WLAN am Li­mit: Rou­ter aus­rei­zen

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Rechts: Le­gen Sie den Ka­nal bei Pro­ble­men bes­ser von Hand fest.

Wenn das WLAN hängt, ist der Frust groß. YouTu­be-Vi­de­os sto­cken im­mer wie­der, das NAS lie­fert Mu­sik nur mit Aus­set­zern und gro­ße Da­tei­en zu trans­por­tie­ren, fällt oh­ne­hin ach – viel zu lang­sam. Span­nen­der­wei­se las­sen sich vie­le WLAN-Pro­ble­me ein­fach mit et­was Zeit und Grips lö­sen. Neue Hard­ware ist zwar auch manch­mal nö­tig, aber längst nicht im­mer die Lö­sung. Mit den fol­gen­den Tipps ha­ben wir es in ei­nem Fall ge­scha t, die Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­keit von 8 auf 32 MBy­te pro Se­kun­de zu er­hö­hen. Kna­cken Sie un­se­ren Re­kord?

TIPP 1 Pro­bie­ren Sie ver­schie­de­ne Auf­stell­or­te

Sehr gu­te Er­fah­run­gen ha­ben wir da­mit ge­macht, zu­erst ei­ne Be­stands­auf­nah­me durch­zu­füh­ren. Da­bei er- stel­len Sie mit­hil­fe ei­ner Soft­ware ei­ne He­at­map für Ih­re Woh­nung, sie­he Bild. In die­ser Kar­te wer­den mit WLAN ver­sorg­te Flä­chen zum Bei­spiel grün dar­ge­stellt. Be­rei­che mit schwa­chem oder gar kei­nem Emp­fang er­schei­nen in un­ter­schied­li­chen Rot­tö­nen. So er­ken­nen Sie die Schwach­stel­len der WLAN-Ver­sor­gung am schnells­ten. So­fern Sie schon meh­re­re Ba­sis­sta­tio­nen auf­ge­stellt ha­ben, se­hen Sie auch, wel­ches Ge­rät wo am bes­ten emp­fang­bar ist. Nicht sel­ten lässt sich durch ge­schick­te Po­si­tio­nie­rung der Ba­sis­sta­ti­on die An­scha ung zu­sätz­li­cher WLAN-Hard­ware ver­mei­den. Auch die Aus­rich­tung von Ge­rät und Antenne spie­len hier ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Win­dows-Nut­zer grei­fen zum Bei­spiel zum kos­ten­lo­sen He­at­Map­per (http://ti­nyurl.com/kd9wr78). Für An­dro­id emp ehlt sich zum Bei­spiel WiFi Ana­ly­zer (http://ti­nyurl.com/lur­zx­kq). Un­ter iOS, al­so mit iPho­ne und iPad, sind sol­che Ana­ly­sen aus tech­ni­schen Grün­den üb­ri­gens nicht mög­lich.

TIPP 2 Wäh­len Sie den Funk­ka­nal und den Fre­quenz­be­reich sorg­fäl­tig

Die meis­ten Rou­ter sen­den das WLAN-Si­gnal au­to­ma­tisch auf ei­nem Funk­ka­nal, der nicht be­reits von be­nach­bar­ten WLAN-Ba­sis­sta­tio­nen ver­wen­det wird. Nach un­se­rer Er­fah­rung funk­tio­niert die­se Au­to­ma­tik mal mehr, mal we­ni­ger gut. Es kann des­halb hilf­reich sein, wenn Sie den Ka­nal von Hand fest­le­gen. Da­zu müs­sen Sie zu­nächst her­aus nden, wel­che Funk­ka­nä­le in Ih­rer Nach­bar­schaft noch frei sind. Am bes­ten ver­wen­den Sie da­für ei­nes der ge­ra­de ge­nann­ten Pro­gram­me He­at­Map­per oder WiFi Ana­ly­zer, sie­he Tipp 1. Be­ach­ten Sie, dass WLAN in zwei ver­schie­de­nen Fre­quenz­be­rei­chen über­tra­gen wird. Äl­te­re Funk­stan­dards, zum Bei­spiel 802.11g, ar­bei­ten auf 2,4 GHz. Hier ste­hen je nach Land nur 11-13 Ka­nä­le zur Ver­fü­gung. Gibt der Rou­ter zum Bei­spiel an, dass er auf Ka­nal 1 sen­det, be­tri t die­ses Si­gnal bei ei­ner Ka­nalbrei­te von

Links: Je grö­ßer die Woh­nung be­zie­hungs­wei­se das Bü­ro ist, um­so wich­ti­ger wird der Ort der Auf­stel­lung des Rou­ters.

