Kippt das Kar­tell­amt den Kor­vet­ten-De­al?

Die Ar­beits­ge­mein­schaft von Werf­ten könn­te ge­gen das Mo­no­pol­recht ver­sto­ßen

Peiner Allgemeine Zeitung - - Politik - VON JÖRG KÖPKE

BER­LIN. Der mil­li­ar­den­schwe­re Auf­trag zum Bau von fünf Kor­vet­ten für die Bun­des­wehr ge­rät ju­ris­tisch in schwe­res Fahr­was­ser. Am Mitt­woch soll der Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges grü­nes Licht für die Frei­ga­be von 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­ben. Doch jetzt droht das Bun­des­kar­tell­amt in Bonn, das um­kämpf­te Rüs­tungs­pro­jekt er­neut zu stop­pen. Hin­ter­grund ist die Auf­nah­me der Kie­ler Ger­man Na­val Yards in das be­ste­hen­de Kon­sor­ti­um der Werf­ten Lürs­sen und Thys­sen­krupp. Der Ver­dacht: die ge­ziel­te Um­ge­hung des Mo­no­pol­rechts.

„Ar­beits­ge­mein­schaf­ten dür­fen nur ge­schlos­sen wer­den, wenn die bis­her be­tei­lig­ten Werf­ten nicht in der La­ge sind, den Auf­trag al­lein zu be­werk­stel­li­gen“, er­klär­te ein Spre­cher des Kar­tell­am­tes dem Re­dak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land (RND). Die­se Vor­aus­set­zung könn­te im Fall der fünf Kor­vet­ten vom Typ K 130 nicht ge­ge­ben sein. „Noch ha­ben wir kein Ver­fah­ren ein­ge- lei­tet. Es ist aber vor­stell­bar, dass am En­de ei­ner kar­tell­recht­li­chen Prü­fung völ­lig neu aus­ge­schrie­ben wer­den muss“, be­ton­te der Be­hör­den­spre­cher.

Das Kar­tell­amt hat­te das Kor­vet­ten­ge­schäft erst­mals Mit­te Mai ge­stoppt, nach­dem Ger­man Na­val Yards da­ge­gen pro­tes­tiert hat­te, weil die Kie­ler Werft von dem Kon­sor­ti­um Lürs­sen/Thys­sen­krupp aus­ge­schlos­sen wor­den war. Um den De­al noch zu ret­ten, setz­te die In­dus­trie auf Vor­schlag von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) den frü­he­ren Bahn-Chef Rü­di­ger Gru­be als Ver­mitt­ler ein. Er­geb­nis: Die Kie­ler soll­ten mit 15 Pro­zent an ei­ner Ar­beits­ge­mein­schaft be­tei­ligt wer­den.

Grü­nen-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te To­bi­as Lind­ner er­hebt schwe­re Vor­wür­fe ge­gen von der Ley­en. „Das ge­sam­te Vor­ge­hen hat mit Wett­be­werb nichts mehr zu tun, son­dern ist ein Ge­schäft zu­las­ten der Steu­er­zah­ler. Die ge­wähl­te Kon­struk­ti­on die­ser Ar­beits­ge­mein­schaft steht kar­tell­recht­lich auf tö­ner­nen Fü­ßen“, sag­te Lind­ner dem RND.

Uni­ons-Haus­halts­ex­per­te Eck­hardt Reh­berg (CDU) be­müht sich um Scha­dens­be­gren­zung: Dass Mitt­woch nur ein Be­schluss un­ter Vor­be­halt ge­fasst wer­den kön­ne, „war mir im­mer klar“, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker dem RND. SPD-Haus­halts­ex­per­te Jo­han­nes Kahrs woll­te sich auf An­fra­ge nicht äu­ßern. Reh­berg und Kahrs hat­ten das um­strit­te­ne Ge­schäft ur­sprüng­lich ein­ge­fä­delt.

Auch der Bun­des­rech­nungs­hof mel­det in­zwi­schen schwe­re Be­den­ken an. In ei­nem 17-sei­ti­gen Be­richt aus der ver­gan­ge­nen Wo­che, der dem RND vor­liegt, kri­ti­sie­ren die Prü­fer, „dass bis­lang im Wett­be­werb ste­hen­de Werf­ten nun ei­ne Ar­beits­ge­mein­schaft bil­den, die ge­gen­über dem Bund ei­ne Mo­no­pol­stel­lung ein­nimmt. So ent­ge­hen dem Bund die Vor­tei­le ei­nes Wett­be­wer­bers.“Das Mi­nis­te­ri­um ha­be die­se Nach­tei­le in ei­ner Stel­lung­nah­me be­strit­ten.

FO­TO: DPA

Schwe­res Fahr­was­ser: Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en beim Kor­vet­ten­ge­schwa­der in Ros­tock (Ar­chiv­bild).

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