Die sie­ben Schnee­witt­chen

Tom­my Wir­ko­lA und sein dys­to­pisChes Zu­kunfts­mÄrChen „WhAt HAp­pe­n­ed to Mon­dAy?“

Peiner Allgemeine Zeitung - - Kino - VON MAT­THI­AS HALBIG

Die jun­ge Frau macht sich fer­tig fürs Bü­ro. Ih­re Haut ist milch­weiß, das Haar ra­ben­schwarz, ih­re Lip­pen sind kir­schrot. So weit man das in der Mas­se der Men­schen aus­ma­chen kann, ist sie auch die Schöns­te im gan­zen Land. Nur gibt es die­ses Schnee­witt­chen nicht ein-, son­dern sie­ben­mal.

Sie­ben­lin­ge in ei­nem Staat, in dem ei­ne Ein-Kind-Po­li­tik herrscht. Die wird von Ni­colet­te Cay­man (Glenn Clo­se) durch­ge­setzt, der Che­fin des Child Al­lo­ca­ti­on Bu­reau, die über­zäh­li­gen Nach­wuchs in ei­nen kryo­ni­schen Schlaf schickt, um sie der­einst in ei­ner nicht mehr über­völ­ker­ten Welt auf­zu­tau­en. Ei­ne bö­se Ideo­lo­gin, die bö­se Kö­ni­gin oder bes­ser bö­se Prä­si­den­tin wer­den möch­te.

Der Nor­we­ger Tom­my Wir­ko­la („Hän­sel & Gre­tel – He­xen­jä­ger“), kommt nicht los von den Ge­brü­dern Grimm. In sei­ner dys­to­pi­schen Zu­kunfts­mär „What Hap­pe­n­ed to Mon­day?“gibt es auch ei­nen (bis zu­letzt gna­den­lo- sen) Jä­gers­mann und ei­nen Prin­zen (zu­min­dest prin­zen­haft im Tun). Als – ein­zi­ger – hilf­rei­cher Zwerg wä­re der Opa der sie­ben Schwes­tern (Wil­lem Da­foe) zu er­wäh­nen. Er bringt sei­ne ster­bens­kran­ke Toch­ter heim­lich zur Ent­bin­dung, lässt de­ren Töch­ter von sei­nen Tel­ler­chen es­sen, zieht sie in ei­nem Ver­steck auf bis zum Schul­al­ter.

Da­nach dür­fen Mon­day, Tu­es­day, Wed­nes­day und so fort je­weils an dem Wo­chen­tag, nach dem sie be­nannt sind, nach drau­ßen – im­mer nur ei­ne, im­mer un­ter der of­fi­zi­ell re­gis­trier­ten Iden­ti­tät von Ka­ren Sett­man. Sie müs­sen ih­re Er­leb­nis­se abends den an­de­ren mit­tei­len, da­mit die­se An­schluss­feh­ler ver­mei­den. So wer­den sie groß, blei­ben un­ent­deckt, bis ei­nes Mon­tags Mon­day nicht mehr heim kommt. Was ist ihr wi­der­fah­ren? Ist das ei­ne Fal­le?

Noo­mi Ra­pace be­wäl­tigt ih­re Sie­ben­er­rol­le sou­ve­rän- spielt die trot­zi­ge Schwes­ter, die an­ge­pass­te, die blon­de, schein­bar ober­fläch­li­che Sex­bom­be, den Com­pu­ter­nerd und so wei­ter. Als Cay­mans Hä­scher zu­grei­fen – Glenn Clo­se ist ei­ne Mi­schung aus He­xe und BDM-Wal­kü­re –, er­wei­sen sich die Schnee­witt­chen frei­lich als wehr­haft wie Ku­ro­sa­was sie­ben Sa­mu­rai. Ob der ver­bli­che­ne Opa all die Jah­re auf Mar­ti­al-Arts-Trai­ning Wert leg­te, oder es im Ac­tion­ki­no ein­fach so ist wie in dem Carl-Dou­glas-Ol­die – „(Ever­y­bo­dy was) Kung-Fu Fight­ing“– , sei da­hin­ge­stellt. Aber wie­wohl der Film in der Fol­ge viel Ge­fecht und Kra­wall zeigt, bleibt er doch fest in sei­ner fins­te­ren Sphä­re.

Bis er dann mit ei­nem En­de auf­war­tet, das fast so grim­mig ist wie das von Richard Flei­schers „Jahr 2022 ...“(1973). Auf die al­te Mär­chen­schluss­flos­kel „Und wenn sie nicht ge­stor­ben sind“soll­te man nicht ver­trau­en.

Re­gie: Tom­my Wir­ko­lA, 123 Mi­nu­ten, FSK 16

FO­TO: SPLENDID

Im feind­li­chen Le­ben: Mon­day (Noo­mi Ra­pace) muss sich vor der ri­go­ro­sen Ein-Kind-Po­li­tik des Staa­tes ver­ste­cken.

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