Jen­seits von A0

Ob Mes­se­stand, Wer­be­kam­pa­gne oder Cor­po­ra­te-de­sign-kon­for­me In­nen­ein­rich­tung: Di­gi­ta­le Groß­for­mat­dru­cke er­freu­en sich zu­neh­men­der Be­liebt­heit. Wir zei­gen krea­ti­ve An­wen­dun­gen in XXL

PAGE - - Werkzeug -

● Beim Mes­se­auf­bau muss es schnell ge­hen. Für die Er­rich­tung der rie­si­gen Stän­de ste­hen meist nur ein paar Ta­ge zur Ver­fü­gung. Auch des­we­gen mag Pa­tri­cia Su­tor Stoff. Die Pro­duk­tio­ne­rin ar­bei­tet seit sechs Jah­ren bei der De­si­gnagen­tur Mu­ta­bor in Ham­burg und ist dort für al­les zu­stän­dig, was groß ist. »Die be­druck­ten Stoff­wän­de des Daim­ler-nutz­fahr­zeu­ge-stands auf der dies­jäh­ri­gen IAA um­fass­ten et­wa 1700 Qua­drat­me­ter«, be­rich­tet Su­tor. »Mit Fo­li­en, die man auf Wän­de ka­schie­ren muss, wä­re die Gestal­tung die­ser Flä­che in der Kür­ze der Zeit kaum rea­li­sier­bar ge­we­sen. Au­ßer­dem sieht man bei die­sem Ver­fah­ren die Über­lap­pun­gen sehr stark.« Mit Stoff­bah­nen da­ge­gen, die sich auf fünf Me­tern Brei­te be­dru­cken las­sen, kann man mit we­nig Näh­ten auch enorm gro­ße Bild­mo­ti­ve um­set­zen. Die be­druck­ten Bah­nen wer­den in so­ge­nann­te Ke­der­pro­fi­le, das sind um­lau­fen­de Alu­schie­nen, ge­steckt. Sie sor­gen für die nö­ti­ge Span­nung, so­dass das Mo­tiv glatt und fal­ten­frei er­scheint. »Au­ßer­dem sind die heu­ti­gen Stof­fe schön matt und ha­ben ei­ne tol­le Hap­tik«, so Su­tor.

An sei­ne Gren­zen ge­langt Stoff al­ler­dings bei Au­ßen­an­wen­dun­gen, hier kom­men eher Pvc-pla­nen zum Ein­satz. Wie bei den Con­tai­nern, die Strich­punkt für den Kun­den Alex­an­der Bürk­le als kom­mu­ni­ka­ti­ve Au­ßen­flä­che nutz­te. Die Stutt­gar­ter Bran­ding- und De­si­gnagen­tur be­glei­tet das Frei­bur­ger Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Bürk­le, das sich vom Elek­tro­groß­händ­ler zum Tech­no­lo­gie- und Ser­vice­dienst­leis­ter ge­wan­delt hat, bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on. Zwölf auf dem Fir­men­ge­län­de auf­ge­stell­te Bau­con­tai­ner dien­ten als krea­ti­ves Zu­hau­se für die Mit­ar­bei­ter, für Work­shops, Schu­lun­gen so­wie Events. Ein phy­si­scher Ort für die Trans­for­ma­ti­on. Für die Banner au­ßen ka­men zwei Ma­te­ria­li­en zum Ein­satz: Mesh und PVC, bei­des wet­ter­be­stän­dig. »Das licht­durch­läs­si­ge Mesh hängt an den Con­tai­ner­sei­ten mit Fens­tern, so hat man in­nen Ta­ges­licht«, er­klärt Alex­an­dra Stross, Pro­jekt­ma­na­ge­rin bei Strich­punkt. »Für die Be­fes­ti­gung durf­ten wir klei­ne Lö­cher in die obe­re Schicht der Con­tai­ner boh­ren und so die Banner mit den Me­tall­ösen an den Kan­ten ver­an­kern.«