20 MHz auch die Ka­nä­le 2 bis 5. Frei von Über­schnei­dun­gen las­sen sich hier nur die Ka­nä­le 1, 6 und 11 nut­zen. Bei 40 MHz Ka­nalbrei­te sind es so­gar nur noch die Ka­nä­le 1 und 5 oder 9 und 13. Neue­re Funk­stan­dards kön­nen (802.11n) oder müs­sen (802.11ac) auf 5 GHz sen­den. Zwar ist die Reich­wei­te hier ge­rin­ger. Da aber mehr Ka­nä­le zur Aus­wahl ste­hen, kann dies trotz­dem die bes­se­re Wahl sein. Oh­ne­hin er­rei­chen Sie im 5-Gi­ga­hertz-Band die höchs­ten Ge­schwin­dig­kei­ten. Du­al- und Tri­band-Rou­ter kön­nen par­al­lel in meh­re­ren Fre­quenz­be­rei­chen sen­den. Nut­zen Sie die­se Tech­nik, um zwei Funk­netz­wer­ke par­al­lel zu be­trei­ben: ei­nes im 2,4-GHz-Be­reich für äl­te­re Ge­rä­te be­zie­hungs­wei­se ma­xi­ma­le Reich­wei­te und ei­nes im 5-GHz-Be­reich für ma­xi­ma­le Ge­schwin­dig­keit und ein Mi­ni­mum an Fre­quenz­über­schnei­dun­gen.

TIPP 3 Schal­ten Sie ve­r­al­te­te Pro­to­kol­le bes­ser ab

Auch ak­tu­el­le Rou­ter un­ter­stüt­zen häu g noch ur­al­te Über­tra­gungs­pro­to­kol­le aus der Zeit, in der WLAN noch in den Kin­der­schu­hen steck­te. Ei­ner­seits ist das nütz­lich, denn so kön­nen Sie auch Ge­rä­te, die mo­der­ne Stan­dards nicht un­ter­stüt­zen – zum Bei­spiel vie­le WLAN-Laut­spre­cher – ins Funk­netz ein­bin­den. An­de­rer­seits kann es je nach Kon gu­ra­ti­on da­zu kom­men, dass die äl­te­ren Pro­to­kol­le die neue­ren aus­brem­sen. Oder ein Ge­rät, das ei­gent­lich ei­nen mo­der­nen Stan­dard un­ter­stützt, ver­bin­det sich über ein lang­sa­mes, äl­te­res Pro­to­koll mit dem Rou­ter. Im Ide­al­fall sind al­le Ih­re Com­pu­ter, Smart­pho­nes, Ta­blets, der Fern­se­her und der Strea­m­ing-Cli­ent kom­pa­ti­bel zu den ak­tu­el­len Stan­dards 802.11n und 802.11ac. Dann kön­nen Sie Ih­ren Rou­ter so kon gu­rie­ren, dass er nur noch die­se schnel­len Pro­to­kol­le an- bie­tet. Bei ak­tu­el­len Frit­zBo­xen nden Sie die­se Ein­stel­lung un­ter WLAN / Funk­ka­nal.

