Be­zah­len mit dem Smart­pho­ne

Bar­geld war ges­tern: Der Trend geht zum kon­takt­lo­sen Be­zah­len mit dem Smart­pho­ne. So funk­tio­nie­ren die ver­schie­de­nen Sys­te­me

PC-WELT - - Inhalt - VON SAN­DRA OH­SE

DIE ZEI­TEN, in de­nen Sie an der Kas­se un­ge­dul­dig in Ih­rem über­füll­ten Geld­beu­tel nach dem pas­sen­den Be­trag, Ih­rer Gi­ro- oder Kre­dit­kar­te kra­men muss­ten, könn­ten bald vor­bei sein. Denn nun be­zah­len Sie mit dem Smart­pho­ne. Al­ler­dings ste­hen die bar­geld­lo­sen Be­zahl­sys­te­me via Mo­bil­ge­rät noch in den Kin­der­schu­hen, und die An­bie­ter ha­ben di­ver­se ver­schie­de­ne Lö­sungs­vor­schlä­ge in pet­to. In den letz­ten Jah­ren konn­te sich aber vor al­lem ei­ne Me­tho­de durch­set­zen. So nut­zen die meis­ten An­bie­ter den Über­tra­gungs­stan­dard NFC (Ne­ar Field Com­mu­ni­ca­ti­on). Die­ser macht die kon­takt­lo­se Da­ten­über­tra­gung über sehr kur­ze Dis­tan­zen mög­lich. Da­bei be­trägt der ma­xi­ma­le Ab­stand für die Über­mitt­lung höchs­tens vier Zen­ti­me­ter.

Wal­let-Apps der be­kann­ten Mo­bil­funk­an­bie­ter

Di­ver­se Mo­bil­funk­an­bie­ter bie­ten so­ge­nann­te Wal­let-Apps an, mit de­nen Sie kon­takt­los mit Ih­rem Smart­pho­ne be­zah­len kön­nen. Au­ßer­dem las­sen sich meist Mit­glieds­aus­wei­se und Cou­pons hin­ter­le­gen. Te­le­kom My­wal­let: Bei My­wal­let han­delt es sich um ei­ne An­dro­id-App, in der die vir­tu­el­le My­wal­let Card, ei­ne auf Gut­ha­ben ba­sie­ren­de Mas­ter­card, hin­ter­legt ist. So­bald Sie Gut­ha­ben auf die Kre­dit­kar­te ge­la­den ha­ben, kön­nen Sie per Smart­pho­ne und NFC (Ne­ar Field Com­mu­ni­ca­ti­on) übe­r­all dort be­zah­len, wo Sie das Lo­go von Mas­ter­card Pay­pass fin­den. Um die App nut­zen zu kön­nen, be­nö­ti­gen Sie ei­nen Lauf­zeit­ver­trag bei der Te­le­kom so­wie die NFCSIM-Kar­te des An­bie­ters. Auf ihr sind in ei­nem so­ge­nann­ten Se­cu­re Ele­ment die Be­zahl­de­tails Ih­res Kon­tos hin­ter­legt. Au­ßer­dem muss Ihr Smart­pho­ne NFC-fä­hig sein. Wenn dies nicht der Fall ist, kön­nen Sie die Funk­ti­on aber mit­hil­fe ei­nes NFC-Sti­ckers, den Sie auf Ihr Mo­bil­ge­rät kle­ben, nach­rüs­ten. Zum Be­zah­len mit My­wal­let öff­nen und ent­sper­ren Sie die App, tip­pen auf „Jetzt be­zah­len“, hal­ten Ihr Smart­pho­ne mit der Rück­sei­te dicht an das kon­takt­lo­se Kas­sen­ter­mi­nal – und ein Vi­bra­ti­ons­alarm in­for­miert Sie über die ge­lun­ge­ne Trans­ak­ti­on. Wenn Sie für mehr als 25 Euro ein­kau­fen, ver­langt die App ei­ne vier­stel­li­ge PIN. Der Be­zahl­pro­zess ist laut der Te­le­kom von füh­ren­den Fi­nanz­in­sti­tu­ten zer­ti­fi­ziert. Ih­re Kon­to­be­we­gun­gen kön­nen Sie je­der­zeit mit der so­ge­nann­ten Card Check App nach­voll­zie­hen. Au­ßer­dem wer­den Sie per Push-Nach­rich­ten über Be­zahlo­der Auf­la­de­vor­gän­ge in­for­miert. Bei SIM-Kar­ten­ver­lust kön­nen Sie Ih­re My­wal­let­card wie gän­gi­ge Kre­dit­kar­ten so­fort sper­ren las­sen. Te­le­fo­ni­ca Ba­se Wal­let: Auch die mo­bi­le Brief­ta­sche des An­bie­ters Te­le­fo­ni­ca ist An­dro­id-Nut­zern vor­be­hal­ten. Das Pro­dukt funk­tio­niert ge­nau­so wie My­wal­let der Te­le­kom. Die hin­ter­leg­te Kre­dit­kar­te ist die Wal­let­card, ei­ne Ma­e­s­tro-Kar­te des Ko­ope­ra­ti­ons­part­ners Wi­re­card Card So­lu­ti­ons Ltd. Mit Ba­se Wal­let kön­nen Sie übe­r­all be­zah­len, wo ein NFC-Kas­sen­ter­mi­nal mit ei­nem Ma­e­s­tro-Pay­pass-Lo­go zur Ver­fü­gung steht. Vo­da­fo­ne Smart­pass: Um den Smart­pass zu nut­zen, brau­chen Sie kei­nen Lauf­zeit­ver­trag des An­bie­ters. Auch Pre­paid-Kun­den kön­nen den Di­enst ver­wen­den. Smart­pass ist für An­dro­id-Smart­pho­nes und für iPho­nes ver­füg­bar. Le­dig­lich ei­ne NFC-SIM-Kar­te mit Se­cu­re Ele­ment von Vo­da­fo­ne ist Vor­aus­set­zung. Smart-

