Cor­po­ra­te De­signs für Fri­seu­re

Ex­pe­ri­men­tier­freu­dig, stil- und ma­te­ri­al­be­wusst!

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● Wort­spie­le sind ja be­kannt­lich sehr be­liebt bei Fri­seu­ren, auch wenn sie oft an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen wir­ken: Von »Hair­force One« über »Haar Zwei Ohh« bis »Kamm­bo­dscha« ist al­les da­bei, der »Kre­haar­ti­vi­tät« sind kei­ne Gren­zen ge­setzt. Mit die­ser tobt man sich auch in den ent­spre­chen­den Cor­po­ra­te De­signs aus, was häu­fig ähn­lich wüst en­det – oh­ne dass hier al­le Fri­seu­re über ei­nen Kamm ge­schert wer­den sol­len. Stei­le The­se: Meist ha­ben Sa­lons mit eher un­auf­fäl­li­gen Na­men das stil­vol­le­re Er­schei­nungs­bild. Wie un­se­re Aus­wahl zeigt, gibt es in die­ser Bran­che auch sehr viel Sinn für gu­ten Ge­schmack. Man muss nur et­was län­ger da­nach su­chen als nach dem nächs­ten schrä­gen Fri­seur­na­men.

Skulp­tu­ral

Das Er­schei­nungs­bild, das Ol­lie Schaich und Rue­di Zürcher von Bu­reau Collec­tive aus St. Gal­len (www. bu­reau­collec­tive.ch) für Coif­fure Du­ett ge­stal­tet ha­ben, ver­bin­det gleich meh­re­re Ide­en: Die Zick­zack­kan­te der Vi­si­ten­kar­ten er­in­nert auf sub­ti­le Wei­se an das Haupt­werk­zeug des Fri­seurs. Au­ßer­dem grei­fen die Krea­ti­ven den Du­ett­ge­dan­ken auf, der für den Ide­al­fall zwi­schen Fri­seur und Kun­de steht. So las­sen sich die hell­grau­en und schwar­zen Vi­si­ten­kar­ten zu­sam­men­set­zen. Im Sa­lon selbst trifft das ty­po­gra­fi­sche Lo­go auf au­ßer­ge­wöhn­li­che Col­la­ge­pos­ter der Il­lus­tra­to­rin Ruth van Beek (www.rut­h­v­an­beek. com), die für die Mo­ti­ve Fri­su­ren aus­ge­schnit­ten hat.

Ele­gant und zeit­ge­mäß soll­te die Iden­ti­ty wer­den, die Kel­ler Mau­rer De­sign aus München (www.km­d. com) für Re­to Holzer Coif­feurs in Zü­rich ent­wi­ckel­te und vor Kur­zem launch­te. »Die zu­meist an­spruchs­vol­len Kun­den er­war­ten ein lu­xu­riö­ses Am­bi­en­te

und pro­fes­sio­nel­le Di­enst­leis­tun­gen. Das soll­te sich un­be­dingt im neu­en Auf­tritt wi­der­spie­geln«, er­klärt Mar­cus Mau­rer. Gleich­zei­tig war das Ziel, ei­nen neu­en, jun­gen Kun­den­kreis an­zu­spre­chen. Ge­lun­gen ist das in Zu­sam­men­ar­beit mit den Fo­to­gra­fen And­rea­na Scan­der­beg und Alex­an­der Sau­er (www.scan­der­beg­sau­er.com), die ex­tre­me Clo­se-ups von Mi­ne­ra­li­en für die Web­site (http://re­to­hol­zer.ch) auf­nah­men. Die rest­li­chen Fo­to­gra­fi­en, die In­ha­ber und In­te­ri­or zei­gen, sind in Schwarz­weiß ge­hal­ten. Kom­bi­niert wer­den sie mit ei­nem ty­po­gra­fi­schen Lo­go, das aus den Initia­len R, H und C be­steht und mit viel Frei­raum ge­setzt ist. In ge­präg­ter Form ist es auch auf den Vi­si­ten­kar­ten zu fin­den.

