Hukl-Büh­ne be­scher­te mit Lo­ri­ots hei­ler Welt Bauch­weh vor La­chen

Den All­tags­wahn­sinn mit Hei­ter­keit be­siegt: Pu­bli­kum schlug sich teil­wei­se brül­lend auf die Schen­kel

Peiner Allgemeine Zeitung - - Peine - VON UL­RICH JASCHEK

Herr Mül­ler-Lü­den­scheid, Frau Hop­pen­stedt, und die Lot­to­ge­winn-Le­gen­de Er­win Lin­de­mann: Lo­ri­ot, der Gott­va­ter des deut­schen Hu­mors mit dem fran­zö­si­schen Künst­ler­na­men hat die­se und sei­ne vie­len an­de­ren geis­ti­gen Kin­der un­sterb­lich ge­macht. Der­art un­aus­lösch­lich, dass er da­mit seit Jah­ren die Hukl-Mi­men aus Vöhrum mit ih­rem In­ten­dan­ten Hu­bert Klin­ke zu den ab­sur­des­ten und gro­tes­kes­ten Büh­nen­leis- tun­gen mo­ti­viert hat. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass sich die Lai­en­trup­pe aus dem un­er­schöpf­li­chen lo­ri­ot­schen Fun­dus wie­der ihr ganz per­sön­li­ches „Best of“her­aus­ge­pickt hat, um so­wohl den Meis­ter zu eh­ren als auch die Stü­cke gleich drei­mal vor völ­lig aus­ver­kauf­tem Vöhru­mer Dorf­ge­mein­schafts­haus zu prä­sen­tie­ren.

Nun sind Lo­ri­ots gran­dio­se All­tags­miss­ver­ständ­nis­se auch noch sechs Jah­re nach sei­nem Tod im geis­ti­gen All­ge­mein­gut ver­an­kert, dass es ei­nes Stich­wor­tes be­darf, um die Zu­schau­er an die klei­nen Sket­che zu er­in­nern. Ei­ne si­che­re Bank al­so für Ge- schich­ten wie „Ko­sa­ken­zip­fel“, „Bet­ten­kauf“oder „Lin­de­manns Lot­to­ge­winn“.

Das Pu­bli­kum ki­cher­te zu­frie­den vor sich hin, lach­te be- seelt oder hau­te sich brül­lend auf die Schen­kel. Er­staun­lich war da­bei nicht nur die schau­spie­le­ri­sche Wand­lungs­fä­hig­keit der Vöhru­mer Lai­en, son­dern auch ih­re ste­te Selbst­be­herr­schung und die Fair­ness, auch bei to­ben­dem Pu­bli­kum nicht zu über­zeich­nen oder als wo­mög­lich be­son­ders ta­len­tier­ter Büh­nen­laie sei­ne Kol­le­gen an die Wand zu spie­len. Und dies ge­schah al­les, oh­ne die ur­sprüng­li­che Bot­schaft des Hu­mo­ris­ten zu be­ein­träch­ti­gen – näm­lich dem All­tags­wahn­sinn mit ei­nem feinnur sin­nig-hei­te­ren Ge­gen­ent­wurf zu be­geg­nen.

Wäh­rend flei­ßi­ge Büh­nen­hel­fer in den Um­bau­pha­sen ih­re ein­ge­spiel­ten Hand­grif­fe prä­sen­tier­ten, be­wies der in­zwi­schen 82 Jah­re al­te Klin­ke als Con­fé­ren­cier nach wie vor nicht nur En­ter­tai­ner-Ta­len­te, son­dern bau­te spon­tan sei­nen un­ge­plan­ten Kampf mit der Mi­kro­fon­tech­nik so ge­schickt in die Auf­füh­rung ein, dass das Pu­bli­kum schon prus­te­te, wenn er mit dem Mi­kro­fon vor den ge­schlos­se­nen Vor­hang trat. Kom­pli­ment!

Na­tür­lich ließ er es sich als Hukl-Grün­der nicht neh­men, sei­ne Qua­li­tä­ten in der Ba­de­wan­ne („Her­ren im Bad“) zu prä­sen­tie­ren oder ge­mein­sam mit Hukl-Ur­ge­stein Ger­da Pen­ke, mit der er im kom­men­den Jahr üb­ri­gens ge­mein­sam 170. Ge­burts­tag fei­ern will, über das Vier­ein­halb-Mi­nu­ten-Ei zu phi­lo­so­phie­ren.

Lei­der hat es am Sams­tag ei­nen Zwi­schen­fall ge­ge­ben. Beim Aus­stei­gen aus der Ba­de­wan­ne ist Klin­ke aus­ge­rutscht und hat sich ver­letzt. Er wur­de ins Kran­ken­haus ge­bracht, es geht ihm dem Um­stän­den ent­spre­chend gut.

Hu­bert Klin­ke ist Sams­tag beim Sketch „Her­ren im Bad“aus der Wan­ne ge­fal­len – es geht ihm wie­der bes­ser.

FO­TOS: THO­MAS FREI­BERG

Bauch­schmer­zen vor La­chen: Je­der Lo­ri­ot-Sketch wur­de mit Fi­nes­se zu ei­nem klei­nen Meis­ter­werk.

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