Oh­ren auf!

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Pod­casts sind an­ge­sagt, und im­mer mehr Un­ter­neh­men wün­schen sich Ei­genoder Fremd­for­ma­te, in die sie Wer­bung ein­bin­den kön­nen. Hier ent­steht ein span­nen­der Markt für Krea­ti­ve: ob bei der Kon­zep­ti­on, der Ent­wick­lung von Ver­mark­tungs­stra­te­gi­en oder der vi­su­el­len Kom­po­nen­te des Me­di­ums

● Frei­heit. Das ist für vie­le Pod­cas­ter die Ei­gen­schaft, die sie an ih­rem Me­di­um am meis­ten schät­zen. Das Equip­ment ist er­schwing­lich, the­ma­tisch gibt es kei­ner­lei Gren­zen, zeit­lich oder for­mal auch nicht – und das ei­ge­ne Wohn­zim­mer geht als Stu­dio durch. »Man muss sich zu­dem nicht nach Markt­for­schungs­er­geb­nis­sen oder Ein­schalt­quo­ten rich­ten und kann sehr ni­schig blei­ben«, sagt Ma­ria Lo­renz, die mit ih­rer Pod­cast-pro­duk­ti­ons­fir­ma Pool Ar­tists in Ber­lin Pod­casts kon­zi­piert und um­setzt, für Auf­trag­ge­ber wie zum Bei­spiel ZEIT On­li­ne.

Die­se Leich­tig­keit hat zu ei­ner enor­men Pod­cas­tViel­falt bei­ge­tra­gen – so­gar auf dem ver­hält­nis­mä­ßig klei­nen deutsch­spra­chi­gen Markt gibt es Hör­stoff von Ayur­ve­da über Fund­rai­sing bis zu Ge­hirn­funk­tio­nen. Ne­ben hob­by­mä­ßi­gen, pri­va­ten »La­berPod­casts« so­wie Nach­rich­ten- und In­ter­view­for­ma­ten von Me­di­en­häu­sern ent­ste­hen auch auf­wen­di­ge Fea­tures, in de­nen Sto­ry­tel­ling und Re­por­ta­ge ein­an­der ab­wech­seln, et­wa von Vier­tau­send­hertz in Ber­lin. Das Pod­cast-un­ter­neh­men wur­de 2016 von drei Ra­dio­au­to­ren ge­grün­det, die an dem On-de­man­dMe­di­um un­ter an­de­rem schät­zen, dass sie ihm ei­nen ganz ei­ge­nen Ton ver­lei­hen kön­nen, un­ab­hän­gig von den Vor­ga­ben ei­nes Sen­ders oder ei­ner Re­dak­ti­on. Auch ei­ne Ver­mark­tungs­ex­per­tin ge­hört zu dem Grün­der­team.

● Das De­sign­stu­dio Bu­reau Bor­deaux aus Han­no­ver ist ei­gent­lich auf Edi­to­ri­al De­sign spe­zia­li­siert, hat aber ge­ra­de ei­nen ei­ge­nen Pod­cast her­aus­ge­bracht: »Grau­stu­fen« ist ein In­ter view­for­mat, in dem Gestal­ter zu ei­nem The­ma von ge­sell­schaft­li­cher Be­deu­tung zu Wort kom­men. Bis­her sind drei Epi­so­den er­schie­nen. Wir ha­ben Thimm Bub­bel (links) und Da­ni­el Barth (rechts) von Bu­reau Bor­deaux ein paar Fra­gen zu ih­rem Pod­cast (https://grau­stu­fen.de­sign) ge­stellt.

Wie­so habt ihr euch als Gestal­ter mit Print­vor­lie­be für ein ei­ge­nes Pod­cast-for­mat ent­schie­den?

Thimm Bub­bel: Wir hat­ten ein­fach das Ge­fühl, dass wir mit an­de­ren Gestal­tern spre­chen müs­sen. In un­se­rem Ar­beits­all­tag neh­men wir wahr, dass es Miss­ver­ständ­nis­se zwi­schen Krea­ti­ven und Pro­jekt­part­nern gibt. Un­se­re Vi­si­on ist es, dies­be­züg­lich Ein­bli­cke in Mo­ti­va­tio­nen und Pro­zes­se zu ge­ben und Be­wusst­sein für De­si­gn­kul­tur zu schaf­fen. Das hät­te man auch in ge­schrie­be­ner Form darstel­len kön­nen, doch ge­ra­de der Über­trag in et­was Hör­ba­res hat uns sehr ge­reizt. Wir ha­ben uns be­wusst ent­schie­den, un­se­re com­fort zo­ne – die vi­su­el­le Gestal­tung – mal zu ver­las­sen und mit ei­nem au­di­tiven Me­di­um zu ex­pe­ri­men­tie­ren. Als Ma­ga­zin­ge­stal­ter ar­bei­ten wir so­wie­so recht re­dak­tio­nell, wir ha­ben al­so ei­gent­lich nur die Form ge­wech­selt.

