Moral­fra­ge

Krea­ti­vi­täts­ex­per­tin Dr. Clau­dia Ger­des zeigt, wie man im Schlaf krea­tiv wird

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● Nicht bloß für Krea­ti­ve ist Krea­tiv­sein heut­zu­ta­ge ein Muss – kommt di­rekt nach Schlank­sein und Gut­aus­se­hen. Scha­ren von Coa­ches und Buch­au­to­ren le­ben von an­geb­lich un­fehl­ba­ren Re­zep­ten für mehr Krea­ti­vi­tät, führt die­se doch nicht nur zu mehr In­no­va­ti­on (das nächs­te Zau­ber­wort), son­dern au­ßer­dem zu er­füll­te­rer Frei­zeit. Und Letz­te­re ist be­kannt­lich Pflicht!

Auch die Wis­sen­schaft­ler for­schen flei­ßig, in den Wirt­schafts­me­di­en sind die Er­geb­nis­se nach­zu­le­sen. Tests an der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia zeig­ten dass die Pro­ban­den nach der Lek­tü­re »sinn­frei­er Pas­sa­gen« aus Kaf­kas »Lan­d­arzt« auf mehr Ide­en ka­men. Hilft wohl, um sich lo­cker zu ma­chen. An der Münch­ner Lud­wig­ma­xi­mi­li­ans­uni­ver­si­tät will man zwei­fels­frei fest­ge­stellt ha­ben, dass der Wech­sel zwi­schen Ste­hen und Sit­zen zu 24 Pro­zent mehr Krea­ti­vi­tät führt – wa­ren Her­stel­ler hö­hen­ver­stell­ba­rer Bü­ro­ti­sche die Auf­trag­ge­ber?

Die Uni­ver­si­ty of Bri­tish Co­lum­bia lässt wis­sen, dass ro­te Um­ge­bun­gen bei der Lö­sung von De­tail­auf­ga­ben helfen, blau­es Am­bi­en­te je­doch die Krea­ti­vi­tät stei­gert. An­de­re set­zen auf Brain­food, las­sen re­gel­mä­ßig beim Arzt ein Ami­no­gramm er­stel­len und neh­men feh­len­de Ami­no­säu­ren als Pil­len, da­mit der Do­pa­min­spie­gel steigt. Pi­cas­so soll aus ähn­li­chen Grün­den ei­ne Di­ät aus Spi­nat und Fisch ein­ge­hal­ten ha­ben, Karl La­ger­feld trinkt den gan­zen Tag Co­ke light. Und zwar aus­schließ­lich.

Ver­gleichs­wei­se wohl­tu­end fand ich da die Vor­schlä­ge des Me­di­en­wis­sen­schaft­lers Nor­bert Bolz letzt­hin in der »Wirt­schafts­wo­che«: Man kön­ne Krea­ti­vi­tät gar nicht för­dern, wohl aber be­hin­dern. Bei­spiels­wei­se durch zu viel an­geb­lich so krea­ti­ve Team­ar­beit. Al­le be­rühm­ten Den­ker, Li­te­ra­ten und Er­fin­der hät­ten al­lein und in al­ler Ru­he ih­re ge­ni­als­ten Ide­en ent­wi­ckelt.

Auch dies gab mir zu den­ken: Ei­ne ka­li­for­ni­sche Wis­sen­schaft­le­rin tes­te­te bei ih­ren Pro­ban­den, ob sie krea­ti­ve ver­ba­le Auf­ga­ben bes­ser lö­sen konn­ten, wenn sie vor­her kurz ge­schla­fen hat­ten. Die Er­geb­nis­se spra­chen ein­deu­tig für das Ni­cker­chen, denn da­bei fin­de »kom­bi­na­to­ri­sches Den­ken« statt. Al­so ein­fach mal vom krampf­haf­ten Stre­ben nach Krea­ti­vi­tät run­ter­kom­men und ’ne Run­de pen­nen.

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