»Die ver­schie­de­nen Ar­beits- und Her­an­ge­hens­wei­sen der un­ter­schied­li­chen Kul­tu­ren in­ter­es­sie­ren uns sehr«

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● Stu­dio Clash heißt die Idee von Jan Knopp, der als De­si­gner und Do­zent in Ba­sel lebt: Ge­mein­sam mit dem Fo­to­gra­fen Hans-jörg Wal­ter und dem Tex­ter Da­vid Herr­mann lädt er Ge­flüch­te­te und Mi­gran­ten aus al­len krea­ti­ven Bran­chen im No­vem­ber zu ei­nem Mo­nat der Zu­sam­men­ar­beit an ei­nem frei­en Pro­jekt in der Stadt­werk­statt Ba­sel ein. Das eh­ren­amt­li­che Ex­pe­ri­ment mit of­fe­nem Aus­gang soll zu neu­en Ver­bin­dun­gen und krea­ti­ven Im­pul­sen füh­ren – und den Ein­stieg in die Krea­tiv­wirt­schaft vor Ort er­leich­tern. Im In­ter­view be­rich­tet Jan Knopp von sei­nen Er­war­tun­gen und er­klärt, war­um man ab und an ein­fach los­le­gen soll­te, oh­ne lan­ge zu über­le­gen. Die Aus­schrei­bung gibt's hier: https://is.gd/ Stu­dio­clash. lr [6199]

Wie seid ihr auf die Idee für Stu­dio Clash ge­kom­men?

Jan Knopp: Ich war in Ba­sel im Ta­xi un­ter­wegs und ha­be mich mit dem Fah­rer un­ter­hal­ten. Er stammt aus Te­he­ran, wo er ei­ne Wer­be­agen­tur ge­führt hat. Doch er muss­te emi­grie­ren und ar­bei­tet seit­her als Ta­xi­fah­rer. Auch bei Pro­jek­ten an der Hoch­schu­le für Gestal­tung und Kunst ha­be ich mit Mi­gran­ten aus der Krea­tiv­wirt­schaft ge­ar­bei­tet, die ih­re al­te Hei­mat ver­las­sen muss­ten und in der hie­si­gen Bran­che nicht Fuß fas­sen konn­ten. Man kommt nicht rich­tig rein, wenn die Kon­tak­te vor Ort feh­len und man die Spra­che nicht be­herrscht.

Die Idee, Brü­cken zu bau­en, reif­te mit der Zeit. Ich ha­be ein paar Mit­strei­ter ge­fun­den, und nun hat sich die Mög­lich­keit er­ge­ben, mal ei­nen Mo­nat frei­zu­neh­men und sie wirk­lich um­zu­set­zen. Wir ha­ben be­schlos­sen, vor­her nicht lan­ge zu re­cher­chie­ren, da wir wuss­ten, dass wir sonst auf Hür­den sto­ßen, die uns ab­hal­ten könn­ten. Die ers­ten Pro­ble­me sind

mitt­ler­wei­le na­tür­lich tat­säch­lich auf­ge­taucht – aber wir ha­ben los­ge­legt!

Steht euch die Bü­ro­kra­tie im Weg, oder mit wel­chen Schwie­rig­kei­ten habt ihr zu kämp­fen?

Das Haupt­pro­blem ist die recht­li­che Si­tua­ti­on der Mi­gran­ten und Ge­flüch­te­ten, die kei­nen Asyl­sta­tus ha­ben. Sie dür­fen hier nicht ar­bei­ten. Zum Teil dür­fen sie auch ih­re Stadt oder ih­ren Kan­ton nicht ver­las­sen. Vi­el­leicht wer­den wir des­halb in Grup­pen aus Ba­sel zu den je­wei­li­gen Leu­ten rei­sen. Weil sie kein Geld ver­die­nen dür­fen, ha­ben wir be­wusst von pri­vat­wirt­schaft­li­chen Auf­trag­ge­bern Ab­stand ge­nom­men und ei­nen eh­ren­amt­li­chen Ver­ein ge­grün­det, in den Spen­den flie­ßen. Wir wer­den uns und den neu­en Kol­le­gen aber nichts aus­zah­len – auch de­nen nicht, die Geld ver­die­nen dür­fen, um kei­ne Un­gleich­hei­ten zu er­zeu­gen. Even­tu­ell kön­nen wir al­len ei­ne klei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung in Form von Gut­schei­nen an­bie­ten. Das klä­ren wir ge­gen­wär­tig noch ab, da­mit den Per­so­nen auf kei­nen Fall Nach­tei­le ent ste­hen. Wir wer­den et­was Ver­trags­ähn­li­ches auf­set­zen und Ar­beits­zeug­nis­se aus­stel­len. Das ist als Nach­weis hilf­reich für al­le, die in die Schwei­zer Krea­ti­v­in­dus­trie ein­tau­chen möch­ten.

