Du­ell: Mi­cro­soft vs. Goog­le

Mehr Über­blick über die Fo­tos ver­spre­chen die Lö­sun­gen von Mi­cro­soft und Goog­le. Zwei un­ter­schied­li­che Phi­lo­so­phi­en tref­fen auf­ein­an­der.

PC Magazin - - Inhalt - JörN-ErIK Bur­KErT

Was ist die be­se­se­re Bild­ver­wal­tung: Deskop oder Cloud?

Ei­nen schnel­len Über­blick über sei­ne Bil­der­samm­lung be­kommt man mit ei­ner Fo­to­ver­wal­tung. Im Be­reich kos­ten­lo­se Soft­ware war in der Ver­gan­gen­heit Goog­le Pi­ca­sa bei vie­len An­wen­dern die ers­te Wahl. Das Pro­gramm wur­de vor über zwei Jah­ren ein­ge­stellt und durch Goog­le Fo­tos er­setzt. Mit dem Win­dows Ex­plo­rer war bis­her die Ver­wal­tung von Bild­da­tei­en mög­lich. Die Pro­ze­dur war nicht sehr kom­for­ta­bel und zeit­auf­wen­dig. Seit Win­dows 10 gibt es die Fo­tos App von Mi­cro­soft. Sie läuft auf dem Desk­top und auf Win­dow­sTa­blets mit Stift- bzw. Touch­ein­ga­be. Was kann der New­co­mer dem be­kann­ten Pro­dukt von Goog­le ent­ge­gen­set­zen?

Die ei­ge­ne Bil­der­samm­lung sor­tie­ren und or­ga­ni­sie­ren

Bei bei­den Lö­sun­gen wer­den nach dem Start erst ein­mal al­le Bil­der in­di­ziert und nach Auf­nah­me­da­tum an­ge­zeigt. Die Darstel­lung kann als Lis­te oder im Ka­chel­mo­dus mit ver­schie­de­nen Bild­grö­ßen er­fol­gen. Über ei­nen Zeit­strahl kann der An­wen­der bei bei­den Lö­sun­gen Mo­ti­ve nach dem Zei­t­raum an­zei­gen. Ein­zel­ne Fo­tos oder Grup­pen las­sen sich zu Al­ben hin­zu­fü­gen, was die Über­sicht er­leich­tert. Ei­ne ma­nu­el­le Ver­schlag­wor­tung ken­nen die bei­den Pro­gram­me nicht. Die Mi­cro­soft-App legt aber pas­send zu den Mo­ti­ven selbst wel­che an. Das Pro­gramm er­kennt bei­spiels­wei­se Win­ter­auf­nah­men oder Ar­chi­tek­tur. Die­se au­to­ma­tisch er­zeug­ten Tags un­ter­stüt­zen den Nut­zer spä­ter bei der Su­che. Da­bei blen­det die App Stich­wör­ter im­mer pas­send zum ge­wähl­ten Zei­t­raum der Auf­nah­men ein. Goog­le Fo­tos be­sitzt bei der Su­che ähn­li­che Funk­tio­na­li­tät und teilt Bil­der nach vor­ge­ge­be­nen Ka­te­go­ri­en ein. Zu­sätz­lich darf der An­wen­der hier Bil­der mit ei­nem Fa­vo­ri­ten­stern mar­kie­ren. In der Su­che lis­tet die Mi­cro­soft-App auch er­kann­te Ge­sich­ter in Auf­nah­men auf. Über die­se Funk­ti­on fin­det man schnell Bil­der mit be­stimm­ten Per­so­nen. Ähn­li­che Funk­tio­na­li­tät be­sitzt Goog­le Fo­tos, dort muss man aber die Ge­sichts­er­ken­nung in den

Ein­stel­lun­gen ak­ti­vie­ren. Bei­de Lö­sun­gen trump­fen beim Er­ken­nen von Per­so­nen mit sehr ak­ku­ra­ten Er­geb­nis­sen auf. Die Kom­bi­na­ti­on von meh­re­ren Ein­trä­gen mit ver­schie­de­nen Ge­sich­tern wür­de die Sa­che noch in­ter­es­san­ter ma­chen. Ei­ne Idee für die Zu­kunft, die dem An­wen­der mehr Op­tio­nen gibt. Als ty­pi­sche Desk­topAn­wen­dung kennt die Win­dows-App auch die Ar­beit mit Ver­zeich­nis­sen. Nach dem Start des Pro­gramms durch­sucht es erst das Bil­der­ver­zeich­nis des An­wen­ders. Sind Fo­tos auf ei­ner an­de­ren Fest­plat­te ab­ge­legt, kann man den Ord­ner auch in die App ein­bin­den. Da­zu gibt es die Im­por­tFunk­ti­on, die auch Bil­der von ex­ter­nen Ge­rä­ten wie USB-Stick oder SD-Kar­te liest und in das Sys­tem ein­bin­det. Lei­der gibt es beim Im­port von zu­sätz­li­chen Ver­zeich­nis­sen im­mer wie­der Pro­ble­me oder die App streikt. Als Aus­weg bleibt nur der Um­weg über die Win­dows-Bi­b­lio­the­ken. Ist ein Ord­ner dar­über im Sys­tem be­kannt, kann die Fo­tos-App die­se in die in­ter­ne Da­ten­bank über­neh­men. An die­ser Stel­le kann man nur hof­fen, dass Mi­cro­soft in ei­nem Up­date nach­bes­sert und der An­wen­der di­rekt in der App Ver­zeich­nis­se be­stim­men kann.

