Fest­plat­te de­fekt – und nun?

Vie­le Tools ver­spre­chen schnel­le Da­ten­ret­tung – pro­bie­ren soll­te man oft meh­re­re, bis schließ­lich ei­nes zum Er­folg führt.

PC Magazin - - Inhalt - THO­MAS JOOS

Da­ten ret­ten nach dem Crash

E ein leich­tes Kla­ckern im Ge­häu­se weist auf ei­ne de­fek­te Fest­plat­te hin – jetzt soll­ten Sie so­fort al­le Da­ten si­chern. Aber nicht im­mer ist ein De­fekt hör­bar. Oft ver­ab­schie­den sich ein­zel­ne Sek­to­ren lei­se. Dann tre­ten Pro­blem auf wie Ab­stür­ze des Be­triebs­sys­tems, feh­len­de Da­ten und Feh­ler­mel­dun­gen beim Spei­chern oder Le­sen. Ei­nen ers­ten Hin­weis lie­fert die Er­eig­nis­an­zei­ge von Win­dows, die Sie über event­v­wr.msc auf­ru­fen. Im Sys­tem-Me­nü se­hen Sie, wenn ei­ne Fest­plat­te phy­si­sche De­fek­te auf­weist. Im nicht sel­te­nen Fall der Fäl­le ist es hilf­reich, ei­nen Ret­tungs­stick pa­rat zu ha­ben.

TIPP1: USB-Stick zur Wie­der­her­stel­lung nut­zen

Es ist sinn­voll, dass Sie die ein­zel­nen Tools zur Wie­der­her­stel­lung auf ei­nen USB-Stick ko­pie­ren und von dort aus­füh­ren. Da­durch ver­mei­den Sie, dass bei der Wie­der­her­stel­lung von Da­tei­en die feh­ler­haf­ten Frag­men- te der Da­tei­en zer­stört wer­den, die Sie ei­gent­lich wie­der­her­stel­len wol­len.

TIPP2: Da­ten­ret­tung mit der Free­ware Re­cu­va

Ein be­kann­tes Bei­spiel für die Da­ten­ret­tung auf phy­si­schen Fest­plat­ten ist die Free­ware Re­cu­va. Der Her­stel­ler bie­tet auch ei­ne kos­tenp ich­ti­ge Ver­si­on. Re­cu­va zeigt beim Star­ten ei­nen As­sis­ten­ten, der Sie bei der Wie­der­her­stel­lung un­ter­stützt. Im ers­ten Schritt kann das Tool den Da­ten­trä­ger nach ge­lösch­ten Da­tei­en scan­nen. Hat der Ober ächen­scan kein Er­geb­nis ge­lie­fert, kön­nen Sie den Da­ten­trä­ger noch mit ei­nem Tie­fen­scan durch­su­chen. Die­ser Scan kann meh­re­re St­un­den dau­ern. Nach dem Scan­nen zeigt das Tool die Da­ten an, die wie­der­her­ge­stellt wer­den kön­nen. Hier un­ter­schei­det Re­cu­va zwi­schen grün (leicht wie­der­her­stell­bar), gelb (teil­wei­se de­fekt) oder rot (zer­stört). Sie kön­nen auch zer­stör­te Da­tei­en wie­der­her­stel­len. Al­ler­dings ist hier die Wahr­schein­lich­keit hoch, dass Da­ten les­bar sind.

TIPP3: Ge­lösch­te Da­tei­en mit Resto­ra­ti­on wie­der­her­stel­len

Zur Wie­der­her­stel­lung kön­nen Sie auch die Free­ware Resto­ra­ti­on ver­wen­den. Star­ten Sie sie mit Ad­mi­nis­tra­tor­rech­ten. Wäh­len Sie bei Dri­ves die Fest­plat­te aus, von der Sie Da­tei­en ret­ten wol­len. Tra­gen Sie bei All or part of the le Da­tei­en­dun­gen in der Form *.bmp ein, um nur be­stimm­te Da­tei­en an­zu­zei­gen. Kli­cken Sie auf Se­arch De­le­ted Fi­les, durch­sucht das Tool die Fest­plat­te und zeigt wie­der­her­stell­ba­re Da­tei­en an. Mit Res­to­re by Co­py­ing ret­ten Sie die Da­tei­en.

TIPP4: Wie­der­her­stel­lung mit Pho­toRec

Pho­toRec muss nicht in­stal­liert wer­den, Sie kön­nen das Tool vom USB-Stick aus star­ten. Der Um­gang mit dem Tool ist kom­pli­zier­ter als mit an­de­ren, da­für kann Pho­toRec oft Da­tei­en wie­der­her­stel­len, zu de­ren Wie­der­her­stel­lung an­de­re Pro­gram­me nicht in der La­ge sind. Star­ten Sie pho­to­rec_win.exe und wäh­len Sie die ka­put­te Fest­plat­te aus. Dann le­gen Sie die Art der Par­ti­ti­ons­ta­bel­le fest, meis­tens ist In­tel die rich­ti­ge Wahl für Win­dows. Nun wäh­len Sie die Par­ti­ti­on aus, auf der die Da­ten ge­spei­chert wa­ren. Ne­ben der Aus­wahl der Par­ti­ti­on müs­sen Sie noch das Da­tei­sys­tem be­stä­ti­gen. Wäh­len Sie zu­nächst mit Free den frei­en Spei­cher­platz auf dem Da­ten­trä­ger zum Durch­su­chen aus und als Nächs­tes den Da­ten­trä­ger, auf den Sie die Da­ten ret­ten wol­len. Mit der Tas­te Y be­stä­ti­gen und star­ten Sie die Wie­der­her­stel­lung.

