Mo­der­ne Mo­ne­ten

Coo­le Smart­pho­ne-ban­ken und hei­te­re Fin­techs, leuch­ten­de Kre­dit­kar­ten und Bank­no­ten, die gan­ze Ge­schich­ten er­zäh­len: Das Bank­we­sen wird ge­ra­de re­vo­lu­tio­niert und das, was Geld ist, gleich mit

PAGE - - Signale -

● In der Ber­li­ner Fried­rich­stra­ße ist jetzt ei­ne Re­gen­bo­gen­fah­ne ge­hisst. Und das aus­ge­rech­net bei der Deut­schen Bank. »Quar­tier Zu­kunft« heißt die Fi­lia­le, und gleich an de­ren Ein­gang steht die Ple­xi­glastro­phäe »Ger­man De­sign Award Win­ner 2018«. Da­mit aus­ge­zeich­net wur­de das in­no­va­ti­ve Kon­zept der Deut­schen Bank. Nur, dass hier nichts mehr »Bank« ge­nannt wird. Viel zu 90er. Statt­des­sen blickt man in die Zu­kunft – mit LGBT Pri­de und Loun­ge­ses­seln, war­mem Holz und ver­ti­ka­lem Gar­ten. Ei­nen Bank­schal­ter sucht man eben­so ver­geb­lich wie ei­nen Kon­to­aus­zugs­dru­cker. Viel­mehr lie­gen über­all Bild­bän­de ver­teilt, Ka­ta­lo­ge über zeit­ge­nös­si­sche ara­bi­sche Kunst, ein Cof­fee Ta­ble Book zum be­rühm­ten spa­ni­schen Re­stau­rant el­bul­li. Eben­so kann man »Die Lei­den des jun­gen Wer­t­her« auf Fran­zö­sisch le­sen oder Da­ve Eg­gers’ kri­ti­schen Si­li­con­val­ley­ro­man »The Cir­cle«. Aus dem Bis­tro, in dem heu­te Voll­korn­spa­ghet­ti mit To­ma­ten­so­ße ser­viert wer­den, we­hen Stim­men in die glä­ser­nen Bü­ros der Kun­den­be­ra­ter.

Fünf Mil­lio­nen Eu­ro hat die Deut­sche Bank in das Zu­kunfts­kon­zept ge­steckt, das ana­lo­ges und di­gi­ta­les Ban­king ver­bin­det, Start­ups und jun­ge Kun­den an­lo­cken soll. Auch sams­tags kann man hier Ter­mi­ne ma­chen und in der Wo­che bis 19 Uhr. In Zei­ten von Fin­techs und Kryp­towäh­run­gen, AI Tra­ding und Mi­cro­in­ves­ting muss die Fi­nanz­bran­che neue We­ge ge­hen, um den Nach­wuchs zu über­zeu­gen. Denn der wan­dert rei­hen­wei­se zu Smart­pho­ne­ban­ken ab.

Vor­bei sind die Zei­ten, in de­nen Ver­trau­en und Si­cher­heit eng mit Se­rio­si­tät ver­bun­den wa­ren, mit Wap­pen auf dem Brief­pa­pier von Pri­vat­ban­kiers, mit An­zü­gen, ge­schäf­ti­ger Stren­ge und ei­nem schlich­ten, so­li­den Cor­po­ra­te De­sign. Heut­zu­ta­ge sind Ban­ken hei­ter, frech, un­ge­zwun­gen und be­geg­nen ih­ren jun­gen Kun­den auf Au­gen­hö­he.