Ein­fa­che Kor­rek­tu­ren und Ver­bes­se­run­gen vor­neh­men

Mit­hil­fe von Vor­la­gen las­sen sich ers­te Ver­bes­se­run­gen per Klick er­zeu­gen. Mi­cro­soft und Goog­le ha­ben des­halb ver­schie­de­ne Vor­ga­ben, die Far­ben, Licht und wei­te­re Ein­stel­lun­gen ver­än­dern. Bei­de Un­ter­neh­men bie­ten dem An­wen­der ei­ne Au­to­ma­tik­funk­ti­on zum schnel­len Ent­wi­ckeln ei­nes Fo­tos. Man kann die­se ein­fach aus­pro­bie­ren und sei­ne Auf­nah­men oh­ne Vor­kennt­nis­se be­ar­bei­ten. Die Lö­sun­gen be­sit­zen auch ei­nen ma­nu­el­len Mo­dus mit Schie­be­reg­lern. Be­schnitt und frei­es Ro­tie­ren ist bei Mi­cro­soft und Goog­le vor­han­den. Die Nut­zung ist ein­fach und in­tui­tiv. Mi­cro­soft glänzt mit Ex­tras wie Ro­te Au­gen ent­fer­nen und ei­nem Werk­zeug für die Re­tu­sche von klei­nen Feh­lern im Bild. Für de­ren Nut­zung ist kein Di­plom in Fo­to­be­ar­bei­tung not­wen­dig.

Un­ter­stüt­zung von Bild­for­ma­ten

Die For­mat­viel­falt bei di­gi­ta­len Bil­dern war und ist ein Pro­blem für den An­wen­der. In der Ver­gan­gen­heit gab es bei der An­zei­ge von exo­ti­schen For­ma­ten vie­le Fall­stri­cke. JEPG bzw. PNG sind heu­te Stan­dard und ha­ben ei­ne brei­te Un­ter­stüt­zung auf den ver­schie­de­nen Platt­for­men. Sol­che In­hal­te kön­nen die Apps von Mi­cro­soft und Goog­le oh­ne Hin­der­nis­se dar­stel­len. Das gilt auch für RAW-Da­tei­en, wo es ei­ne brei­te Un­ter­stüt­zung bei bei­den Test­kan­di­da­ten gibt. In jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit fei­ern vor al­lem im In­ter­net ani­mier­te GIF-Bil­der ein Come­back. Die­sem Trend fol­gend stel­len die Fo­to­ver­wal­tun­gen von Goog­le bzw. Mi­cro­soft auch sol­che Bil­der ein und spie­len die Mi­ni­fil­me in der An­zei­ge ab. An­ders beim HEIC-For­mat, das vor al­lem von App­le für mo­bi­le Ge­rä­te ge­nutzt wird. Das Kür­zel steht für High Ef­fi­ci­en­cy Image Fi­le For­mat und hat ei­ni­ge Vor­tei­le ge­gen­über JEPG-Bil­dern. Da­zu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se ei­ne bes­se­re Kom­pres­si­on oder die Mög­lich­keit, meh­re­re Fo­tos in ei­ner Da­tei zu spei­chern. Goog­le Fo­tos kann Bil­der an­zei­gen, bei Win­dows geht es mit ei­nem Stan­dard­sys­tem nicht. Da­zu be­nö­tigt man ei­nen ent­spre­chen­den Co­dec, denn man im App-Sto­re von Mi­cro­soft für 99 Cen­ter kau­fen kann. Dann zei­gen der Win­dows Ex­plo­rer und die Fo­to-App die HEIC-Bil­der an.

Was nicht funk­tio­niert ist das Ein­le­sen von Pho­to­shop-Da­tei­en. Die­se Do­ku­men­te ge­hö­ren bei Mi­cro­soft bzw. Goog­le si­cher nicht zur Kern­ziel­grup­pe und Pro­fis be­nut­zen an­de­re Tools zur Ver­wal­tung sol­cher Do­ku­men­te. Au­ßer­dem ist die Darstel­lung von PSD-Da­tei­en mit zu­sätz­li­chen In­for­ma­tio­nen wie 3D-Ebe­nen oder ein­ge­bet­te­ten Bil­dern nicht un­kom­pli­ziert.

Tipp: Wenn Pho­to­shop-An­wen­der den­noch die Ar­beits­da­tei­en in ei­ner der bei­den Apps ver­wal­ten wol­len, soll­ten sie die Do­ku­men­te im TIF-For­mat spei­chern. Die­se Bil­der le­sen bei­de Lö­sun­gen und zei­gen auch ei­ne Vor­schau. Ne­ben Bil­dern ar­bei­ten Mi­cro­sof­tFo­tos App und Goog­le Fo­tos auch mit Vi­de­os im MP4For­mat zu­sam­men. Der An­wen­der kann da­mit auch Clips von ei­nem Smart­pho­ne oder aus dem Web mit den Bild­ver­wal­tun­gen in die Samm­lung in­te­grie­ren.