Was er­war­tet ihr von dem Pro­jekt?

Was uns sehr in­ter­es­siert, sind die un­ter­schied­li­chen Ar­beits­und Her­an­ge­hens­wei­sen der ver­schie­de­nen Na­tio­na­li­tä­ten, Krea­tiv­wirt­schaf­ten und Kul­tu­ren. In vie­len Län­dern gibt es kei­ne De­si­gn­hoch­schu­len, die Gestal­tung ist längst nicht so aka­de­mi­siert wie hier, son­dern wird eher als Hand­werk und als Aus­bil­dungs­be­ruf be­trach­tet. Wir wür­den uns sehr freu­en, wenn sich ei­ne Mi­schung aus IT und Hand­werk er­gibt. Und: Es ist seit Lan­gem mal wie­der ein Pro­jekt, bei dem al­les kom­plett of­fen ist – au­ßer dass es statt­fin­den wird. Die­sen Lu­xus hat man sel­ten.

Ers­te Be­wer­ber gibt es schon – und bis En­de Sep­tem­ber kann man euch noch kon­tak­tie­ren. Dann ent­schei­det ein Gre­mi­um, wel­che zwölf Krea­ti­ven teil­neh­men. Nach wel­chen Kri­te­ri­en?

Be­son­ders wich­tig ist uns das Mo­ti­va­ti­ons­schrei­ben. Wir möch­ten er­fah­ren, war­um die Be­wer­ber an un­se­rem Pro­jekt teil­neh­men möch­ten, was sie er­war­ten, was sie ein­brin­gen kön­nen und wie viel Zeit sie in­ves­tie­ren kön­nen. Wer nur ei­nen Tag Zeit hat, ist herz­lich ein­ge­la­den, vor­bei­zu­schau­en, doch für den Pro­zess wä­re ei­ne et­was län­ge­re Zu­sam­men­ar­beit schön. Wir wün­schen uns au­ßer­dem ei­nen wil­de­ren Mix aus Her­kunfts­län­dern als den eu­ro­päi­schen, der durch das Schen­ge­ner Ab­kom­men und die Per­so­nen­frei­zü­gig­keit so­wie­so ge­ge­ben ist.

Vor Sprach­bar­rie­ren habt ihr kei­ne Angst?

Das wird be­stimmt lus­tig! Ein biss­chen Fran­zö­sisch oder Eng­lisch krie­gen die meis­ten hin. Auf ir­gend­ei­ne Art wer­den wir kom­mu­ni­zie­ren kön­nen – und sei es über Bil­der. Zu­dem ha­ben wir ein Netz­werk, in dem es Dol­met­scher gibt, falls es doch nö­tig ist.

Wie soll es nach No­vem­ber wei­ter­ge­hen?

Wenn das Be­dürf­nis da ist, wür­den wir gern ein lo­ka­les Netz­werk mit den Teil­neh­mern auf­bau­en, so ei­ne Art Open Agen­cy. Wir möch­ten ei­nen Ort schaf­fen, an dem man sich ver­su­chen kann und mit ganz ver­schie­de­nen Agen­tu­ren und Gestal­tern in Be­rüh­rung kommt – wo man krea­tiv zu­sam­men­ar­bei­tet, oh­ne dass so­fort et­was ge­löst wer­den muss.

Un­ter dem Mot­to »Uni­ted in Stran­gen­ess« ha­ben Hans-jörg Wal­ter (links), Da­vid Herr­mann und Jan Knopp das tem­po­rä­re Stu­dio Clash ins Le­ben ge­ru­fen, das Krea­ti­ve aus al­ler Welt und aus den un­ter­schied­lichs­ten Be­rei­chen in Ba­sel zu­sam­men­bringt – vom Kal­li­gra­fen über den Pro­gram­mie­rer bis zum Fil­me­ma­cher

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