Wie habt ihr euch das nö­ti­ge Wis­sen an­ge­eig­net?

Bub­bel: Da wir selbst Pod­cast-kon­su­men­ten sind, konn­ten wir vie­les beim Hö­ren ler­nen. Seit wir uns für das Pro­jekt ent­schie­den hat­ten, ha­ben wir selbst ganz an­ders zu­ge­hört: Wie fängt man am bes­ten ei­ne Epi­so­de an? Wel­che An­spra­che und To­na­li­tät wäh­len an­de­re Pod­cas­ter? Und wel­che wür­de zu uns pas­sen? Wir woll­ten un­se­ren Pod­cast et­was bun­ter ge­stal­ten – wie ein Ma­ga­zin mit ver­schie­de­nen Text­ar­ten. Des­we­gen soll­te es kein rei­ner In­ter­view-pod­cast wer­den. Am An­fang ha­ben wir da­für sehr viel aus­pro­biert.

Wie viel Auf­wand macht ein Pod­cast?

Bub­bel: Je­de Fol­ge ist ein mehr­tä­gi­ges Pro­jekt. Das Un­auf­wen­digs­te ist ei­gent­lich das Ge­spräch selbst, es ist auf 1,5 St­un­den und ein Por­trät­fo­to be­schränkt. Vor- und Nach­be­rei­tung hal­ten sich et­wa die Waa­ge. Da wir sehr ge­nau re­cher­chie­ren und uns mit den Per­so­nen in­ten­siv be­schäf­ti­gen, ist die Vor­be­rei­tung schon recht auf­wen­dig. Barth: Manch­mal ent­ste­hen auch in der Nach­be­rei­tung noch neue Ide­en, die man vor dem In­ter­view nicht hat­te. Es ist wirk­lich sehr ähn­lich wie im Ent­ste­hungs­pro­zess ei­nes Ma­ga­zins. Bub­bel: Es ist ein lei­den­schaft­li­ches Pro­jekt, das nicht durch­fi­nan­ziert ist und sich von der Ar­beits- bis in die Frei­zeit er­streckt. Zu­künf­tig könn­ten wir uns vor­stel­len, mit Spon­so­ren zu ar­bei­ten. Für die zwei­te Staf­fel neh­men wir das in An­griff.

Von knis­ternd bis hoch­pro­fes­sio­nell

Die gro­ße Pod­cast-aus­wahl – von ni­schig bis Main­stream, von knis­ternd bis hoch­pro­fes­sio­nell auf­ge­nom­men – führt wie­der­um da­zu, dass im­mer mehr Men­schen ei­nen Lieb­lings­pod­cast fin­den: 22 Pro­zent der Deut­schen hö­ren nach ei­ner Bit­kom-stu­die re­gel­mä­ßig Pod­casts (2016 wa­ren es noch 14 Pro­zent). Laut ei­ner Be­fra­gung des Pod­cast-ver­mark­tungs­netz­werks Pod­stars ist das Me­di­um be­son­ders be­liebt bei 21- bis 35-Jäh­ri­gen. Zu­dem kam her­aus, dass Pod­cast-hö­rer ein ho­hes Bil­dungs­ni­veau ha­ben.

Auch we­gen sol­cher Zah­len und Fak­ten möch­ten im­mer mehr Fir­men Pod­casts für Wer­be­zwe­cke nut­zen. Erst recht, wenn sie er­fah­ren, dass die Ak­zep­tanz so hoch ist wie bei kei­nem an­de­ren Me­di­um: 81,3 Pro­zent der Teil­neh­mer der Pod­stars-stu­die ga­ben an, dass sie vom Host ein­ge­spro­che­ne Re­kla­me nicht stört. Fast ein Drit­tel der Be­frag­ten hat schon mal ei­ne Web­site auf­grund von Pod­cast-wer­bung be­sucht und 12,9 Pro­zent ha­ben ei­nen Kauf ge­tä­tigt. Ne­ben Spots kom­men ver­stärkt Bran­ded Pod­casts auf: Con­tent Mar­ke­ting zum Hö­ren. Vier­tau­send­hertz pro­du­zier­te ge­ra­de ei­ne Au­dio­rei­he zum The­ma Elek­tro­mo­bi­li­tät für Au­di, Ma­ria Lo­renz setz­te mit Pool Ar­tists ein For­mat für So­ny um.

