Der Schei­de­weg

EU und Bri­ten wer­den zwangs­läu­fig zu Geg­nern

Peiner Allgemeine Zeitung - - Tagesthemen -

Es ist na­tür­lich er­freu­lich, wenn am An­fang ei­ner Schei­dung we­nigs­tens noch ein paar ver­bind­li­che Wor­te ge­sagt wer­den. Am bes­ten so et­was wie „Wir blei­ben Freun­de“. Je­der ahnt, was da­von zu hal­ten ist: nichts.

Groß­bri­tan­ni­en und die Eu­ro­päi­sche Uni­on ver­han­deln seit ges­tern über nicht we­ni­ger als das En­de ei­ner 44-jäh­ri­gen Ge­mein­schaft. Her­auf­be­schwo­ren nicht aus ver­nünf­ti­gen po­li­ti­schen oder öko­no­mi­schen Grün­den, son­dern weil ein Pre­mier­mi­nis­ter sich par­tei­in­tern ver­zockt hat­te. Schließ­lich woll­te er nicht die EU ver­las­sen, son­dern nur ein paar Wi­der­sa­cher aus den ei­ge­nen Rei­hen mund­tot ma­chen.

QVON DETLEF DREWES

Doch nun ist ein Pro­zess in Gang ge­setzt wor­den, der nur mit ei­ner Tren­nung en­den kann. Die bis­he­ri­gen Freun­de wol­len zwar Part­ner blei­ben, aber auf dem Weg da­hin müs­sen sie nun erst ein­mal Geg­ner wer­den.

Die Ver­tre­ter des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­rei­ches ah­nen längst, dass sie sich auf höchst un­si­che­res Eis be­ge­ben. Das Ver­las­sen des Bin­nen­mark­tes, die Auf­kün­di­gung der Zoll­uni­on, der of­fen­kun­di­ge Bruch zwi­schen Eu­ro­pa und den pro­tek­tio- nis­tisch aus­ge­rich­te­ten Ver­ei­nig­ten Staa­ten – das al­les iso­liert Lon­don mehr, als man zu­nächst ge­hofft hat­te.

So fühlt sich die­ser Tag falsch an. Das liegt nicht nur da­ran, dass die EU „his­to­ri­sche Ta­ge“bis­lang stets dann be­schwor, wenn es Fort­schrit­te gab. Die­ses Mal sieht al­les nach ei­nem Rück­schritt aus, auch wenn das noch nicht si­cher ist. Aber seit ges­tern wird das Mot­to „Al­le für ei­nen“bit­ter um­ge­kehrt. Nun lau­tet es: „Ei­ner ge­gen al­le“. Und es sieht nicht so aus, als kön­ne Lon­don auch nur ei­nen Blu­men­topf ge­win­nen. Detlef Drewes ist Brüs­sel-Kor­re­spon­dent des RND.

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