Ex­tras und Spe­zi­al­funk­tio­nen

Man fin­det in bei­den Apps Werk­zeu­ge mit Mehr­wert. Da­zu ge­hö­ren Dia­show oder das Er­zeu­gen von Vi­de­os aus ei­ner Fo­to- aus­wahl. Da­bei wird man mit As­sis­ten­ten durch den Pro­zess ge­führt oder die voll­au­to­ma­ti­sche Op­ti­on über­nimmt die Re­gie. Im Ver­gleich ge­fällt an die­ser Stel­le die Mi­cro­soft-App hier ein­fach bes­ser. Es gibt mehr Funk­tio­nen für in­di­vi­du­el­le Mo­di­fi­ka­tio­nen des Pro­jekts. Bei Sto­ry­board, Mu­sik oder Ef­fek­ten zeigt sich die Soft­ware an­wen­der­freund­li­cher. Zum Tei­len von In­hal­ten gibt es bei Mi­cro­soft und Goog­le ähn­li­che Mög­lich­kei­ten. Der Ver­sand per E-Mail oder die Frei­ga­be in der Cloud er­for­dern ei­nen Ac­count beim je­wei­li­gen Dienst. Erst dann kann man die Da­ten ver­sen­den. Ei­ne di­rek­te An­bin­dung an ein Desk­top-Mail-Pro­gramm wie Out­look oder Thun­der­bird gibt es nicht. Für So­ci­al Me­dia bie­tet die Win­dows-Fo­to­sApp den Zu­griff auf Face­book, Twit­ter und Sky­pe. Dar­über hin­aus kann der Nut­zer ein Bild in die Win­dows-Zwi­schen­ab­la­ge ko­pie­ren, um das Mo­tiv in ei­ner an­de­ren An­wen­dung zu ver­wen­den. Auch an Bord ist die An­bin­dung zum di­gi­ta­len Merk­zet­tel OneNo­te von Mi­cro­soft Ähn­lich funk­tio­niert das Tei­len bei Goog­le, wo­bei Sky­pe durch den Plus-Ser­vice des Un­ter­neh­mens er­setzt wird. Da die Da­ten bei Goog­le schon im Netz ste­hen, kann man ei­nen Link zu den Bil­dern er­zeu­gen und die­sen per E-Mail oder Mes­sen­ger tei­len.

Fazit

Für die Nut­zung auf dem Desk­top ist die Fo­to-App von Win­dows ers­te Wahl. Man kann oh­ne On­li­ne-Ver­bin­dung ein­fach Bil­der ver­wal­ten, an­pas­sen und ver­bes­sern. Die an­ge­bo­te­nen Tools von Mi­cro­soft sind leis­tungs­fä­hig und die Bild­su­che kann sich se­hen las­sen. Goog­le Fo­tos be­sitzt eben­falls al­le Werk­zeu­ge für Ver­wal­tung und schnel­le Be­ar­bei­tung. Die Lö­sung im Web­brow­ser ist ei­ne star­ke Kon­kur­renz zum Mi­cro­soft-Pro­dukt und un­ter­liegt bei den Funk­tio­nen knapp im Du­ell. Nicht al­le An­wen­der sind mit dem Bild­trans­fer in die Cloud glück­lich. Die Spei­che­rung von pri­va­ten Auf­nah­men im Netz se­hen vie­le An­wen­der im­mer noch als ­Si­cher­heits­ri­si­ko. Bei Goog­le ist au­ßer­dem ei­ne In­ter­net-Ver­bin­dung not­wen­dig. Wer mit die­sen Tat­sa­chen kein Pro­blem hat, kann un­ab­hän­gig von der In­stal­la­ti­on auf je­dem Ge­rät mit ei­nem Web­brow­ser auf sei­ne Bil­der­samm­lung zu­grei­fen.

die win­dows-Fo­tos-app von Mi­cro­soft zeigt sich mit vie­len Op­tio­nen und Funk­tio­nen.

Bei der ma­nu­el­len Be­ar­bei­tung von Mo­ti­ven kann Mi­cro­soft mit ein­fa­cher Be­die­nung punk­ten.

auch bei goog­le Fo­tos im Brow­ser be­steht die Mög­lich­keit, die Bil­der ge­zielt zu ver­bes­sern.

Un­ab­hän­gig vom Desk­top las­sen sich mit Goog­le Fo­tos Bil­der im Web­brow­ser sehr gut ver­wal­ten.

Bei der Su­che ar­bei­tet Mi­cro­soft mit Au­to-Tags und er­laubt die Per­so­nen­su­che.

Bei Goog­le Fo­tos gibt es vor­de­fi­nier­te Ka­te­go­ri­en, die beim Ein­gren­zen von In­hal­ten hel­fen.

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