(Bran­ded) Pod­casts kon­zi­pie­ren

Ne­le Hei­se ist Me­di­en­for­sche­rin und be­ob­ach­tet die deutsch­spra­chi­ge Pod­cast-land­schaft seit über fünf Jah­ren. Ih­re Er­kennt­nis­se gibt sie et­wa an Pod­cas­tEin­stei­ger und Me­di­en­häu­ser wei­ter. Sie emp­fiehlt, vor der Kon­zep­ti­on neu­er For­ma­te – ob Bran­ded oder nicht – erst mal ganz vie­le Pod­casts zu hö­ren, um ein Ge­fühl für das Me­di­um zu ent­wi­ckeln. Zu­dem soll­te man re­cher­chie­ren, ob es et­was the­ma­tisch Ähn­li­ches auf dem deut­schen Au­dio­markt gibt. »Es geht auch im­mer dar­um, die Iden­ti­täts­fra­ge zu klä­ren und fest­zu­le­gen, wel­che Hal­tung der Pod­cast hat«, sagt Ne­le Hei­se. Da­für kann man über­le­gen, ob es ein Ge­sprächs­for­mat wer­den soll, ob es Ex­per­ten­in­ter­views ge­ben wird oder ob ein The­ma eher mit jour­na­lis­ti­schen Be­rich­ten be­leuch­tet wird, die vor Ort statt im Stu­dio auf­ge­nom­men wer­den.

»Man muss ge­ne­rell dar­auf ach­ten, dass die Hö­rer In­ter­es­se ent­wi­ckeln – es ist al­so wich­tig, et­was zu er­zäh­len, auf das sie Lust ha­ben. Et­was, das ihr In­for­ma­ti­ons­be­dürf­nis stillt oder Un­ter­hal­tung bie­tet«, sagt Vier­tau­send­hertz-mit­grün­der Ni­co­las Se­mak. Un­ter­neh­men rät Ne­le Hei­se, zu­nächst ei­ne Rei­he mit 10 bis 15 Fol­gen zu star­ten, um das For­mat zu tes­ten. »In­ter­viewrei­hen sind be­son­ders gut plan­bar, da man sich zu­erst haupt­säch­lich über­le­gen muss, mit wem man spre­chen möch­te«, sagt sie.

Schon in der Kon­zep­ti­ons­pha­se soll­te man die Kos­ten im Hin­ter­kopf ha­ben, die na­tür­lich je nach Auf­wand va­ri­ie­ren: »Ein Sto­ry­tel­ling-for­mat hat ei­ne ganz an­de­re Kom­ple­xi­tät als ei­ne In­ter­viewrei­he, die sich et­was güns­ti­ger rea­li­sie­ren lässt«, sagt Vin­cent Kitt­mann, Head of Pod­cast bei Pod­stars. Ei­ne Pod­cast-pro­duk­ti­on ist zwar we­ni­ger auf­wen­dig als

»Wir ha­ben nach neu­en We­gen ge­sucht, uns über Gestal­tung aus­zu­tau­schen – und da­für mit ei­nem au­di­tiven Me­di­um ex­pe­ri­men­tiert«

ein Vi­deo­dreh, doch nach Kitt­manns Er­fah­rung nimmt je­der 45-Mi­nu­ten-in­ter­view-pod­cast sechs bis sie­ben St­un­den Ar­beit in An­spruch, Vor- und Nach­be­rei­tung ein­ge­rech­net. »Für ei­nen pro­fes­sio­nell pro­du­zier­ten Bran­ded Pod­cast soll­ten Un­ter­neh­men je nach Auf­wand und Län­ge ei­nen ho­hen fünf­stel­li­gen Be­trag ein­kal­ku­lie­ren«, sagt er.