Nicht die Bank dei­nes Opas

Bes­tes Bei­spiel ist das Ber­li­ner Start­up N26. Nach den 26 Qua­dra­ten des Zau­ber­wür­fels be­nannt, hat die Smart­pho­ne­bank ih­re Kli­en­tel in den ver­gan­ge­nen neun Mo­na­ten ver­dop­pelt. Ei­ne Mil­li­on Kun­den sind jetzt bei dem di­gi­ta­len Geld­haus, das sein ge­sam­tes Ban­king über sei­ne App ab­wi­ckelt. Die­ser sprung­haf­te An­stieg ist auch der ers­ten gro­ßen Kam­pa­gne zu ver­dan­ken, die An­fang des Jah­res star­te­te. In­hou­se von Kel­ly Ford ent­wi­ckelt, zu­vor Chief Mar­ke­ting Of­fi­cer bei Paypal, setzt sie auf fre­che Sprü­che und schickt da­mit die tra­di­tio­nel­len Fi­nanz­in­sti­tu­te aufs Al­ten­teil. »Al­te Ban­ken ver­lan­gen Geld für je­den Scheiß ... weil sie’s kön­nen«, heißt es in der »#no­bull­s­hit«­kam­pa­gne, die vor al­lem na­he Uni­ver­si­tä­ten pla­ka­tiert wur­de, »Nicht die Bank dei­nes Opas« oder »Bank­fi­lia­len sind so 90er«. Be­stellt man die N26­kre­dit­kar­te, de­ren durch­schei­nen­des Plas­tik den Trans­pa­renz­an­spruch un­ter­streicht, le­gi­ti­miert man sich per Video Call bei ei­nem Mit­ar­bei­ter, der ne­ben ei­nem Gum­mi­baum sitzt, mit­un­ter Pfer­de­schwanz und gro­ße Hips­ter Glas­ses trägt und ei­nen ge­las­sen durch das Pro­ze­de­re führt – ganz oh­ne Fach­be­grif­fe und in freund­schaft­li­chem Ton.

»Trans­pa­renz, Of­fen­heit und Freund­lich­keit« lebt auch das bri­ti­sche Fin­tech Mon­zo und möch­te auf die­se Wei­se Si­cher­heit und Ver­trau­en ver­mit­teln. Be­rühmt ge­wor­den ist es nicht nur durch die welt­weit schnells­te Crowd­fun­ding­kam­pa­gne, bei der 2016 in nur 96 Se­kun­den ei­ne Mil­li­on Pfund zu­sam­men­ka­men, son­dern auch durch sei­ne knal­li­ge, ko­ral­len­ro­te Bank­kar­te. Die­se steckt man nicht mehr ver­stoh­len in die Bauch­ta­sche und hat Angst, dass sie ei­nem ab­han­den­kommt. Die Mon­zo Card zückt man beim Kas­sie­rer selbst­be­wusst und zeigt, dass man auf der Hö­he der Zeit ist. Glaubt man der Mon­zo­le­gen­de, stand der Gra­fik­de­si­gner wohl der­ma­ßen un­ter Zeit­druck, dass er ein­fach die Far­be der neu­en Ni­keS­nea­kers des CEO über­nahm. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on setzt auf ei­ne fröh­li­che Spra­che, auf »Hap­py Words«, wie man sie dort nennt, die Kun­den hei­ßen »Mon­zo­nauts« und wer­den re­gel­mä­ßig zum Ab­stim­men auf­ge­for­dert. Zu­letzt dar­über, ob auch ei­ne An­dro­idApp ge­launcht wer­den soll. Tau­sen­de be­tei­lig­ten sich, fol­gen Mon­zo zu­dem auf Ins­ta­gram und sind in On­li­ne­fo­ren ak­tiv.

Hei­te­res Geld

Dass man sich in der Gestal­tung noch wei­ter vom Ge­wohn­ten ent­fer­nen kann, be­weist das De­sign­stu­dio Kur­ppa Hosk mit ih­rem Er­schei­nungs­bild für das schwe­di­sche Fin­tech­start­up Tink. In Mill­en­ni­al­

Ro­sa, mit ver­spiel­ter Ty­po­gra­fie und aus­ge­las­se­nen Il­lus­tra­tio­nen vi­sua­li­sie­ren die Stock­hol­mer Krea­ti­ven die »Fi­nan­ci­al Hap­pi­ness«, die Tink ih­ren Kun­den dank da­ten­ge­steu­er­tem Fi­nanz­ma­nage­ment bie­ten möch­te. Die Schrift Lo­ta Bes­po­ke, die auf der Lo­ta Gro­tes­que von Daniel Hernán­dez ba­siert, bricht ein­zel­ne Buch­sta­ben auf und setzt sie zu Skulp­tu­ren zu­sam­men. Ganz wie das Wort­lo­go, das aus ei­nem sti­li­sier­ten T aus zwei Halb­krei­sen be­steht.

