Dorf, aber kei­ne Idyl­le

In ei­nem öko­lo­gisch kon­zi­pier­ten Neu­bau im All­gäu ent­wi­ckelt die De­sign­grup­pe Ko­op in­tel­li­gen­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lö­sun­gen

PAGE - - Titel › Stadt, Land, Job? -

● Sie sind Ex­per­ten fürs Im-ab­seits-der-pro­vin­zSein. Seit sechs Jah­ren le­ben und ar­bei­ten Andre­as Ko­op und sei­ne Frau Na­di­ne in Rück­holz im All­gäu. Vor­her war die De­sign­grup­pe Ko­op in Nes­sel­wang zu Hau­se. Als das Stu­dio wuchs und al­les zu eng wur­de, kam die Stand­ort­fra­ge auf. Aus dem All­gäu weg woll­ten sie nicht, bot das Le­ben dort doch vie­le Vor­tei­le, gera­de für die da­mals drei- und sechs­jäh­ri­gen Söh­ne. Al­so kauf­ten sie ein rie­si­ges Grund­stück und bau­ten dar­auf zwei Öko­häu­ser und ei­ne gro­ße Ga­ra­ge. Platz für die Fa­mi­lie, die drei An­ge­stell­ten und die bei­den Prak­ti­kan­tin­nen.

Aber das Land­le­ben hat auch Nach­tei­le. Be­son­ders der feh­len­de öf­fent­li­che Nah­ver­kehr, für al­les braucht man das Au­to. Zu­dem ist es nicht ein­fach, Mit­ar­bei­ter zu fin­den. Gera­de Prak­ti­kan­ten wol­len meist lie­ber nach Ber­lin. Ei­ne Stu­den­tin aus St. Gal­len, die un­be­dingt zu ihnen woll­te, muss­te dann doch ab­sa­gen, weil sie kei­nen Füh­rer­schein hat­te. Andre­as Ko­op hält oft Vor­trä­ge, ist in Ju­rys und un­ter­rich­tet viel, an den Hoch­schu­len in Ravensburg und in Dorn­birn. Für ihn nicht nur ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, nach jun­gen Ta­len­ten Aus­schau zu hal­ten, son­dern auch, um selbst mal raus­zu­kom­men.

Wi­en statt All­gäu

Bis vor ei­ni­gen Jah­ren kam ein Groß­teil der Kun­den aus der Re­gi­on. In­zwi­schen sind vie­le der dort an­ge­sie­del­ten mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men nicht mehr selbst­stän­dig, son­dern Teil von Kon­zer­nen. Da­mit sitzt auch das Mar­ke­ting oft in Chi­ca­go oder Shang­hai, nicht in Kemp­ten. Die De­sign­grup­pe Ko­op nahm die­se Ent­wick­lung als An­stoß, sich nach an­de­ren Auf­trag­ge­bern um­zu­schau­en. »Wir woll­ten im­mer schon ger­ne mehr im kul­tu­rel­len Be­reich ar­bei­ten, und das hat sich wirk­lich gut ent­wi­ckelt«, be­rich­tet Andre­as Ko­op. Heu­te kom­men et­wa zwei Drit­tel der Jobs von Mu­se­en und In­sti­tu­tio­nen – weit über das All­gäu hin­aus.

Prin­zi­pi­ell sind die Ko­ops sehr zu­frie­den – auch wenn sie mit ih­rem Dorf ein we­nig Pech ha­ben. »Es gibt hier sehr viel Milch­wirt­schaft , ent­spre­chend stinkt es oft nach Gül­le.« Ei­ne Stu­die der TU Mün­chen er­gab kürz­lich, dass es im All­gäu nach Nie­der­sach­sen die am stärks­ten mit Ni­trat be­las­te­ten Bö­den gibt. In ei­nem hoch­tou­ris­ti­schen Ge­biet ei­gent­lich ein No- Go. »Wir ha­ben uns echt ins Zeug ge­legt, mit Initia­ti­ven und Bür­ger­be­tei­li­gun­gen, aber die meis­ten Leu­te hier in­ter­es­siert das ein­fach nicht, und die Po­li­tik ma­chen un­se­re Groß­bau­ern.«

Ge­le­gent­lich be­schleicht Andre­as Ko­op das Ge­fühl, die Vor­zü­ge des Land­le­bens wie gu­te Luft und Ru­he wür­den ver­schwin­den und nur noch die Nach­tei­le blei­ben. »Wir ha­ben hier kei­nen öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr und kein Bio­ca­fé, aber auch nicht wirk­lich Ru­he und gu­te Luft .« Und so kann er sich schon vor­stel­len, noch mal den Stand­ort zu wech­seln. »Wi­en wä­re ei­ne Op­ti­on, da zieht es uns arg hin.« Im Mo­ment aber ver­su­chen die Ko­ops zu ge­nie­ßen, was sie ha­ben, und die schö­nen Din­ge mehr wahr­zu­neh­men. Zum Bei­spiel die Berg­mol­che in ih­rem Teich. Und dass sie in die­ser Kon­stel­la­ti­on viel Zeit mit ih­ren Jungs ver­brin­gen kön­nen. Was spä­ter kommt, wird man se­hen. ant

»Wir ha­ben hier kei­nen öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr und kein Bio­ca­fé, auch nicht wirk­lich Ru­he und gu­te Luft. Im­mer­hin ein paar Ber­ge als De­ko­ra­ti­on« Andre­as Ko­op, Grün­der der De­sign­grup­pe Ko­op, Rück­holz ↗ www.de­sign­grup­pe-ko­op.de

Platz gibt es hier reich­lich: Andre­as, Mi­ka, Lu­ca und Na­di­ne Ko­op auf ei­nem Dach­teil ih­res Hau­ses in Rück­holz

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