Zu For­mat und Aus­rich­tung muss die An­spra­che pas­sen: Wel­che To­na­li­tät soll der Pod­cast ha­ben? Wie lo­cker oder se­ri­ös möch­te man mit den Hö­rern um­ge­hen? »Es ist wich­tig, ob es ei­nen Host gibt, der die ein­zel­nen Fol­gen zu­sam­men­hält. Je­mand, der stets im Fo­kus steht und The­men, Gäs­te so­wie Fra­gen aus­wählt«, sagt Ne­le Hei­se. Die per­sön­li­che Be­zie­hung zwi­schen dem Host und dem Pu­bli­kum ist nicht zu un­ter­schät­zen: »Wenn nach dem ers­ten Hö­ren kei­ne Che­mie mit der Per­son ent­steht, abon­niert man ei­nen Pod­cast wo­mög­lich gar nicht«, so Hei­se. Der Boom hat ei­ni­ge be­lieb­te Stim­men her­vor­ge­bracht, die ei­ne treue Hö­rer­schaft ha­ben. »Für ei­nen Fir­menPod­cast könn­te es auch ei­ne stra­te­gi­sche Über­le­gung sein, mit ei­nem Ak­teur zu ar­bei­ten, der im Pod­cas­ting-be­reich be­reits be­kannt ist«, so Hei­se.

Die Bau­markt­ket­te Horn­bach be­auf­trag­te für ih­re »Werk­statt­ge­sprä­che«-rei­he über Heim­wer­ker­pro­jek­te et­wa Hol­ger Klein als Pro­du­zen­ten und Host. Als Ra­dio­mo­de­ra­tor und Pod­cas­ter hat er vie­le Fans und So­ci­al-me­dia-fol­lo­wer, wo­durch der neue Bran­ded Pod­cast von Be­ginn an Auf­merk­sam­keit be­kam. Im Au­di-pod­cast von Vier­tau­send­hertz geht es um ein The­ma, das der­zeit sehr vie­le Leu­te in­ter­es­siert: der Wan­del zur Elek­tro­mo­bi­li­tät. Statt nur dar­über zu spre­chen, was Au­di in die­sem Be­reich un­ter­nimmt, be­leuch­tet der Pod­cast die Ge­schich­te und die Ent­wick­lun­gen in die­sem Be­reich und schafft Auf­merk­sam­keit für das The­ma an sich. »Ein Bran­ded Pod­cast darf aus un­se­rer Sicht nicht zu werb­lich sein. Hö­rer mer­ken, wenn sie mit Wer­bung bom­bar­diert statt wirk­lich in­for­miert zu wer­den – und Wer­bung hört sich nie­mand frei­wil­lig an«, sagt Ni­co­las Se­mak von Vier­tau­send­hertz. »Wir ver­su­chen da­her un­se­re Kun­den da­von zu über­zeu­gen, dass sie eher als Prä­sen­ta­tor des Pod­casts auf­tre­ten«, sagt er.

Mat­thi­as Gie­sel­mann ist User Ex­pe­ri­ence De­si­gner in Wi­en und be­schäf­tigt sich ne­ben­bei mit Pod­cas­ting: Für sei­ne In­ter­viewrei­he »form­funk«, die als Di­plom­ar­beit star­te­te, spricht er in lo­ser Fol­ge mit in­ter­es­san­ten Gestal­tern. Sein Tipp: »Man soll­te sich in der Kon­zep­ti­ons­pha­se über­le­gen, ob das For­mat auch über meh­re­re Epi­so­den trägt – und am bes­ten die nächs­ten fünf skiz­zie­ren, be­vor man mit der Auf­nah­me der ers­ten Fol­ge los­legt«, sagt Mat­thi­as Gie­sel­mann. An­sons­ten leb­ten gu­te In­ter­view-pod­casts von Au­then­ti­zi­tät und Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem The­ma: »Ein Ge­spräch ist dann gut, wenn man selbst neu­gie­rig ist.« Ni­co­las Se­mak stimmt dem zu: »Man soll­te nicht ein­fach bloß Pro­mis ab­klap­pern, son­dern aus ei­ner ehr­li­chen Mo­ti­va­ti­on her­aus mit ei­ner be­stimm­ten Per­son spre­chen, der man aus ech­tem In­ter­es­se Fra­gen stellt.«

