„Un­mit­tel­ba­re Ge­fahr ei­nes neu­en Krie­ges wä­re zu­rück“

Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mAr GA­B­ri­el (SPD) wirft den USA vor, den Atom-De­Al mit dem IrAn zum Spiel­BAll der US-In­nen­po­li­tik zu mA­Chen

Peiner Allgemeine Zeitung - - Blick In Die Zeit -

Herr Ga­b­ri­el, spielt US-Prä­si­dent Do­nald Trump in Sa­chen Iran mit dem Welt­frie­den?

So weit wür­de ich noch nicht ge­hen. Aber ei­ne Kün­di­gung des Iran-Ab­kom­mens wür­de den Na­hen Os­ten zur hei­ßen Kri­sen­re­gi­on ma­chen. Und es wä­re ein ver­hee­ren­des Si­gnal für die ato­ma­re Abrüs­tung. Ei­ni­ge Staa­ten könn­ten ein Schei­tern des Iran-Ab­kom­mens als Si­gnal ver­ste­hen, sich selbst mög­lichst schnell mit Atom­waf­fen zu ver­sor­gen. Dann hät­ten wir nicht nur Nord­ko­rea als aku­ten Pro­blem­fall. Es wä­re völ­lig il­lu­so­risch, Nord­ko­rea zum Ab­schluss ei­nes Si­cher­heits­ver­tra­ges zu be­we­gen, wenn das Iran-Ab­kom­men plat­zen wür­men de. Es geht al­so um weit mehr als um den Iran.

Hat der Iran sich beim Atom­ver­trag et­was zu­schul­den kom­men las­sen?

Nein. Das sa­gen auch die USA. Der Iran hält sich an das Ab­kom­men. Für die USA ist das Ab­kom­men eher ei­ne tech­ni­sche An­ge­le­gen­heit. Ih­nen ging es um die Er­war­tung, dass sich der Iran nach Ab­schluss des Ab­kom­mens auch in an­de­ren Fel­dern, bei­spiels­wei­se in Sy­ri­en, im Je­men, im Irak, im Li­ba­non, an­ders ver­hält und auf­hört, die­se Kon­flik­te an­zu­hei­zen.

Sie kri­ti­sie­ren das Ver­hal­ten des Irans in den an­ge­spro­che­nen Kon­flik­ten?

Ja. Wir dür­fen das auch nicht ein­fach ak­zep­tie­ren. Aber die Welt wird nicht si­che­rer und fried­fer­ti­ger, wenn wir den ge­fähr­lichs­ten Teil, al­so die Atom­waf­fen, wie­der scharf ma­chen. Ei­ne Zer­stö­rung des Atom­ab­kom­mens mit dem Iran durch die USA hät­te doch die gro­ße Ge­fahr, dass dort er­neut an der Ent­wick­lung ato­ma­rer Waf­fen ge­ar­bei­tet wird. Is­ra­el hat das im­mer als di­rek­te Be­dro­hung sei­ner Si­cher­heit wahr­ge­nom­men und da­mals mit mi­li­tä­ri­schen Schlä­gen ge­gen den Iran ge­droht. Auch die­se un­mit­tel­ba­re Ge­fahr ei­nes neu­en Krie­ges wä­re zu­rück. Des­halb darf das Ab­kom­men mit dem Iran nicht auf­ge­ge­ben wer­den. Schnel­le Er­fol­ge bei der Kon­flikt­ent­wick­lung im Je- oder in Sy­ri­en kön­nen nicht zur Be­din­gung da­für ge­macht wer­den, dass der Iran atom­waf­fen­frei bleibt. Die USA müs­sen wis­sen, dass von ei­ner Es­ka­la­ti­on im Na­hen Os­ten Eu­ro­pa sehr viel nä­her und di­rek­ter be­trof­fen ist als Nord­ame­ri­ka.

Eu­ro­pas Kern­kom­pe­tenz iste­her die Kom­pro­miss­su­che. Wie geht das noch, wenn in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ein Kraft­mei­er Prä­si­dent ist?

Es geht we­ni­ger um Kraft­meie­rei ge­gen­über dem Iran. Das gro­ße Dra­ma be­steht dar­in, dass das Iran-Ab­kom­men zum Spiel­ball ame­ri­ka­ni­scher In­nen­po­li­tik wer­den konn­te. Des­we­gen ist es ja so ent­schei­dend, dass die Eu­ro­pä­er zu­sam­men­blei­ben. Man muss den Ame­ri­ka­nern aber auch sa­gen, dass ihr Ver­hal­ten uns Eu­ro­pä­er in der Iran-Fra­ge in ei­ne ge­mein­sa­me Po­si­ti­on mit Russ­land und Chi­na ge­gen die USA bringt. Lei­der führt die Un­si­cher­heit über die Zu­kunft des Ab­kom­mens auch da­zu, dass es viel zu we­nig In­ves­ti­tio­nen im Iran gibt. Das war aber die vom Iran er­war­te­te Ge­gen­leis­tung, dass sich die Le­bens­be­din­gun­gen im Land deut­lich ver­bes­sern. Je stär­ker wir den Iran jetzt un­ter Druck set­zen, des­to mehr wer­den die Hard­li­ner im Iran sich be­stä­tigt füh­len.

„Staa­ten könn­ten ein Schei­tern des Ab­kom­mens als Si­gnal ver­ste­hen, sich selbst mög­lichst schnell mit Atom­waf­fen zu ver­sor­gen“: Au­ßen­mi­nis­ter Ga­b­ri­el.

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