TIPP5: Er­wei­ter­te Ret­tung mit Ea­sy Re­co­very

Kön­nen Sie die Da­ten mit kos­ten­lo­sen Pro­gram­men nicht mehr wie­der­her­stel­len, kann das Pro -Tool Ea­sy Re­co­very von Kroll On­track hel­fen. Es steht als Test­ver­si­on zur Ver­fü­gung und kann auch Da­t­eifrag­men­te ret­ten. Die Ho­me-Ver­si­on kos­tet 90 Eu­ro, be­zah­len müs­sen Sie aber nur, wenn Sie Da­ten auch wie­der­her­stel­len wol­len. Die Su­che und Vor­schau der ge­fun­de­nen Da­ten ist mit der Test-Ver­si­on von Ea­sy Re­co­very kos­ten­los. Erst wenn es Ih­re Da­ten ge­fun­den hat, kau­fen Sie ei­ne Li­zenz. Das ist auf al­le Fäl­le ei­nen Ver­such wert.

TIPP6: Da­ten auf SSD wie­der­her­stel­len und si­cher spei­chern

Es ist sinn­voll, auf Rech­nern mit SSD auch die Ver­wal­tungs­tools der Her­stel­ler zu in­stal­lie­ren und die SSD re­gel­mä­ßig zu über­prü­fen. Da­durch lässt sich Da­ten­ver­lust ver­hin­dern, und Sie kön­nen Da­ten schnel­ler und ein­fa­cher wie­der­her­stel­len. Um die Leis­tung und Da­ten­si­cher­heit von SSDPlat­ten zu ver­bes­sern, soll­ten Sie mög­lichst im­mer die ak­tu­ells­te Firm­ware auf dem Ge­rät in­stal­lie­ren. Vie­le Her­stel­ler, wie zum Bei­spiel Samsung, bie­ten Ver­wal­tungs­pro­gram­me für ih­re SSDs. Die Tools mes­sen die Leis­tung, zei­gen die ak­tu­el­le Firm­ware-Ver­si­on an und kön­nen Up­dates durch­füh­ren. Gibt es zu Ih­rer SSD kein Hilfs­pro­gramm, su­chen Sie auf der Sei­te des Her­stel­lers nach neu­en Ver­sio­nen der Firm­ware, la­den Sie die In­stal­la­ti­ons­da­tei her­un­ter, füh­ren Sie sie aus und star­ten Sie den Rech­ner neu.

TIPP7: Del­taCo­py – Open­sour­ce arR­sync ( https://goo.gl/GXm2s8) kann Da­tei­en und Ver­zeich­nis­se syn­chro­ni­sie­ren. Da­durch lässt sich Da­ten­ver­lust ver­mei­den, ähn­lich wie bei Ro­bo­co­py, das wir im Work­shop der vor­he­ri­gen Sei­te zei­gen. Sie ge­ben im Tool ein Qu­ell- und ein Ziel-Ver­zeich­nis an. In der Soft­ware le­gen Sie fest, wie die Syn­chro­ni­sie­rung durch­ge­führt wer­den soll. Die Soft­ware kann zwei Ver­zeich­nis­se mit­ein­an­der ab­glei­chen, das Qu­ell-Ver­zeich­nis auf das Ziel-Ver­zeich­nis ko­pie­ren. Auch das Über­schrei­ben von Da­tei­en lässt sich steu­ern. Wol­len Sie das Tool für Win­dows nut­zen, soll­ten Sie auf Del­taCo­py set­zen, das ei­ne gra sche Ober äche für arR­sync bie­tet. Es un­ter­stützt hier auch ei­ne in­kre­men­tel­le Syn­chro­ni­sie­rung.