Ma­te­ri­al: Gren­zen­lo­se Viel­falt

Der Groß­for­mat­druck oder auch Lar­ge For­mat Prin­ting hat sich in den letz­ten Jah­ren ra­sant ent­wi­ckelt. Dank di­gi­ta­lem Tin­ten­strahl­druck las­sen sich heu­te klei­ne Auf­la­gen oder auch Ein­zel­stü­cke zu er­schwing­li­chen Prei­sen rea­li­sie­ren – an­ge­fan­gen von rie­si­gen Pla­ka­ten an Hoch­häu­sern, über Bau­ge­rüst­ver­hül­lun­gen aus Mesh oder bun­ten Lkw-pla­nen bis zum groß­for­ma­ti­gen Aus­stel­lungs­de­sign. Lar­ge For­mat nennt man al­les, was grö­ßer als DIN A0 ist, mög­lich sind der­zeit Brei­ten von bis zu fünf Me­tern. Reicht das nicht, druckt man das Mo­tiv un­ter­teilt auf meh­re­re Bah­nen, die an­schlie­ßend zu ei­nem gro­ßen Banner zu­sam­men­ge­schweißt oder -ge­näht wer­den. Hin­sicht­lich der zu be­dru­cken­den Ma­te­ria­li­en ist fast al­les mög­lich: Star­re Be­druck­stof­fe wie Holz-, MDFo­der Alu­mi­ni­um­plat­ten, Glas oder Me­tall eben­so wie fle­xi­ble Ma­te­ria­li­en wie Tex­ti­li­en, Pa­pier, Kar­ton oder Fo­li­en. Die meis­ten Pro­duk­te im Lar­ge For­mat Prin­ting las­sen sich gut stan­dar­di­sie­ren und da­mit auch über ei­nen Web­shop ver­trei­ben. So bie­ten in­zwi­schen auch On­li­ne­dru­cke­rei­en wie CEWE, On­line­prin­ters, Sa­xo­print oder auch Uni­ted­print (Print24) Groß­for­mat­druck re­gu­lär an.

Vor al­lem im Be­reich Tex­til­druck und der ge­druck­ten In­nen­ein­rich­tung wächst die Nach­fra­ge. Ob in­di­vi­du­el­le Ta­pe­te oder Xxl-wand­bild, vie­le Un­ter­neh­men nut­zen für ih­re In­nen­raum­ge­stal­tung Lar­ge For­mat Prin­ting. Die Pe­ter Schmidt Group et­wa ge­stal­te­te für die Bier­mar­ke As­tra die Lo­ge im Ham­bur­ger Mil­l­ern­tor-sta­di­on. As­tra steht sinn­bild­lich für den un­an­ge­pass­ten Stil von St. Pau­li. Wer ei­ne »Knol­le As­tra« kauft, ent­schei­det sich nicht ein­fach für ein Bier, son­dern nimmt sich ein Stück Kie­z­at­mo­sphä­re mit nach Hau­se. In der As­tra-lo­ge im Heim­sta­di­on des FC St. Pau­li schmückt die Wän­de jetzt ei­ne von der Pe­ter Schmidt Group ent­wor­fe­ne Mus­ter­ta­pe­te, die sich aus der As­tra-knol­len­fla­sche in Ori­gi­nal­grö­ße ab­lei­tet und da­für sorgt, dass die Lo­ge kein eli­tä­rer VIP-RAUM ist, son­dern viel­mehr an ei­ne an­ge­nehm ab­ge­rock­te WG er­in­nert.

Tin­ten: Bit­te oh­ne Lö­sungs­mit­tel

Ge­ne­rell un­ter­schei­det man bei den im Lar­ge For­mat Prin­ting ver­wen­de­ten Tin­ten zwi­schen lö­se­mit­tel­hal­ti­gen und lö­se­mit­tel­frei­en, was­ser­ba­sier­ten. Ers­te­re soll­ten im In­nen­be­reich nicht zum Ein­satz kom­men, sie rie­chen un­an­ge­nehm, und die Aus­düns­tun­gen sind zu­dem ge­sund­heits­schäd­lich. Da lö­sungs­mit­tel­hal­ti­ge, so­ge­nann­te Sol­vent­t­in­ten je­doch sehr halt­bar und Uv-be­stän­dig sind, ka­men sie lan­ge im Out­door­be­reich zum Ein­satz. In­zwi­schen gibt es mit La­text­in­ten aber ei­ne um­welt­freund­li­che­re Al­ter­na­ti­ve, die trotz­dem halt­bar ist. Sie ba­sie­ren auf ei­nem künst­li­chen Po­ly­mer so­wie auf Was­ser, Farb­pig­men­ten und was­ser­lös­li­chem Lö­sungs­mit­tel. Die Dru­cke mit La­text­in­te sol­len was­ser­be­stän­dig sein und un­la­mi­niert drau­ßen et­wa drei Jah­re hal­ten. Sol­vent­t­in­ten sind glück­li­cher­wei­se in­zwi­schen fast gänz­lich vom Markt ver­schwun­den.