TIPP 4 Pro­bie­ren Sie ei­ne an­de­re Antenne aus

Das Rou­ter-Tu­ning durch den Aus­tausch von An­ten­nen ist ein pro­ba­tes Mit­tel, um die Zu­ver­läs­sig­keit des WLAN-Si­gnals in Grenz­be­rei­chen zu er­hö­hen, zum Bei­spiel auf der Ter­ras­se, dem Dach­bo­den oder im Kel­ler. Am leich­tes­ten ge­lingt dies, wenn Sie über ei­nen be­son­ders weit ver­brei­te­ten Rou­ter ver­fü­gen. Für sol­che Ge­rä­te nden Sie An­ten­nen­sät­ze zum Bei­spiel bei Ama­zon oder an­de­ren Online-Händ­lern. Am bes­ten su­chen Sie nach dem Na­men Ih­res Ge­rä­tes in Ver­bin­dung mit zu­sätz­li­chen Stich­wör­tern wie „Antenne“, „Po­wer Supp­ly An­ten­na“oder„Po­wer Supp­ly Antenne“. Die meis­ten An­ten­nen­sät­ze sind zu Prei­sen zwi­schen 20 und 30 Eu­ro er­hält­lich und da­mit – auch im Un­ter­halt – güns­ti­ger als ein zu­sätz­li­cher WLAN-Ac­cess-Po­int oder WLAN-Re­pea­ter. Die vor­han­de­ne Antenne lässt sich in der Re­gel durch Lö­sen ei­ner ein­fa­chen Ver­schrau­bung ent­fer­nen. Da­durch fällt der Wech­sel leicht und setzt kaum hand-

werk­li­ches Ge­schick vor­aus. Ent­spre­chen­de Frit­zBo­xAn­ten­nen samt Vi­deo­an­lei­tun­gen bie­tet et­wa der On­li­ne­shop frix­ten­der.de an.

TIPP 5 Hal­ten Sie die Firm­ware des Rou­ters ak­tu­ell

Rou­ter – spe­zi­ell neu am Markt be nd­li­che Ge­rä­te – er­hal­ten re­gel­mä­ßi­ge Up­dates. Häu g wer­den da­bei si­cher­heits­tech­nisch pro­ble­ma­ti­sche Feh­ler be­sei­tigt. Ge­ra­de wenn sich ein jun­ger Funk­stan­dard durch­setzt – wie der­zeit 802.11ac – kön­nen vom Her­stel­ler be­reit­ge­stell­te Ak­tua­li­sie­run­gen auch für Ge­schwin­dig­keits­ver­bes­se­run­gen sor­gen. Wer­fen Sie des­halb re­gel­mä­ßig ei­nen Blick in die Web-Ober äche oder die Kon gu­ra­ti­on-Soft­ware Ih­res Rou­ters, und hal­ten Sie nach neu­en, noch nicht ein­ge­spiel­ten Up­dates Aus­schau. Noch ein Hin­weis: Soll­ten Sie im Rou­ter­me­nü den Ein­trag zum Firm­ware-Up­date ver­mis­sen, sind Sie ver­mut­lich im Be­sitz ei­nes so­ge­nann­ten „Zwangs­rou­ters“. Bei An­schlüs­sen mit sol­chen Ge­rä­ten kön­nen Sie ei­ne neue Firm­ware nicht selbst ein­spie­len, die Up­dates wer­den viel­mehr zen­tral ge­steu­ert vom In­ter­net­pro­vi­der auf­ge­spielt. Auf­grund ei­ner be­reits be­schlos­se­nen Ge­set­zes­än­de­rung wird der Rou­ter­zwang je­doch bald ab­ge­scha t – al­ler­dings nicht für Alt­ver­trä­ge. Vor­aus­sicht­lich ab dem 1. Ju­ni 2016 dür­fen al­le neu­en Kun­den der In­ter­net­pro­vi­der dann frei ent­schei­den, mit wel­chen Rou­ter oder mit wel­chem Mo­dem sie ins In­ter­net ge­hen wol­len – und dann wie­der selbst den Zeit­punkt der Firm­wareUp­dates be­stim­men.

