Buch­co­ver-de­sign

Kein leich­ter Job für ein Co­ver, im Ge­drän­ge auf dem Bü­cher­tisch Auf­merk­sam­keit zu er­re­gen. Für Krea­ti­ve ist die Ti­tel­ge­stal­tung auf je­den Fall ei­ne her­aus­for­dern­de Auf­ga­be

PAGE - - Contents -

Von der Kunst, ein Buch so zu ver­pa­cken, dass man es so­fort in die Hand neh­men möch­te

● An­schau­en und in die Hand neh­men. Wenn ein Co­ver die­sen Re­flex aus­löst, ist schon viel ge­won­nen. »Für den Ver­kauf spielt es ei­ne gro­ße Rol­le. Es muss so ani­mie­rend sein, dass ich zu­min­dest die Rück­sei­te oder den Klap­pen­text le­se und dann ent­schei­de, ob ich das Buch kau­fe oder nicht«, sagt Mar­kus Rasp von An­zin­ger und Rasp. Die Agen­tur ge­stal­tet cir­ca 120 Ti­tel im Jahr – das klingt viel, macht aber nur et­wa 10 Pro­zent der Jobs aus. »Es ist ein sai­so­na­les Ge­schäft rund um die Ver­lags­vor­schau­en je­den Früh­ling und Herbst, für die die Co­ver et­wa sechs Mo­na­te vor­her ent­wor­fen wer­den«, so Rasp, »und ei­nes, das sehr viel Spaß macht! Weil man mit in­ter­es­san­ten Leu­ten zu tun hat, weil es span­nend ist, sich in den In­halt der Bü­cher hin­ein­zu­den­ken, und weil ein Co­ver wie ein klei­nes Pla­kat ist: ei­ne ei­ge­ne Ein­heit, in der man sich ge­stal­te­risch schön ver­lie­ren kann.« Ei­ne Dis­zi­plin, die viel Geld ein­bringt, ist die Um­schlag­ge­stal­tung aber nicht – mehr fürs Herz als fürs Porte­mon­naie.

Ein Co­ver soll­te ein­deu­ti­ge Si­gna­le aus­lö­sen, et­wa dass es sich bei dem Buch um ei­ne zeit­ge­nös­si­sche Er­zäh­lung aus Ber­lin-mit­te oder ei­nen gro­ßen his­to­ri­schen Ro­man han­delt. Manch­mal ist es vor al­lem der Au­tor, der zieht. »Seit et­wa acht Jah­ren gestal­ten wir al­le Pu­bli­ka­tio­nen von Paul Aus­ter, die ha­ben ih­re Fans und ver­kau­fen sich meist gut«, so Mar­kus Rasp. Da ist das Aus­se­hen des Ti­tels et­was we­ni­ger wich­tig, spielt aber trotz­dem ei­ne Rol­le, weil er ja ei­ne Idee vom In­halt und der Art des Bu­ches ver­mit­teln soll. »Ist es ei­ne klei­ne Paar­schmon­zet­te, leich­te Lek­tü­re für ei­ne Zug­fahrt oder schwe­rer Stoff, der sich durch drei Fa­mi­li­en­ge­ne­ra­tio­nen wälzt? So et­was muss auf dem Co­ver zu spü­ren sein.«

Von 50 auf 1

Auf das Brie­fing der Lek­to­ren, das meist ei­ne In­halts­an­ga­be, mög­li­che Ver­gleich­s­ti­tel und auch durch­aus ei­ne un­ge­fäh­re vi­su­el­le Rich­tung be­inhal­tet,

lie­fert An­zin­ger und Rasp zwi­schen drei­ßig und fünf­zig Bild­vor­schlä­ge. Da­bei wird die Agen­tur von ei­ni­gen ex­ter­nen Gestal­tern un­ter­stützt. Et­wa zehn bis zwölf der Vor­schlä­ge wer­den im zwei­ten Schritt in ver­schie­de­nen Va­ri­an­ten grob ge­stal­tet. »Bei Bel­le­tris­tik ha­ben wir viel Frei­heit, bei den Sach­bü­chern gibt es mehr Vor­ga­ben, auch weil die Ziel­grup­pen dort en­ger sind. Bei Bio­gra­fi­en be­kom­men wir meist schon ei­ni­ge Por­trät­fo­tos mit­ge­lie­fert«, sagt Rasp. Zwi­schen fünf und acht Ent­wür­fe fi­na­li­sie­ren die Krea­ti­ven und neh­men sie mit zur Prä­sen­ta­ti­on.

Bei der Ent­schei­dung für ein Co­ver re­den vie­le mit: Au­tor, Gestal­ter, Ver­lags­lei­tung, Mar­ke­ting und Ver­trieb. Da kann der ein oder an­de­re schö­ne Ent­wurf schon mal kip­pen, weil er als nicht ver­käuf­lich gilt. »Manch­mal agie­ren die Ver­la­ge vi­el­leicht et­was zu vor­sich­tig«, fin­det Mar­kus Rasp. »Da schafft es dann nicht der stärks­te Um­schlag auf den La­den­tisch, weil er dem Ver­lag zu ge­wagt er­scheint.« Ins­ge­samt aber sei das Ni­veau in der letz­ten Zeit enorm ge­stie­gen, im­mer häu­fi­ger se­he man auch mu­ti­ge Ti­tel, die vor ein paar Jah­ren noch nicht denk­bar ge­we­sen wä­ren.

