Nach Stran­d­ur­teil will Land das Na­tur­zu­gangs­ge­setz än­dern

Vie­le StrÄn­de sol­len kos­ten­frei zu­gÄng­liCh sein – Kom­mu­nen Be­hAr­ren Auf Ge­Büh­ren

Peiner Allgemeine Zeitung - - Niedersachsen - VON MICHA­EL B. BER­GER

„Ge­büh­ren sind un­ver­zicht­bar“, sagt Ul­rich Getsch, Ober­bür­ger­meis­ter Cux­ha­vens, das am Fest­land mit zwölf Ki­lo­me­tern den längs­ten und schöns­ten (Ei­gen­wer­bung) Strand hat.

Doch das Ver­gnü­gen, ei­nen Tag am Strand zu ver­brin­gen, ist teu­er. 3 Eu­ro Kur­ta­xe neh­men die Cux­ha­ve­ner für ei­nen Tag. Mit ei­nem am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig er­strit­te­nen Ge­richts­ur­teil hat der Fries­län­der Jan­to Just et­was Un­ru­he in die Strand­korb­be­wehr­te Welt der Kur­ta­xen­und Strand­ge­büh­ren­ge­mein­den ge­bracht.

Er hat mit sei­ner Kla­ge ge­gen die Ge­mein­de Wang­er­land er­reicht, dass die­se ei­nen Teil ih­rer Strän­de dem all­ge­mei­nen Pu­bli­kum öff­nen muss. Nur wo die Ge­mein­de mit Re­stau­rants, Ki­o­s­ken und Um­klei­de­ka­bi­nen dem Gast ei­nen be­son­de­ren Ba­de­ge­nuss ver­schaf­fe, dür­fe sie Ge­büh­ren er­he­ben, so die Rich­ter. An Strän­den, wo das nicht der Fall sei, gel­te die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit. Zu­dem er­öff­ne das Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz das Recht, freie Land­schaf­ten zu be­tre­ten.

An der Nord­see­küs­te wer­den von Kom­mu­nen an fast al­len Strän­den (im Wat­ten­meer gibt es da­von im Ver­gleich zur Ost­see nicht all­zu vie­le) Ge­büh­ren er­ho­ben. Auf die Ost­frie­si­schen In­seln kommt man nur, wenn man zu­vor be­zahlt hat. „Die Ta­ges­gäs­te wer­den mit der Fäh­re ab­ge­rech­net, Über­nach­tungs­gäs­te rech­nen mit dem Ver­mie­ter ab“, sagt Bri­git­te Höh­ne von der Käm­me­rei Bor­kum.

Und im Ge­gen­satz zur Ost­see müs­se man an der stür­mi­schen Nord­see viel öf­ter die Strän­de auf­schüt­ten, ar­gu­men­tie­ren die Bür­ger­meis­ter und Kur­di­rek­to­ren. Des­halb kön­ne man auch nicht nur mit dem Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz ar­gu­men­tie­ren. Auch der Cux­ha­ve­ner Ober­bür­ger­meis­ter ist skep­tisch, ob man das Wang­er­län­der Ur­teil auf an­de­re Ge­mein­den über­tra­gen kann. „Wir wer­den das sehr genau prü­fen, wenn die schrift­li­che Be­grün­dung vor­liegt“, sagt Ul­rich Getsch. 600 000 Eu­ro kas­sie­re man im Jahr al­lein durch den Strand­ein­tritt. Für den Tou­ris­mus wen­de die Stadt aber auch Er­heb­li­ches auf – an die 10 Mil­lio­nen Eu­ro.

Agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er (Grü­ne) be­grüß­te das Grund­satz­ur­teil. Es sei ei­ne „gu­te Grund­la­ge“für das ge­plan­te Na­tur­zu­gangs­ge­setz. „Ich bin ein gro­ßer Freund des kos­ten­lo­sen Er­le­bens der Na­tur und un­se­rer herr­li­chen Land­schaf­ten. So wie Wald­spa­zier­gän­ge kei­nen Ein­tritt kos­ten, muss auch für er­reich­ba­re Strand­ab­schnit­te das Meer kos­ten­los sein.“Die jet­zi­ge Re­ge­lung im Nie­der­säch­si­schen Wald­ge­setz sei über­holt und „muss ge­mäß BVGUr­teil über­ar­bei­tet wer­den“.

Mo­dell­rech­nung: Zwei Er­wach­se­ne, zwei Kin­der (5 und 14 Jah­re) in der Haupt­sai­son. Wes­ter­land Nor­der­ney 7,30 € 8,00 € Wang­er­land, Strand Schil­lig Ahl­beck PO­LEN 5,00 Ahl­beck, Use­dom

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.