»Fünf St­un­den sind ge­nug«

Mehr Zeit für sys­te­ma­ti­sche Ma­cher und krea­ti­ve Chao­ten!

PAGE - - Signale -

● Von der Di­gi­ta­l­agen­tur Rhein­gans Di­gi­tal Enabler aus Bie­le­feld hat man in den letz­ten Mo­na­ten ei­ni­ges ge­hört, denn Agen­tur­in­ha­ber Las­se Rhein­gans ist deutsch­land­weit der ers­te (und bis da­to ein­zi­ge) Ar­beit­ge­ber, der sei­nen Mit­ar­bei­tern ei­ne 25-St­un­denWo­che bei glei­chem Ge­halt und glei­chem Ur­laubs­an­spruch wie zu­vor in ei­ner 40-St­un­den-wo­che ge­währt. Trotz­dem schafft das Team die glei­che Ar­beit wie vor der Um­stel­lung – qua­li­ta­tiv so­gar bes­ser, so Rhein­gans. Wie ist das mög­lich? Ein sol­ches Ar­beits­zeit­mo­dell kann nur durch sehr gu­tes Zeit­ma­nage­ment und rund lau­fen­de Pro­zes­se funk­tio­nie­ren.

»Ich glau­be: Wenn man wirk­lich ope­ra­tiv fünf St­un­den fo­kus­siert ar­bei­tet, hat man net­to min­des­tens das Glei­che ge­schafft wie an ei­nem Acht­stun­den­tag. Da man aber den Nach­mit­tag frei hat und dann sei­nen per­sön­li­chen An­lie­gen nach­ge­hen kann, ist es auch mög­lich, ins­ge­samt ei­nen bes­se­ren Job zu ma­chen.« Die zu­sätz­li­che Frei­zeit hat zu­dem wei­te­re Ne­ben­ef­fek­te, die sich po­si­tiv auf die Ar­beit aus­wir­ken, be­rich­tet Rhein­gans: »Mei­ne Mit­ar­bei­ter ha­ben plötz­lich die Zeit, sich um ak­tu­el­le Trends und Fort- bil­dun­gen auf ih­rem Ge­biet zu küm­mern – wich­ti­ge Din­ge, die vor­her nach zehn St­un­den ar­bei­ten ein­fach nicht mehr drin wa­ren. Da­durch steigt dann letzt­lich auch die Qua­li­tät der Ar­beit.«

Zeit ist ein in­di­vi­du­el­ler Fak­tor

Auch die Köl­ner Bran­ding- und Di­gi­ta­l­agen­tur young and hy­per­ac­tive setzt auf ver­kürz­te Ar­beits­zei­ten – zwar nicht ganz so ra­di­kal, denn hier sind die Mit­ar­bei­ter im­mer­hin noch 36 Wo­chen­stun­den im Bü­ro, doch ha­ben sie frei­tags prin­zi­pi­ell frei (www.pa­ge­on­line.de/young-and-hy­per­ac­tive-36-hours). Sa­b­ri­na Matt­le, Ui/ux-de­si­gne­rin bei young and hy­per­ac­tive, hat ih­re ganz ei­ge­ne Tech­nik ge­fun­den, um ih­re Ar­beits­zeit ef­fek­tiv zu nut­zen und mög­li­chen Ablen­kun­gen aus dem Weg zu ge­hen: »Ich bre­che gro­ße Auf­ga­ben ger­ne in klei­ne Schrit­te auf und le­ge die Prio­ri­tä­ten da­für fest. Wenn die Kon­zen­tra­ti­on für ei­ne Auf­ga­be ein­mal nach­lässt, ha­be ich im­mer Al­ter­na­ti­ven zur Hand, die mir in die­sem Mo­ment et­was leich­ter fal­len. Da­durch ver­mei­de ich es, zu lan­ge un­pro­duk­tiv an ei­ner Auf­ga­be zu schrau­ben.«

»Task Ma­nage­ment für Krea­ti­ve«. Egal ob Cha­os King oder High­ly Or­ga­ni­zed Crea­ti­ve: Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on geht al­le an ↗ www.pa­ge­on­li­ne. de/ PDDP1033

