Ein Steu­er­pro­gramm für den zwei­ten Sie­ger

Das Kon­zept der SPD ist fair und se­ri­ös – wird aber kaum zum Wahl­sieg ver­hel­fen

Peiner Allgemeine Zeitung - - Tagesthemen -

In den Ta­gen der Kanz­ler­schaft von Hel­mut Kohl lag der Spit­zen­steu­er­satz für „die Rei­chen“bei 53 Pro­zent. Für die SPD von Mar­tin Schulz im Jahr 2017 ist bei ins­ge­samt 48 Pro­zent Spit­zen­steu­er­be­las­tung für die wirk­lich Ver­mö­gen­den Schluss mit der Be­las­tung. Das ist we­ni­ger so­zi­al als zur Kohl-Zeit. Aber es ist tau­send­mal se­riö­ser ge­rech­net als das, was CDU und CSU in ih­rer Steu­er-Tarn­werk­statt aus­bal­do­wern.

Das SPD-Steu­er­kon­zept küm­mert sich um die Mit­te, setzt ge­rech­te Im­pul­se bei Klein­ver­die­nern, ver­schafft der Pa­ri­tät in den So­zi­al­sys­te­men ei­ne neue Ba­sis und ver­knüpft Fa­mi­li­en­po­li­tik mit In­ves­ti­tio­nen in Chan­cen­ge­rech­tig­keit. Beim über­leb­ten So­li-Zu­schlag macht sich die SPD ehr­lich, noch da­zu mit ei­ner pfif­fi­gen Rei­chen-Va­ri­an­te.

QVON DIE­TER WONKA Dass auch ein we­nig Wünsch-dir-was da­bei ist, Stich­wort Erb­schafts­steu­er, ist ei­ne par­tei­po­li­ti­sche Pflicht­übung. Im­mer­hin bleibt die kaum zu ver­wirk­li­chen­de Ver­mö­gens­steu­er in der Ab­tei­lung Pro­gramm­ly­rik.

Ins­ge­samt hat die SPD et­was vor­ge­legt, das die Uni­on ei­gent­lich mäch­tig un­ter Kon­kre­ti­sie­rungs­druck set­zen müss­te. Die will sich aber gar nicht dem Kon­kre­ten stel­len.

Weil zwi­schen dem Her­aus­for­de­rer und der Amts­in­ha­be­rin wie­der ein ähn­lich gro­ßer Klas­sen­un­ter­schied liegt wie in den letz­ten Ta­gen der Ga­b­ri­el-Zeit, wirkt das Schulz-Steu­er­kon­zept wie ein net­ter Ver­such: fair, be­schei­den, mo­dern. Das ist zu we­nig, um zu ge­win­nen, aber zu gut, um wei­ter ab­zu­stür­zen. Es ist ein Pro­gramm für den zwei­ten Sie­ger. Da­bei braucht der Her­aus­for­de­rer jetzt den Mut und die An­griffs­lust zum of­fe­nen Kampf um das Bes­te fürs Land. Un­ge­nutzt blieb die Be­geis­te­rungs­wel­le nach sei­nem Ein­stieg in die In­nen­po­li­tik. Das Si­gnal zur Klä­rung der Agen­da-Ver­gan­gen­heit sei­ner Par­tei ver­puff­te. Die Op­ti­on ei­nes lin­ken Ge­gen­mo­dells wur­de nach ei­ner Schlap­pe im Saar­land fal­len ge­las­sen.

Die Chan­ce auf ei­ne ech­te Eu­ro­pa-Re­form mit dem fran­zö­si­schen Hoff­nungs­trä­ger Ma­cron er­griff An­ge­la Mer­kel. Die Atta­cke auf Trumps Ego­is­ten­po­li­tik hat der selt­sam pas­si­ve Kanz­ler­kan­di­dat sei­nem Au­ßen­mi­nis­ter über­las­sen. Der Ball lag oft ge­nug auf dem El­fer.

Seit dem Hand­ke-Kri­mi über „Die Angst des Tor­manns beim Elf­me­ter“wis­sen wir, dass der Schluss­mann beim Straf­stoß am er­folg­reichs­ten ist, wenn er sich bis zur letz­ten Se­kun­de still ver­hält. Tat­säch­lich hat der El­fer­schüt­ze weit­aus mehr Ver­sa­gens­angst als der Kee­per. Mar­tin Schulz, einst Fuß­bal­ler und seit ei­nem hal­ben Jahr Kanz­ler­kan­di­dat mit Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz, ist seit sei­ner Aus­ru­fung Tor­mann und Schüt­ze in ei­nem. Bis zum Wahl­tag muss er da­für sor­gen, dass Mer­kel ihm kein Ding rein­haut. Und zu­gleich las­tet die Ver­ant­wor­tung auf ihm, das ent­schei­den­de Tor zu ma­chen. Je mehr die Zeit ver­rinnt, des­to grö­ßer wird der Druck.

ZITAT DES TAGES Sah­ra Wa­genk­necht,

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