TIPP 6 Grei­fen Sie zu ei­ner al­ter­na­ti­ven Firm­ware

Man­che nütz­li­che Ein­stel­lung bleibt in der Web-Ober

äche be­zie­hungs­wei­se Kon gu­ra­ti­on-Soft­ware des Rou­ters ver­steckt. So kann es durch­aus loh­nend sein, die Ka­nalbrei­te für das 2,4-GHz-Netz­werk von 40 auf 20 MHz zu re­du­zie­ren, um mehr über­schnei­dungs­freie Ka­nä­le zu er­hal­ten. Un­güns­tig ist nur, wenn der Rou­ter gar kei­ne ent­spre­chen­de Ein­stel­lungs­mög­lich­keit bie­tet. Mit DDWRT (https://www.dd-wrt.com), OpenWRT (https://openwrt.org) und To­ma­to (www.po­lar­cloud.com/to­ma­to) gibt es mitt­ler­wei­le gleich drei frei ver­füg­ba­re, al­ter­na­ti­ve Rou­ter-Be­triebs­sys­te­me. Sie kön­nen die­se Firm­wares meist mit ge­rin­gem Auf­wand über das vor­han­de­ne Be­triebs­sys­tem dar­über­in­stal­lie­ren. Vor­aus­set­zung da­für ist, dass es die al­ter­na­ti­ve Firm­ware in ei­ner zu Ih­rem Rou­ter kom­pa­ti­blen Ver­si­on gibt. Ent­spre­chen­de Kom­pa­ti­bi­li­täts­über­sich­ten nden Sie auf den oben ge­nann­ten Web­sites. Auch wenn, das In­stal­lie­ren der Firm­wareAl­ter­na­ti­ven re­la­tiv leicht funk­tio­niert, emp­feh­len wir die­sen Tipp nur für er­fah­re­ne An­wen­der, die zu­dem der ent­spre­chen­den eng­li­schen Fach­be­gri e mäch­tig sind.

TIPP 7 Star­ten Sie den Rou­ter bei Pro­ble­men erst­mal neu

Auch ein Rou­ter ist ein Com­pu­ter, der von ei­nem ge­le­gent­li­chen Neu­start pro tiert. Das gilt um­so mehr, wenn es sich um ein be­son­ders güns­ti­ges Ge­rät han­delt. Auch neue Ge­rä­te mit noch nicht aus­ge­reif­ter Firm­ware kön­nen be­tro en sein. Un­ab­hän­gig da­von gilt ge­ne­rell, dass Sie Ih­ren Rou­ter ein­fach mal neu star­ten soll­ten, wenn et­was nicht mehr funk­tio­niert, das zu­vor mo­na­te­lang ta­del­los ge­klappt hat. Rou­ter-Be­triebs­sys­te­me wie DD-WRT (sie­he Tipp 6) las­sen sich so­gar so kon gu­rie­ren, dass Sie das Ge­rät au­to­ma­tisch zu be­stimm­ten Uhr­zei­ten neu star­ten. Sie kön­nen die­se Funk­ti­on nut­zen, um den Rou­ter dann zu re­boo­ten, wenn Sie schla­fen be­zie­hungs­wei­se nie­mand im Bü­ro ist. Tim Kauf­mann/mm

Firm­ware-Up­dates schlie­ßen nicht nur Si­cher­heits­lü­cken, son­dern bes­sern mit­un­ter auch die WLAN-Ge­schwin­dig­keit.

Pas­sen Sie die Funk­ka­nal­ein­stel­lun­gen so an, dass der Rou­ter mög­lichst nur mo­der­ne Pro­to­kol­le wie n und ac un­ter­stützt.

Bild: Frix­ten­der

Mit Aus­tau­sch­an­ten­nen wie hier von Frix­ten­der ver­bes­sern Sie deut­lich die WLAN-Reich­wei­te.

Bild: Po­lar­cloud

Al­ter­na­ti­ve Firm­ware bie­tet ei­ne Viel­zahl von Ein­stell­mög­lich­kei­ten – emp ehlt sich aber nur für er­fah­re­ne An­wen­der.

Ein Rou­t­er­neu­start hilft Pro­ble­me zu be­sei­ti­gen – als Win­dows-An­wen­der kennt man die­ses Ver­hal­ten nur zu gut.

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