Las­se Rhein­gans ist seit 2017 Ge­schäfts­füh­rer der Bie­le­fel­der Di­gi­ta­l­agen­tur Di­gi­tal Enabler. Als ei­ne sei­ner ers­ten Amts­hand­lun­gen hat er die Ar­beits­zei­ten al­ler Mit­ar­bei­ter von 40 St­un­den auf 25 St­un­den pro Wo­che ge­kürzt

Über­haupt sind Ablen­kun­gen durch ver­meint­li­che »klei­ne Pau­sen« – wie et­wa auf So­ci­al-me­dia- oder Nach­rich­ten­por­ta­len – die größ­ten Zeit­fres­ser, fin­det auch Las­se Rhein­gans. Des­we­gen wur­den jeg­li­che Ablen­kun­gen und so­gar Small Talks wäh­rend der Ar­beits­zeit in sei­ner Agen­tur kom­plett eli­mi­niert. Das be­deu­tet aber nicht, dass das Zwi­schen­mensch­li­che auf der Stre­cke bleibt: »Der Te­am­zu­sam­men­halt kommt bei uns nicht zu kurz, ganz im Ge­gen­teil: Wir ver­fol­gen al­le das glei­che Ziel, je­der will um 13 Uhr das Bü­ro ver­las­sen. Nach der Ar­beit ge­hen die Mit­ar­bei­ter dann ger­ne zu­sam­men es­sen oder zum Sport.«

Von Chao­ten und Sys­te­ma­ti­kern

Es gibt im Zeit­ma­nage­ment kei­ne Zau­ber­for­mel, die je­der be­fol­gen kann – ei­ser­ne Dis­zi­plin ist nicht für je­den der rich­ti­ge Weg, be­tont Zeit­ma­nage­ment-ex­per­tin Cor­du­la Nuss­baum ( www.krea­ti­ve-chao­ten.com). Sie un­ter­schei­det grob zwi­schen zwei grund­ver­schie­de­nen Ar­beits­ty­pen: den sys­te­ma­ti­schen Ma­chern und den krea­ti­ven Chao­ten. Ist die Pla­nung bei den Sys­te­ma­ti­kern das A und O, wirkt sie auf den Chao­ten fast be­droh­lich: »Ei­ne zu en­ge Tak­tung schnürt krea­ti­ven Chao­ten die Le­bens­freu­de ab. Sie brau­chen vie­le Frei­räu­me und viel Selbst­be­stim­mung. Statt ei­ner To-do-lis­te soll­ten die­se Ty­pen lie­ber ei­ne Could-do-samm­lung er­stel­len. Schrei­ben Sie auf, was Sie tun wol­len und tun könn­ten. Das macht Ih­ren Kopf frei für pro­duk­ti­ves und krea­ti­ves Ar­bei­ten.« Der struk­tu­rier­te Ar­beits­typ hin­ge­gen braucht ei­nen gut ge­plan­ten und ge­glie­der­ten Ta­ges­ab­lauf. Auch für ihn hat Nuss­baum Tipps: »Pla­nen Sie Ih­re Auf­ga­ben und Ver­pflich­tun­gen gut vor, blo­cken Sie sich Zei­t­räu­me zum Ar­bei­ten, und pla­nen Sie Auf­ga­ben auch ru­hig weit im Vor­aus.«

Nach Nuss­baums Ein­tei­lung ist Fre­e­lan­ce UX De­si­gner, Be­ra­ter und Ent­wick­ler Ste­fan Nitz­sche ( https:// stn1978.com) ganz ein­deu­tig ein krea­ti­ver Cha­ot. Er be­vor­zugt es, ge­nau auf sei­nen Biorhyth­mus zu schau­en: »Ich be­mü­he mich, dann zu ar­bei­ten, wenn ich weiß, dass mein Kör­per am pro­duk­tivs­ten ist. Ich ver­su­che, mich nicht mor­gens um 7 Uhr aus dem Bett zu quä­len und dann acht St­un­den zu ar­bei­ten. Am pro­duk­tivs­ten bin ich nachts, da kann ich mei­nen Auf­ga­ben oh­ne Ablen­kun­gen nach­ge­hen.« Auch fest eta­blier­te Me­tho­den wie die Po­mo­do­ro-tech­nik, bei der Ar­beits­in­ter­val­le auf ge­nau ge­tim­te Pau­sen tref­fen (sie­he »4 x klas­si­sches Zeit­ma­nage­ment«, rech­te Sei­te), hat Ste­fan Nitz­sche schon aus­pro­biert: »Das war für mich al­ler­dings nicht all­tags­taug­lich. Es gibt im­mer wie­der Un­ter­bre­chun­gen, die man nicht ein­pla­nen kann – et­wa wenn der Post­bo­te klin­gelt oder der Kun­de an­ruft. Die in­ter­es­siert es herz­lich we­nig, dass man ge­ra­de mit­ten in ei­nem ge­tim­ten Ar­beits­in­ter­vall steckt.«

