De­si­gn­an­ge­bo­te rich­tig schrei­ben

Egal, ob Lo­go, Bro­schü­re, Web­site oder agi­les Projekt: Vor der Ar­beit kommt das An­ge­bot. Wir er­klä­ren, was drin­ste­hen muss, da­mit Krea­ti­ve und ih­re Kun­den auf der si­che­ren Seite sind

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Mit dem An­ge­bot schaf­fen Krea­ti­ve – ob Fre­e­lan­cer oder Agen­tur – die Grund­la­ge für ei­ne gu­te, fai­re und rechts­si­che­re Zu­sam­men­ar­beit mit ih­ren Kun­den. Wir ge­ben Tipps rund um An­ge­bots­er­stel­lung und AGB – aus der Pra­xis für die Pra­xis

● Gu­te Zu­sam­men­ar­beit braucht ei­ne gu­te Grund­la­ge. Für De­si­gn­leis­tun­gen ist dies in der Re­gel ein sau­ber auf­ge­setz­tes und vom Kun­den be­stä­tig­tes An­ge­bot. In ihm legt der Krea­ti­ve – Fre­e­lan­cer eben­so wie Agen­tur – sei­ne Leis­tung, die Kos­ten so­wie Rah­men­be­din­gun­gen fest. Das klingt ein­fach, ist es aber nicht un­be­dingt. Ge­ra­de Be­rufs­an­fän­ger und Ein­zel­kämp­fer tun sich manch­mal schwer mit dem rechts­si­che­ren For­mu­lie­ren von An­ge­bo­ten und all­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB). Im Fol­gen­den be­ant wor­ten wir die wich­tigs­ten Fra­gen. nik [3246]

Was muss ich klä­ren, be­vor ich ein An­ge­bot schrei­be?

Vor der Er­stel­lung ei­nes An­ge­bots soll­ten Sie nicht nur die wich­tigs­ten Pro­jekt­punk­te ab­fra­gen, son­dern auch ein Ge­spür für den Kun­den ent­wi­ckeln. Jo­chen Rä­de­ker, Mit­grün­der und Ma­na­ging Part­ner der De­si­gnagen­tur Strich­punkt in Stutt­gart und Berlin, emp­fiehlt des­halb ei­ne per­sön­li­che Be­geg­nung: »Ge­ra­de bei Neu­kun­den ist uns das sehr wich­tig – und den Auf­trag­ge­bern zu­meist auch. Denn ob die Che­mie stimmt, ist letzt­lich wich­ti­ger für den Er­folg ei­nes Pro­jekts als der Preis.«

Be­steht ein Un­ter­neh­men auf ein An­ge­bot oh­ne Tref­fen, ist laut Jo­chen Rä­de­ker Vor­sicht ge­bo­ten: »Sol­che An­fra­gen sind oft von den Ein­kaufs­ab­tei­lun­gen ge­trie­ben oder be­ru­hen auf kon­zern­in­ter­nen Re­ge­lun­gen, nach de­nen ein Job al­le drei Jah­re aus­ge­schrie­ben wer­den muss, auch wenn kei­ner der Be­tei­lig­ten dar­an In­ter­es­se hat, die Zu­sam­men­ar­beit mit den be­ste­hen­den Part­nern zu be­en­den. In sol­chen Fäl­len lohnt sich der Auf­wand, den ein An­ge­bot er­for­dert, oft nicht.«

Der Strich­punkt­chef rät au­ßer­dem, nach dem Bud­get­rah­men zu fra­gen: »Wenn ich weiß, was der Kun­de aus­ge­ben will, kann ich sa­gen, wel­che Leis­tung wir für die­sen Be­trag er­brin­gen kön­nen.« Hat Ihr Auf­trag­ge­ber kei­ne ge­naue Vor­stel­lung, sa­gen Sie ihm, wo­mit er in der von ihm ge­wähl­ten Grö­ßen­ord­nung rech­nen muss. Lie­gen die Vor­stel­lun­gen zu weit aus­ein­an­der, kön­nen Sie die Ver­hand­lung ge­trost be­en­den.

Wie schät­ze ich den Auf­wand für ein Projekt ein?

