te­ten, hat in der Sze­ne ei­nen Na­men. Das lock­te un­ter an­de­rem 1 Ju­lia Sell­mann an. »Sie kam auf uns zu und hat ganz klar ge­sagt, dass sie et­was Be­son­de­res will, al­so nicht nur Ka­chel- Grids. So zeig­te sie uns et­wa Web­sites, wo auf Fo­tos gro­ße Zif-

fern stan­den oder Bil­der durch­ge­stri­chen wur­den, wenn man sie an­ge­se­hen hat­te. Bei an­de­ren Fo­to­gra­fen wä­re das ein No- Go.«

Wäh­rend man­chen Fo­to­gra­fen ih­re Bil­der zu hei­lig sind, um et­was zu wa­gen, könn­ten sich an­de­rer­seits die Web­de­si­gner auch in Ei­tel­keit ver­lie­ren und all­zu ex­pe­ri­men­tell wer­den. »Man muss da die Waage hal­ten«, fin­det Ko­eper. »Es ist schon gut, zu Be­ginn ei­nen ge­wis­sen Über­blick zu bie­ten. Mit nur ei­nem Bild auf­zu­ma­chen ist ris­kant – wenn ge­nau die­ses Mo­tiv dem Be­trach­ter nicht ge­fällt, steigt er viel­leicht gleich aus. Als De­si­gner muss man sich ei­nen Kniff in der Usa­bi­li­ty über­le­gen, um den Auf­tritt in­ter­es­sant zu ge­stal­ten.«

Von­front- ­bis­ba­ckend

Die Web­site von Ju­lia Sell­mann ist von Edi­to­ri­al De­sign in­spi­riert, denn die 25-Jäh­ri­ge strebt in die Edi­to­ri­alFo­to­gra­fie, ar­bei­te­te schon für »DIE ZEIT« oder das »Sz«-ma­ga­zin. Man blät­tert on­line wie durch ei­ne Zeit­schrift mit Tex­t­e­le­men­ten wie Zi­ta­ten, Er­klär­tex­ten oder Cre­dits. Auf der Start­sei­te gibt es links ei­nen klei­nen Grid-über­blick, rechts viel Raum mit we­nig Text und ganz au­ßen ein gro­ßes Bild im An­schnitt – un­ge­wöhn­lich, sind vie­le Fo­to­gra­fen beim Be­schnei­den ih­rer Bil­der doch äu­ßerst emp­find­lich.

Auch die farb­li­che Gestal­tung war wich­tig. Ju­lia sei ei­ne Freun­din der ent­sät­tig­ten Far­be, er­klärt Fa­bi­an Ko­eper. Zu je­der Stre­cke kann sie ei­nen Farb­ton im Ba­ckend wäh­len. Als Con­tent-ma­nage­ment-sys­tem dient das sehr re­du­zier­te Pro­cess­wire, ein Vor­schlag von Sa­scha Post­ner, der die Si­te rea­li­sier­te. Über ein Drop-downMe­nü wählt die Fo­to­gra­fin ein Tem­pla­te aus, mal mit Bil­dern im An­schnitt, mal mit, mal oh­ne Rah­men. Da­zu kom­men drei Text­va­ri­an­ten. Auch der links auf­klap­pen­de Text zur Per­son lässt sich schnell mit ak­tu­el­len In­fos er­gän­zen, et­wa wenn sie im Aus­land ist.

Na­tür­lich sind Print-er­schei­nungs­bild und Web­site eng an­ein­an­der an­ge­lehnt, so­wohl farb­lich als auch ty­po­gra­fisch. Al­les ist auf ei­nen Font re­du­ziert, die Mé­ri­va des klei­nen deut­schen Ty­po- und De­sign­stu­di­os New Let­ters. Auch die Wort­mar­ke ba­siert auf der Schrift, die Ei­gen­art und Les­bar­keit ver­eint.

Web­sites­mit­cha­rak­ter

Ein zu­rück­hal­ten­de­rer Typ ist 2 Ta­bea Hahn, aber so­wohl was Mo­de- als auch do­ku­men­ta­ri­sche Fo­to­gra­fie an­geht, hat sie span­nen­de Plä­ne – die­sen Spi­rit woll­te Ko­eper­her­furth auf der Web­site ver­mit­teln. So steht am An­fang re­la­tiv groß Ta­bea Hahns Na­me, dar­un­ter Bil­der im An­schnitt. Scrollt man her­un­ter, wird der Na­me klei­ner und schließ­lich zu ei­nem Si­g­net, das über ei­ner Ga­le­rie­an­sicht steht. Klickt man auf ein Pro­jekt, er­scheint ein Ta­bleau, das man über die trans­lu­zent ein­ge­färb­te Ga­le­rie­an­sicht zieht. Die gan­ze Na­vi­ga­ti­on ist flüs­sig und funk­tio­niert mit sim­plen Wisch­be­we­gun­gen. Die Hin­ter­grund­far­be wählt die Fo­to­gra­fin im Ba­ckend aus, wenn sie die Bil­der ein­speist.