Um­rahmt wird die Ty­po­gra­fie von ei­ner Rei­he il­lus­trier­ter Gestal­ten, die aus Os­kar Schlem­mers Tria­di­schem Bal­lett stam­men könn­ten, da­zu flat­tern grü­ne Vö­gel um­her, lau­fen kun­ter­bun­te Hän­de durch die Iden­ti­ty und ge­ra­ten ge­sta­pel­te Ham­bur­ger aus dem Gleich­ge­wicht. Ge­zeich­net hat dies al­les der Stock­hol­mer Il­lus­tra­tor Mar­tin Ni­col­aus­son, der da­bei an die Sur­rea­lis­ten dach­te. De­ren traum­wand­le­ri­schen, ab­sur­den Stil hat zu­vor si­cher­lich noch nie­mand mit Geld in Zu­sam­men­hang ge­bracht.

Ma­xi­mal re­du­ziert und ge­nau­so un­be­schwert ist das Cor­po­ra­te De­sign für Hol­vi, ei­ne di­gi­ta­le Bank für Selbst­stän­di­ge und Grün­der, die das Bank­ge­schäft mit Buch­füh­rung und Rech­nungs­we­sen ver­bin­det. Das De­sign­stu­dio Werk­lig aus Hel­sin­ki hat das eher nüch­ter­ne Bu­si­ness in zar­te Far­ben ge­taucht und mit der Car­to­graph Sans ver­se­hen, die an Schreib­ma­schi­nen­schrift er­in­nert. Das Lo­go – ein Neu­neck mit freund­li­chen, ab­ge­run­de­ten Ecken – vi­sua­li­siert den Na­men Hol­vi, der »Ge­wöl­be«, aber auch »Tre­sor« be­deu­tet.

Ei­nen Kreis hat das Os­lo­er De­sign­stu­dio Bleed in das Zen­trum des Re­bran­dings der nor­we­gi­schen Sban­ken ge­stellt. Er steht für den Kun­den, für des­sen Kern­um­ge­bung aus Fa­mi­lie und Freun­den – und die Welt an sich. In sat­tem Dun­kel­blau leuch­tet der Kreis in der Ge­schäfts­aus­stat­tung und wird dar­über hin­aus un­end­lich va­ri­iert, ist ge­streift , ge­punk­tet oder mit Fo­to­gra­fie ge­füllt, er­scheint als Tor­ten­dia­gramm, löst sich in wa­bern­de Kleck­se auf, in lo­ses Ge­kra­kel oder in vie­le klei­ne Krei­se. Er ist auf Ta- schen und T-shirts, in GIFS und Ani­ma­tio­nen zu fin­den, nimmt in sei­ner Sim­pli­zi­tät den Sban­kenS­lo­gan »Bank ma­de sim­ple« auf und zeigt gleich­zei­tig, wel­che Fül­le an Mög­lich­kei­ten hin­ter der schlich­ten Ober­flä­che steckt.

Ver­ti­ka­les Be­zah­len

Ver­su­chen Fin­techs und Smart­pho­ne-ban­ken auf viel­fäl­ti­ge Wei­se, ei­nen warm­her­zi­gen und di­rek­ten Kon­takt zu ih­ren Kun­den her­zu­stel­len und sich so ein »Ge­sicht« zu ge­ben, wird das Geld selbst im­mer abs­trak­ter. Man zahlt mit Kar­te. Und mit App­le­pay. Selbst in der Bar­zahl­er­hoch­burg Deutschland ging die Be­nut­zung von Schei­nen und Mün­zen seit 2011 von 82 auf 74,3 Pro­zent zu­rück. Da Kar­te und Smart­pho­ne schnell ge­zückt sind und man kein lee­res Porte­mon­naie mehr er­lebt, wird mehr aus­ge­ge­ben. Ganz ab­ge­se­hen da­von, dass Mill­en­ni­als so­wie­so ein ent­spann­te­res Ver­hält­nis zum Geld ha­ben und kei­nen all­zu gro­ßen Wert auf Vor­sor­ge le­gen. Oder sie sich, be­las­tet mit Stu­di­en­kre­di­ten und ei­ner schwie­ri­gen Ar­beits­markt­si­tua­ti­on, nicht leis­ten kön­nen.