Ein und das­sel­be Buch kann in ver­schie­de­nen Län­dern voll­kom­men an­ders aus­se­hen. Ger­ay Gen­cer aus Istan­bul et wa ge­stal­te­te für »Die zehn Kin­der, die Frau Ming nie hat­te« des fran­zö­sisch­bel­gi­schen Schrift­stel­lers Eric­em­ma­nu­el Sch­mitt ein wun­der­bar far­ben­fro­hes Co­ver, des­sen an Kin­der­zeich­nun­gen er­in­nern­de Ele­men­te zu­gleich ei­ne Re­mi­nis­zenz an den leicht ver­wirr­ten Geist der Prot­ago­nis­tin sind ( www.pa­ge­on­li­ne. de/tdc2017_2). Die deut­sche Aus­ga­be wirkt da­ge­gen sehr bie­der und lang­wei­lig. Ei­nen ty­pisch deut­schen Stil kann Mar­kus Rasp al­ler­dings nicht er­ken­nen, wohl aber ei­ne ge­wis­se Bild­spra­che und Ty­po­gra­fie, die un­se­re üb­li­chen Seh­ge­wohn­hei­ten be­die­nen. »Die Ame­ri­ka­ner ha­ben auch schon mal ei­ne Kurz­kri­tik auf dem Ti­tel, das lässt sich im deut­schen Buch­markt nicht eta­blie­ren. Letz­ten En­des ist es im­mer ei­ne Bauch­ent­schei­dung, was passt und was nicht.«

Gen­re vor Me­di­um

Wer ein Buch im In­ter­net be­stellt, tut das ge­zielt. Da­von ge­hen die Ver­la­ge aus. Des­halb ist das Aus­se­hen des Ein­bands im Web nicht so ent­schei­dend. »Das Co­ver wird für den Buch­han­del ge­macht«, so Mar­kus Rasp. »Es gab mal ei­ne Zeit, in der es hieß: Legt die Gestal­tung pla­ka­ti­ver an, da­mit sie auch auf dem Screen funk­tio­niert, aber das ist – si­cher auch dank im­mer bes­se­rer Dis­plays – vom Tisch. Es gibt höchs­tens Fein­kor­rek­tu­ren, zum Bei­spiel den Na­men des Au­tors et­was grö­ßer zu set­zen. Aber wir ha­ben nicht von vor­ne­her­ein die Sche­re im Kopf und schlie­ßen et­wa be­stimm­te Schrif­ten aus, weil sie nicht für den Bild­schirm op­ti­miert sind.«

Viel wich­ti­ger als das Me­di­um ist das Gen­re, dem ein Buch zu­ge­ord­net wird. Han­delt es sich um ei­nen Kri­mi­nal­ro­man, will der po­ten­zi­el­le Käu­fer das si­gna­li­siert be­kom­men. Des­halb muss man aber kei­nes­wegs plump zu Mes­ser und Bluts­trop­fen grei­fen. »Es ist ein Ba­lan­ce­akt, die je­wei­li­gen Co­des zu nut­zen, die­se aber gra­fisch und ge­stal­te­risch schön zu in­sze­nie­ren«, sagt Mar­kus Rasp. Gut ge­lun­gen fin­det er das zum Bei­spiel bei dem Thril­ler »End­gül­tig« von Andre­as Pflü­ger oder »DNA« von Yr­sa Si­gurðar­dót­tir. »Aber egal, ob Thril­ler, Ro­man oder Sach­buch, je­der gu­te Buch­um­schlag ist die hoff­nungs­vol­le Ver­dich­tung sei­nes In­halts. Wer das be­her­zigt, kann gar nicht viel falsch ma­chen.« ant [6178]

Es ist nicht leicht, für viel­fach ver­öf­fent­lich­te Klas­si­ker im­mer wie­der neue Co­ver zu gestal­ten. Pen­gu­in ge­lingt das aus­ge­zeich­net – mit Un­ter­stüt­zung ex­ter­ner Gestal­ter wie Lean­ne Sh­ap­ton (Ja­ne-aus­tenSe­rie) oder Ai­no-mai­ja Met­so­la (Vir­gi­nia Woolf, lin­ke Sei­te)

Oben: Im­mer wie­der sucht und fin­det Su­zan­ne De­an aber auch neue Ta­len­te. Et­wa Char­lot­te Ager, die »A Place for Us« il­lus­trier­te, oder Bryn Per­rott, der »The­re The­re« ge­stal­te­te (mehr da­zu im In­ter­view auf Sei­te 60)

Vier Co­ver­ge­stal­tun­gen von An­zin­ger und Rasp: Der äu­ßerst kur­ze Ti­tel »F« war dank­bar, weil er schö­ne Gestal­tun­gen zu­ließ. Mu­tig war die Idee, ein his­to­ri­sches Mo­tiv mit ei­nem di­cken Klecks zu über­ma­len

Oben: Für das Erst­lings­werk ei­nes jun­gen Au­tors darf das Co­ver ger­ne et­was pop­pi­ger aus­fal­len. Links ein gu­tes Bei­spiel da­für, was ein schö­nes Fo­to auf dem Co­ver leis­ten kann. Zu­dem sorgt es für Ir­ri­ta­ti­on: Der Jun­ge sieht nicht wirk­lich glück­lich aus – man will wis­sen, um was es in die­sem Buch geht

Die Ti­tel­ge­stal­tung für Kri­mis soll­te bes­ten­falls das Gen­re vi­sua­li­sie­ren, oh­ne ste­reo­typ zu sein. Gut ge­lun­gen ist das den Münch­ner Agen­tu­ren sem­per smi­le bei »DNA« von Yr­sa Si­gurðar­dót­tir und Ze­ro bei »End­gül­tig« von Andre­as Pflü­ger

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.