Es rech­net sich

Un­ge­liebt, aber not­wen­dig: Selbst­stän­di­ge Gestal­ter müs­sen sich um Buch­hal­tung, Steu­ern und Ver­si­che­run­gen küm­mern. Hier sind Tipps und Tools, die ei­nem Ar­beit ab­neh­men

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●Ich ken­ne je­man­den, de rei­ne Nacht in Beu­ge­haft ver­brach­te, wei­ler sich wei­ger­te, sei­ne Steu­er­er­klä­rung ein­zu­rei­chen. Mit Ge­fäng­nis klei­dung und al­lem Drum und Dran. Kei­ne schö­ne Er­fah­rung. Ab­ge­ben muss­te er sie dann trotz­dem so­wie Mah­nund Straf­ge­büh­ren in Hö­he des Prei­ses ei­nes Klein­wa­gens be­zah­len. Für Selbst­stän­di­ge ist das Sich­küm­mern um Buch­hal­tung, Steu­ern und Ver­si­che­run­gen Pflicht. Wer da­zu über­haupt kei­ne Lust hat, soll­te sich ei­ne Fest­an­stel­lung su­chen.

Das Spek­trum die­ses Sich­küm­merns reicht al­ler­dings vom ge­le­gent­li­chen Ab­stel­len ei­nes Kar­tons mit Be­le­gen beim Steu­er­be­ra­ter, bis zum Selbst­er­le­di­gen der kom­plet­ten Buch­hal­tung in­klu­si­ve Steu­er­er­klä­rung. Für Ein­zel­kämp­fer ge­stal­tet sich dies auch recht sim­pel, ei­ne Ein­nah­men über­schuss rech­nung reicht. Schwie­ri­ger wird es, wenn die Fir­ma wächst und Mit ar­bei­ter hin­zu­kom­men.

Für all die­se Be­lan­ge gibt es ei­ne Rei­he von cloud­ba­sier­ten Tools, die ei­nen un­ter­stüt­zen (sie­he Über­sicht auf Sei­te 98). Wel­ches von ih­nen am bes­ten zu den ei­ge­nen An­for­de­run­gen passt, lässt sich mit den kos­ten­lo­sen Test­ver­sio­nen her­aus­fin­den. Von al­lei­ne er­le­digt sich die Buch­hal­tung zwar auch mit­hil­fe die­ser Pro­gram­me nicht, aber sie ist deut­lich ein­fa­cher zu han­deln und sehr viel über­sicht­li­cher als mit selbst ge­bas­tel­ten Word- und Ex­cel-ta­bel­len.

Ver­si­chern ja, aber was?

An ei­ner Kran­ken­ver­si­che­rung kommt kei­ner vor­bei, was gut und rich­tig ist. Frei­be­ruf­li­che De­si­gner sind in der Künst­ler­so­zi­al­kas­se (KSK) pflicht ver­si­chert. Zwar sträu­ben sich dem ei­nen oder an­de­ren ob ei­ner sol­chen Be­vor­mun­dung die Haa­re, doch ist die KSK ei­ne gu­te Sa­che. Schließ­lich über­nimmt sie, ähn­lich wie ein Ar­beit­ge­ber, die Hälf­te des Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trags. Die meis­ten Ksk­kri­ti­ker stö­ren sich dar­an, dass es die Kran­ken­nur im Pa­ket mit der ge­setz­li­chen Ren­ten­und Pfle­ge­ver­si­che­rung gibt (mehr zur KSK im Kas­ten auf Sei­te 102).

Al­le wei­te­ren Ver­si­che­run­gen sind frei­wil­lig, wo­bei an ei­ner Be­rufs­haft­pflicht im Grun­de kein Weg vor­bei­führt. Die­se, auch als Ver­mö­gens­scha­den­haft­pflicht be­zeich­ne­te Ver­si­che­rung greift, wenn ein

Scha­den am Ver­mö­gen Drit­ter ent­steht. Wenn et­wa der Gestal­ter der Ein­zi­ge in der Pro­duk­ti­ons­ket­te ist, der Bild­da­ten als ge­spei­cher­te Ko­pie hat, und die Bil­der neu er­stellt wer­den müs­sen, weil die Fest­plat­te ka­putt­geht. Oder wenn sei­ne Drop­box ge­knackt wird und ver­trau­li­che Kun­den­in­for­ma­tio­nen in Um­lauf ge­ra­ten. Die Kos­ten für ei­ne Be­rufs­haft­pflicht sind mit rund 150 Eu­ro im Jahr über­schau­bar. Al­ler­dings deckt sie nicht al­le Ri­si­ken ab. Um zum Bei­spiel für den Fall ver­si­chert zu sein, dass durch ei­ge­nes Ver­schul­den ein Druck­auf­trag schief­geht, braucht man ei­ne se­pa­ra­te Pro­duk­ti­ons­haft­pflicht­ver­si­che­rung, die zwei­bis drei­mal so teu­er ist. Mehr zu den un­ter­schied­li­chen Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen fin­den Sie un­ter www.pa­ge­online. de/ be­rufs­haft­pflicht und auf der Sei­te der Al­li­anz Deut­scher De­si­gner: https://is.gd/agd_haft­pflicht.

Ob man dar­über hin­aus noch ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­, Un­fall­, Rechts­schutz­oder Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung für Selbst­stän­di­ge ab­schließt, hängt zum ei­nen vom in­di­vi­du­el­len Si­cher­heits­be­dürf­nis ab, zum an­de­ren na­tür­lich vom zur Ver­fü­gung ste­hen­den Geld. Be­vor man ei­ne Un­fall­ver­si­che­rung un­ter­schreibt, soll­te man prü­fen, ob man nicht oh­ne­hin ei­ne Pflicht­ver­si­che­rung in ei­ner Be­rufs­ge­nos­sen­schaft ein­ge­hen muss. Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten sind die Trä­ger der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Un­fall­ver­si­che­run­gen ge­gen Ar­beits­un­fäl­le und Be­rufs­krank­hei­ten. Für De­si­gner ist die Be­rufs­ge­nos­sen­schaft Energie Tex­til Elek­tro Me­dien­er­zeug­nis­se zu­stän­dig (www.bge­tem.de). Wei­te­re In­fos da­zu gibt es un­ter https://is.gd/agd_bg.

Auf je­den Fall rat­sam ist ei­ne pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge, denn dass die in die ge­setz­li­che Ren­te ge­zahl­ten Bei­trä­ge aus­rei­chen, ist eher un­wahr­schein­lich. Vie­le wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu Ver­si­che­run­gen fin­den Sie auf dem Exis­tenz­grün­dungspor­tal des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Energie (https:// is.gd/bm­w_­ver­si­che­run­gen_vor­sor­ge).

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