DAB+ fürs Han­dy und im Au­to

DAB+ bie­tet un­ter­wegs und auch im Au­to vie­le Vor­tei­le. Der Ar­ti­kel stellt zwei cle­ve­re Lö­sun­gen vor

PC-WELT - - Inhalt - VON PE­TER STELZEL-MORA­WI­ETZ

LAN­GE, LAN­GE hat es ge­dau­ert, bis man das „Ra­dio der Zu­kunft“end­lich auch mit dem Smart­pho­ne hö­ren kann. Im­mer wie­der gab es Ge­rüch­te, dass ein Mo­bil­ge­rät mit in­te­grier­tem DAB-Emp­fang (Di­gi­tal Au­dio Broad­cas­ting) auch in Eu­ro­pa auf den Markt kä­me. Doch bis­her ist da­von nichts zu se­hen. Da­bei spielt Di­gi­tal­ra­dio gera­de un­ter­wegs sei­ne Vor­zü­ge aus: Ge­gen­über dem tra­di­tio­nel­len UKW-Emp­fang punk­tet es mit deut­lich bes­se­rem Emp­fang und Sound. Und an­ders als In­ter­ne­tra­dio be­nö­tigt DAB+ kei­ner­lei On­li­ne-Ver­bin­dung und ver­braucht so­mit auch kein kostbares mo­bi­les Da­ten­vo­lu­men. Da kommt ei­ne pfif­fi­ge App der Mün­che­ner Ent­wick­ler Fei­len & Stolz gera­de recht, die vie­le An­dro­id-Smart­pho­nes und -Ta­blets im Hand­um­dre­hen in ei­nen leis­tungs­star­ken Di­gi­tal­emp­fän­ger ver­wan­delt. Per Blue­tooth-Kopp­lung oder Au­dio­ka­bel­ver­bin­dung mit dem Au­to­ra­dio be­kommt man den per­fek­ten Ra­dio­sound da­mit gleich­zei­tig ins Fahr­zeug. Kern­stück des DAB-Emp­fangs auf dem Smart­pho­ne ist die An­dro­id-App „Wa­ves­ink Plus“. Die kos­tet zwar 12,90 Euro, doch mit der ein­ge­schränk­ten Gra­tisver­si­on kann man den DAB-Emp­fang aber erst ein­mal tes­ten. Vor­aus­set­zung für den Ra­dio­be­trieb ist, dass das Mo­bil­ge­rät USB-OTG (on the go) un­ter­stützt, ei­ne Er­wei­te­rung des USB-Stan­dards für die di­rek­te Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen USBGe­rä­ten. Ei­ne gan­ze Rei­he Smart­pho­nes und Ta­blets un­ter­stüt­zen OTG (auch USB Host ge­nannt) stan­dard­mä­ßig, so auch das von uns ver­wen­de­te Mo­to­ro­la Mo­to G. Nicht im­mer wird die­ses Fea­tu­re of­fen­siv vom Her­stel­ler be­wor­ben – schau­en Sie bit­te al­so ge­ge­be­nen­falls in den tech­ni­schen Da­ten nach. An­de­re Ge­rä­te wie das Ne­xus 4 las­sen sich durch Roo­ten nach­träg­lich OTG-fä­hig ma­chen.

DAB-App, Trei­ber und An­ten­ne sind in zwei Mi­nu­ten start­klar

Hat man die Wa­ves­ink-App in­stal­liert, er­folgt an­schlie­ßend au­to­ma­tisch die In­stal­la­ti­on der er­for­der­li­chen und kos­ten­lo­sen Trei­ber-App RTL2832U dri­ver. Schließ­lich be­nö­tigt man noch ei­ne kom­pa­ti­ble Emp­fangs-Hard­ware; da­rin muss der RTL2832U-Chip­satz ste­cken.

