Fal­scher Erich: „Vor­wärts im­mer!“

Peiner Allgemeine Zeitung - - Kino - VON JÖRG BRAN­DES

Ost­ber­lin, ei­nen Mo­nat vor dem Mau­er­fall: Staats­schau­spie­ler Ot­to Wolf (Jörg Schütt­auf) probt mit Kol­le­gen an ei­nem nicht ge­neh­mig­ten Stück, in dem er Erich Hone­cker mimt. Toch­ter An­ne (Jo­se­fi­ne Preuß) will sich mit­hil­fe des jun­gen Po­li­tak­ti­vis­ten Au­gust (Ja­cob Mat­schenz) ei­nen West­pass zwecks „Rüber­ma­chen“be­sor­gen. Da­zu fährt sie mit ihm so­wie Freund Mat­ti (Marc Ben­ja­min) im Schlepp­tau nach Leip­zig, wo Au­gust auf der De­mo am 9. Ok­to­ber 1989 heim­lich fil­men will. Als ihr Va­ter hört, dass auf die Pro­test­ler ge­schos­sen wer­den soll, will er sich als Hone­cker ins Zen­tral­ko­mi­tee ein­schlei­chen, den Be­fehls­wi­der­ruf ins Te­le­fon nu­scheln und ver­schwin­den.

Wie wir heu­te wis­sen, wur­de da­mals nicht ge­schos­sen. Die Be­grün­dung, die „Vor­wärts im­mer!“da­für fin­det, weckt un­wei­ger­lich Er­in­ne­run­gen an die bit­ter­bö­se Ver­wechs­lungs­ko­mö­die „Sein oder Nicht­sein“, in der ei­ne als Na­zis ver­klei­de­te pol­ni­sche Schau­spie­ler­trup­pe die deut­schen Be­sat­zer narr­te. Fran­zis­ka Me­letz­kys Film kann sich frei­lich nicht mit Ernst Lu­bitschs Klas­si­ker mes­sen, der noch wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges ent­stand. Da­zu greift er zu häu­fig auf rei­nen Kla­mauk zu­rück.

Dem ge­gen­über ste­hen Sze­nen von bril­lan­ter Dop­pel­bö­dig­keit. Und wenn der fal­sche Hone­cker doch auf den von sei­ner Jagd vor­zei­tig zu­rück­ge­kehr­ten ech­ten trifft, wird’s noch ein­mal rich­tig schön ab­surd.

Re­gie: FrAn­zis­kA Me­letz­ky, 90 Mi­nu­ten, FSK 12

FO­TO: DCM

Rie­sen­thea­ter: Alex­an­der Schu­bert und Jörg Schütt­auf.

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