Goltz­platz: Rat be­schließt vor­erst nur Sa­nie­rung des be­las­te­ten Bo­dens

Ex­tra-Sit­zung im Rat­haus: Über mög­li­che Wohn­be­bau­ung wird noch de­bat­tiert – 60 Be­su­cher muss­ten 50 Mi­nu­ten war­ten

Peiner Allgemeine Zeitung - - Peine -

Zu­min­dest in ei­ner Hin­sicht be­steht nun Klar­heit: Die Sa­nie­rung der mit Di­oxin be­las­te­ten Brach­flä­che am Goltz­platz wird durch­ge­führt. Das teil­te Pei­nes Bür­ger­meis­ter Klaus Sae­mann (SPD) ges­tern Abend im An­schluss an die Ex­tra-Sit­zung des Ra­tes der Stadt mit. Die­se Ent­schei­dung sei ein­stim­mig ge­trof­fen wor­den. Was ei­ne mög­li­che Wohn­be­bau­ung an­geht, ist das letz­te Wort al­ler­dings noch nicht ge­spro­chen. SPD und Grü­ne schlu­gen jetzt statt zehn Ein­fa­mi­li­en- vier Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser vor.

Be­vor die Bür­ger­meis­terNach­richt raus­ging, er­leb­ten die 60 Be­su­cher der Sit­zung ges­tern Abend im Rat­haus ein Pa­ra­de­stück ge­leb­ter Kom­mu­nal­po­li­tik – wohl­ge­merkt mit un­ge­wöhn­li­chem Ablauf: Erst durf­ten sie 15 Mi­nu­ten rein in den gro­ßen Sit­zungs­saal, dann muss­ten sie 50 Mi­nu­ten raus, um dann wie­der gut ei­ne St­un­de zu­hö­ren, aber auf kei­nen Fall ap­plau­die­ren oder gar re­den zu dür­fen.

Was war pas­siert? Auf der Ta­ges­ord­nung stand ei­gent­lich nur ein Punkt im öf­fent­li­chen Teil. Der An­trag von Rats­herr Jür­gen Eg­gers (Lin­ke) zum Au­ßer­kraft­tre­ten des Be­bau­ungs­plans Goltz­platz, mit dem die­ser be­reits er­folg­reich ei­nen Sa­nie­rungs-Stopp am Goltz­platz er­wirkt hat­te (PAZ be­rich­te­te).

Ein wei­te­rer Punkt, ein An­trag von SPD und Grü­nen zur Än­de­rung des Be­bau­ungs­plans Goltz­platz, soll­te im An­schluss im nicht öf­fent­li­chen Teil be­han­delt wer­den. CDUFrak­ti­ons-Chef Chris­toph Plett be­an­trag­te je­doch, die­sen öf­fent­lich zu be­spre­chen, „auch un­ter dem Aspekt, dass heu­te vie­le Leu­te hier sind“. Das Pu­bli­kum ap­plau­dier­te, er­hielt da­für aber spä­ter ei­ne Schel­te von der Rats­vor­sit­zen­den Ga­b­rie­le Hand­ke (SPD). Bei­fall oder gar Re­de­bei­trä­ge sei­en in ei­ner Rats­sit­zung laut Ge­schäfts­ord­nung für Gäs­te nicht ge­stat­tet.

Nach ei­nem ein­stim­mi­gen Vo­tum für die Be­hand­lung des SPD-Grü­nen-An­trags im öf­fent­li­chen Teil, gab es in­ter­nen Be­ra­tungs­be­darf. Die Be­su­cher, dar­un­ter Na­tur­schüt­zer, Hun­de­sport­ver­eins­mit­glie­der und An­woh­ner muss­ten den Saal ver­las­sen, für gan­ze 50 Mi­nu­ten.

Dann durf­ten sie wie­der rein. Zu­nächst er­läu­ter­te Eg­gers sei­nen An­trag, mit dem er ei­ne Wohn­be­bau­ung am Goltz­platz ver­hin­dern will. Auch da­für spen­dier­te das Pu­bli­kum (ver­bo­te­nen) Ap­plaus. Eg­gers’ An­trag wur­de je­doch ein­stim­mig in den Pla­nungs­aus­schuss ver­wie­sen.

El­ke Kent­ner (Grü­ne) trug schließ­lich den ei­gent­lich für den nicht öf­fent­li­chen Teil vor­ge­se­he­nen, ge­mein­sa­men An­trag ih­rer Frak­ti­on und der SPD vor. Sie er­klär­te, dass das För­der­geld zur Sa­nie­rung des be­las­te­ten Bo­dens an ei­ne spä­te­re Wohn­be­bau­ung ge­kop­pelt sei. Da man sich auch der Na­tur­schutz­pro­ble­ma­tik und der Krö­ten­wan­de­rung zwi­schen Herz­berg und Bar­u­mer Moor be­wusst sei, möch­ten Grü­ne und SPD ei­ne Be­bau­ungs­plan-Än­de­rung be­an­tra­gen, die al­le Aspek­te be­rück­sich­tigt.

Die we­sent­li­chen Punk­te: Ein 20 Me­ter brei­ter Grün­strei­fen an der Spie­gel­berg­stra­ße soll er­hal­ten blei­ben, und die Be­bau­ung da­für wei­ter in Rich­tung des ab­ge­ris­se­nen Sport­hau­ses rü­cken. Vor­ge­se­hen sind nun vier Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser mit be­zahl­ba­ren Miet­woh­nun­gen und ei­ner of­fen ge­stal­te­ten Grün­flä­che. Die Zu­fahrt soll über die Sun­dern­stra­ße er­fol­gen, so dass die na­tür­li­che Ver­bin­dung zwi­schen Herz­berg und Bar­u­mer Moor er­hal­ten blei­be. Für das Pro­jekt sol­le ein In­ves­tor ge­won­nen wer­den, sag­te Kent­ner, und brach­te da­für auch die städ­ti­sche Toch­ter Pei­ner Heim­stät­te ins Spiel.

Plett (CDU) be­an­trag­te ge­hei­me Ab­stim­mung dar­über, ob der SPD-Grü­nen-An­trag eben­falls in den Pla­nungs­aus­schuss zur wei­te­ren po­li­ti­schen Dis­kus­si­on ver­wie­sen wird. Dem wur­de statt ge­ge­ben. 19 Rats­mit­glie­der stimm­ten da­für, 18 da­ge­gen. Da­mit ist klar: Der Bo­den am Goltz­platz wird sa­niert, über ei­ne mög­li­che Be­bau­ung wohl aber noch reich­lich de­bat­tiert. Die CDU kün­dig­te noch am Abend an, den An­trag von Rot-Grün nicht zu un­ter­stüt­zen (sie­he Ar­ti­kel un­ten).

CDU be­an­trag­te, dass der An­trag von SPD und Grü­nen im öf­fent­li­chen Teil der Sit­zung be­han­delt wird.

Um al­le Aspek­te zu be­rück­sich­ti­gen, möch­ten wir den Be­bau­ungs­plan Goltz­platz än­dern.

El­ke Kent­ner

Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Grü­ne

FO­TO: MICHA­EL LIEB

Blick in den Rats­saal ges­tern Abend, hier beim An­trag von Jür­gen Eg­gers (Lin­ke).

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