Über Goog­le fin­det man schnell pas­sen­de Emp­fän­ger; wir ha­ben uns für das Mo­dell VG0018 von Lo­giLink ent­schie­den, das als Kom­plett­set mit Ma­gnet­an­ten­ne, OTG-USB-Ka­bel und Fern­be­die­nung gera­de ein­mal 17 Euro kos­tet. Zu­sam­men mit der App kommt man al­so auf 30 Euro für den DAB-Be­trieb; die Ap­pIn­stal­la­ti­on und die Ver­ka­be­lung ist in zwei Mi­nu­ten er­le­digt. Las­sen Sie sich beim ers­ten Start der Wa­ves­in­kApp nicht er­schre­cken, denn sie zeigt sich zu­nächst (!) mit ei­ner klein­tei­li­gen und müh­sam zu be­die­nen­den Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ober­flä­che. Doch kei­ne Sor­ge, da­von se­hen Sie im Nor­mal­be­trieb spä­ter nichts mehr. Ha­ben Sie erst ein­mal den au­to­ma­ti­schen Sen­der­such­lauf für DAB+ und FM (UKW) ab­sol­viert, ge­lan­gen Sie zur in­tui­tiv zu be­die­nen­den Programmoberfläche. Statt wie sonst oft üb­lich über Sta­ti­ons­tas­ten wählt man in Wa­ves­ink die Sen­der per Wi­schen durch die Pro­gram­mlis­te. Da die­se rund die Hälf­te des Touch­screens ein­nimmt, ist dies auch gut wäh­rend des Fah­rens im Au­to mög­lich. Ein­zi­ger Nach­teil: Die App funk­tio­niert nur im Qu­er­for­mat, fürs Ar­ma­tu­ren­brett be­nö­tigt man al­so ei­ne dreh­ba­re Smart­pho­ne-Hal­te­rung. An­sons­ten läuft die Di­gi­tal­ra­dio-App stabil, der Emp­fang ist gut, wo­bei der na­tür­lich vom ver­wen­de­ten DAB/DVB-T-Emp­fän­ger ab­hängt: Mit an­de­rer Hard­ware kann das Er­geb­nis des­halb an­ders aus­fal­len. Die Ver­wen­dung die­ses Di­gi­tal­ra­di­os au­ßer­halb des Au­tos hat ge­gen­über dem in vie­len Han­dys in­te­grier­ten UKW-Emp­fang al­ler­dings den Nach­teil, dass die zu­sätz­li­che An­ten­nen­ein­heit doch er­heb­lich stört. Das ent­fällt bei Mo­bil­ge­rä­ten mit ein­ge­bau­tem FM-Mo­dul, weil dort die Kopf­hö­r­er­ka­bel als An­ten­ne fun­gie­ren. Im Kfz ge­währ­leis­tet die Ma­gnet­an­ten­ne des Lo­gilink VG0018 auf dem Au­to­dach den gu­ten Di­gi­tal­emp­fang; das dün­ne An­ten­nen­ka­bel lässt sich pro­blem­los durch das Tür­gum­mi ins Wa­gen­in­ne­re füh­ren. Po­si­tiv her­vor­zu­he­ben ist schließ­lich die sim­pel zu star­ten­de Auf­nah­me­opti­on: Per Fin­ger­tipp auf das Re­kor­der­sym­bol spei­chert die App das ak­tu­el­le Pro­gramm im in­ter­nen Flash­spei­cher oder auf der Mi­cro-SD-Kar­te – sehr prak­tisch bei­spiels­wei­se bei Ver­kehrs­nach­rich­ten wäh­rend der Fahrt.

Fa­zit: Wa­ves­ink-App bie­tet gu­te DAB-Al­ter­na­ti­ve im Au­to

Die DAB-Ra­dio-App „Wa­ves­ink Plus“stellt so­mit ei­ne ein­fa­che und für 30 Euro zu­dem preis­wer­te Mög­lich­keit dar, das Au­to für di­gi­ta­len Ra­dio­emp­fang nach­zu­rüs­ten. Auf die Laut­spre­cher im Fahr­zeug be­kommt man den Stream per Blue­tooth-Kopp­lung mit dem Au­to­ra­dio oder über ein Au­dio-Li­ne-in-Ka­bel. Im Au­to spielt auch der ver­gleichs­wei­se ho­he Strom­ver­brauch kei­ne Rol­le, so­fern man ei­nen USBOTG-Y-Ad­ap­ter mit zu­sätz­li­cher La­de­buch­se für fünf Euro da­zu­kauft – oh­ne Auf­la­den war un­ser Mo­to­ro­la-Han­dy nach rund vier St­un­den DAB-Be­trieb leer. Im Ver­gleich zu der von uns eben­falls ge­tes­te­ten DAB-Nach­rüs­tung mit dem Tech­ni­sat Di­gitra­dio Go ist die Wa­ves­in­kApp et­was ele­gan­ter und viel­sei­ti­ger, vor­aus­ge­setzt das ei­ge­ne Han­dy un­ter­stützt USB-OTG. Ei­ne wei­te­re ele­gan­te, aber auch mit rund 100 Euro teu­re­re DAB-Va­ri­an­te stellt der un­ten im Kas­ten vor­ge­stell­te Di­gi­tal­emp­fän­ger von Den­si­on dar. Die von uns ge­tes­te­te Va­ri­an­te lässt sich vom iPho­ne oder ei­nem An­dro­id-Han­dy per Blue­tooth steu­ern, die Ra­dio­aus­ga­be kann über ei­nen se­pa­ra­ten Ver­stär­ker er­fol­gen.

Mit 12,90 Euro zählt „Wa­ves­ink Plus“zu den teu­re­ren Apps, aber oh­ne sie funk­tio­niert der Emp­fang des Di­gi­tal­ra­di­os auf Smart­pho­ne oder Ta­blet­Com­pu­ter nicht.

Der Emp­fän­ger Lo­gilink VG0018 eig­net sich nicht nur für UKW- und DAB-Ra­dio-Emp­fang, son­dern auch zum Fern­se­hen über DVB-T. Die Hard­ware kos­tet 17 Euro, zu­sam­men mit der App die DAB-Um­rüs­tung al­so rund 30 Euro.

Die Be­die­nung der Wa­ves­ink-App ist ge­lun­gen, die emp­fan­ge­nen Sen­der wählt man ein­fach durch Wi­schen der ge­wünsch­ten Sta­ti­on in die Mit­tel­po­si­ti­on des Dis­plays.

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