Das Au­ge hört mit

Auch wenn es na­tür­lich haupt­säch­lich ums Hö­ren geht, zei­gen ers­te Bei­spie­le, dass die vi­su­el­le Kom­po­nen­te durch­aus da­zu bei­tra­gen kann, dass ein Pod­cast noch mehr Wir­kung er­zielt. Ne­ben Gie­sel­manns »form­funk« ist der »Grau­stu­fen Pod­cast« des De­sign­stu­di­os Bu­reau Bor­deaux in Han­no­ver her­vor­zu­he­ben, der En­de Au­gust mit ers­ten Epi­so­den star­te­te (sie­he In­ter­view auf Sei­te 48). »Ge­ra­de wenn man mit ei­nem Pod­cast Gestal­ter be­geis­tern will, muss auch der vi­su­el­le Part über­zeu­gen«, sagt Mat­thi­as Gie­sel­mann, der für sein For­mat ein mar­kan­tes Er­schei­nungs­bild ent­wor­fen und ei­ne ei­ge­ne Web­site (https://form­funk-pod­cast.de) pro­gram­miert hat. »Mir war da­bei wich­tig, ne­ben der über­grei­fen­den Pod­cast-iden­ti­ty für je­de Fol­ge und je­den In­ter­view­part­ner et­was Be­son­de­res zu ge­stal­ten, um zu zei­gen, dass sich die Epi­so­den stark un­ter­schei­den«, er­klärt der De­si­gner. Scrollt man durch die Web­site, auf der ei­ne wa­bern­de Li­nie ei­ne far­bi­ge von ei­ner wei­ßen Flä­che ab­grenzt, än­dert sich für je­de Fol­ge die Far­be, au­ßer­dem ist im­mer ein Fo­to von ei­ner De­si­gnar­beit des In­ter­view­part­ners zu se­hen.

Auch aus stra­te­gi­schen Grün­den ist es sinn­voll, sich mit dem Look ei­nes Pod­casts aus­ein­an­der­zu­set­zen. »Die vi­su­el­le Kom­po­nen­te wird im­mer wich­ti­ger, weil im­mer mehr Leu­te nach dem Schlag­wort ›Pod­cast‹ su­chen. Sie sind al­so erst mal im Brow­ser un­ter­wegs und se­hen dort Such­er­geb­nis­se, be­vor sie et­was hö­ren«, sagt Ne­le Hei­se. Wer ne­ben gu­tem

Au­dio- Con­tent ei­ne an­spre­chen­de Web­site vor­zu­wei­sen hat, fällt auf und bringt Su­chen­de vi­el­leicht eher da­zu, mal rein­zu­hö­ren. Dar­über hin­aus bie­tet ei­ne Web­site gu­te Mög­lich­kei­ten, hör­ba­re Er­leb­nis­se zu ver­tie­fen: zum Bei­spiel mit Links, Fo­tos oder In­for­ma­tio­nen zum Host, zu den Gäs­ten oder zu be­spro­che­nen The­men. Und: Man bleibt bei sei­nem ei­ge­nen Brand. »Wenn man auf ei­nen Pod­cast-link klickt und bei Sound­cloud lan­det, ge­hen die Mar­ken­bin­dung und Ko­hä­renz in der Mar­ken­dar­stel­lung ver­lo­ren«, sagt Ne­le Hei­se. »Die Pod­cast-sze­ne ist häu­fig noch sehr ›ohr­fi­xiert‹ und die vi­su­el­le Ebe­ne ei­ne gro­ße Bau­stel­le. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­si­gner kön­nen sich al­so auf je­den Fall ein­brin­gen, um ne­ben der au­di­tiven ei­ne pas­sen­de vi­su­el­le Iden­ti­ty zu ge­stal­ten – die Com­mu­ni­ty könn­te die­se Im­pul­se gut ge­brau­chen«, meint die Me­di­en­for­sche­rin.

Pod­cast-co­ver: Klar­heit vor Op­tik

Steht ein Er­schei­nungs­bild, fällt es zu­dem leich­ter, Con­tent rund um den Pod­cast im ein­heit­li­chen De­sign auf den So­ci­al-me­dia-ka­nä­len zu ver­brei­ten. Und da zu er­war­ten ist, dass im­mer mehr Pod­cas­tHosts auf ei­ge­ne Web­sites zur Dis­tri­bu­ti­on set zen, ent­steht zu­dem ein Markt für Web­de­si­gner. Tex­t­e­le­men­te kön­nen den Pod­cast eben­falls nach vorn brin­gen: Um bei Goog­le bes­ser ge­fun­den zu wer­den, lohnt es sich, für je­de Epi­so­de ei­nen zu­sam­men­fas­sen­den Blog­post zu schrei­ben, mit Links zu Spo­ti­fy und Co. So er­reicht man auch Men­schen, die ge­ra­de nicht ex­pli­zit ei­nen Pod­cast su­chen, son­dern In­for­ma­tio­nen zu ei­nem be­stimm­ten The­ma.