Tex­til­druck er­folgt in der Re­gel durch Ther­mo­sub­li­ma­ti­on, das heißt die Tin­te wird zu­nächst ge­spie­gelt auf ein spe­zi­ell be­schich­te­tes Trans­fer­pa­pier ge­druckt und die­ses dann mit Hit­ze und Druck auf den Stoff über­tra­gen. Auch für die­ses Ver­fah­ren gibt es Tin­ten auf Was­ser­ba­sis. Mehr zu den ein­zel­nen Tin­ten und für wel­che Be­druck­stof­fe sie sich am bes­ten eig­nen, er­fah­ren Sie links.

Die bei klei­ne­ren For­ma­ten be­lieb­ten Druck­ver­ede­lun­gen, wie et­wa Prä­gun­gen, las­sen sich seit Neu­es­tem auch für Lar­ge For­mat Prints si­mu­lie­ren: Im Mai 2018 stell­te Ca­non auf der Fe­s­pa in Ber­lin die Re­lief­tech­nik Océ Touchs­to­ne für di­gi­ta­len Groß­for­mat­druck vor, mit der sich struk­tu­rier­te Ober­flä­chen und Prä­gun­gen, me­tal­li­sche Ak­zen­te so­wie er­ha­be­ne Schrift­zü­ge durch mehr­schich­ti­gen Druck nach­bil­den las­sen. Laut Ca­non sei­en De­si­gner und Druck­dienst­leis­ter zu­neh­mend be­reit, für wir­kungs­vol­le­re Ober­flä­chen mehr Geld aus­zu­ge­ben.

Im rich­ti­gen Maß­stab

Die Druck­da­ten für ein groß­for­ma­ti­ges Pro­jekt legt man im Prin­zip ge­nau­so an wie für klei­ne­re Druck­sa­chen. »Wir ar­bei­ten für ge­wöhn­lich in In­de­sign im Maß­stab 1 : 10«, be­rich­tet Pa­tri­cia Su­tor von Mu­ta­bor. »Was sich un­ter­schei­det, ist al­ler­dings die Auf­lö­sung. Wir brau­chen nicht die 300 dpi ei­nes Buchs, je nach

Grö­ße der Flä­che und Be­trach­tungs­ab­stand rei­chen oft auch 40 bis 50 dpi. Das sieht im­mer noch toll aus, hö­he­re Auf­lö­sun­gen könn­te das Au­ge oh­ne­hin nicht er­fas­sen, und die sonst ent­ste­hen­den Da­ten­men­gen wä­ren nicht mehr zu han­deln.«

Ein ge­wis­ses Vor­stel­lungs­ver­mö­gen braucht man für Groß­for­mat­dru­cke aber schon. Pro­duk­tio­ne­rin Pa­tri­cia Su­tor emp­fiehlt, ei­nen An­druck ma­chen zu las­sen oder Schrif­ten wirk­lich mal eins zu eins aus­zu­dru­cken und in die Hö­he zu hän­gen, für die sie ge­plant sind. »Die Fas­sa­de am Daim­ler-mes­se­stand war et­wa acht Me­ter hoch. Das kann man sich am Bild­schirm schlecht vor­stel­len. Ich bin im­mer da­für, mal ei­nen Me­ter Brei­te über die ge­sam­te Hö­he an­dru­cken zu las­sen, da­mit man das Druck­bild und die Wir­kung be­ur­tei­len kann.« Au­ßer­dem muss man bei der An­la­ge der Da­ten na­tür­lich die spä­te­ren Auf­hän­gun­gen wie Ösen oder Ähn­li­ches be­rück­sich­ti­gen. Grund­sätz­lich gilt: Vek­tor­da­tei­en sind ver­lust­frei be­lie­big ska­lier­bar und da­her ide­al für den groß­for­ma­ti­gen Di­gi­tal­druck ge­eig­net.