Für Fri­seur Gün­ter St­ei­nin­ger und sei­ne bei­den Sa­lons in Graz und Gleis­dorf ent­wi­ckel­te die Gra­zer Gra­fik­de­si­gne­rin Kris­ti­na Bar­tošo­vá (http://kris­ti­na bar­to­so­va.com) in Zu­sam­men­ar­beit mit Krea­tiv­di­rek­tor Tho­mas Po­korn ein mi­ni­ma­lis­ti­sches Bran­ding – in­klu­si­ve Na­men. Das ty­po­gra­fi­sche Lo­go, be­ste­hend aus den schwar­zen Out­li­nes ei­ner Se­ri­fen­schrift, wirkt auf Vi­si­ten­kar­ten wie auf der Web­site

( ht­pt://fell-sa­lon.com )durch sei­ne XL- Grö­ße mar­kant und selbst­be­wusst – und da­bei luf­tig und trans­pa­rent. Ei­ne schö­ne Er­gän­zung sind die Fo­to­gra­fi­en vom Duo Lipp­zahn­schirm (http://lipp­zahn­schirm. com). Sie l as­sen ei­ne Sc here auf St­ein­blö­cken ba­lan­cie­ren und in­sze­nie­ren ak­ku­rat fri­sier­te Mo­dels eben­falls skulp­turähn­lich. Die Mo­ti­ve kom­men auch im ei­ge­nen Magazin zum Ein­satz. Die do­mi­nie­ren­de Far­be da­bei ist Weiß – ge­nau wie im Sa­lon.

Weiß und Schwarz

Nur ei­nen Fri­sier­stuhl gibt es im Sa­lon Bai­las. Wer sich dort von Apos­to­los Bai­las die Haa­re schnei­den und sty­len lässt, be­geg­net kei­ner wei­te­ren Person. Die­ses ex­klu­si­ve Kon­zept des F ri­seur­meis­ters galt es auch, vi­su­ell zu ver­mit­teln. Bet­ty + Bet­ty aus Düsseldorf (www.bet­ty­bet­ty.de) ist das mit ei­ner sehr clea­nen Iden­ti­ty ge­lun­gen, die auf Ak­zen­te in Gold, Sil­ber, Kup­fer und A nthra­zit setzt. Die met al­li­schen Tö­ne wir­ken edel – und ste­hen für die un­ter­schied­li­chen, üb­li­chen Haar­far­ben. Sie kom­men auch für den Farb­schnitt zum Ein­satz, mit dem die Vi­si­ten­kar­ten aus hoch­wer­ti­gem, mat­tem Kar­ton ver­edelt wur­den. Pas­send da­zu nut­zen die Gestal­ter, die auch für das ex­qui­si­te In­te­ri­or De­sign ver­ant­wort­lich wa­ren, für die F ly­er glän­zen­de Ober­flä­chen mit leich­tem Spie­ge­lef­fekt. Als Lo­go dient ein sti­li­sier­tes B, das auch ei­ne L ocke dar­stel­len könn­te. In der Ge­schäfts­aus­stat­tung, im Sa­lon so­wie auf der Web­site ( www.bai­las.de) mixt Bet­ty + Bet­ty ge­konnt Gro­tes­kund Se­ri­fen­schrif­ten, was all der mo­der­nen Ele­ganz auch et­was Coo­les ver­leiht.

Für den Fri­seur The Work Room im pol­ni­schen Łęży­ca ent­wi­ckel­te Blürb­stu­dio aus Kra­kow ( http:// blurb­stu­dio.com) ein Er­schei­nungs­bild, das wie der Na­me des Sa­lons das Hand­werk­li­che am Fri­seur­be­ruf be­tont – mit di­ckem Na­tur­pa­pier in Schwarz, Bei­geund Grau­tö­nen, ge­präg­tem Schrift­zug und s ie­gel­ar­ti­gem Lo­go, das die Initia­len in ei­nem Kreis mit­ein­an­der ver­bin­det. Durch die fei­nen Li­ni­en bil­det es ei­nen an­ge­neh­men Kon­trast zu der kräf­ti­gen Ty­po­gra­fie, die Blürb­stu­dio an­sons­ten für die Ge­schäfts­aus­stat­tung ver­wen­de­te. Au­ßer­dem pas­sen die ver­wen­de­ten M ate­ria­li­en a us­ge­zeich­net z u dem Ge­bäu­de, in dem der Sa­lon liegt: ein kom­plett mit Holz ver­klei­de­tes Spitz­dach­haus.

