Al­les Streams frei­schal­ten

Ab An­fang 2018 müs­sen kos­tenp ich­ti­ge Strea­m­ing-Di­ens­te eu­ro­pa­weit ein­heit­lich nutz­bar sein. Doch was ist mit an­de­ren Streams? Hier hel­fen Tools.

PC Magazin - - Inhant - CHRIS­TOPH HOFF­MANN

Schau­en Sie doch, was Sie wol­len!

A m 18. Mai 2017 hat das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment mit gro­ßer Mehr­heit von 586 zu 34 Stim­men bei acht Ent­hal­tun­gen die so­ge­nann­te Por­ta­bi­li­täts­ver­ord­nung ver­ab­schie­det. Der Ge­gen­stand der Ver­ord­nung zur Ge­währ­leis­tung der grenz­über­schrei­ten­den Por­ta­bi­li­tät von On­line-In­hal­te­diens­ten im Bin­nen­markt ist, dass EU-Bür­ger mit kos­tenp ich­ti­gen Abon­ne­ments von On­line-In­hal­te­diens­ten wie Ama­zon Vi­deo, Net ix oder Sky Go auch bei vor­über­ge­hen­den Auf­ent­hal­ten in an­de­ren EU-Län­dern auf die­se In­hal­te zu­grei­fen kön­nen. Laut Pres­se­mit­tei­lung vom Eu­ro­päi­schen Par­la­ment „kön­nen Di­enst­leis­ter für On­line-In­hal­te wirk­sa­me und zu­mut­ba­re“Maß­nah­men er­grei­fen, um zu über­prü­fen, ob der Abon­nent nicht dau­er­haft in ein an­de­res EU-Land um­ge­zo­gen ist, da sich die er­for­der­li­chen Ur­he­ber­rechts­li­zen­zen von Land zu Land un­ter­schei­den kön­nen. Ei­ne Lis­te zu­läs­si­ger Me­tho­den um­fasst „Über­prü­fun­gen von Per­so­nal­aus­wei­sen, Zah­lungs­de­tails, öf­fent­lich ver­füg­ba­ren Steu­er­in­for­ma­tio­nen, Post­an­schrif­ten oder IP-Adres­sen.“Die An­bie­ter müs­sen ih­re Kun­den dar­über in­for­mie­ren, wel­che Ver­fah­ren zur Wohn­sitz­prü­fung sie ein­set­zen, und für ei­nen an­ge­mes­se­nen Da­ten­schutz Sor­ge tra­gen. Die neu­en Re­geln gel­ten bis­lang nur für kos­tenp ich­ti­ge Di­ens­te. Aber auch die An­bie­ter kos­ten­lo­ser Di­enst­leis­tun­gen kön­nen ih­re In­hal­te EU-weit über­trag­bar ma­chen, so­fern sie die ge­nann­ten Vor­schrif­ten be­züg­lich der Wohn­sitz­über­prü­fun­gen ein­hal­ten.

Das än­dert sich An­fang 2018 für Ur­lau­ber und Rei­sen­de im Aus­land

Vor al­lem Fuß­ball­fans mit ei­nem Sky-Abo wer­den sich freu­en, wenn sie zu­künf­tig auch im Ur­laub oder auf Rei­sen die Spie­le der Bun­des­li­ga an­schau­en kön­nen – so­fern

sie sich im eu­ro­päi­schen Aus­land auf­hal­ten. Und eben­falls ha­ben Abon­nen­ten von Net ix, Max­do­me und Ama­zon Vi­deo ab An­fang 2018 auch im eu­ro­päi­schen Aus­land un­ein­ge­schränk­ten Zu­griff auf die je­wei­li­gen In­hal­te. Die Por­ta­bi­li­täts­ver­ord­nung be­trifft da­bei üb­ri­gens nicht nur Be­wegt­bil­der – sie re­gelt auch den eu­ro­pa­wei­ten Emp­fang von Mu­sik-Strea­m­ing-Di­ens­ten wie App­le Mu­sic, Spo­ti­fy, Dee­zer & Co. Von den neu­en Re­ge­lun­gen aus­ge­schlos­sen sind hin­ge­gen TV-Apps wie Zat­too, Ma­gi­ne TV und Wai­pu TV. Sie wer­den wei­ter nur in den Ur­sprungs­län­dern emp­fang­bar sein – be­zie­hungs­wei­se mit ei­ner pas­sen­den IP-Adres­se. Und ge­nau das ist näm­lich der sprin­gen­de Punkt, wie wir nun er­klä­ren.

