Sturm wir­belt Han­no­ver durch­ein­an­der

Bäu­me stür­zen auf Au­tos, Cha­os am Haupt­bahn­hof, Strom­aus­fäl­le le­gen Stadt­bah­nen lahm

Peiner Allgemeine Zeitung - - Hannover - VON MA­NU­EL BEH­RENS

Drei­ein­halb Wo­chen nach „Xa­vier“ist am Sonn­tag mit „Her­wart“der nächs­te Sturm über Han­no­ver ge­fegt. Für Rei­sen­de am Haupt­bahn­hof wur­de das Sturm­tief zur Ge­dulds­pro­be: Der S-Bahn-, Nah- und vor al­lem der Fern­ver­kehr wur­den ab 6.45 Uhr am Sonn­tag si­cher­heits­hal­ber ein­ge­stellt.

Zu den War­ten­den ge­hör­te auch der 20-jäh­ri­ge Oleg Mi­su­na aus der Ukrai­ne. Mit sei­ner Freun­din hat­te er sich sei­nen ers­ten Auf­ent­halt in Han­no­ver an­ders vor­ge­stellt. Auf ei­nen Stadt­spa­zier­gang bei kal­tem Re­gen und star­ken Bö­en hat­te das Paar kei­ne Lust. Statt­des­sen rei­hen sich die bei­den not­ge­drun­gen in die Schlan­ge vor dem In­fo- schal­ter der Bahn ein: „Wir ha­ben Fahr­kar­ten für ei­nen Zug nach Ber­lin – aber das wird wohl erst mal nichts.“An Gleis 9 hat­te die Bahn ei­nen Ho­tel­zug für war­ten­de Rei­se­gäs­te be­reit­ge­stellt.

Selbst der S-Bahn-Ver­kehr war von der Stre­cken­sper­rung be­trof­fen. Be­reits am Vor­mit­tag wur­den je­doch die Stre­cken der Li­ni­en S1, S2 und S4 wie­der frei­ge­ge­ben.

Auch Fahr­gäs­te der Stadt­bah­nen muss­ten sich am Sonn­tag mehr­fach in Ge­duld üben: Gleich zwei­mal wa­ren Gleich­richt­wer­ke – An­la­gen zur Um­wand­lung von Wech­sel­span­nung in Gleich­span­nung – aus­ge­fal­len, was zum Still­stand auf meh­re­ren Li­ni­en führ­te. Am Nach­mit­tag fie­len die Li­ni­en 3, 7, 9 und 17 für knapp zwei St­un­den aus. Ob das Sturm­tief schuld am Ver­sa­gen der Span­nungs­wer­ke war, sei laut Udo Iwan­neck von der Üs­tra „vor­stell­bar“.

Die Feu­er­wehr Han­no­ver hat­te der­weil ei­nen deut­lich ent­spann­te­ren Ar­beits­tag als bei Sturm „Xa­vier“: Wa­ren am 5. Ok­to­ber mehr als 300 Ein­sät­ze ein­ge­gan­gen, muss­ten die Kräf­te im Stadt­ge­biet nur 16-mal aus­rü­cken. Größ­ten­teils han­del­te es sich hier­bei um her­ab­ge­stürz­te Äs­te und durch den Wind ge­lös­te Dach­zie­gel.

An der Mat­thäi­kirch­stra­ße in Han­no­ver-Wül­fel fiel ein Baum auf meh­re­re Au­tos. Be­son­ders är­ger­lich: Ei­ner der Wa­gen war nach An­ga­ben des Be­sit­zers gera­de ein­mal ein paar Ta­ge alt. Auch in der Stra­ße am Stö­cke­ner Bach kipp­te ein gro­ßer Baum um und be­schä­dig­te ei­nen ab­ge­stell­ten Au­di Q7.

In Laat­zen fiel ein Baum auf drei Au­tos. Ein Ver­kehrs­schild aber mil­der­te die Wucht des Auf­pralls, so­dass laut Feu­er­wehr nur ein ge­rin­ger Scha­den ent­stand. In den Au­tos saß oder fuhr nie­mand. Der Flug­ver­kehr in Lan­gen­ha­gen war nicht be­trof­fen. Ob­wohl „Her­wart“Sonn­tag­nach­mit­tag ab­schwäch­te, rät die Feu­er­wehr zur Vor­sicht: In Wäl­dern könn­ten wei­ter lo­se Äs­te ei­ne Ge­fahr dar­stel­len.

Wir ha­ben Fahr­kar­ten für ei­nen Zug nach Ber­lin – aber das wird wohl erst mal nichts.

Oleg Mi­su­na, Rei­sen­der der Bahn

FO­TO: DILLENBERG

Voll im Ein­satz: An der Mat­thäi­kirch­stra­ße in Han­no­ver-Wül­fel fiel ein Baum auf meh­re­re Au­tos.

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