Ver­spiel­ter g eht es beim Ersc hei­nungs­bild des Sa­lons von Ste­pha­nie Im­dorf zu – der pas­send zum Nach­na­men im D orf­kern v on Sar­nen lie gt. » Wir ent­wi­ckel­ten ei­nen S chrift­zug, der mit g ra­fi­schen Sym­bo­len den Dorf­kern so­wie ein Ele­ment aus dem Fri­seu­rall­tag auf­greift – den Kamm«, er­zählt Ma­nue­la Lie­nert, die das Pro­jekt mit Ste­pha­nie Hof­stet­ter um­setz­te. Ge­mein­sam be­trei­ben sie das Krea­tiv­stu­dio Crè­me Fraîche in Lu­zern ( www.creme­frai­che.ch ). Punk­te im C und in den O mar­kie­ren das Zen­trum, wäh­rend die E und F d ank zu­sätz­li­cher S tri­che zu Käm­men wer­den. So ent­steht ei­ne be­son­de­re Schrift mit Wie­der­er­ken­nungs­wert. Den be­sit­zen auch

die sai­so­na­len Pos­ter, die Crè­me Fraîche et­wa für die Schau­fens­ter ge­stal­tet: Mo­ti­ve auf zwei­ge­teil­ten, pas­tel­li­gen Hin­ter­grün­den, die je­weils ein Fri­sier­werk­zeug und et­was aus der Dor­fum­ge­bung zu­sam­men­fü­gen. So wird ein Fön mit Wölk­chen ver­bun­den, ei­ne Rund­bürs­te trifft auf ei­nen Tan­nen­zap­fen und ein Holz­kamm be­kommt ei­ne Möh­re als Sti­el.

Trés chic

Bei le fri­seur in Wien herrscht ei­ne war­me, fa­mi­liä­re At­mo­sphä­re, die auch das Lo­go aus­drückt, das von Bu­reau Weiss ( www.bu­reau­weiss.com ) stammt: ei­ne Sche­re, de­ren Grif­fe ei­ne Herz­form bil­den. Dank der sehr kla­ren Li­ni­en wirkt es den­noch cool und re­du­ziert statt kit­schig – auch in Kom­bi­na­ti­on mit den ver­wen­de­ten Pa­s­tell­tö­nen. Bu­reau Weiss war da­bei auch für die Na­mens­ge­bung des Sa­lons ver­ant­wort­lich, in dem vor­wie­gend frei­be­ruf­li­che Fri­seu­re ihr Hand­werk aus­üben. Die­se soll­ten sich al­so ge­nau wie ih­re zu­künf­ti­gen Kun­den von dem Er­schei­nungs­bild an­ge­spro­chen füh­len.

»Wir woll­ten ei­nen Na­men und ein Kon­zept, das dem Gan­zen ein Ge­sicht und ei­ne Iden­ti­tät gibt, aber oh­ne gro­ßen Rum­mel, oh­ne auf­ge­setzt zu sein. So­dass man auch nach sechs Jah­ren im­mer noch ger­ne in sei­nen La­den geht«, er­klärt Cat­ha­ri­na Weiss, die das Pro­jekt 2012 mit Volk­mar Weiss um­setz­te. Pas­send zum Na­men des Sa­lons wer­den auf der Web­site ( www.le­fri­seur.at ), in Bro­schü­ren oder auch in der

Te­le­fon­war­te­schlei­fe fran­zö­si­sche Aus­drü­cke ein­ge­streut, die auch Nicht­fran­zo­sen ver­ste­hen – wie et­wa »Adieu, tris­tesse!«.

Tat­säch­lich in Frank­reich be­hei­ma­tet ist der Sa­lon Cé­li­ne F, und zwar in Ré­mel­fing an der Saar. Des­sen Cor­po­ra­te De­sign ent­warf das Bu­reau Sta­bil aus Saar­brü­cken (www.bu­re­au­sta­bil.de). Da­für kre­ierten sie un­ter an­de­rem ein Mus­ter aus blau­en, grü­nen und wei­ßen Drei­ecken und farb­lich pas­sen­de Il­lus­tra­tio­nen von ty­pi­schen Fri­seur­auf­ga­ben. Auf den dun­kel­blau­en Vi­si­ten­kar­ten schil­lert der Lo­gos­chrift­zug dank Ve­re­de­lung in Sma­ragd­grün. Au­ßer­dem ge­stal­te­te das Stu­dio Pos­ter im Col­la­ges­til mit Re­tro­mo­ti­ven, die das Drei­ecks­mus­ter so­wie Ele­men­te aus den Il­lus­tra­tio­nen wie­der auf­grei­fen. Trés chic!