Wäh­rend nicht je­der ei­ne ei­ge­ne Pod­cast-web­site hat, ist ein Co­ver ein Muss für al­le – und das Ers­te, was po­ten­zi­el­le Hö­rer se­hen. »Der Fo­kus soll­te im­mer auf dem In­halt lie­gen und nicht auf dem Op­ti­schen«, sagt Ma­ria Lo­renz. »Aber es ist na­tür­lich gut, wenn das Pod­cast- Co­ver pro­fes­sio­nell aus­sieht und wi­der­spie­gelt, wo­rum es geht. Es schafft zu­dem Wie­der­er­ken­nungs­wert, et­wa bei itu­nes.« Sie emp­fiehlt, bei der Gestal­tung un­be­dingt die For­mat­vor­ga­ben zu be­ach­ten, da­mit die Sto­res es ak­zep­tie­ren. Ein Co­ver muss qua­dra­tisch sein – am bes­ten 3000 Pi­xel hoch und breit –, und es soll­te im JPEG- oder Png-for­mat vor­lie­gen. »Schwie­rig fin­de ich es ge­ra­de bei Bran­ded Pod­casts, wenn das Bran­ding zu groß ist und zu sehr da­nach aus­sieht, als wür­de sich le­dig­lich ein gro­ßes Un­ter­neh­men selbst darstel­len wol­len«, sagt Ma­ria Lo­renz.

Auf­nah­me läuft!

Ei­ner der stärks­ten Vor­tei­le von Pod­casts: Man be­nö­tigt nicht viel Equip­ment. Vor der An­schaf­fung soll­te man über­le­gen, wo man vor­ran­gig auf­neh­men wird und ob die Aus­rüs­tung trans­por­ta­bel sein muss. Ne­ben ei­nem Auf­nah­me­ge­rät und Kopf­hö­rern soll­te je­der, der im Pod­cast zu Wort kommt, ein ei­ge­nes Mi­kro ha­ben. Bü­gel- oder Head­set-mi­kro­fo­ne sind gut ge­eig­net, weil der Ab­stand zum Mund im­mer gleich bleibt. Al­ter­na­tiv gibt es wel­che mit Sta­tiv. Ent­we­der man ver­wen­det Usb-mi­kros, die man am auf­neh­men­den Lap­top oder Com­pu­ter an­schließt, oder – für hoch­wer­ti­ge­ren Klang – ei­nen Re­kor­der, an den man die Mi­kro­fo­ne an­schließt. In die­sem Fall braucht man ein zu­sätz­li­ches Au­dio­in­ter­face, um die Auf­nah­me zu mi­schen. Je­des Mi­kro zeich­net ei­ne ei­ge­ne Au­dio­spur auf, die man nach­her se­pa­rat be­ar­bei­tet.

Zum Schnei­den und Nach­be­ar­bei­ten der Ton­spu­ren be­nö­tigt man ei­ne Au­dio­soft­ware. Die meis­ten Pod­cas­ter nut­zen Rea­per, das ei­gent­lich für Mu­sik­pro­duk­tio­nen ge­dacht ist (www.rea­per.fm). Ul­tra­schall (https://ul­tra­schall.fm), ein Open-sour­ce-tool, er­wei­tert Rea­per und ist spe­zi­ell auf die Be­dürf­nis­se von Pod­cas­tern aus­ge­legt. »Ähn­lich wie Pho­to­shop oder an­de­re Pro­gram­me hat es ei­nen gro­ßen Funk­ti­ons­um­fang, von dem ich nur ei­nen Bruch­teil ver­wen­de. Sehr nütz­lich ist, dass man sich in­di­vi­du­el­le Au­dio­fil­ter an­le­gen kann, et­wa zum An­pas­sen der Laut­stär­ke«, be­rich­tet Mat­thi­as Gie­sel­mann. »Beim Schnei­den ach­te ich dar­auf, nicht nur Ver­spre­cher, Hus­ter oder lan­ge Denk­pau­sen raus­zu­schnei­den, son­dern das Ge­spräch in der Nach­be­ar­bei­tung auch et­was zu kon­den­sie­ren, so­fern es Län­gen hat.«

