Be­wäh­rungs­pro­be für Luft­han­sa

Nach all den Air­line-Plei­ten sind 20-Eu­ro-Ti­ckets wohl bald die Aus­nah­me

Peiner Allgemeine Zeitung - - Tagesthemen - Ex-SPD-Chef, scherz­haft bei ei­ner Wahl­kampf­T­alk­run­de in Han­no­ver zum Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel in der Par­tei nach dem Ab­sturz bei der Bun­des­tags­wahl.

Wenn die Luft­han­sa al­le Flü­ge so rei­bungs­los ab­wi­ckeln wür­de wie die­ses Ge­schäft, wä­re sie re­gel­mä­ßig „Air­line des Jah­res“. Fast auf den Tag ge­nau zwei Mo­na­te nach der In­sol­venz von Air Ber­lin hat sich Deutsch­lands größ­te Flug­ge­sell­schaft den we­sent­li­chen Teil der Über­res­te ge­si­chert. Man hat­te in Frank­furt schließ­lich Zeit ge­nug, sich auf den ab­seh­ba­ren Zu­sam­men­bruch der Ber­li­ner vor­zu­be­rei­ten. Und der freund­li­chen Un­ter­stüt­zung der Bun­des­re­gie­rung konn­te man sich als eins­ti­ge Staats­air­line si­cher sein. Die Kri­tik der Kon­kur­renz an ei­nem „ab­ge­kar­te­ten Spiel“ist zwar über­spitzt, aber nicht aus der Luft ge­grif­fen.

Al­ler­dings darf man be­zwei­feln, dass die an­de­ren Aspi­ran­ten die­ses Er­be tat­säch­lich an­tre­ten woll­ten

QVON STE­FAN WIN­TER oder über­haupt konn­ten. Denn die nächs­ten Mo­na­te dürf­ten selbst für ei­nen Rie­sen wie die Luft­han­sa zur Grenz­er­fah­rung wer­den. Es be­wahr­hei­tet sich, dass der staat­li­che Hilfs­kre­dit zwar über die Bun­des­tags­wahl hin­aus­reicht, nicht aber bis zur Über­nah­me des Be­triebs durch den neu­en Ei­gen­tü­mer. En­de Ok­to­ber stellt Air Ber­lin den Be­trieb ein, wer noch Ti­ckets für die Zeit da­nach hat, geht leer aus.

Ei­nen rei­bungs­lo­sen Über­gang auf die Luft­han­sa wird es nicht ge­ben. Das ist schon des­halb ab­seh­bar, weil die Luft­han­sa vor ei­nem Jahr be­reits mas­si­ve Pro­ble­me beim Start ih­res ei­ge­nen Bil­lig­flie­gers Eu­ro­wings hat­te – und der konn­te aus­gie­big ge­plant wer­den. Jetzt sind die Be­din­gun­gen un­gleich schwe­rer: Ein zer­fal­len­des Un­ter­neh­men muss in­te­griert wer­den, des­sen Kun­den längst die Flucht er­grif­fen ha­ben. Tau­sen­de Be­wer­ber, die dort ar­beits­los wur­den, sind aus­zu­wäh­len und ein­zu­stel­len. Das al­les ge­schieht we­gen der kar­tell­recht­li­chen Prü­fung in ei­nem ju­ris­ti­schen Schwe­be­zu­stand. Die wie­der­um wird sich hin­zie­hen, denn erst wenn zum Bei­spiel Ea­sy­jet die ver­blei­ben­den Air-Ber­lin-Res­te über­nimmt, kann die Wett­be­werbs­la­ge be­ur­teilt wer­den. Und Ea­sy­jet zau­dert.

Die nächs­ten Mo­na­te wer­den al­so voll von Tur­bu­len­zen sein, die ei­gent­li­chen Be­wäh­rungs­pro­ben ste­hen den selbst­be­wuss­ten Luft­han­sea­ten noch be­vor. Sie wer­den be­wei­sen müs­sen, dass sie für Kun­den, Mit­ar­bei­ter und Ge­schäfts­part­ner der un­ter­ge­gan­ge­nen Air Ber­lin wirk­lich die bes­te Lö­sung sind. Dank der mas­si­ven Pro­tes­te der Kon­kur­renz wird das un­ter in­ten­si­ver öf­fent­li­cher Be­ob­ach­tung ge­sche­hen. Luft­han­sa-Chef Cars­ten Sp­ohr hat si­cher­heits­hal­ber schon vor­aus­ge­sagt, dass die Prei­se in der Flie­ge­rei wei­ter sin­ken wer­den, ob­wohl ein gro­ßer Kon­kur­rent ver­schwin­det. Das darf man je­den­falls für be­stimm­te Stre­cken be­zwei­feln. Aber an­ge­sichts von drei Air­line-Plei­ten in neun Mo­na­ten – Alita­lia, Air Ber­lin und Mon­arch – muss sich auch der preis­be­wuss­tes­te Pas­sa­gier fra­gen, ob es im­mer das 20-Eu­ro-Ti­cket sein kann.

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DES TAGES

Ich schau­fe­le mir mein ei­ge­nes Gr­ab. Das ist auch schon aus­ge­ho­ben.

Sig­mar Ga­b­ri­el,

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