pho­nes mit feh­len­der NFC-Fä­hig­keit kön­nen Sie auch hier mit ei­nem Sti­cker auf­rüs­ten. Die vir­tu­el­le Pre­paid-Vi­sa-Kar­te lässt sich per Bank­ein­zug an Ihr Gi­ro­kon­to kop­peln. Sie ist an al­len V-Pay-Ak­zep­tanz­stel­len nutz­bar. Al­le Zah­lungs­aus- und -ein­gän­ge ha­ben Sie in der App im­mer im Blick. Zu­sätz­lich in­for­mie­ren Pus­hBe­nach­rich­ti­gun­gen über al­le Trans­ak­tio­nen. Zur Si­cher­heit kön­nen Sie den Zu­griff auf An­wen­dung mit ei­ner PIN schüt­zen. O2 Mpass: Ein­zig der Mo­bil­funk­an­bie­ter O2 setzt auf ein an­de­res Kon­zept. Zwar be­zah­len Sie hier auch per NFC, Ih­re Kon­to­da­ten sind aber nicht auf ei­nem Se­cu­re-Ele­ment auf ei­ner NFC-SIM-Kar­te hin­ter­legt. Die­se sind auf dem NFC-Sti­cker ge­spei­chert, den Sie auf Ihr Smart­pho­ne kle­ben müs­sen, auch wenn Ihr Mo­bil­te­le­fon be­reits NFC-fä­hig ist.

Her­stell­er­ei­ge­ne Be­zahl­sys­te­me: App­le, Goog­le und Samsung

Auch die gro­ßen Smart­pho­ne-Her­stel­ler App­le, Samsung und Goog­le wol­len mit ih­ren Pay­ment-Me­tho­den Bar­geld über­flüs­sig ma­chen. Al­ler­dings ist bis­her kei­ner der Di­ens­te in Deutsch­land ver­füg­bar. An­dro­id Pay: Das Be­zahl­sys­tem aus dem Hau­se Goog­le ist im Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res in den USA ge­star­tet. Der Be­zahl­dienst per NFC wird von den vier Kre­dit­kar­ten­an­bie­tern Ame­ri­can Ex­press, Dis­co­ver, Mas­ter­card und Vi­sa un­ter­stützt. Ih­re Kre­dit­kar­te kön­nen Sie in der App hin­ter­le­gen und so mo­bil nut­zen. Beim Be­zahl­vor­gang sen­det An­dro­id Pay nicht Ih­re Kre­dit­kar­ten­in­for­ma­tio­nen, son­dern le­dig­lich ei­ne vir­tu­el­le Kon­to­num­mer. Um die Si­cher­heit zu ge­währ­leis­ten, un­ter­stützt An­dro­id Pay un­ter der neu­en Be­triebs­sys­tem­ver­si­on An­dro­id 6 Ge­rä­te mit Fin­ger­ab­druck­sen­so­ren. App­le Pay: Nach­dem App­le nun bei sei­nen neu­en Smart­pho­nes auch auf die NFC-Funk­ti­on setzt, steht dem bar­geld­lo­sen Be­zah­len nichts mehr im Weg. Der Her­stel­ler setzt nicht auf die Ein­ga­be ei­ner PIN, son­dern auf die Iden­ti­fi­zie­rung per Fin­ger­ab­druck­sen­sor. Die Bank­da­ten sind in der Pass­book-App hin­ter­legt. Ein wei­te­res in­ter­es­san­tes Fea­tu­re: Bei App­le Pay kön­nen Sie auch mit Ih­rer App­le Watch be­zah­len. Samsung Pay: Nut­zer des Di­ens­tes kön­nen mit ih­rem Samsung-Ge­rät nicht nur an NFC­fä­hi­gen Kas­sen­ter­mi­nals be­zah­len; in­zwi­schen ist auch die Zah­lung an Ter­mi­nals mit dem gän­gi­gen Ma­gnet­strei­fen­le­ser mög­lich. Die neue „Ma­gne­tic Se­cu­re Trans­mis­si­on“-Tech­no­lo­gie ahmt mit ei­nem Si­gnal, das den Ve­rän­de­run­gen des Ma­gnet­felds äh­nelt, ei­ne her­kömm­li­che Kre­dit­kar­te nach.