TIPP8: Win­dows 10 star­tet nicht mehr: Boot-Ma­na­ger re­pa­rie­ren

Star­tet Win­dows 10 nicht mehr, ha­ben Sie die Mög­lich­keit, über die Com­pu­ter­re­pa­ra­tur­op­tio­nen den Boot-Ma­na­ger zu re­pa­rie- ren. Da­zu star­ten Sie den Rech­ner mit der Win­dows-10-In­stal­la­ti­ons-DVD. Wäh­len sie Com­pu­ter­re­pa­ra­tur­op­tio­nen/Pro­blem­be­hand­lung/Er­wei­ter­te Op­tio­nen/Ein­ga­be­auf­for­de­rung. Mit dem Be­fehl boot­rec / xm­br ha­ben Sie nun gu­te Chan­cen, das Sys­tem zu ret­ten. Der Be­fehl schreibt den Mas­ter Boot Re­cord neu. Hilft das nicht, las­sen Sie mit boot­rec /sca­nos die Be­triebs­sys­te­me an­zei­gen, die nicht im Boot-Ma­na­ger ein­ge­tra­gen sind. Hier se­hen Sie schnell, ob es Sys­te­me gibt, die der Ma­na­ger er­kennt, aber noch nicht ein­ge­bun­den hat. Der Be­fehl boot­rec /re­buildbcd kann die­se Sys­te­me wie­der in den Boot-Ma­na­ger ein­tra­gen. Oft hilft auch boot­rec / xboot, wenn Sie par­al­lel zu Win­dows 10 noch ein an­de­res Be­triebs­sys­tem wie bei­spiels­wei­se Win­dows 7/8/8.1 auf dem Com­pu­ter in­stal­liert ha­ben. Der Be­fehl er­stellt den Boot-Ma­na­ger bootmgr neu. In den Com­pu­ter­re­pa­ra­tur­op­tio­nen nden Sie auch den Me­nü­punkt Start­hil­fe. Auch die­se Funk­ti­on bringt Win­dows 10 häu g wie­der ans Lau­fen.

TIPP9: Fest­plat­ten klo­nen mit HDC­lo­ne

Stel­len Sie Pro­ble­me mit ei­ner Fest­plat­te fest und bau­en ei­ne neue Fest­plat­te im Rech­ner ein, kön­nen Sie un­ter Um­stän­den die Da­ten der de­fek­ten Plat­te auf die neue Plat­te über­tra­gen. Soll ei­ne Fest­plat­te oder Par­ti­ti­on ge­klont wer­den, ist die Ul­ti­ma­te Boot-CD hilf­reich. Hier ste­hen zahl­rei­che Tools zur Ver­fü­gung, um PCs zu ret­ten oder ab­zu­si­chern. Im Me­nü­punkt HDD/Disk Clo­n­ing nden Sie zum Bei­spiel die Free­ware HDC­lo­ne. Wer nur HDC­lo­ne tes­ten will, oh­ne die wei­te­ren Werk­zeu­ge der Ul­ti­ma­te Boot CD, ndet die­ses Pro­dukt auch auf der Heft-DVD. HDC­lo­ne ist vor al­lem für klei­ne Da­ten­men­gen ge­eig­net. Wer grö­ße­re Fest­plat­ten ko­pie­ren will, soll­te bes­ser auf Clo­ne­zil­la set­zen. Clo­ne­zil­la ist ei­ne der be­kann­tes­ten Lö­sun­gen für das Klo­nen von kom­plet­ten Fest­plat­ten. Boo­ten Sie ei­nen Rech­ner mit der Li­ve-CD, las­sen sich al­le Fest­plat­ten, in­klu­si­ve al­ler Par­ti­tio­nen, si­chern und wie­der­her­stel­len. Ne­ben ei­ner ISO-Da­tei bie­ten die Ent­wick­ler auch ei­ne Ver­si­on für USB-Sticks an. Clo­ne­zil­la ist üb­ri­gens auch Be­stand­teil der Ul­ti­ma­te Boot CD. Über ei­ne text­ba­sier­te Ober äche kön­nen Sie den Klon­vor­gang star­ten. Clo­ne­zil­la kann Fest­plat­ten klo­nen oder ein­zel­ne Par­ti­tio­nen. Auch ein Klon­vor­gang über das Netz­werk ist mög­lich. Ne­ben den Mög­lich­kei­ten von Clo­ne­zil­la und HDC­lo­ne kön­nen Ad­mi­nis­tra­to­ren zur Si­che­rung auch auf das Mi­cro­soft-Tool Dis­k2VHD ( https://goo. gl/2RpXzm) zu­rück­grei­fen. Das Tool si­chert zu­nächst ei­ne Fest­plat­te in ei­ne vir­tu­el­le Fest­plat­te, um wei­te­ren Da­ten­ver­lust zu ver­hin­dern. whs

Re­cu­va kann Da­ten über As­sis­ten­ten schnell und ein­fach wie­der­her­stel­len.

Resto­ra­ti­on hilft bei der Wie­der­her­stel­lung von Da­ten.

Auch Pho­toRec kann Da­tei­en wie­der­her­stel­len, oft auch wenn an­de­re Tools kei­ne Da­ten mehr nden.

Die Bord­mit­tel in Win­dows 10 kön­nen bei der Da­ten­ret­tung eben­falls hilf­reich sein.

Ver­wal­tungs­tools von Her­stel­lern über­wa­chen SSDs und kön­nen recht­zei­tig vor Da­ten­ver­lust war­nen.

Dis­k2VHD si­chert Da­ten von de­fek­ten Fest­plat­ten in ei­ne Da­tei, um die­se wie­der­her­zu­stel­len.

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