Ar­beit als Frei­zeit

Ne­ben sei­ner Tä­tig­keit als De­si­gner, Be­ra­ter und Ent­wick­ler hält Nitz­sche Vor­trä­ge auf Kon­fe­ren­zen, ist zu­dem als Au­tor für ver­schie­de­ne Fach­ma­ga­zi­ne tä­tig und schreibt aktuell gleich zwei Bü­cher. Da kann man sich schon fra­gen, wie er das al­les un­ter ei­nen Hut kriegt –

»Ich be­mü­he mich, dann zu ar­bei­ten, wenn ich weiß, dass mein Kör­per am pro­duk­tivs­ten ist: nachts – da kann ich mei­nen Auf­ga­ben oh­ne Ablen­kun­gen nach­ge­hen« Ste­fan Nitz­sche, Fre­e­lan­ce UX De­si­gner, Be­ra­ter und Ent­wick­ler ↗ https://stn1978.com

so ganz oh­ne stren­ges Zeit­ma­nage­ment, wie es im Bu­che steht. Ganz ein­fach, er­klärt er: »Für mich ist die ein­zi­ge Ar­beit an mei­nem Job der ad­mi­nis­tra­ti­ve Teil – al­so An­ge­bo­te und Rech­nun­gen schrei­ben oder die Buch­hal­tung. Der Rest ist für mich Ver­gnü­gen und Er­ho­lung, des­we­gen ha­be ich auch kein Pro­blem da­mit, län­ger als acht St­un­den vor mei­nem Rech­ner zu sit­zen. Au­ßer­dem ver­fü­ge ich mitt­ler­wei­le über je­de Men­ge Be­rufs­er­fah­rung. So ge­hen mir die Auf­ga­ben viel schnel­ler von der Hand als noch am An­fang mei­ner Kar­rie­re.«

Ei­nes wird nach den Ge­sprä­chen sehr deut­lich: Aus­rei­chend Frei­zeit vom Ar­beits­all­tag ist wich­tig, um pro­duk­tiv zu sein – sei es durch ei­nen zu­sätz­li­chen frei­en Tag, durch Fei­er­abend ab 13 Uhr oder klei­ne­re Pau­sen zwi­schen­durch. Cor­du­la Nuss­baums Lieb­lings­tipp für al­le Ar­beits­ty­pen lau­tet: »Wenn du mehr schaf­fen willst, dann tue we­ni­ger. Ma­che mehr Pau­sen, klin­ke dich häu­fi­ger aus. Die bes­ten Ide­en kom­men zwi­schen der ei­gent­li­chen Ar­beit. Und ge­ra­de in un­se­rer heu­ti­gen schnel­len Zeit, wo man per­ma­nent be­schallt, be­spaßt, un­ter­bro­chen und in­for­miert wird, sind Pau­sen der bes­te Weg zu bes­se­rer Leis­tung und Pro­duk­ti­vi­tät.« Als hät­ten wir’s nicht al­le schon ge­wusst! Ich ma­che jetzt erst ein­mal ei­ne Pau­se, und Sie soll­ten es mir gleich­tun. lle [5811]

»Ge­ra­de in un­se­rer schnel­len Zeit, wo man per­ma­nent be­schallt, be­spaßt, un­ter­bro­chen und in­for­miert wird, sind Pau­sen der bes­te Weg zu bes­se­rer Leis­tung und Pro­duk­ti­vi­tät« Cor­du­la Nuss­baum, Zeit­ma­nage­men­tEx­per­tin ↗ www.krea­ti­ve-chao­ten.com

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.