Mit Stil

Dass bei Lang­schmidt aus­schließ­lich Her­ren fri­siert wer­den, bringt auch das Cor­po­ra­te De­sign zum Aus­druck, das el­mo+sav­vi­dis, Bü­ro für vi­su­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on in Düsseldorf (www.el­mo­s­av­vi­dis.com), ge­stal­tet hat. »Wir woll­ten un­be­dingt ei­ne vi­su­el­le Iden­ti­tät kon­zi­pie­ren, die nicht Teil der Bar­ber­shop­re­tro­wel­le ist und da­mit ei­ne Äs­t­he­tik si­mu­liert, wel­che nicht mehr exis­tiert«, er­zählt Ro­bin Sa­vas Sav­vi­dis. Statt­des­sen setz­te er auf prä­gnan­te Ty­po­gra­fie, struk­tu­rier­te Ma­te­ria­li­en und mar­kan­te Li­ni­en. Das Er­geb­nis durf­te zwar »leicht dre­ckig« sein, soll­te aber gleich­zei­tig auch »ei­ne ver­steck­te Ele­ganz« ent­hal­ten, so Crea­ti­ve Di­rec­tor Ro­bin Sa­vas Sav­vi­dis.

Alex­an­der Munk von Bü­ro Munk in Berlin (http:// bue­r­o­munk.de) kon­zi­pier­te nicht nur die Iden­ti­ty von Stil Fri­su­ren in An­der­nach, son­dern auch das In­te­ri­or De­sign – das mit skan­di­na­visch an­mu­ten­den Mö­beln und ei­nem ge­konn­ten Ma­te­ri­al­mix lo­cker mit Groß­stadt­fri­seu­ren mit­hal­ten kann. Auch die Ge­schäfts­aus­stat­tung mit dem gro­ßen Schrift­zug

und ei­nem klei­nen, ge­krön­ten Sche­ren­lo­go spie­gelt das wi­der. Der De­si­gner be­rich­tet von den stei­gen­den Er­war­tun­gen, die Kun­den heut­zu­ta­ge an ei­nen Fri­seur­be­such ha­ben. Ge­ra­de in klei­ne­ren Städ­ten tau­sche man sich dort noch im­mer gern über Neu­ig­kei­ten aus, aber das sei längst nicht al­les: »Wie im Mo­de­ein­zel­han­del geht es im­mer mehr ums Ge­samt­er­leb­nis – der Kun­de möch­te wäh­rend des Ter­mins wie ein VIP um­sorgt wer­den und sich da­nach mo­di­scher und selbst­be­wuss­ter füh­len.« So wird es um­so wich­ti­ger, dass so­wohl In­te­ri­or als auch Ge­schäfts­aus­stat­tung stim­mig und hoch­wer­tig wir­ken.

Zu­sam­men mit ei­nem Trend­for­scher kon­zi­pier­te Alex­an­der Munk Se­mi­na­re für füh­ren­de Sa­lons der Wel­la­grup­pe, bei de­nen es um die neu­es­ten Trends in der Bran­che ging, und sah sich weg­wei­sen­de Sa­lons auf der gan­zen Welt an. »Be­son­ders im asia­ti­schen Raum gibt es Bei­spie­le, ge­gen die vie­le Ber­li­ner Con­cept Sto­res gera­de­zu lang­wei­lig wir­ken«, sagt er. Der Krea­ti­vi­tät sei al­so kei­ne Gren­ze ge­setzt. »Ein An­lie­gen hät­te ich aber: Bit­te kei­ne Wort­spie­le mehr wie ›Hair­vor­ra­gend‹ oder ›Die Haar­spal­te­rei‹. Dann doch lie­ber ›Sa­lon Uschi‹!« lr [4600]

PA­GE Sto­ry »Er­schei­nungs­bil­der für Ärz­te«. Ge­lun­ge­ne Auf­trit­te zei­gen wir in PA­GE 05.18 ↗ www.pa­ge-online.de/pe­pa1805

PA­GE Se­mi­nar »Leit­me­di­um De­sign«. Ler­nen Sie von Strich­punkt-grün­der Jochen Rä­de­ker, wie man bei der Mar­ken­ent­wick­lung vor­geht ↗ www.pa­ge-online.de/aca­de­my

Mit Na­tur­ma­te­ria­li­en und De­tails wie ge­präg­ter Schrift drückt Blürb­stu­dio aus, dass es im Sa­lon The Work Room nicht um Schnick­schnack geht, son­dern um ech­tes Hand­werk

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