Auf die IP-Adres­se kommt es an

Ab An­fang 2018 wird das Geo­blo­cking im In­ter­net Ge­schich­te sein. Doch ganz ehr­lich: In­ter­es­siert das wirk­lich? Wer bis­her schon im Aus­land (und nicht nur in Eu­ro­pa) auf sei­ne Strea­m­ing-Abos und TV-Apps zu­grei­fen woll­te, der hat ein­fach ei­nen VPNDi­enst ein­ge­rich­tet und sich ei­ner an­de­ren IP-Adres­se be­dient. Für die In­hal­te­an­bie­ter wie Net ix und Sky war man dann in Deutsch­land und eben nicht am Bal­ler­mann, in Süd­frank­reich oder in den Ro­cky Moun­ta­ins un­ter­wegs. Woll­te man um­ge­kehrt Se­ri­en bei Net ix frü­her und in der eng­li­schen Ori­gi­nal­sprach­ver­si­on se­hen, wur­de im VPN-Cli­ent auf ei­nen US-Ser­ver um­ge­schal­tet, der ei­ne ent­spre­chen­de IPAdres­se be­reit­ge­stellt hat. Ob es sich hier­bei um ei­ne il­le­ga­le Um­ge­hung des Ur­he­ber­rechts in Form der Wirk­sa­men tech­ni­schen Maß­nah­men i.S.d. § 95a Ur­hG han­delt, ist um­strit­ten, ge­richt­lich aber noch nicht ab­schlie­ßend ent­schie­den. VPN-Cli­ents gibt es für ver­schie­de­ne Platt­for­men wie Win­dows, Mac OS, An­dro­id und iOS. Ei­ni­ge emp­feh­lens­wer­te An­bie­ter sind un­ter an­de­rem Vy­prVPN ( www.gol­den­frog. com/de/vy­prvpn), Ex­press VPN ( www.ex­press­vpn.com/de), Nor­dVPN ( www.nor­dvpn.com/de) und IP Va­nisch VPN ( www.ip­va­nish.com). Das Mo­nats­abo bei den ge­nann­ten An­bie­tern kos­tet je nach Ver­trags­lauf­zeit zwi­schen rund 5 und 10 Eu­ro. Der Vor­teil ei­nes VPN-Di­ens­tes liegt dar­in, dass die IP-Adres­se des Nut­zers ver­bor­gen bleibt und nicht er­mit­tel­bar ist, selbst wenn man die Strea­m­ing-In­hal­te ei­nes An­bie­ters mit ei­nem spe­zi­el­len Play­er emp­fängt. Die VPN-Ver­bin­dung mit­hil­fe ei­nes Cli­ents wie bei Vy­prVPN ist mit­hil­fe ei­nes spe­zi­el­len Trei­bers di­rekt im Be­triebs­sys­tem im­ple­men­tiert. So las­sen sich dann auch TV- und Strea­m­ing-Apps so­wie Brow­ser nut­zen – auf Win­dows-PCs und Note­books, Macs so­wie Smart­pho­nes und Ta­blets mit App­le iOS und An­dro­id. Bei den VPN-Di­ens­ten soll­ten Sie auf aus­rei­chend Da­ten­vo­lu­men ach­ten. Bes­ten­falls gibt es ei­ne Flat­rate oh­ne Be­schrän­kung des Vo­lu­mens. In HD-Qua­li­tät ver­braucht Net ix in knapp zwei St­un­den ein Gi­ga­byte Da­ten­vo­lu­men. Bei re­du­zier­ter Bild­qua­li­tät lässt sich der Da­ten­ver­brauch in et­wa hal­bie­ren. Ähn­li­che Wer­te gel­ten für Ama­zon Vi­deo, Sky Go und Max­do­me. Auch bei den Mu­sik­diens­ten App­le Mu­sic, Dee­zer und Spo­ti­fy lässt sich aus meh­re­ren Qua­li­täts­stu­fen aus­wäh­len. Bei nor­ma­ler Qua­li­tät mit 96 KBit/s ver­braucht ein Lied mit drei Mi­nu­ten Dau­er rund zwei Me­ga­byte. Bei den Qua­li­täts­stu­fen 160 be­zie­hungs­wei­se 320 KBit/s steigt der Da­ten­ver- brauch auf rund 3,5 und 5 MB pro Lied – al­so bis zu 120 MB pro St­un­de.

Die ech­te IP-Adres­se beim Be­such von Strea­m­ing-Web­sei­ten ver­schlei­ern

Wer ein­schlä­gi­ge Strea­m­ing-Web­sei­ten be­sucht, um über die­se et­wa die neu­es­ten Ki­no lme oder das Spit­zen­spiel der Fuß­ball­Bun­des­li­ga oh­ne Sky-Abo an­zu­se­hen, hat na­tür­lich kein In­ter­es­se, dort Rück­schlüs­se auf sei­ne ech­te Iden­ti­tät zu hin­ter­las­sen. Denn laut Ur­teil des Ge­richts­hof der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EuGH) vom 26. April 2017 ist Strea­m­ing il­le­gal – so­fern Nut­zer von der Rechts­wid­rig­keit des ver­brei­te­ten Streams wis­sen. Da­zu der Köl­ner Me­di­en­rechts­an­walt Chris­ti­an Sol­me­cke von der Kanz­lei Wil­de Beu­ger Sol­me­cke ( www.wbs-law.de): „Das Ur­teil be­trifft ne­ben den Nut­zern der zahl­rei­chen Film- und Se­ri­en-Strea­m­ing-