Al­ter­na­ti­ve: QR- Co­de scan­nen statt NFC nut­zen

An­ders als al­le an­de­ren An­bie­ter, setzt die Lu­xem­bur­ger Fir­ma Ya­pi­tal nicht auf die Be­zahl­tech­nik per NFC, son­dern auf das Ein­scan­nen von QR-Co­des. Nut­zer, die die zu­ge­hö­ri­ge App auf ih­rem An­dro­id-, ih­rem Win­dow­sS­mart­pho­ne oder ih­rem iPho­ne in­stal­liert ha­ben, scan­nen zum Zah­len den ab­ge­bil­de­ten QR-Co­de auf dem Kas­sen­dis­play und be­stä­ti­gen in der App den Kauf. Al­ler­dings müs­sen Sie Ya­pi­tal vor­her den Zu­gang zu Ih­rer Kre­dit­kar­te oder Ih­rem Kon­to ge­stat­ten – ein kla­rer Nach­teil ge­gen­über den Pre­paid-Kre­dit­kar­ten­Lö­sun­gen der Kon­kur­renz.

Über­blick: Ak­zep­tanz­stel­len beim mo­bi­len Be­zah­len

So­wohl bei Ba­se Wal­let, My­wal­let so­wie Mpass kön­nen Sie über die In­ter­net­sei­te http://mstr. cd/1NMUi­qX nach Ge­schäf­ten in Ih­rer Um­ge­bung su­chen, bei de­nen Sie mo­bil be­zah­len kön­nen. Für Mo­bil­te­le­fo­ne steht au­ßer­dem die Mas­ter­card Pay­pass Lo­ca­tor App zur Ver­fü­gung. Weit ver­brei­te­te Ge­schäf­te, bei­spiels­wei­se Al­di, Aral, Dou­glas, Ga­le­ria Kauf­hof, Hit, McDo­nalds, Shell und Ten­gel­mann, ste­hen hier auf der Lis­te. Bei Smart­pass und Ya­pi­tal ge­ben die An­bie­terWeb­sei­ten Auf­schluss über die wich­tigs­ten Ak­zep­tanz­stel­len. Au­ßer­dem ist ei­ne Such­funk­ti­on in die Ya­pi­tal-App in­te­griert.

Fa­zit: Noch gibt es kein ein­heit­li­ches Ver­fah­ren

Zwar gibt es mitt­ler­wei­le vie­le ver­schie­de­ne mo­bi­le Be­zahl­ver­fah­ren, al­ler­dings hat sich bis­her noch kein ein­heit­li­cher Standard durch­ge­setzt. So ist es bis heu­te nicht mög­lich, mit ei­nem Ver­fah­ren übe­r­all zu be­zah­len. Au­ßer­dem konn­ten sich die draht­lo­sen Kas­sen­ter­mi­nals noch nicht in al­len Ge­schäf­ten durch­set­zen, und auch das Kas­sen­per­so­nal ist nicht im­mer auf die neu­en Be­zahl­me­tho­den ge­schult. Win­dows-Pho­ne- so­wie iPho­ne-Nut­zer müs­sen sich au­ßer­dem noch ge­dul­den – die meis­ten Va­ri­an­ten sind bis­her An­dro­id-Usern vor­be­hal­ten. Auch ha­ben es die neu­es­ten Be­zahl­sys­te­me wie An­dro­id Pay, Samsung Pay und App­le Pay noch nicht auf den deut­schen Markt ge­schafft. Die Ein­füh­rung der Her­stel­lerBe­zahl­va­ri­an­ten hier­zu­lan­de könn­te den Durch­bruch be­deu­ten: So wä­re es mög­lich, un­ab­hän­gig vom Mo­bil­funk­an­bie­ter und lan­gen Ver­trags­lauf­zei­ten mit dem Smart­pho­ne draht­los zu be­zah­len.

Zum Be­zah­len mit My­wal­let der Te­le­kom öff­nen Sie die App, tip­pen auf „Jetzt be­zah­len“und hal­ten die Rück­sei­te Ih­res Smart­pho­nes an das NFC-Kas­sen­ter­mi­nal.

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