Hat man ei­ne fer­ti­ge Au­dio­da­tei, lädt man den Pod­cast bei ei­nem Hos­ting-ser­vice wie et­wa Po­di­gee (www.po­di­gee.com) hoch. Dort kann man dann wei­ter­füh­ren­de Links oder an­de­re Show­no­tes hin­zu­fü­gen und Ka­pi­tel­mar­ken set­zen, um Stel­len her vor­zu­he­ben. Der Ser­vice ver­öf­fent­licht den Pod­cast via RSS-FEED auf den gän­gi­gen Platt­for­men wie itu­nes, Sound­cloud oder Dee­zer so­wie bei Pod­cast-apps, den so­ge­nann­ten Pod­cat­chern.

Reich­wei­te auf­bau­en

Der Pod­cast ist fer­tig? Jetzt muss er nur noch sei­ne Hö­rer fin­den – oder die ihn. »Für mehr Sicht­bar­keit emp­fiehlt sich ei­ne re­gel­mä­ßi­ge Er­schei­nungs­wei­se, ein­mal pro Wo­che ist ide­al«, meint Vin­cent Kitt­mann von Pod­stars. Mit je­der Fol­ge hat man wie­der die Chan­ce, neue Hö­rer zu er­rei­chen, die den Pod­cast abon­nie­ren. Die Zahl neu­er Abos soll sich zu­min­dest bei itu­nes auf die Sicht­bar­keit des Pod­casts aus­wir­ken. Und: Er­scheint län­ger nichts, wan­dern Hö­rer even­tu­ell zu an­de­ren Pod­casts ab.

Bei der Ver­brei­tung gilt es, auf Mas­se zu set­zen. »Man soll­te auf den gän­gi­gen Platt­for­men und bei al­len Pod­cat­chern ver­tre­ten sein, da­mit die Hö­rer den Pod­cast dort fin­den, wo sie so­wie­so un­ter­wegs sind«, meint Kitt­mann. Über­ra­schen­der­wei­se ist laut ei­ner Um­fra­ge des On­li­ne-au­dio-mo­ni­tors der Baye­ri­schen Lan­des­zen­tra­le für neue Me­di­en die Platt­form, die vor itu­nes und Spo­ti­fy am häu­figs­ten zum Pod­cas­tHö­ren ver­wen­det wird: Youtu­be! Dort lohnt es sich al­so auch ver­tre­ten zu sein. Bis­her ist es üb­lich, ein­fach ein Stand­bild zu ver­wen­den.

Hat man als Mar­ke be­reits So­ci­al-me­dia-ka­nä­le oder News­let­ter, mit de­nen man vie­le Leu­te er­reicht, soll­te man den Pod­cast na­tür­lich auf ih­nen be­wer­ben. Die Pro­du­zen­tin Ma­ria Lo­renz emp­fiehlt zu-

»Die Pod­cas­tSze­ne ist noch sehr ›ohr­fi­xiert‹ und die vi­su­el­le Ebe­ne ei­ne gro­ße Bau­stel­le. De­si­gner kön­nen sich auf je­den Fall ein­brin­gen – die­se Im­pul­se kann die Com­mu­ni­ty sehr gut ge­brau­chen« Ne­le Hei­se, Me­di­en­for­sche­rin und Re­fe­ren­tin für di­gi­ta­le Me­di­en und On­li­ne­kom­mu­ni­ka­ti­on https://ne­le­hei­se.de

»Grau­stu­fen« – der Na­me des Pod­casts steht für vie­le Nuan­cen – und für Far­be. Das soll­te sich auch im Er­schei­nungs­bild wi­der­spie­geln. Die Teaser­fo­tos, die un­ter­schied­li­che Pa­s­tell­tö­ne ein­fan­gen, stam­men von Stu­dio­tusch aus Han­no­ver

Bei Vier­tau­send­hertz steht hoch­wer­ti­ger Au­dio-con­tent klar im Vor­der­grund. Den­noch ha­ben die Co­ver der ver­schie­de­nen Pod­casts des La­bels mit ih­rem ein­heit­li­chen Look auch vi­su­ell ei­nen ho­hen Wie­der­ken­nungs­wert. Die Il­lus­tra­tio­nen stam­men von Ti­na Zell­mer

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