Gleich zwei smar­te Lö­sun­gen hat das aus­tra­li­schame­ri­ka­ni­sche Start-up Acorns da­für ge­fun­den. Je­de Aus­ga­be, die man mit der Acorns Card tä­tigt, wird au­to­ma­tisch auf­ge­run­det. Be­zahlt man bei­spiels­wei­se 3,75 Dol­lar für ei­nen Kaf­fee, wer­den 4 Dol­lar ab­ge­bucht und 25 Cent an­ge­spart. Kom­men so je­weils 5 Dol­lar zu­sam­men, wer­den die­se, ab­hän­gig von den Spar­zie­len des Kun­den, in ver­schie­de­nen Port­fo­li­os in­ves­tiert. Ein di­gi­ta­les Spar­schwein in Form ei­ner Bank­kar­te so­zu­sa­gen. Und die­se fer­tig­te das De­sign­stu­dio Am­mu­ni­ti­on aus San Fran­cis­co aus ei­nem ganz be­son­de­ren Ma­te­ri­al.

Das ra­re und schwe­re Me­tall Wolf­ram, das man aus den Glüh­fä­den der Glüh­lam­pen kennt, ver­leiht der Kar­te deut­lich mehr Ge­wicht. Sie soll­te nicht nur ein­fach ein wei­te­res Stück Plas­tik sein, sagt De­si­gner Ro­bert Brun­ner von Am­mu­ni­ti­on, son­dern »sich wie ein Stück Ei­che an­füh­len. Legt man sie ir­gend­wo hin, gibt es ein dump­fes Ge­räusch.« So lässt sich der Wert, der da­hin­ter­steht, das Geld, mit dem sie »auf­ge­la­den« ist, nicht nur füh­len, son­dern auch hö­ren.

So be­son­ders wie das Ma­te­ri­al ist auch, dass die Gestal­tung ver­ti­kal an­ge­ord­net ist. Das spie­gelt die auf­stre­ben­de Form ei­nes Bau­mes wie­der, aber auch, dass man die Kar­te an Au­to­ma­ten und Kas­sen vor al­lem hoch­kant nutzt. Au­ßer­dem ver­weist es dar­auf, wie das Smart­pho­ne mit der da­zu­ge­hö­ri­gen App ge­hal­ten wird. Die Kar­te ist leuch­tend grün, mit den sti­li­sier­ten Äs­ten ei­nes Baums ver­se­hen und ei­ner Ei­chel (eng­lisch acorn), die dem Un­ter­neh­men sei­nen Na­men gab. Und da sie ganz durch­ge­färbt ist, al­so auch de­ren Kan­ten grün leuch­ten, fällt sie im Porte­mon­naie auf. Kaum hat­te Acorns die Kar­te prä­sen­tiert, gab es 150 000 Be­stel­lun­gen.

Die neue, in­hou­se ent­stan­de­ne Kre­dit­kar­te der bri­ti­schen Di­gi­tal­bank Star­ling ist eben­falls ver­ti­kal ge­stal­tet. Kun­den­in­for­ma­tio­nen wie Na­me, Kar­ten­num­mer und Ablauf­da­tum wur­den auf die Rücks­ei-

te ver­bannt. Auf der mi­ni­ma­lis­ti­schen Vor­der­sei­te sieht man nur noch das Wort­lo­go der Bank und das Mas­ter­card-si­gnet, das Pen­ta­gram 2016 re­de­sign­te. Ne­ben äs­the­ti­schen Grün­den war für die­ses Kon­zept die Si­cher­heit aus­schlag­ge­bend: Per­sön­li­che Da­ten sol­len so schwe­rer zu ko­pie­ren sein. Ist die Bu­si­ness Card in ei­nem vor­neh­men Dun­kel­blau ge­hal­ten, leuch­tet die re­gu­lä­re in hel­lem Pe­trol, ei­ne Re­mi­nis­zenz an den Vo­gel Star­ling, den Star – so­wie an das In­ter­net selbst. Das Blau­grün ist ei­ne der 16 Far­ben, mit de­nen ab 1987 Web­sites ge­stal­tet wer­den konn­ten.

Kom­ple­xe Schei­ne

Fast als An­ti­the­se zu der Ent­wick­lung, dass Geld zu­neh­mend abs­trak­ter wird und im­mer we­ni­ger an die Iden­ti­tät des Lan­des ge­kop­pelt ist, son­dern »in­ter­na­tio­na­ler«, ver­hält sich das ge­gen­wär­ti­ge De­sign von Bank­no­ten. Gleich meh­re­re Län­der launch­ten neue Schei­ne und set­zen da­bei ge­zielt auf Na­tio­na­li­tät, auf Be­son­der­hei­ten des je­wei­li­gen Lan­des und ver­wan­deln sie in ei­ne Fo­lie für kom­ple­xe Er­zäh­lun­gen. Je we­ni­ger Geld­schei­ne im Um­lauf sind, um­so wer­ti­ger wer­den sie in ih­rer Gestal­tung.

