Par­tei­en wol­len den Ab­schied aus Bonn

Neu­er Bun­des­tag soll das Bonn-Ber­lin-Ge­setz kip­pen - mög­li­ches Ja­mai­ka-Bünd­nis be­kommt Un­ter­stüt­zung

Peiner Allgemeine Zeitung - - Tagesthemen - VON DIE­TER WONKA

BER­LIN. Ei­ne mög­li­che Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on ste­he für Mo­der­ni­sie­rung und für Mut, sa­gen Prot­ago­nis­ten aus Uni­on, FDP und Grü­nen. In ei­ner Fra­ge wer­den sie da­bei aus­drück­lich von Spit­zen­po­li­ti­kern der Lin­ken und der SPD un­ter­stützt: Al­le zu­sam­men for­dern ge­gen­über dem Re­dak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land (RND) vom neu­en Bun­des­tag und der nächs­ten Ko­ali­ti­on ei­ne Initia­ti­ve, um das Bonn-Ber­lin-Ge­setz zu kip­pen.

Die seit 1994 gel­ten­de Auf­tei­lung der Bun­des­mi­nis­te­rin zwi­schen Bonn und Ber­lin ha­be sich längst über­lebt, sag­ten die Wirt­schafts- und Haus­halts­ex­per­ten von Uni­on, SPD, FDP, Link­s­par­tei und Grü­nen. „Es wird Zeit, das nicht mehr zeit­ge­mä­ße Bon­nBer­lin-Ge­setz auf den Prüf­stand zu stel­len“, be­ton­te der CSU-Haus­halts­ex­per­te Alois Rai­ner. Sein Kol­le­ge von der SPD, Jo­han­nes Kahrs, for­der­te die neue Ko­ali­ti­on auf, „ei­nen Pro­zess in Gang zu set­zen, der ei­nen Um­zug der bis­lang in Bonn ver­blie­be­nen Mi­nis­te­ri­en vor­sieht“. Als Kom­pro­miss und Ent­schä­di­gung für Bonn schlug Kahrs vor, der frü­he­ren Bun­des- haupt­stadt „ei­ne auf Zeit an­ge­leg­te Ent­schä­di­gung zu zah­len“. Der CDU-Wirt­schafts­ex­per­te Micha­el Fuchs stell­te schlicht fest, das bis­he­ri­ge Haupt­stadt-Ge­setz sei „ein teu­rer Blöd­sinn hoch drei“.

Für die FDP sag­te de­ren stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der Wolfgang Ku­bi­cki dem RND: „Es ist höchs­te Zeit, al­le Mi­nis­te­ri­en in Ber­lin zu kon­zen­trie­ren. Die Be­fürch­tung, wir könn­ten aus dem Os­ten über­rannt wer­den und des­we­gen müss­ten ei­ni­ge Leu­te im si­che­ren Bonn blei­ben, hat mit der Wirk­lich­keit nichts mehr zu tun.“

Die Lin­ken-Haus­halts­ex­per­tin Ge­si­ne Lötzsch for­der­te ei­ne rasche Ko­ali­ti­ons­in­itia­ti­ve. „Es wird höchs­te Zeit, den Bonn-Anachro­nis­mus zu be­en­den.“Es ge­be vie­le gu­te Ide­en, wie die­se Tei­lungs­kos­ten von über 7 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr für sinn­vol­le­re Pro­jek­te aus­ge­ge­ben wer­den könn­ten.

Für die Grü­nen er­klär­te de­ren Wirt­schafts­fach­mann im Bun­des­tag, Die­ter Jan­ecek: „Vie­le gu­te Grün­de spre­chen für ei­nen ge­ord­ne­ten Um­zug der rest­li­chen Mi­nis­te­ri­en nach Ber­lin.“Die neue Ko­ali­ti­on soll­te des­halb „ei­nen Rea­li­tät­scheck“ver­ein­ba­ren. AfD-Frak­ti­ons­chef Alex­an­der Gau­land ließ auf An­fra­ge er­klä­ren, er ha­be für ei­ne Stel­lung­nah­me kei­ne Zeit.

Der­zeit ha­ben noch sechs Mi­nis­te­ri­en (Ver­tei­di­gung, Jus­tiz, Wis­sen­schaft, Ent­wick­lung, Land­wirt­schaft, Um­welt) ih­ren ers­ten Di­enst­sitz in Bonn. Al­le an­de­ren Res­sorts sind noch mit per­so­nal­in­ten­si­ven Au­ßen­stel­len am Rhein ver­tre­ten. Al­ler­dings gibt es ei­ne wach­sen­de Ten­denz, dass in Bonn in ers­ter Li­nie äl­te­re Re­gie­rungs­be­diens­te­te ver­blei­ben, wäh­rend es den dy­na­mi­schen Teil der Be­am­ten und Mit­ar­bei­ter in die Ent­schei­dungs­me­tro­po­le an der Spree drängt, auch der Kar­rie­re we­gen.

Von den rund 18 000 Re­gie­rungs­ar­beits­plät­zen ent­fal­len auf Bonn noch 6500 Stel­len. Laut Re­gie­rungs­be­richt be­lau­fen sich die Kos­ten der Re­gie­rungs­auf­tei­lung auf jähr­lich rund 7,4 Mil­lio­nen Eu­ro, gut 60 Pro­zent da­von ent­fal­len auf Rei­se­kos­ten für die pen­deln­den Be­am­ten.

Den Ti­tel „Bun­des­stadt“kann Bonn gern be­hal­ten – die ver­blie­be­nen sechs Mi­nis­te­ri­en soll die Stadt am Rhein aber mög­lichst bald her­ge­ben. So zu­min­dest se­hen es im­mer mehr Po­li­ti­ker al­ler gro­ßen Par­tei­en. Die Auf­tei­lung der Haupt­stadt­funk­ti­on gilt mitt­ler­wei­le als über­holt.

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