Jetzt geht es ums Er­be von Hel­mut Kohl

Die Ak­ten im Haus des Alt­kanz­lers könn­ten zum Zank­ap­fel wer­den – Eu­ro­päi­scher Staats­akt ge­plant

Peiner Allgemeine Zeitung - - Tagesthemen - VON DIE­TER WONKA UND VALERIE HÖHNE

BER­LIN. Kurz vor dem am ers­ten Ju­li-Wo­che­n­en­de in Ham­burg an­ste­hen­den G-20-Gip­fel soll der ver­stor­be­ne Alt­kanz­ler Hel­mut Kohl mit ei­nem eu­ro­päi­schen Staats­akt un­ter gro­ßer in­ter­na­tio­na­ler und na­tio­na­ler Be­tei­li­gung ge­ehrt wer­den. Zu der Ver­an­stal­tung wird ei­ne Fül­le ehe­ma­li­ger und ak­ti­ver Staats-, Re­gie­rungs- und Par­tei­chefs er­war­tet.

EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker hat­te ei­nen eu­ro­päi­schen Staats­akt an­ge­regt – es wä­re die ers­te Ver­an­stal­tung die­ser Art über­haupt. Der ei­gent­lich üb­li­che na­tio­na­le Fest­akt ent­fällt da­für. Kohl war „Eh­ren­bür­ger Eu­ro­pas“. Die na­tio­na­le To­ten­fei­er ist im Dom zu Spey­er ge­plant.

Un­ab­hän­gig vom pro­to­kol­la­ri­schen Pro­ze­de­re wird sich die span­nen­de Fra­ge stel­len, wem die po­li­ti­sche Hin­ter­las­sen­schaft Kohls ge­hö­ren soll, wer auf die In­ter­pre­ta­ti­on des vor­han­de­nen Ar­chiv­ma­te­ri­als und des­sen wis­sen­schaft­li­che Be­ar­bei­tung Zu­griff neh­men darf.

Der­zeit hält schon am vier­ten Tag die Wit­we Mai­ke Kohl- Rich­ter im hei­mat­li­chen Bun­ga­low in Og­gers­heim To­ten­wa­che. Zu­sam­men mit der zwei­ten Ehe­frau des Ver­stor­be­nen küm­mert sich der Jour­na­list und frü­he­re „Bild“-Her­aus­ge­ber Kai Diek­mann in­ten­siv um den Zu­gang und um die Ver­ar­bei­tung der Vor­gän­ge in Og­gers­heim. Im dor­ti­gen Bun­ga­low la­gern der­zeit noch rund 400 Ak­ten aus dem per­sön­li­chen Nach­lass des Alt­kanz­lers. In wel­cher Form die­ses Ma­te­ri­al künf­tig der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht wer­den soll, ist noch of­fen. Das um­fang­rei­che Ak­ten­kon­vo­lut soll No­ti­zen über die ent­schei­den­den Mo­men­te der CDU-Ge­schich­te, man­cher Be­geg­nun­gen im Zu­sam­men­hang mit der deut­schen Ein­heit, aber auch aus der Par­tei­spen­den-Af­fä­re be­inhal­ten. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te es im­mer wie­der Hin­wei­se dar­auf ge­ge­ben, dass Mai­ke Kohl-Rich­ter ih­ren nach ei­nem schwe­ren Sturz dau­er­haft ge­zeich­ne­ten Gat­ten nicht nur jah­re­lang ge­pflegt hat, son­dern auch maß­geb­lich an der In­ter­pre­ta­ti­on der letz­ten Ge­dan­ken Kohls be­tei­ligt ge­we­sen sein soll. Im­mer wie- der wur­de in die­sem Zu­sam­men­hang auch auf den Freund des Ehe­paars, Diek­mann, als In­ter­pret der Über­le­gun­gen des Alt­kanz­lers ver­wie­sen.

Ei­gent­lich hat­te die Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung die Kohl-Ak­ten seit 1998 zur Ver­wah­rung über­nom­men. Auf Bit­ten Kohls wa­ren die­se aber leih­wei­se nach Og­gers­heim ge­bracht wor­den, als es um die Fer­tig­stel­lung des letz­ten Ban­des von des­sen Me­moi­ren ging. Soll­te die Ade­nau­er-Stif­tung die Her­aus­ga­be der Ak­ten er­bit­ten, müss­te dies wohl nach der­zei­ti­ger Ver­trags­la­ge auch er­fol­gen. Es gibt in­zwi­schen ers­te Über­le­gun­gen, das ge­sam­te Kohl-Ma­te­ri­al even­tu­ell in ei­ne Stif­tung zu über­füh­ren und es da­mit aus dem al­lei­ni­gen Zu­griffs­recht der Og­gers­hei­mer Er­ben zu be­frei­en.

Der Nach­lass gro­ßer Po­li­ti­ker führt im­mer wie­der auch zu Strei­te­rei­en mit Hin­ter­blie­be­nen, Wis­sen­schaft­lern und Me­di­en. So gab es jah­re­lang Krach um die Er­in­ne­run­gen von Wil­ly Brandt zwi­schen der Stif­tung, der SPD und der Po­li­ti­ker-Wit­we Bri­git­te See­ba­cher-Brandt. Ähn­lich wie im Fall Brandt könn­te auch die Fa­mi­li­en­ge­schich­te Kohls Streit aus­lö­sen.

FO­TO: DPA

Ein Po­li­zist be­trach­tet am Mon­tag die Blu­men und Ker­zen vor Kohls Haus in Og­gers­heim. Über das, was sich im Haus be­fin­det, bahnt sich Streit an.

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