Seit 2017 tra­gen die Schot­ten Ot­ter in ih­rer Geld­bör­se. Ge­stal­tet hat die 10-Pfund-no­ten das Glas­go­wer De­sign­stu­dio O Street. Der Schein mit den ver­spiel­ten Na­gern ist ge­mein­sam mit der Ser­vice De­sign Agen­tur Ni­le und der schot­ti­schen Be­völ­ke­rung ent­stan­den. Auf die Fra­ge, was ih­nen an ih­rer Hei­mat be­son­ders ge­fällt, spra­chen die meis­ten Ein­woh­ner über die Na­tur. In war­men Far­ben il­lus­triert, sind – ne­ben den Ot­tern – Land­schaft, Be­woh­ner und Mus­ter aus Al­gen und Mü­cken zu se­hen. Dar­über hin­aus sind die Bank­no­ten mit ei­nem Por­trät der As­tro­no­min und Ma­the­ma­ti­ke­rin Ma­ry So­mer­vil­le ver­se­hen und mit di­ver­sen Ge­dicht­zei­len des schot­ti­schen Dich­ters Nor­man Mac­caig.

Im nächs­ten Jahr bringt die Uls­ter Bank aus Nord­ir­land neue 5- und 10-Pfund-no­ten her­aus. Be­tei­ligt an de­ren Gestal­tung sind eben­falls O Street und Ni­le so­wie ver­schie­de­ne nord­iri­sche Il­lus­tra­to­ren und Fo­to­gra­fen. Er­neut sind hei­mi­sche Tier­ar­ten und

Pflan­zen zu se­hen – dies­mal aber auch im ver­ti­ka­len For­mat. Nicht nur die Il­lus­tra­tio­nen sol­len so bes­ser zur Gel­tung kom­men, son­dern hoch­kant wer­den sie auch in Ma­schi­nen ge­steckt, sagt Je­no Lenn­ox von Ni­le über den Bruch mit der Tra­di­ti­on. Nicht al­le De­tails der neu­en Schei­ne dür­fen schon ge­zeigt wer­den, aber sie the­ma­ti­sie­ren obend­rein das Abeb­ben des Kon­flikts zwi­schen Ka­tho­li­ken und Pro­tes­tan­ten.

Po­li­ti­sches Pa­pier

Ver­ti­kal aus­ge­rich­tet sind auch die neu­en 10-Dol­larNo­ten der Bank of Ca­na­da. Und set­zen zu­dem po­li­tisch ein Zei­chen. Auf den in­tern ge­stal­te­ten Schei­nen ist das Ca­na­di­an Mu­se­um for Hu­man Rights zu se­hen und das Por­trät der Afro­ka­na­die­rin Vio­la Des­mond, die ge­gen Ras­sen­tren­nung kämpf­te. Als sie 1946 auf­grund ih­rer Haut­far­be den Sitz im Par­kett ei­nes Ki­nos räu­men soll­te, blieb sie sit­zen und wur­de ver­ur­teilt. Hoch­kant kommt ihr Por­trät auf dem Schein bes­ser zur Gel­tung.

Klas­sisch ho­ri­zon­tal de­signt, aber po­li­ti­sches Be­kennt­nis sind die Geld­schei­ne und Mün­zen, die an Nel­son Man­de­las 100. Ge­burts­tag im Ju­li von der South Af­ri­can Re­ser­ve Bank ge­launcht wur­den. Wa­ren bis­her ne­ben Man­de­las Por­trät Wild­tie­re zu se­hen, füh­ren die neu­en, vom bri­ti­schen Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men De La Rue ge­stal­te­ten Bank­no­ten durch ent­schei­den­de Sta­tio­nen sei­nes Le­bens. Ne­ben Man­de­las Ge­burts­ort Mvezo zei­gen sie vor al­lem auch den Ort na­he Ho­wick, an dem er fest­ge­nom­men wur­de, the­ma­ti­sie­ren sei­ne Zeit auf der Ge­fäng­nis­in­sel Rob­ben Is­land und als Prä­si­dent. Um Ver­wir­rung mit den vor­han­de­nen Geld­schei­nen zu ver­mei­den, sind die Er­in­ne­rungs­no­ten in den­sel­ben Far­ben ge­druckt und auch das Por­trät Man­de­las auf der Vor­der­sei­te ist das­sel­be. Be­son­de­ren Wert wur­de statt­des­sen auf die neu­en Il­lus­tra­tio­nen ge­legt. Sie wur­den in wo­chen­lan­ger Hand­ar­beit gra­viert mit zahl­rei­chen Pro­be­dru­cken, bis sie ih­re fein­li­ni­ge und de­tail­rei­che Qua­li­tät er­reicht hat­ten.