Ei­gent­li­ches Lo­go ist der Schrift­zug »Ta­bea Hahn Photography«, ba­sie­rend auf der Dis­place von De­nis Se­re­brya­kov, die sich zwi­schen Kal­li­gra­fie und Tech­nik be-

wegt. Im Duk­tus die­ser Schrift be­ar­bei­te­ten die De­si­gner das Si­g­net, das die Fo­to­gra­fin schon be­saß. In Spot­lack taucht es auf Vi­si­ten­kar­te und Brief­pa­pier auf. Cha­rak­ter hat auch die zwei­te Schrift auf der Si­te, die die De­si­gner un­ter dem Na­men Clas­si­co er­war­ben, bei der es sich aber of­fen­kun­dig um ei­ne Op­ti­ma han­delt.

Bau­kas­ten­sys­tem

In Pe­ters­bur­ger Hän­gung, manch­mal auch ge­rahmt, prä­sen­tie­ren sich die Bil­der auf der Web­site von 3 Anna Mer­ten. Da­hin­ter steckt ei­gent­lich ein Spal­ten­lay­out (sie­he oben), das vier ver­schie­de­ne x­wer­te beim Bild­for­mat er­laubt. Im Pro­cess­wire­ba­ckend stellt die Fo­to­gra­fin die Grö­ßen ein und plat­ziert die Mo­ti­ve – et­wa in Spal­te zwei an fünf­ter Stel­le. Die Bild­le­gen­den er­schei­nen bei Mou­se­o­ver über ei­ne Li­nie mit dem Mo­tiv ver­bun­den. Die In­fo­sei­te ist mit meh­re­ren Spal­ten und der Kom­bi­na­ti­on ei­ner se­ri­fen­lo­sen und ei­ner Se­ri­fen­schrift an das Lay­out des Brief­bo­gens an­ge­lehnt.

Für Letz­te­ren nutzt Anna Mer­ten grau­es, rechts oben mit ei­nem Fo­to be­druck­tes Na­tur­pa­pier. Tei­le des Bil­des ver­deckt sie dann mit ei­nem Adress­auf­kle­ber. Eben­so läuft das bei den Vi­si­ten­kar­ten, die auf Vor­der­und Rück­sei­te mit Fo­tos be­druckt sind. Die Vi­ny­lauf­kle­ber las­sen sich na­tür­lich auch auf Um­schlä­gen oder Equip­ment­kof­fern ver­wen­den.

Es­wird­per­sön­lich

Span­nend an der Ar­beit für Fo­to­gra­fen fin­det Ko­eper, dass es dar­um geht, ei­ner Ein­zel­per­son ein Ge­sicht zu ge­ben. Auch Cha­rak­te­re spie­len ei­ne Rol­le. »Ju­lia ist ei­ne fröh­li­che Per­son, die ger­ne lacht und ei­ne star­ke Prä­senz hat. Klar, dass die Sei­te an­ders aus­se­hen muss als für ei­ne eher zu­rück­hal­ten­de Na­tur.« Ei­ne Auf­ga­be, die sehr ver­ant­wor­tungs­voll sei. »Es ist nicht gera­de ei­ne Psy­cho­ana­ly­se . . ., aber es fühlt sich schon ei­gen­ar­tig an, wie man beim In­ter­view mit den Fo­to­gra­fen ver­sucht, per­sön­li­che Ei­gen­schaf­ten her­aus­zu­kit­zeln.«

Und was für ein Typ ist Fo­to­graf 4 Ro­land Ba­e­ge, für den das Stu­dio jüngst ei­ne schö­ne Ge­schäfts­aus­stat­tung kre­ierte? »Ein aus­ge­spro­chen son­ni­ges Ge­müt! Sei­ne Fo­tos ver­sieht er ger­ne mit Hash­tags wie #nrei­nes­ver gnü­gen«, er­zählt Fa­bi­an Ko­eper. »Da­bei hat er ei­nen sehr pro­fes­sio­nel­len An­satz und setzt sich stark mit tech­ni­schen The­men aus­ein­an­der.« Ein Spa­gat, den die De­si­gner mit ei­nem sehr se­riö­sen Brief­bo­gen aus Feinst­pa­pier und Stem­peln in gel­ber Ta­ges­leucht­far­be wi­der­spie­geln. Die Vi­si­ten­kar­ten ha­ben ei­nen ne­on­far­be­nen Kern und las­sen sich auch bes­tem­peln. »Wie bei ei­ner Be­hör­de hat Ro­land Ba­e­ge nun ein Ron­dell, in dem Stem­pel hän­gen«, so Ko­eper. Al­ler­dings mit Herz­chen, Smi­leys, Pfei­len, Aus­ru­fe­zei­chen, dem Wort »Cheese« – oder eben »#nrei­nes­ver­gnü­gen«. cg [1232]

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