Sen­sa­ti­on am Son­nen­tem­pel

Pha­rao, Sphinx und Fal­ke – deut­sche Archäo­lo­gen ma­chen in Ägyp­ten gro­ße Fun­de

Peiner Allgemeine Zeitung - - Erste Seite - VON MA­RIO BECK

He­lio­po­lis heißt so viel wie Stadt der Son­ne. Da darf man als Archäo­lo­ge strah­len­de Fun­de er­war­ten: Dort, wo einst der präch­ti­ge Son­nen­tem­pel als re­li­giö­ses Zen­trum im al­ten Ägyp­ten stand, hat jetzt ein vom Leip­zi­ger Ägyp­to­lo­gen Dietrich Raue ge­lei­te­tes For­scher­team in Kai­ro wei­te­res Spek­ta­ku­lä­res zu­ta­ge ge­för­dert.

Bei der jüngs­ten Gra­bungs­kam­pa­gne tauch­ten un­ter an­de­rem Frag­men­te ei­ner Ko­los­sal­sta­tue von Ram­ses II. auf, der das Reich am Nil von 1272 bis 1213 vor Chris­tus re­gier­te und den He­lio­po­lis-Tem­pel bau­lich er­blü­hen ließ.

Um dem Herr­scher ein Denk­mal zu set­zen, sei die aus Ro­sen­gra­nit ge­fer­tig­te Sta­tue um 1250 vor Chris­tus mit gro­ßer Kunst­fer­tig­keit ge­schaf­fen wor­den, sag­te Raue, der an der Leip­zi­ger Uni als Kustos des Ägyp­ti­schen Mu­se­ums wirkt und schon seit 2010 re­gel­mä­ßig das ge­schichts­träch­ti­ge Ter­rain in Kai­ro be­ar­bei­tet. Part­ner vor Ort ist der ein­hei­mi­sche Spe­zia­list Ay­man Ash­ma­wy.

Ver­eint hat­ten sie be­reits im März die­ses Jah­res für Auf­se­hen ge­sorgt. Da­mals ent­deck­ten sie in meh­re­ren Me­tern Tie­fe ei­ne mo­nu­men­ta­le Skulp­tur von Psam­me­tich I., der von 664 bis 610 vor Chris­tus als Pha­rao re­gier­te. Aus Quar­zit her­ge­stellt, war die Sta­tue einst neun Me­ter hoch. Den Kopf mit Kro­ne und den Tor­so konn­ten Raue und Kol­le­gen im Früh­jahr aus­gra­ben, jetzt fan­den sie fast 2000 wei­te­re Tei­le. Dar­un­ter zwei Ze­hen. „Wir müs­sen nun puz­zeln und ver­su­chen, al­les zu­sam­men­zu­set­zen.“

Als durch­aus spek­ta­ku­lär wer­den auch wei­te­re Ar­te­fak­te ein­ge­stuft, die die deut­sch­ägyp­ti­sche Wis­sen­schaft­ler­grup­pe jüngst aus dem ägyp­ti­schen Sand hol­te. Die Res­te ei­ner rie­si­gen Sphinx konn­ten auf dem von Über­bau­ung be­droh­ten Son­nen­tem­pel-Are­al eben­so ge­bor­gen wer­den wie Bruch­stü­cke ei­nes sti­li­sier­ten Fal­ken, der einst Ab­mes­sun­gen von bis zu sechs Me­ter auf­wies.

„Die Viel­falt und die Aus­ma­ße der Fun­de er­öff­nen uns neue Mög­lich­kei­ten, die ur­sprüng­li­che Gestalt des Tem­pels zu re­kon­stru­ie­ren“, er­klär­te Raue.

FO­TO: RAUE

Re­likt aus der An­ti­ke: Ein Teil der Fun­de in Ägyp­ten.

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