Por­ta­le auch die Kon­su­men­ten von il­le­ga­len Bun­des­li­ga-Streams. In der Sa­che ging es zwar zu­nächst nur um ei­nen ex­ter­nen Strea­m­ing­play­er, schaut man sich die Ur­teils­grün­de aber an, so lässt sich die Ent­schei­dung auch auf den Ab­ruf von Sei­ten wie ki­nox.to über­tra­gen. Im Kern ge­hen die Rich­ter da­von aus, dass sich Nut­zer im­mer dann il­le­gal ver­hal­ten, wenn sie von der Rechts­wid­rig­keit des ver­brei­te­ten Streams Kennt­nis hat­ten oder die­se hät­ten ha­ben müs­sen. Da­von dürf­te al­ler­dings im­mer aus­zu­ge­hen sein, wenn ak­tu­el­le Ki­no lme, die nicht le­gal ab­ruf­bar sind, im In­ter­net im We­ge des Strea­m­ings ver­füg­bar ge­macht wer­den.“Zur Ver­schleie­rung der IP-Adres­se braucht es kei­nen kos­tenp ich­ti­gen VPN-Di­enst, hier reicht be­reits der kos­ten­lo­se Tor-Brow­ser ( www.tor­pro­ject.org) aus. Der auf Fi­re­fox ba­sier­te Brow­ser baut ei­ne zu­fäl­li­ge Ver­bin­dung zu ei­nem ver­schlüs­sel­ten Tor-Ser­ver auf, der sich wie­der­rum mit wei­te­ren Ser­vern im Tor-Netz­werk ver­bin­det. Da je­der Ser­ver nur die Adres­se sei­nes je­wei­li­gen Vor­gän­gers kennt, bleibt die ech­te Iden­ti­tät des Sur­fers mit der ur­sprüng­li­chen IP-Adres­se im Dun­keln. Die Ver­bin­dun­gen wer­den nach 10 Mi­nu­ten au­to­ma­tisch ge­wech­selt. Gut: Die Pa­ke­te in­ner­halb des TorNetz­wer­kes sind im­mer ver­schlüs­selt. Auch der Ope­ra-Brow­ser ( www.ope­ra.com/de) be­sitzt ei­ne ent­spre­chen­de An­ony­mi­sie­rungs­funk­ti­on per VPN. Wäh­rend die beim Tor-Brow­ser stan­dard­mä­ßig ein­ge­schal­tet ist, muss sie bei Ope­ra in den Ein­stel­lun­gen erst ak­ti­viert wer­den (sie­he Kas­ten auf der vor­he­ri­gen Sei­te). Sie soll­ten ei­nes bei der Nut­zung ei­nes VPN-An­bie­ters wis­sen: Er er­hält Ih­re ech­te IP-Adres­se und kann mit­tels ent­spre­chen­der Tools auch Be­triebs­sys­tem, Brow­ser und an­de­re Da­ten aus­le­sen. Der An­bie­ter Ho­la mit über 130 Mil­lio­nen Nut­zern welt­weit steht üb­ri­gens un­ter Ver­dacht, die IP-Adres­sen von Nut­zern an Drit­te wei­ter­zu­ge­ben und die Band­brei­te des Net­zes für ge­ziel­te DDOS-Atta­cken zu miss­brau­chen. Und wie bei al­len VPN-An­ge­bo­ten kann aus un­se­rer Sicht nie­mals zu 100 Pro­zent aus­ge­schlos­sen wer­den, dass et­wa Er­mitt­lungs­be­hör­den Zu­griff auf die Da­ten ha­ben.

Fa­zit und Aus­blick

Mit der Ab­schaf­fung der Län­der­sper­ren ist ein ers­ter Schritt ge­tan, um et­wa im Ur­laub nicht auf die lieb­ge­won­ne­nen Se­ri­en bei Net ix, Ama­zon und Sky Go ver­zich­ten zu müs­sen. Noch im­mer sind VPN-Di­ens­te für den Emp­fang vie­ler In­hal­te not­wen­dig, die (noch) nicht un­ter die Por­ta­bi­li­täts­ver­ord­nung fal­len oder für die es au­ßer­halb der EU noch kei­ne Re­ge­lun­gen gibt. Wer frei von Ein­schrän­kun­gen welt­weit zu je­der Zeit das se­hen und hö­ren will, was er mag, der kommt an ei­nem kos­tenp ich­ti­gen VPNDi­enst mit ei­nem wähl­ba­ren Her­kunfts­land für die IP-Adres­se nicht vor­bei. whs

Sol­che Mel­dun­gen wie hier bei Sky Go soll es ab An­fang 2018 nicht mehr ge­ben.

Dank ei­nes VPNDi­ens­tes wie Vy­prVPN be ndet sich der ak­tu­el­le Stand­ort an der West­küs­te der USA in San Fran­cis­co.

TV-Apps wie Zat­too wer­den auch zu­künf­tig kei­ne In­hal­te an aus­län­di­sche IP-Adres­sen lie­fern.

Mit dem Tor-Brow­ser eig­nen Sie sich ei­ne an­de­re IP-Adres­se an und blei­ben an­onym im In­ter­net.

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