Bo­den und Wän­de aus Pa­pier

Nach­hal­tig sind Lar­ge-for­mat-prints für Mes­se­stän­de nicht, wird am En­de der Mes­se doch fast al­les weg­ge­wor­fen. »Man baut den glei­chen Stand meist kein zwei­tes Mal auf, und beim Ab­bau fehlt in der Re­gel die Zeit zu schau­en, wel­che Tei­le sich wie­der­ver­wen­den las­sen«, sagt Pa­tri­cia Su­tor. Gut, wenn dann we­nigs­tens die ein­ge­setz­ten Ma­te­ria­li­en ei­ni­ger­ma­ßen um­welt­ver­träg­lich sind. Vor­bild­lich ist da pa­prfloor. Un­ter­neh­mens­grün­der Se­bas­ti­an Grimm ent­wi­ckel­te den Pa­pier­fuß­bo­den 2014, er be­steht aus­schließ­lich aus na­tür­li­chen Stof­fen und Re­cy­cling­pa­pier, lässt sich hin­ter­her im Alt­pa­pier­con­tai­ner ent­sor­gen und hält eben­falls den ho­hen Be­las­tun­gen auf Mes­sen oder Events stand. Da er au­ßer­dem noch kos­ten­güns­tig ist, kommt pa­prfloor in­zwi­schen bei vie­len Ge­le­gen­hei­ten zum Ein­satz.

Ähn­lich um­welt­freund­lich ist die Fle­xi­wall, ein aus Kar­ton­vier­kant­roh­ren so­wie sta­bi­len Pa­pier­ver­bund­plat­ten und Ver­bin­dungs­ele­men­ten be­ste­hen­des Sys­tem. Mit­hil­fe der Pappt­renn­wän­de las­sen sich Be­rei­che in La­den­ge­schäf­ten, Mes­se­stän­den, Aus­stel­lun­gen oder Bü­ros in Se­pa­rees ver­wan­deln. Man kann sie in­di­vi­du­ell be­dru­cken und Bil­der, Schau­ta­feln oder Ähn­li­ches bis 25 Ki­lo­gramm pro Wand­ele­ment auf­hän­gen. Al­le Ma­te­ria­li­en, die in den Fle­xi­wall-kom­po­nen­ten ver­ar­bei­tet wer­den, sind FSCzer­ti­fi­ziert und zu 100 Pro­zent re­cy­cel­bar.

Da es aber noch vie­le Pro­jek­te oh­ne pa­prfloor oder Fle­xi­wall gibt, könn­te al­so das krea­ti­ve Re­cy­celn nicht mehr be­nö­tig­ter Lar­ge-for­mat-prints auch ei­ne Ge­schäfts­idee für Gestal­ter sein. Den­ken wir nur an die Er­folgs­ge­schich­te der Frei­tag-brü­der mit ih­ren Ta­schen aus Lkw-pla­nen. ant[6851]

Für die Aus­stel­lun­gen »Last & In­spi­ra­ti­on« im Pries­ter­se­mi­nar Graz und »Glau­be, Lie­be, Hoff­nung« vom Kunst­haus Graz ließ bue­ro bau­er über 200 Qua­drat­me­ter Mdf-plat­ten be­dru­cken. Das For­mat war auf­grund des ho­hen Ge­wichts der Ta­feln auf 90 mal 240 Zen­ti­me­ter be­grenzt. Über­ra­schend wa­ren die sehr gro­ßen Farb­un­ter­schie­de der Plat­ten: Je nach Pro­duk­ti­ons­char­ge va­ri­iert der Farb­ton, weil die Plat­ten aus Na­tur- und Re­cy­cling­ma­te­ri­al be­ste­hen Lin­ke Sei­te: Für Pa­na­so­nic brach­te die D’art De­sign Grup­pe aus Neuss den rund 6,5 Me­ter brei­ten und gut 14 Me­ter ho­hen Print ei­ner Sport­le­rin an ei­ner Glas­fas­sa­de an. Die Krea­ti­ven ras­ter­ten das Mo­tiv, um ei­ne ska­lier­ba­re Vek­tor­gra­fik zu be­kom­men, die sich rand­scharf in die­sen Di­men­sio­nen dru­cken lässt, und um das na­tür­li­che Licht hin­ter der Glas­fas­sa­de zu er­hal­ten. Ge­druckt wur­de es als Fo­li­en­schnitt auf ei­ne trans­pa­ren­te Fo­lie Die Lo­ge im Mil­l­ern­tor – Heim­sta­di­on des FC St. Pau­li – ziert ei­ne von der Pe­ter Schmidt Group ent­wor­fe­ne Ta­pe­te, die sich aus der As­tra-knol­len­fla­sche in Ori­gi­nal­grö­ße ab­lei­tet. Hier füh­len sich St.-pau­li-fans wohl

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