»Wir woll­ten dem De­sign ei­ne be­son­de­re Tie­fe ge­ben«, sagt Ju­li­an Pa­ne, Chef­de­si­gner bei De La Rue. Die Mus­ter von Man­de­las be­rühm­ten Hem­den sind eben­so ein­ge­floch­ten wie die süd­afri­ka­ni­sche Flag­ge, und die sie­ben Krei­se um Man­de­las Kopf ver­wei­sen auf die sie­ben Git­ter­stä­be sei­ner Zel­len­tür auf Rob­ben Is­land, wo er 1964 ein­ge­sperrt wur­de. »Für uns fei­ern die Geld­no­ten auch die Ge­burt ei­ner ver­ein­ten und de­mo­kra­ti­schen Na­ti­on, die das ul­ti­ma­ti­ve Ver­mächt­nis von Nel­son Man­de­la und sei­ner Weg­ge­fähr­ten ist«, so Pa­ne.

Und wäh­rend man sich noch dar­über wun­dern kann, wie sich Image, De­sign und Hand­ling von Geld ra­sant ver­än­dert ha­ben, wie Start-ups das einst so tra­di­ti­ons­ge­bun­de­ne Bank­we­sen re­vo­lu­tio­nie­ren, Ban­ken zu Platt­for­men wer­den und Tech-un­ter­neh­men wie App­le zu Geld­häu­sern, bahnt sich mit Block­chai­ning und Kryp­towäh­run­gen be­reits der nächs­te Pa­ra­dig­men­wech­sel an. Die ein­zi­ge Ge­wiss­heit, die bleibt, ist so ur­alt wie das Geld selbst, das im 11. Jahr­hun­dert in Chi­na erst­mals auf­kam: Dass die wirk­lich wich­ti­gen Din­ge im Le­ben mit Geld nicht zu ha­ben sind. Und für al­les an­de­re gibt es Mas­ter­card. sd [6222]

»Tra­di­tio­nel­le Ban­ken sind Di­no­sau­ri­er.« Das In­ter­view mit Pit Stenk­hoff vom Ber­li­ner De­sign­stu­dio Neue Gestal­tung, das seit Lan­gem für die Baye­ri­sche Ver­eins­bank ar­bei­tet, ge­ra­de ei­nen in­ter­na­tio­na­len Sty­le­gui­de für UniCre­dit aus­ge­rollt hat und ei­ne Mi­cro­creditApp ent­wi­ckelt, le­sen Sie un­ter ↗ www. pa­ge-on­li­ne.de/ di­no­sau­ri­er_ban­ken

Auch der neue ka­na­di­sche 10-Dol­lar-schein ist ver­ti­kal ge­stal­tet, vor al­lem aber setzt er ein deut­li­ches po­li­ti­sches Zei­chen. Auf der Vor­der­sei­te ist ein Por­trät von Vio­la Des­mond (1914–1965) zu se­hen, die ge­gen Ras­sen­tren­nung kämpf­te, und auf der Rück­sei­te das Mu­se­um für Men­schen­rech­te in Win­ni­peg

Po­li­tisch sind auch die neu­en Bank­no­ten der South Af­ri­can Re­ser­ve Bank (SARB), die Nel­son Man­de­las Kampf ge­gen Ras­sen­hass und Apart­heid zei­gen. Mit der Sarb-cur­ren­cyApp kann man die Il­lus­tra­tio­nen mit­tels Aug­men­ted Rea­li­ty le­ben­dig wer­den las­sen und klei­ne Fil­me ab­spie­len

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.