Für ein rea­lis­ti­sches An­ge­bot muss man wis­sen, wie viel Zeit und Ar­beit ein Projekt er­for­dert. Da­bei hel­fen zum ei­nen Er­fah­rungs­wer­te (so­fern man die­se Art von Projekt schon ein paar Mal ge­macht hat), zum an­de­ren ei­ne kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Kun­den. »Ich bin zum Bei­spiel dank­bar für ei­nen Hin­weis, wenn die Müh­len in ei­nem Kon­zern sehr lang­sam mah­len«, meint Jo­chen Rä­de­ker. Dann kann er ent­spre­chend mehr Zeit ein­pla­nen. Denn als Ba­sis für je­des An­ge­bot dient bei Strich­punkt der St­un­den­satz, der für al­le Kun­den iden­tisch ist. »Wir bie­ten je­dem un­se­re best­mög­li­che Leis­tung zum sel­ben Preis«, er­klärt er. »Was va­ri­iert, ist die Kom­ple­xi­tät der Pro­jek­te – da­durch ent­ste­hen Mehr­kos­ten.« Kon­zer­ne be­nö­ti­gen oft mehr Work­shops, Kun­den­be­fra­gun­gen, Ab­stim­mungs­schlei­fen so­wie ei­ne Aus­ar­bei­tung für ei­ne grö­ße­re An­zahl von Me­di­en als der Kun­de ne­ben­an. Des­halb soll­te man im Vor­ge­spräch ge­nau die Ar­beits­ab­läu­fe und den Um­fang des Pro­jekts klä­ren.

Das Ziel ist im­mer, mög­lichst ge­nau zu kal­ku­lie­ren. »Ein An­ge­bot, von dem ich weiß, dass ich es über­schrei­ten wer­de, ist kein gu­tes An­ge­bot – und kein gu­ter Start in ei­ne ver­trau­ens­vol­le und lang­fris­ti­ge Kun­den­be­zie­hung«, so Jo­chen Rä­de­ker. Sein Tipp: Bei grö­ße­ren Pro­jek­ten ein An­ge­bot nicht nur per Post oder E­mail ver­schi­cken, son­dern es in ei­ner Prä­sen­ta­ti­on vor­stel­len. So kann man Fra­gen di­rekt be­ant­wor­ten und Pas­sa­gen kla­rer for­mu­lie­ren. Das ver­bes­sert die Chan­cen für ein ge­mein­sa­mes Ver­ständ­nis.

Soll­te ich für Ak­qui­se­zwe­cke in Vor­leis­tung ge­hen?

Das hängt vom Auf­trag ab. »Für ein re­la­tiv ein­fa­ches Projekt wie bei­spiels­wei­se ei­nen Ge­schäfts­be­richt soll­te man nicht in Vor­leis­tung ge­hen«, er­klärt Victoria Ring­leb, Ge­schäfts­füh­re­rin der Al­li­anz Deut­scher De­si­gner (AGD). In dem Fall kann man auf ähn­li­che Jobs im Port­fo­lio hin­wei­sen. Be­steht der Kun­de den­noch auf Ide­en­skiz­zen, tei­len Sie ihm höf­lich mit, wel­chen St­un­den­satz Sie da­für ver­lan­gen.

Geht es da­ge­gen um ein län­ger­fris­ti­ges Projekt, et­wa ei­nen um­fas­sen­den Cor­po­ra­te­de­sign­re­launch, ist es sinn­voll, Ide­en aus­zu­tau­schen und Scribbles an­zu­fer­ti­gen. Da­durch be­kommt man ein bes­se­res Ge­fühl da­für, wo­hin die Rei­se ge­hen soll – und mi­ni­miert das Ri­si­ko, dass der Kun­de mit den spä­te­ren Ent­wür­fen un­zu­frie­den ist. »Prin­zi­pi­ell soll­te man vor­ab aber nicht zu viel ver­schen­ken«, so Ring­leb. Be­son­ders in Pitch­si­tua­tio­nen, wenn noch nicht klar ist, wer den Auf­trag be­kommt, emp­fiehlt es sich, den Um­fang der Vor­leis­tung da­von ab­hän­gig zu ma­chen, ob es ein Pitch­ho­no­rar gibt und wie hoch die­ses ist.

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